Rotlichtverstöße von Radfahrern: Eine Analyse der Unfallstatistik

Wer bleibt bei Rot stehen? Eine aktuelle Auswertung des ADAC zeigt, wie oft rote Ampeln ignoriert werden. Eine Studie zeigt: Die Zahl der Verstöße ist hoch. Leider erleben wir täglich Verstöße im Straßenverkehr, beispielsweise, wenn das Lichtsignal Rot zeigt.

Für eine ADAC-Erhebung wurde an jeweils vier vielbefahrenen Kreuzungen in Berlin, Hamburg, Köln, Leipzig und München das Verhalten von über 66.000 Verkehrsteilnehmern anonymisiert beobachtet. In den fünf Großstädten Köln, Berlin, Hamburg, Leipzig und München analysierte der ADAC das Verhalten von Fußgängern, Rad-, E-Scooter- und Autofahrern. Dafür wurden je vier Kreuzungen pro Stadt unter die Lupe genommen: Mithilfe eines KI-gestützten Kamerasystems.

Der Automobilclub Mobil in Deutschland e.V. wollte es genau wissen und führte an einem Tag im Juni 12 Stunden lang eine Verkehrszählung durch. Der mehrfach ausgezeichnete Automobilclub beobachtete für volle zwölf Stunden den Verkehr und eine Ampel an der Arnulfstraße in München. Von 7.00 Uhr bis 19.00 Uhr wurde das Verkehrsgeschehen aufgezeichnet.

Ergebnisse der ADAC-Erhebung

Das Ergebnis: 2.833 Mal wurde das Rotlicht missachtet - etwa vier Prozent hielten sich also nicht an die Vorschrift. 2.833 Mal wurde das Rotlicht auf jeden Fall missachtet - etwa vier Prozent der Verkehrsteilnehmer hielten sich also nicht an die Vorschrift.

Besonders auffällig war die zahlenmäßig kleinste Gruppe (338) der Fahrer von E-Scootern. Mehr als 14 Prozent der Nutzer der E-Tretroller überfuhren demnach rote Ampeln. 8,5 Prozent der Fußgänger (16.827) verstießen gegen die Regel, knapp gefolgt von rund 8 Prozent der Radfahrer (9.520). Kfz-Fahrer (39.473) hielten sich mit lediglich 1,6 Prozent an Verstößen am häufigsten an das Haltesignal.

In Köln waren es meistens Fußgänger, die roten Ampeln missachteten, 8,5 Prozent um genau zu sein. Dafür fuhren dort deutlich weniger Menschen mit E-Scootern oder Fahrrädern über Rot. Autofahrer fuhren dagegen in allen Städten anteilsmäßig weniger über Rot als andere Verkehrsteilnehmer.

Der Automobilclub Mobil in Deutschland e.V. wollte es genau wissen und führte an einem Tag im Juni 12 Stunden lang eine Verkehrszählung durch. Das erschreckende Ergebnis: 133 Personen und damit ganze 6,4% der gezählten Fahrradfahrer fuhren innerhalb eines Tages über eine rote Ampel. Dies entspricht jedem 16.

Als einer der schwächsten Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr gelten die Fahrradfahrer. Von insgesamt 2.089 gezählten Fahrradfahrern fuhren in der benannten Zeit 133 Personen über Rot.

Bußgelder und Strafen

Laut ADAC-Berechnungen wären bei einer Ahndung der gesamten Verstöße rund 158.000 Euro Bußgeld und 164 einmonatige Fahrverbote verhängt worden. Immerhin liegt das Bußgeld für den einfachen Rotlichtverstoß für Fahrradfahrer bei 60 Euro und einem Punkt. Werden andere Verkehrsteilnehmende dabei gefährdet, sind es 100 Euro und mit Unfall oder Sachbeschädigung werden Fahrradfahrer mit bis zu 180 Euro zur Kasse gebeten. Zusätzlich erhalten sie einen Punkt.

Bei Autofahrern sieht das anders aus. Bei Rot über die Ampel zu fahren, ist alles andere als ein Kavaliersdelikt. Gerade ein qualifizierter Rotlichtverstoß, bei dem die Ampel schon länger als eine Sekunde auf Rot stand, erhöht die Unfallgefahr enorm.

Unfallrisiko und Ursachen

Das unerlaubte Überqueren eines roten Lichtsignals ist wohl in jedem Fall eines der gefährlichsten Vergehen. Die Beachtung der Verkehrsregeln auf den Straßen ist von immens großer Bedeutung, damit die verschiedenen Verkehrsträger gemeinsam existieren können und Unfälle vermieden werden.

„Verkehrssicherheit und gegenseitige Rücksicht gehen miteinander einher und sollten für alle Verkehrsteilnehmenden selbstverständlich sein. Dazu gehört auch die Regeltreue an Ampelkreuzungen. Wer Rotsignale missachtet, gefährdet sich und andere.

Demnach passieren 42 Prozent aller tödlichen Radunfälle außerhalb geschlossener Ortschaften. Im vergangenen Jahr gab es dort 2996 Schwerverletzte und 189 Tote. Oder anders gesagt: Jeden Tag werden auf Deutschlands Landstraßen acht Radler schwer verletzt, etwa jeden zweiten Tag stirbt einer.

„Das Hauptproblem ist, dass Radfahrende auf Landstraßen immer wieder übersehen werden“, wird UDV-Leiterin Kirstin Zeidler in der Pressemitteilung zur Studie zitiert. Denn der häufigste Grund für schwere Radunfälle außerorts ist, dass Autos mit Fahrrädern zusammenstoßen (41 Prozent). Und in mehr als der Hälfte dieser Fälle sind die Autofahrer auch schuld (59 Prozent).

Oft fuhren diese bei schlechten Sichtverhältnissen, etwa wegen Nässe, Dämmerung und dem Schatten von Bäumen, von hinten auf die Radfahrer auf. Auch an Kreuzungen kommt es der Studie zufolge häufig zu Zusammenstößen. Bei jenen mit tödlichem Ausgang sind die Radfahrer jedoch meist selbst Verursacher, beispielsweise weil sie einem Auto die Vorfahrt nehmen.

Die Unfallstatistik zeigt, dass diese Situation risikoreich ist. Unfälle oder Fast-Unfälle ereigne hier häufig.

Forderungen und Maßnahmen

Der ADAC fordert konsequente Ampelkontrollen. Vor diesem Hintergrund forderte der Mobilitätsclub konsequente Ampelkontrollen: "Denn nur dann ist eine Verhaltensänderung zu erwarten." Der ADAC verwies in seiner Mitteilung auf Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes aus 2023: Deutschlandweit seien damals 327.230 Rotlichtverstöße registriert worden, bei denen rund 10.000 Menschen verletzt oder getötet wurden.

Roman Suthold, Verkehrsexperte des ADAC Nordrhein, erklärt: Die Zahl der Rotlichtverstöße ist viel zu hoch. Eine der einfachsten Verkehrsregeln, bei einer roten Ampel stehenzubleiben, scheint zunehmend an Bedeutung zu verlieren."Verkehrsregeln und die StVO müssen für alle gelten. Nicht nur für die Autofahrer. Dies gilt umso mehr, wenn es in Städten immer mehr Unfälle, Tote und Verletzte bei Fahrradfahrern gibt. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

ADFC-Geschäftsführer Burkhard Stork. Das sind laut ADFC vor allem Autofahrer. Etwa zwei Drittel aller Radunfälle seien nämlich Kollisionen mit dem Auto, so ADFC-Chef Stork. "Wir brauchen sofort mehr Tempo 30 in den Städten, schnelle Ausbauprogramme für geschützte Radwege an Hauptachsen - und vor allem geschützte Kreuzungen", fordert Stork daher.

Als Signal für die Zweiradförderung hat das Verkehrsministerium vergangenes Wochenende erste Ergebnisse einer Online-Befragung zum neuen Nationalen Radverkehrsplan veröffentlicht. Jeder dritte der rund 2.400 Teilnehmer ist von der schlechten Rad-Infrastruktur genervt.

Sicherheit ist nach eigenem Bekunden auch dem Verkehrsminister wichtig. "Mit klaren Regelungen stärken wir den Radverkehr und sorgen dafür, dass das Radfahren zügig spürbar attraktiver und sicherer wird", kündigte Andreas Scheuer (CSU) in diesem Sommer an. Neben diversen Radl-Kampagnen und PR-Aktionen stellt sein Ministerium 160 Millionen für den Radverkehr zur Verfügung. Wie wenig das ist, zeigen die Ausgaben für Autobahnen und Bundesstraßen: Sie liegen bei 10,8 Milliarden Euro.

Ergebnisse aus Hannover, Braunschweig und Magdeburg

Auf der Suche nach Antworten haben wir uns vier Verkehrsknotenpunkte in jeweils vier Städten (Hannover, Braunschweig, Magdeburg, Halle (Saale)) angesehen und erfasst, wie viele Verstöße es im morgendlichen Berufsverkehr gibt.

In der Landeshauptstadt Hannover wurden am 8. Juni 2023 zwischen 7 und 10 Uhr bei leicht bewölktem bis sonnigem Wetter (14 - 21 °C) die folgenden vier Knotenpunkte, meist stadteinwärts, untersucht:

  • Herrman-Bahlsen-Allee/ Klingerstraße/ Groß-Buchholzer Straße
  • Werderstraße/ Vahrenwalder Straße
  • Celler Straße/ Hamburger Allee
  • Geibelstraße/ Hildesheimer Straße

Insgesamt wurden während des Erhebungszeitraums an allen vier Knotenpunkten 455 Rotlichtverstöße (RLV) ermittelt. Wären die Rotlichtverstöße geahndet worden, hätte sich eine Bußgeldsumme von 71.200 Euro ergeben, zuzüglich 730 Punkten in Flensburg.

Die 455 Rotlichtverstöße in Hannover konnten wie folgt den jeweiligen Verkehrsmitteln zugeordnet werden. So ergibt sich folgendes Ranking für den entsprechenden Rotlichtverstoß-Anteil:

Rang Verkehrsmittel Anzahl RLV Verkehrsteilnehmende Anteil
1 Scooter-Fahrende 6 20 30 Prozent
2 Fußgehende 73 310 23,5 Prozent
3 Radfahrende 225 1.283 17,5 Prozent
4 Kfz-Fahrende 147 4.400 3,3 Prozent
5 Sonstige 4 93 3,3 Prozent
Insgesamt 455 6.022

In Braunschweig wurden am 13. Juni 2023 zwischen 7 und 10 Uhr bei leicht bewölktem bis sonnigem Wetter (13 - 21 °C) die folgenden vier Knotenpunkte jeweils in der Fahrtrichtung stadteinwärts untersucht:

  • Siegfriedstraße/ Guntherstraße
  • Gliesmaroder Straße/ Hagenring
  • Theaterwall/ Fallersleber Straße
  • Sonnenstraße/ Güldenstraße

Insgesamt wurden während des Erhebungszeitraums an allen vier Knotenpunkten 266 Rotlichtverstöße (RLV) ermittelt. Wären die Rotlichtverstöße geahndet worden, hätte sich eine Bußgeldsumme von 44.620 Euro ergeben zuzüglich 454 Punkten in Flensburg.

In der Landeshauptstadt Magdeburg wurden am 21. Juni 2023 zwischen 7 und 10 Uhr bei leicht bewölktem bis sonnigem Wetter (14 - 25 °C) die folgenden vier Knotenpunkte jeweils in der Fahrtrichtung stadteinwärts untersucht:

  • Albert-Vater-Straße/ Robert-Koch-Straße
  • Breiter Weg/ Danzstraße
  • Halberstädter Straße/ Carl-Miller-Straße
  • Leipziger Chaussee/ Salbker Str.

Insgesamt wurden während des Erhebungszeitraums an allen vier Knotenpunkten 238 Rotlichtverstöße (RLV) ermittelt. Gesondert betrachtet werden müssen die 144 RLV der Radfahrenden, die 47 Haltelinienverstöße beinhalten.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0