Radfahrer zeigt Landwirt an: Konflikte zwischen Landwirtschaft und Freizeitnutzung

Die Region um den Tachinger See im Landkreis Traunstein (Oberbayern) ist ein beliebtes Ausflugsziel für Radfahrer und Spaziergänger. Doch das vermehrte Aufkommen der Tagesausflügler ist oft zum Leid der ansässigen Landwirtinnen und Landwirte. Denn nicht alle Freizeitsuchenden haben Verständnis für die Arbeit in der Land- und Forstwirtschaft.

Anfeindungen im Alltag

Einer dieser Landwirte, der leider häufig Anfeindungen im Alltag erdulden muss, ist Johann Steiner. Wie Landwirt Johann Steiner im Video erzählt, komme es besonders häufig zu Anfeindungen durch Spaziergänger, wenn er auf seinen Feldern Gülle ausbringe. Nicht selten würden sich die vorbeigehenden Leute demonstrativ die Nase zuhalten oder eine Faust zeigen.

Wie Steiner der Hofgeflüster-Moderatorin Steffi Heiß im Video berichtet, habe sich ein Mann sogar schon einmal vor seinem Traktor auf die Weise gelegt, um seinen Unmut über das Gülleausbringen zum Ausdruck zu bringen. Der Landwirt musste sich für seine Arbeit bei ihm rechtfertigen. Wie er weiter erzählt, habe er für solche Aktionen kein Verständnis. Auch beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln komme es laut Steiner oft zu Anfeindungen.

Gefährliches Halbwissen sorge dafür, dass viele Spaziergänger davon ausgehen, die Bauern würden „Glyphosat spritzen“. Bauer Johann Steiner wurde das auch schon von Menschen am Feldrand vorgeworfen. Das habe ihn „gescheit geärgert“, wie er im Video erzählt. Er erklärt, dass er in seinem Betrieb schon seit acht Jahren kein Glyphosat mehr verwendet. Den Spaziergängern versuche er dann zu erklären, dass es beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln darum gehe, Unkräuter und Ungräser zu bekämpfen.

Gefahrensituationen im Wald

Auch bei der Waldarbeit komme es im Arbeitsalltag von Landwirt Johann Steiner immer häufiger zu fragwürdigen Situationen mit Radfahrern und Spaziergängern. Denn Steiners Wald liegt direkt am Radrundweg des Tachinger Sees. Der Radweg sei aber zugleich auch die Forststraße. Konflikte seien da vorprogrammiert.

Wie er im Video erzählt, kam es sogar schon einmal zu einer lebensgefährlichen Situation mit einem Radfahrer, wie dieser unter dem laufenden Kran eines Rückewagens durchgefahren sei, ohne den nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten. Die Situation veranschaulichen Steiner und ein befreundeter Landwirt im Video. Beide berichten davon, dass das immer eine psychisch belastende Situation für sie sei.

Damit es erst gar nicht zu einer Gefahrensituation kommt, sollten Fußgänger und Radfahrer in jedem Fall immer Blickkontakt mit dem Maschinenführer aufnehmen. Doch nur wenige würden so bedacht vorgehen. Sogar Absperrbänder oder Warnschilder würden viele Menschen nicht von unüberlegtem Handeln abhalten. Erzählt der Bauer in dem Video. Er spricht auch davon, dass dieses „Phänomen“ schlimmer geworden sei. Früher hätten die Leute mehr mitgedacht, beschreibt er seine persönliche Erfahrung.

Wie er schlussfolgert, hänge das mit der sinkenden Wertschätzung für die Arbeit in der Landwirtschaft zusammenhängen. Der Grund dafür ist laut Steiner, dass es mittlerweile immer weniger landwirtschaftliche Betriebe gebe und vor allem Stadtbewohner „zu weit weg von der Landwirtschaft“ wären. In seinem Ort setzt sich der Landwirt, der auch gleichzeitig BBV-Kreisobmann von Tengling-Taching ist, für mehr Verständnis seines Berufsstandes ein. Im Video erzählt er Moderatorin Steffi Heiß davon, wie er jederzeit gerne allen Fußgängern, Radfahrern, Anwohnern oder Familien mit Kindern seine Arbeit erklärt.

Polizeieinsatz auf dem Feld: Ein Fall aus Schwaben

Am Samstagnachmittag kam es bei Tapfheim-Erlingshofen (Lks. Donau-Ries) in Schwaben zu einer Auseinandersetzung zwischen Landwirt, Radfahrern und der Polizei. In Schwaben fuhr ein Polizeistreife über ein frisch geerntetes Feld. Wegen der Hitze bestand Brandgefahr.

Wie der Landwirt und Leiter eines Getreidevermarktungsbetriebs, Michael Sailer, berichtet, seien seine Mitarbeiter gerade beim Ernten des Dinkelfeldes gewesen, als der Mähdrescherfahrer ein Polizeiauto über das Feld fahrend auf sich zukommen sah. Hintergrund dieser Polizeiaktion war ein Notruf eines Radfahrers. Dieser fühlte sich von dem am Feldrand parkendem LKW gestört. Landwirt Michael Sailer wirft der Polizei Fahrlässigkeit vor: „Das Fahren mit einem PKW über ein Stoppelfeld ist brandgefährlich“, sagt er.

Er berichtet davon, dass in der Region nahezu täglich Feldbrände entstünden und wundert sich über das Handeln der Polizei. Auch am Samstag hätte es 36 Grad gehabt. Die Polizei ist anderer Meinung. Auf Nachfrage bei der zuständigen Polizeiinspektion Donauwörth schildert der Dienststellenleiter, die Entscheidung seiner Kollegen folgendermaßen: „Meine Kollegen sind auf dem Feld zügig zum Mähdrescher gefahren und zügig wieder weg - ohne so lange gestanden zu sein, dass es für eine Entzündung gereicht hätte.“

Die Brandgefahr bei einem stehenden Fahrzeug, mit heißem Katalysator auf einem Feld, sei der Polizei bekannt. Dem Dienststellenleiter zufolge würde auch der Mähdrescher und andere landwirtschaftliche Geräte ohne Gefahr ein Stoppelfeld fahren. Die Beamten seien nur über das Feld gefahren, weil kein Fahrer am LKW anzutreffen war. Laut Landwirt Michael Sailer waren zwei LKWs im Ernteeinsatz: Mit einem fuhr der Fahrer gerade zum Abladen, während der andere vom Mähdrescher vollgetankt wurde.

Der Vorfall zieht aber keine strafrechtlichen Konsequenzen nach sich. Wie der Dienststellenleiter erklärt: „Wir haben davon Gebrauch gemacht, den LKW-Fahrer mündlich zu verwarnen, haben aber von einer kostenpflichtigen Verwarnung abgesehen, weil wir Verständnis für die Arbeit der Landwirte haben.“ In der Regel würde bei Falschparkern mit Verkehrsbehinderung schon ein Verwarngeld verhängt werden. Er könne beide Seiten verstehen. Einerseits müssten die Landwirte auf ihren Feldern arbeiten, andererseits müssten auch Radfahrer ohne Gefahr den Weg passieren können.

Laut Polizei habe sich der Radfahrer sogar über die Notrufnummer „110“ gemeldet und nicht über die Dienststelle. Der Tatbestand war Verkehrsbehinderung mit Parkverstoß. Landwirt Michael Sailer hat trotz der Einschätzung der Polizisten kein Verständnis für die Aktion. Denn auch wenn das Feld sehr groß sei, der Weg und die LKWs seien auch vom anderen Ende des Feldes gut zu sehen.

Laut Sailer hätte sich die Polizei somit auch anderweitig bemerkbar machen können. Zudem habe er seinen Fahrer ausdrücklich schon im Vorhinein gebeten, dass er so parken soll, dass mindestens ein Meter Teerfläche für die Radfahrer frei bleibt. Sailer selbst sei nicht vor Ort gewesen, wurde aber zum Gespräch zwischen Polizei und Fahrer per Telefon dazu geholt. Laut seinem Mitarbeiter seien währenddessen ständig Radfahrer am LKW vorbeigefahren.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0