Fahrradunfälle in Nürnberg: Eine statistische Analyse

Nach Beendigung der Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie normalisiert sich die Mobilität wieder. Dies wirkt sich auch auf die mittelfränkische Verkehrsunfallstatistik aus.

Allgemeine Verkehrsunfallstatistik in Mittelfranken

Im Jahr 2022 registrierte die Polizei auf mittelfränkischen Straßen insgesamt 48.426 Verkehrsunfälle. Im Vergleich zum Vorjahr mit 46.799 Unfällen bedeutet dies einen Anstieg von 3,48%. Durch das Unfallgeschehen wurden insgesamt 8.142 Personen verletzt, was einen Zuwachs um 10,44% zum Vorjahr darstellt (2021: 7.372). Erfreulich ist, dass aber zugleich ein Rückgang um 9,07% zum Jahr vor der Pandemie vorliegt (2019: 8.954). Gernot Rochholz unterstrich zudem, dass die Anzahl der Verkehrstoten auf Mittelfrankens Straßen im Jahr 2022 auf 60 Personen zurückging und somit sieben Menschen weniger als im Vorjahr sowie zugleich auch sieben weniger als im Vergleichsjahr 2019 ihr Leben lassen mussten. Jedoch gilt auch weiterhin für das Polizeipräsidium Mittelfranken, dass jeder Verkehrstote auf unseren Straßen einer zu viel ist!

Unfallursache Nummer 1 bei Verkehrsunfällen mit schwerem Ausgang ist und bleibt weiterhin die Geschwindigkeit, also Verstöße gegen die zulässige Höchstgeschwindigkeit und nicht angepasste Geschwindigkeit. So wurde im Jahr 2022 alleine 2.178 Verkehrsunfälle polizeilich aufgenommen, bei denen die Geschwindigkeit unfallursächlich war. Dies stellt sowohl im Vergleich zum Vorjahr (2021: 2.235) als auch zum Jahr 2019 (2019: 2.812) einen Rückgang dar. Bei derartigen Unfällen verstarben 20 der 60 Verkehrsunfalltoten.

Die Anzahl der alkoholbedingten Verkehrsunfälle stieg auf 629 (+10,16%, 2021: 571, 2019: 588). Gleichzeitig erhöhte sich die Anzahl der hierbei verletzten Personen in einem ähnlichen Verhältnis auf 345 (+11,29%, 2021: 310, 2019: 257). Die Zahl der durch Alkoholunfälle getöteten Menschen stieg auf 4 (+100%, 2021: 2, 2019: 3). Bei Verkehrsunfällen unter der Einwirkung von Drogen wurde eine Zunahme um 28,77% auf 94 Fälle (2021: 73, 2019: 69) verzeichnet. Dies stellt im Vergleich zum Vorjahr erneut eine deutliche Steigerung dar. In 48 dieser Fälle wurden Personen körperlich geschädigt und eine Person musste ihr Leben aufgrund eines Drogenunfalls lassen.

Die Unfallzahl mit Beteiligung von Kindern (Alter bis einschließlich 13 Jahre) stieg im Vergleich zum Vorjahr auf 442 Unfälle an (+25,93%, 2021: 351), bei denen insgesamt 446 Kinder verletzt wurden (+23,55%, 2021: 361). Allerdings muss man berücksichtigen, dass in Relation zu dem Jahr 2019, also vor Corona, sogar eine leicht rückläufige Tendenz um -2,36% bei der Anzahl der Unfälle mit Kindern und ein Rückgang um 55 verletzte Kinder (2019: 501) vorliegt. Erfreulicherweise verstarb im letzten Jahr kein Kind im mittelfränkischen Verkehr.

Radfahrunfälle im Fokus

Ebenso werden die Radfahrunfälle im Jahr 2022 besonders ins Visier genommen. Diese haben einen Stand von 2.547 erreicht, was einen neuen Höchstwert darstellt. Der Zuwachs zum Vorjahr beträgt 15,14% (2021: 2.212) und 11,56% im Vergleich zu 2019 (2019: 2.283). Es wurden dabei 2.398 Radfahrer verletzt (2021: 2.067, 2019: 2.118), wovon wiederum acht Menschen getötet wurden (2021: 7, 2019: 12). Die mittelfränkische Polizei wird auch hier einen Schwerpunkt setzen und insbesondere die Einhaltung von Verkehrsregeln für Radfahrer und Ausrüstungsvorschriften für deren Fahrzeuge kontrollieren, unter anderem durch die unlängst eingerichtete Fahrradgruppe.

Im Jahr 2022 wurden 12.872 Verkehrsunfälle (2021: 12.245) im Stadtgebiet polizeilich aufgenommen, bei denen in Summe 2.531 Personen verletzt (2021: 2.297) wurden und neun Menschen ihr Leben ließen (2021: 5). Diese Werte liegen über dem Niveau aus dem Jahr 2021, sind aber im Vergleich zum Jahr 2019 gesunken. Im Bereich der Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss wurde im Stadtgebiet Nürnberg ein Rückgang um 25 Fälle auf 188 Fälle verzeichnet (-7,03%, 2021: 203). 111 Personen wurden bei derartigen Unfällen verletzt (2021: 117). Unfälle mit der Beteiligung von Kindern wurden in 132 Fällen polizeilich erfasst (2021:120), verletzt wurden hierbei 132 Kinder (2021: 119). Im Vergleich zum Vorjahr stellt dies jeweils eine Steigerung um knapp 10% dar, in Bezug auf das Jahr 2019 blieben die Werte vergleichbar.

Ein besonderes Augenmerk wird, so Lieb, in diesem Jahr auch in Nürnberg auf die Radfahrer gerichtet. Wie im gesamten Regierungsbezirk stiegen auch im Stadtgebiet die Radfahrerunfälle erneut, nun auf einen Wert von 1.011 (2021: 839, 2019: 823) und erreichten somit einen Höchstwert der letzten Jahre. Es wurden 935 Radfahrende verletzt, zwei Personen kamen ums Leben.

Unfallanalyse in Nürnberg (2016-2020)

Die Statistik der polizeilich erfassten Unfälle mit Personenschäden weist für die Jahre 2016 - 2020 insgesamt 10.175 Verkehrsunfälle in Nürnberg aus. In 3.390 Fällen (33,3%) waren Radfahrende beteiligt (2016: 647, 2017: 618, 2018: 736, 2019: 648, 2020: 741). An den 3.390 Unfällen von Radfahrenden sind in erheblichem Maße Kfz (einschließlich Lkw und Krafträder) beteiligt, und zwar in 2.216 Fällen (65,4%). Die Beteiligung von Zufußgehenden an den erfassten Radunfällen war mit 193 (5,7%) relativ gering.

Von den 3.390 Unfällen mit Fahrrad-Beteiligung waren 519 mit Schwerverletzten (15,3%) und 2.861 mit Leichtverletzten (84,4%); bei 10 Unfällen gab es Getötete (davon 6 Unfälle mit Kfz und Fahrrad). Den größten Anteil an den Unfällen mit Radfahrenden hatten Zusammenstöße mit Kfz beim Einbiegen und Kreuzen: 1.470 Fälle. Mit weitem Abstand folgen Zusammenstöße mit entgegenkommenden Fahrzeugen (219 Fälle) und mit seitlich in gleicher Richtung fahrenden Fahrzeugen (200 Fälle).

Unfallschwerpunkte

Örtlich gesehen gibt es im Stadtgebiet durchaus Häufungen. So gab es auf dem 18 km langen B4-Ring mit der bekannt schlechten Infrastruktur 329 Unfälle mit Radfahrenden, davon 232 mit Kfz-Beteiligung (2 Getötete, 55 mit Schwerverletzten und 272 mit Leichtverletzten). Damit entfallen rund 10% der in Nürnberg erfassten Radunfälle auf den B4-Ring. Hier sind Verbesserungen nötig. Im Hinblick auf die Unfallart wurden von den 232 Radunfällen mit Kfz 148 als „Zusammenstoß mit einbiegendem / kreuzendem Fahrzeug“ kategorisiert; ähnlich wurden in der Einteilung nach Unfalltypen 109 als „Abbiegeunfall“ und 77 als „Einbiegen- / Kreuzen-Unfall“ kategorisiert.

Allein auf der 2 Kilometer langen Teilstrecke Jansenbrücke - Maximilianstraße - Nordwestring zwischen Leyher Straße und Schnieglinger Straße wurden 56 Unfälle erfasst, davon 10 an der Kreuzung mit der Fürther Straße und 20 am südwestlichen Ende. Davon waren 43 Unfälle mit Kfz-Beteiligung und davon wiederum 31 Abbiege-/ Einbiegen- / Kreuzen-Unfälle. Ähnliche Probleme sieht man auf der 3 Kilometer langen Strecke Sigmundstraße (ab Rothenburger Straße) bis zur Muggenhofer Straße, die im Abstand von 1,5 km zum Ring verläuft und für viele Radfahrende alternativlos ist, obwohl sie bisher nicht über geeignete Radinfrastruktur verfügt. Hier wurden 45 Radunfälle erfasst, davon 39 mit Kfz-Beteiligung und 36 davon als Abbiege-/ Einbiegen- / Kreuzen-Unfälle.

Positive Beispiele

Man sieht in der Unfallstatistik aber auch, dass auf den gut ausgebauten Radwegen, etwa an der Münchener Straße oder im äußeren südlichen Teil der Regensburger Straße kaum Unfälle registriert sind. Ebenso ist das bei den äußeren Teilen des Pegnitz-Radweges in Richtung Fürth und in Richtung Erlenstegen, oder bei der ausgeschilderten Radroute von Wetzendorf bis hinter den Marienbergpark.

Schlüsse und Empfehlungen für Radfahrer

Die meisten Radfahrten verlaufen unfallfrei. Das gilt besonders auf gut ausgebauten Strecken. Und andererseits: Zwei Radunfälle pro Tag mit Verletzten sind zu viel! - Eine Konsequenz ist: Insbesondere an Kreuzungen und an Ein- und Ausfahrten ist besondere Vorsicht und Umsicht angezeigt. Unfallfreies Fahren hängt zu einem großen Teil von der Verbesserung der Infrastruktur und von mehr Rücksicht der Kfz ab. Das kann man individuell nicht beeinflussen.

Zurück zur Ausgangsfrage: Ja, Radfahren in Nürnberg ist durchaus eine gute Idee. Und mit angemessener Vorsicht auch eine sichere Idee.

Sicherheitsmaßnahmen und Verhaltensempfehlungen

Gleichzeitig wurde durch den Leiter der Abteilung Einsatz nochmals die Bedeutung von Fahrradhelmen hervorgehoben: "Helme verhindern zwar keine Unfälle, schwere Unfallfolgen aber schon.

  • Überprüfung der eigenen Wege: Sichere Varianten wählen und an kritischen Stellen sicheres Fahren einüben.
  • Offensiv-defensives Fahren: Deutlicher Abstand von parkenden Kfz, rechtzeitiges Anzeigen von Fahrtrichtungsänderungen und mittiges Einordnen in Abbiegespuren.
  • Defensives und vorausschauendes Fahren: Um bei Fahrfehlern und heiklen Aktionen von anderen Verkehrsteilnehmern Unfälle zu vermeiden.

Verkehrssicherheit des Fahrrads

Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radfahrende mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen.

Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass du auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden kannst. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

Verhalten im Straßenverkehr

Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Du hast keine Knautschzone - deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radler:in im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmer:innen zu rechnen. Passe deine Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalte dich vorhersehbar, in dem du beispielsweise dein Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halte Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer:innen nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen.

Aktuelle Entwicklungen in Bayern (2024)

Die Bilanz zu Unfällen auf Bayerns Straßen fällt für 2024 durchwachsen aus. Zwar ging die Zahl der Verkehrsunfälle und der Verkehrstoten leicht zurück. Doch bei den tödlichen Radunfällen und den Unfällen unter Drogeneinfluss verzeichnet das Innenministerium ein deutliches Plus, wie Minister Joachim Herrmann (CSU) in Nürnberg mitteilte.

Unfallzahlen im Überblick:

  • Unfälle insgesamt: 381.063 Verkehrsunfälle (Rückgang um zwei Prozent im Vergleich zu 2023)
  • Verletzte: 62.191 (leichter Rückgang)
  • Todesfälle: 495 (vier Verkehrstote weniger als im Vorjahr)
  • Radunfälle: 94 tödliche Unfälle (Anstieg gegenüber 85 im Vorjahr)
  • Unfälle unter Drogeneinfluss: 717 (Anstieg um 27 Prozent)

Um den Radverkehr im Freistaat sicherer zu machen, kündigte Herrmann eine bessere Radinfrastruktur an. Er wiederholte dazu die Ankündigung, bis 2030 gemeinsam mit den Kommunen 1.500 Kilometer neue Radwege schaffen zu wollen. Ein wirksames Mittel für mehr Radl-Sicherheit seien auch die Fahrradstreifen der Polizei.

Die Rolle des ADFC

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 200.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radler:innen in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs.

Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür - auch Dank deiner Mitgliedschaft - nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrenden ein. Für dich hat die ADFC-Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Du kannst egal, wo du mit deinem Fahrrad unterwegs bist, deutschlandweit auf die ADFC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhältst du mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was dich als Radler:in politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben.

Tabelle: Verkehrsunfallstatistik Nürnberg (2016-2020)

Jahr Polizeilich erfasste Verkehrsunfälle Unfälle mit Radfahrerbeteiligung
2016 - 647
2017 - 618
2018 - 736
2019 - 648
2020 - 741
Gesamt (2016-2020) 10.175 3.390

Hinweis: Die Tabelle zeigt einen Überblick über die polizeilich erfassten Verkehrsunfälle mit Radfahrerbeteiligung in Nürnberg zwischen 2016 und 2020. Die Spalte "Polizeilich erfasste Verkehrsunfälle" beinhaltet die Gesamtzahl aller Unfälle, während die Spalte "Unfälle mit Radfahrerbeteiligung" die Anzahl der Unfälle angibt, bei denen Radfahrer involviert waren.

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