Fahrradunfallstatistik in Potsdam: Eine Analyse der Verkehrssicherheit

Radfahren in Potsdam ist nicht immer schön, sondern kann mitunter gefährlich werden. Immer wieder kommt es in Potsdam zu Unfällen mit Radfahrenden.

Die Zahl der Unfälle mit Radfahrern in Potsdam bleibt hoch. Jeden Tag wird mindestens ein Mensch bei solchen Unglücken verletzt. Das zeigt die Unfallstatistik der Potsdamer Polizei für 2023. Demnach wurden im vergangenen Jahr 403 Potsdamer Radfahrer bei einem Unfall verletzt, 16 mehr als noch 2022 - ein Plus von vier Prozent. Dabei haben laut der Polizeistatistik Radfahrer rund 53 Prozent der insgesamt 477 Unfälle verursacht. 2022 waren es noch 60 Prozent.

Wo besondere Gefahrenquellen liegen und wie diese verbessert werden könnten.

Die monatliche Straßenverkehrsunfallstatistik dient der Gewinnung zuverlässiger und bundesweit vergleichbarer Daten zur Verkehrssicherheitslage. Ergebnisse zum Unfallgeschehen sind Grundlage für eine Vielzahl von Maßnahmen im Bereich der Gesetzgebung, der Verkehrserziehung, des Straßenbaus oder der Fahrzeug­technik. Die Statistik hat das Ziel, Strukturen des Unfallgeschehens und Abhängigkeiten zwischen Unfall bestimmenden Faktoren aufzuzeigen.

Radfahren ist nicht nur umweltfreundlich und gesundheitsfördernd, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil des Alltags vieler Menschen. Der 3. Juni steht ganz im Zeichen des Fahrrads - der weltweite Aktionstag hebt die Bedeutung dieses Fortbewegungsmittels hervor. Mit der Beliebtheit des Fahrrads gehen jedoch auch Gefahren im Straßenverkehr einher. Fahrradfahrende werden in Unfälle verwickelt oder verursachen sie sogar. Wie die aktuelle Situation in der Region aussieht, zeigen wir mit diesem Beitrag.

Allgemeine Verkehrsunfallbilanz in Brandenburg

Die Zahl der Verkehrsunfälle in Brandenburg ist im vergangenen Jahr gesunken. Insgesamt wurden 73.543 Unfälle registriert, wie Innenministerin Katrin Lange bei der Vorstellung der vorläufigen Verkehrsunfallbilanz 2024 mit Verkehrsminister Detlef Tabbert und Polizeivizepräsident Jan Müller in Potsdam mitteilte. 2023 wurden noch 74.250 Verkehrsunfälle gezählt. Gestiegen ist dagegen die Zahl der Verkehrsunfallverletzten von 10.948 Verletzten 2023 auf 10.965 Verletze im vergangenen Jahr. Die Zahl der Verkehrsunfalltoten stieg von 108 auf 114.

Müller: "Trotz der besonderen Einsatzlagen im vergangenen Jahr hat die Polizei in der Verkehrssicherheitsarbeit nicht nachgelassen. Über 50.000 Verstöße im Straßenverkehr haben unsere Kolleginnen und Kollegen im Jahr 2024 feststellen müssen. Dazu kommen noch mehr als 1,5 Millionen Geschwindigkeitsverstöße. Die Zahlen zeigen deutlich, dass wir hier auch weiterhin nicht nachlassen dürfen und wie wichtig verantwortungsbewusstes Verhalten und Rücksicht im Straßenverkehr sind.

Mit 48.280 Verkehrsunfällen passierten 65 % aller Verkehrsunfälle innerhalb geschlossener Ortschaften (2023: 49.503). Dabei wurden 6.969 Menschen verletzt (2023: 6.891) und 32 Verkehrsteilnehmer getötet (2023: 34). Die Zahl der Getöteten außerhalb geschlossener Ortschaften ist auf 63 (2023: 56) gestiegen. Insgesamt wurden dort 18.730 Verkehrsunfälle (2023: 17.926) mit 2.734 Verletzten (2023: 2.604) gezählt. Auf Autobahnen wurden 6.533 Verkehrsunfälle (2023: 6.821) registriert.

Die häufigste Verkehrsunfallursache war im vergangenen Jahr die nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit bei 6.142 Verkehrsunfällen (2023: 6.151). Die Anzahl der Verletzten ist auf 2.589 (2023: 2.530) gestiegen, wie im Vorjahr wurden auch 2024 50 Verkehrsteilnehmer aufgrund dieser Hauptunfallursache getötet. Abstandsunfälle sind auf 5.824 (2023: 6.681) gesunken, bei der Anzahl der Verletzten konnte ein Rückgang auf 1.716 (2023: 1.873) registriert werden, bei den Getöteten auf 6 (2023: 8).

Zurückgegangen sind auch Vorfahrts- und Vorrangunfälle auf 4.312 (2023: 4.483). Ein Anstieg musste bei Abbiegeunfälle auf 2.702 (2023: 2.279) Unfälle registriert werden. Bei der Anzahl der Verletzten ist ein Anstieg auf 1.176 (2023: 970) Personen zu verzeichnen, die Zahl der Getöteten stieg auf 9 (2023: 2). Gestiegen ist auch die Zahl der Unfälle mit der Hauptunfallursache Überholen auf 2.205 (2023: 2.103). Verkehrsunfälle mit der Unfallursache Alkohol sind auf 1.126 (2023: 1.182) gesunken. Die Anzahl der Verletzten ging auf 602 (2023: 617) zurück, dagegen stieg die Zahl der Getöteten auf 9 (2023: 5). Die Zahl der Verkehrsunfälle unter Betäubungsmitteleinfluss sind auf 229 (2023: 261) gesunken. Ein Rückgang ist bei der Anzahl der Verletzten auf 136 (2023: 155) zu verzeichnen.

Verkehrsunfälle mit Kindern sind auf 726 (2023: 719) gestiegen. Von 940 verunglückten Kindern insgesamt, verunglückten 397 Kinder als Mitfahrer, deutlich weniger als im Vorjahr (2023: 429). Es starben keine Kinder im Straßenverkehr (2023: 2). Die Zahl der verletzten Kinder stieg auf 940 (2023: 922). Durch "Junge Erwachsene" (Altersgruppe 18 bis einschließlich 24 Jahre) verursachte Verkehrsunfälle sind auf 6.743 (2023: 6.776) gesunken. Die Zahl der Verletzten in dieser Kategorie sank auf 1.250 (2023: 1.366). Die Zahl der Getöteten stieg auf 10 (2023: 4).

Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Senioren (Altersgruppe 65+) sind auf 18.423 gestiegen (2023: 18.260). Rund sieben von zehn Verkehrsunfällen (13.207) wurden durch Senioren selbst verursacht (2023: 13.115). Fahrradfahrunfälle (inklusive Pedelec) sind auf 3.829 (2023: 3.758) gestiegen. Rund die Hälfte der Verkehrsunfälle (1.999) wurden durch Fahrradfahrer selbst verursacht (2023: 2.028). 3.035 Fahrradfahrer wurden verletzt (2023: 2.928) und 11 (2023: 13) getötet. Fußgängerunfälle sind auf 894 gesunken (2023: 911). Mit 322 wurden rund ein Drittel der Verkehrsunfälle durch Fußgänger selbst verursacht (2023: 304). 694 (2023: 684) Fußgänger wurden verletzt und 12 (2023: 19) getötet. Motorradunfälle sind auf 1.291 (2023: 1.237) gestiegen. Mit 734 wurden mehr als die Hälfte der Verkehrsunfälle durch diese selbst verursacht (2023: 689). Der Güterverkehr war an 11.406 Verkehrsunfällen beteiligt (2023: 10.795). Die Zahl der Verletzten stieg auf 1.304 (2023: 1.207) Die Zahl der Getöteten stieg auf 26 (2023: 21). Auf den Bundesautobahnen ereigneten sich 2.268 Verkehrsunfälle unter Beteiligung eines Güterkraftfahrzeugs (2023: 2.388).

Fahrradbesitz und Nutzung in Berlin und Brandenburg

Laut Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2018 besitzen 74,7 % der Haushalte in Berlin und 86,6 % der Haushalte in Brandenburg mindestens ein Fahrrad. In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage nach Fahrrädern und Pedelecs gestiegen. Insbesondere während der Pandemie griffen Verbraucherinnen und Verbraucher zunehmend zum Rad, sei es aus Gründen des Infektionsschutzes oder um die Fitness zu erhalten.

Die Umfrage „Fahrrad-Monitor 2023“¹ des SINUS-Instituts belegt, dass 46 % der Deutschen in Zukunft häufiger Rad fahren möchten und ein Viertel innerhalb des nächsten Jahres ein entsprechendes Gerät erwerben will. Die Statistik des Einzelhandels zeigt einen preisbereinigten Umsatzaufschwung mit Fahrrädern, Fahrradteilen und -zubehör in der Hauptstadtregion, vor allem im ersten Coronajahr 2020. In diesem Jahr stiegen die Umsätze in Berlin im Vergleich zum Vorjahr um 24,5 %, in Brandenburg sogar um 41,1 %. Während die Umsätze in Brandenburg weiterhin deutlich über dem Niveau von vor 2020 liegen, weist Berlin eine weniger starke Entwicklung auf.

Die steigende Nachfrage und wirtschaftliche Veränderungen schlagen sich auch in der Preisentwicklung nieder. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen für ihre Mobilitätsvorliebe aktuell tiefer in die Tasche greifen. Die Preise sind sowohl für normale Fahrräder als auch für Pedelecs in den vergangenen Jahren gestiegen und liegen über dem Niveau von 2019. In Berlin fiel der Preisanstieg im Jahr 2023 etwas geringer aus. Fahrräder wurden im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 % teurer, Pedelecs um 0,6 %. In Brandenburg sanken die Preise im selben Jahr um 0,8 % bzw. 2,2 %. Auffällig sind die Preissteigerungen bei Fahrradinspektionen, was sich, wie in vielen anderen Dienstleistungsbereichen, auf steigende Lohn- oder Materialkosten zurückführen lässt.

Was ist ein Pedelec?

Ein Pedelec ist ein Fahrrad mit Trethilfe und einem elektromotorischen Hilfsantrieb mit einer maximalen Nenndauerleistung von 0,25 kW, dessen Unterstützung sich mit zunehmender Fahrgeschwindigkeit progressiv verringert und spätestens beim Erreichen von 25 km/h unterbrochen wird - umgangssprachlich werden sie auch E-Bikes genannt.

Unfallgeschehen mit Fahrradbeteiligung

Schon mal vorweg: Ein eklatant steigendes Unfallaufkommen in der Hauptstadtregion zeichnet sich trotz steigender Fahrradbeliebtheit nicht ab. Die Zahl der Straßenverkehrsunfälle mit Personenschaden ist im Jahr 2023 insgesamt in beiden Bundesländern im Vergleich zu 2019 etwas zurückgegangen. In diesem Zuge gab es in Berlin auch weniger Unfälle, in denen Radfahrende verwickelt waren (-12,2 %). In Brandenburg waren es zehn Unfälle mehr.

Interessant ist hier wieder ein Blick auf das Jahr 2020: Hier wurden etwas mehr Unfälle mit Personenschaden und Fahrradbeteiligung als im Jahr davor oder in den Jahren danach gemeldet. Ein möglicher Grund ist, dass viele Menschen während der Pandemie auf öffentliche Verkehrsmittel verzichteten und stattdessen das Fahrrad nutzten. Auch der Anteil der Unfälle mit Fahrradbeteiligung an allen Straßenverkehrsunfällen war in 2020 etwas höher. In Berlin lag er bei 43,3 % (2023: 36,1 %), in Brandenburg bei 38,0 % (2023: 33,9 %).

Unfallentwicklung mit Fahrradbeteiligung
Bundesland 2019 2020 2023
Berlin Weniger Unfälle Höherer Anteil (43,3 %) Rückgang (-12,2 %)
Brandenburg - Höherer Anteil (38,0 %) 10 Unfälle mehr

E-Bikes und Pedelecs im Unfallgeschehen

E-Bikes bzw. Pedelecs liegen im Trend, was sich auch im Unfallgeschehen zeigt. Die Anzahl der Unfälle mit Personenschaden im Zusammenhang mit E-Bikes ist vor allem in Brandenburg in den letzten fünf Jahren gestiegen - und somit auch ihr Anteil an Unfällen. Bei genauerer Betrachtung der Altersklassen fällt auf, dass in Brandenburg mit zunehmendem Alter mehr Unfälle verursacht werden, besonders in der Altersgruppe der 45- bis unter 65-Jährigen. Dies könnte mit Ausflügen zusammenhängen. In Berlin hingegen gibt es unter den jüngeren Altersgruppen ebenfalls viele Unfälle, was möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass viele Pendelnde in der Stadt Pedelecs für ihren Arbeitsweg nutzen.

Verursacher von Fahrradunfällen

Bei Unfällen mit Personenschaden, die durch Radfahrende verursacht werden, sind Männer in der Überzahl. Im Jahr 2023 ließen sich in Berlin 66,9 % dieser Unfälle auf Männer zurückführen, in Brandenburg waren es 65,6 %. Dieses Verhältnis ist in den vergangenen Jahren nahezu konstant geblieben.

Insgesamt verzeichnet Berlin einen Rückgang in dieser Unfallklasse. 2019 lag die Zahl der Fahrradfahrenden, die Straßenverkehrsunfälle verursacht haben, bei über 2.000, während es 2023 nur noch 1.765 Personen waren. In Brandenburg hingegen zeigt sich ein entgegengesetzter Trend. Hier waren es 2019 noch 1.344 und 2023 bereits 1.501 Personen.

Unfallzeiten und betroffene Altersgruppen

Auch Kinder sind in Fahrradunfälle involviert. Die Statistik nach Uhrzeiten zeigt, dass ein Großteil dieser Unfälle in der Zeit zwischen 7 und 8 Uhr passiert, also auf dem Weg zur Schule. Am Nachmittag, nach der Schule oder während des Feierabendverkehrs, steigen die Zahlen ebenso an. Interessanterweise ist in Brandenburg das Unfallaufkommen in dieser Altersgruppe zu den meisten Uhrzeiten sogar höher als in Berlin.

Insgesamt sind 2023 in Berlin 5.202 Radfahrende verunglückt. Das sind ca. 300 Personen weniger als 2019. In Brandenburg sind mit 2.941 Personen nahezu gleich viele Personen verunglückt wie fünf Jahre zuvor. Es zeigt sich auch hier, dass in Berlin allgemein mehr Personen im Alter zwischen 25 und 45 Jahren verunglücken, wohingegen es in Brandenburg häufiger 55- bis 70-Jährige trifft.

Regionale Unterschiede

Ein Blick auf die Regionen zeigt, dass der Bezirk Mitte in Berlin die meisten Unfälle mit Personenschaden und Fahrradbeteiligung verzeichnet. Im Jahr 2023 waren es dort 961 Unfälle. Es folgen Friedrichshain-Kreuzberg (672 Unfälle) und Pankow (608 Unfälle). In Marzahn-Hellersdorf sind Radfahrende dagegen sicherer unterwegs. In Brandenburg wurden die meisten Unfälle in Potsdam gemeldet (444), die wenigsten in Frankfurt (Oder) (41). Ländliche Gebiete in Brandenburg weisen grundsätzlich niedrigere Unfallzahlen mit Fahrradbeteiligung auf.

Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit

An der Verbesserung der Verkehrssicherheit in Brandenburg arbeitet das Verkehrsministerium intensiv und auf Basis des Verkehrssicherheitsprogramms 2034 unter dem Titel "Sicher unterwegs in Brandenburg". Daneben ist die Verkehrssicherheit auch bei allen baulichen Maßnahmen im Straßenverkehr im Fokus. Zum Beispiel beim Bau und Ausbau von Radwegen, bei den Investitionen in Fahrradparkhäuser und -boxen in Kommunen, insbesondere an Verknüpfungspunkten zum Öffentlichen Personennahverkehr.

In Kürze startet das Verkehrsministerium ein Pilotprojekt "Fußverkehrschecks" in Finsterwalde, Frankfurt (Oder) und Zeuthen. Ziel ist die Stärkung des Fußverkehrs durch die gezielte Betrachtung in den drei Kommunen. Das Ziel ist, bei sämtlichen Vorhaben im Bereich Mobilität das Thema Verkehrssicherheit von Beginn an mitzuplanen und mitzudenken.

Neuausrichtung der Kampagne "Lieber sicher. Lieber leben."

Seit nunmehr 28 Jahren läuft in Brandenburg die Kampagne "Lieber sicher. Lieber leben". Im vergangenen Jahr erfolgte eine Neuausrichtung der Kampagne. Themen der Verkehrssicherheit werden im Sinne positiver Botschaften an die Empfänger adressiert, beispielsweise das Tragen von Fahrradhelmen, Beleuchtung an Fahrrädern oder Benutzung eines Taxis für den sicheren Heimweg. "Lieber sicher. Lieber leben." klärt über die Risiken im Straßenverkehr auf und möchte jede Einzelne und jeden Einzelnen zu rücksichtsvollem und aufmerksamem Handeln motivieren. Mit verschiedenen Aktivitäten und Formaten, beispielsweise dem ZeBra Theater für Schulen oder Aufklärungsaktionen für sicheres Radfahren, geht die Kampagne auf ihre Zielgruppen zu.

ADFC fordert Maßnahmen zur Verkehrssicherheit

Die Zahlen malen ein düsteres Bild: 2021 wurden laut Unfallstatistiken des Landesinnenministeriums 18 Radfahrer auf Brandenburger Straßen getötet, im Jahr davor waren es 25. Hinzu kommen Tausende verletzte Radfahrer. Jedes Jahr werden fast so viele Radfahrer im Straßenverkehr des Bundeslandes verletzt wie der ADFC Brandenburg überhaupt Mitglieder hat - rund 3.000. Auch die Zahl der Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt sind, nimmt kaum ab: Im vergangenen Jahr waren es rund 3.600.

Von der „Vision Zero“ - das Ziel keiner Toten und Schwerverletzten im Verkehr - ist Brandenburg noch Meilen entfernt. Stefan Overkamp, Landesvorsitzender des ADFC Brandenburg, beschreibt die neusten Unfallstatistiken als „immer noch besorgniserregend“.

Konkret heißt das: Bremsen und Bauen. Wo keine sicheren Radwege vorhanden sind, muss das Tempolimit auf 30 Km/h innerorts und 70 Km/h außerorts reduziert werden, fordert der ADFC Brandenburg. Das kann Leben retten - und zwar nicht nur die von Radfahrern. Denn 2021 kam fast jeder zweite Verkehrsunfalltote im Bundesland insgesamt wegen überhöhter Geschwindigkeit ums Leben - ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2020. Zu einer sicheren Verkehrsinfrastruktur gehört auch, gefährliche Kreuzungen, an denen sich Unfälle häufen, umzubauen. Hinzu kommt ein flächendeckendes Radwegnetz - in Brandenburg und darüber hinaus.

Kaum ein Monat vergeht ohne die nächste tragische Schlagzeile über einen rechtsabbiegenden oder zu knapp überholenden Lastwagen und eine überrollte Radfahrerin. Eine besondere Gefahr für Radfahrer: LKWs. Der ADFC Brandenburg fordert daher, dass Gütertransporter ohne Abbiegeassistent in Städten und Gemeinden nicht mehr fahren dürfen. Denn eine Verbesserung der Verkehrssituation wird nicht von alleine kommen, betont ADFC-Landesvorsitzender Overkamp: „Nur wenn Radfahren für alle sicher und attraktiv ist, steigen mehr Menschen aufs Rad.“

Um diese Ziele zu erreichen, muss der Fahrradanteil im Verkehr allerdings verdoppelt werden. „Das passiert nicht mit ein bisschen Kosmetik“, warnt Christian Wessel, stellvertretender Landesvorsitzender des ADFC Brandenburg, der auch am Verhandlungstisch für das Mobilitätsgesetz sitzt. „Sondern dafür müssen wir wirklich massiv in die Radverkehrsinfrastruktur investieren. Und da ist im Moment ein großes Fragezeichen, ob das noch in dieser Legislatur begonnen wird.“ Laut Gutachten sind dafür nämlich jährlich rund 100 Millionen Euro Investitionen in den Radverkehr nötig.

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