Nicht erst seit dem E-Bike-Boom nutzen immer mehr Menschen das Fahrrad, um von A nach B zu gelangen. Das zeigt sich auch in den Unfallzahlen. Hier ist eine detaillierte Analyse der Fahrradunfallstatistik in Deutschland.
Aktuelle Unfallzahlen und Trends
Das Statistische Bundesamt (Destatis) meldet, dass die Zahl der getöteten Radfahrenden zwischen 2014 und 2024 gegen den Trend gestiegen ist. Im Jahr 2024 war jede oder jeder sechste (16,0 %) im Straßenverkehr Getötete mit dem Fahrrad unterwegs. Insgesamt starben im vergangenen Jahr 441 Radfahrerinnen und -fahrer bei einem Unfall, darunter 192 mit einem Pedelec. Die Zahl der getöteten Radfahrenden insgesamt ist gegenüber 2014 um 11,4 % gestiegen. Der Anstieg ist vor allem auf die steigende Zahl an getöteten Pedelec-Nutzenden zurückzuführen (2014: 39 Getötete).
Vergangenes Jahr starben 441 Radfahrer im Straßenverkehr - deutlich mehr als vor zehn Jahren. Jedes sechste Todesopfer im Straßenverkehr im Jahr 2024 war mit dem Fahrrad unterwegs, wie das Statistische Bundesamt in seiner vorläufigen Unfallstatistik mitteilte. Demnach kamen im vergangenen Jahr 441 Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer ums Leben - das sind 33 weniger als im Jahr 2023.
Risikogruppen
Ältere Radfahrende sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. Unter den tödlich verletzten Fahrradfahrerinnen und -fahrern waren 2024 knapp zwei Drittel (63,5 %) 65 Jahre oder älter. Auch hier stellt das E-Bike einen zusätzlichen Risikofaktor dar.
Unfallursachen
An einem Großteil (67,7 %) der 92 882 Fahrradunfälle mit Personenschaden war eine zweite Verkehrsteilnehmerin oder ein zweiter Verkehrsteilnehmer beteiligt. Fahrradfahrerinnen und -fahrer, die in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt waren, trugen insgesamt an rund der Hälfte der Unfälle die Schuld (50,7 %).
Die größte Gefahr für Fahrradfahrende stellen der Auswertung nach Autos dar: 70,7 Prozent der 92.882 Fahrradunfälle mit Personenschaden waren Kollisionen mit Autos.
Immer häufiger verunglücken Fahrradfahrer ohne Fremdeinwirkung. Bei jedem dritten tödlichen Unfall mit dem Fahrrad sind keine weiteren Verkehrsteilnehmer beteiligt.
Kollisionen zwischen Rad und Auto haben aber meist deutlich schwerere Folgen.
Häufige Fehler von Radfahrern
- Fahren in falscher Richtung
- Queren an Fußgängerfurten
Mangelhafte Infrastruktur
Außerdem gehe der Polizei zufolge jeder dritte Alleinunfall auf das Konto mangelhafter Infrastruktur, Verunglückte selbst sähen darin sogar die Hauptursache.
- Bordsteinkanten
- Straßenbahnschienen
Rad-Unfälle gegen den Trend gestiegen
Fahrradunfälle nehmen eine Sonderstellung ein, da sie im Gegensatz zu Unfällen mit anderen Verkehrsmitteln in den vergangenen Jahren gestiegen sind. Zudem gibt es an Wochentagen mehr Fahrradunfälle als am Wochenende. Da seit der Jahrtausendwende immer mehr Menschen das Fahrrad für den Weg zur Ausbildung und zur Arbeit nutzen, hat sich diese Entwicklung in den letzten Jahren weiter verstärkt.
Demnach ist die Zahl der getöteten Radfahrenden zwischen 2014 und 2024 gegen den Trend gestiegen. Der Fahrradclub ADFC fordert mehr Engagement der Bundesregierung für die Verkehrssicherheit, den schnellen Ausbau sicherer Radwege und Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts.
Die Rolle von Pedelecs
43,5 Prozent der Verkehrstoten auf dem Fahrrad waren mit E-Bikes unterwegs. Es kamen 192 Pedelec-Fahrer ums Leben.
Unfälle mit Pedelecs führten häufiger zu schweren Verletzungen als solche mit nichtmotorisierten Rädern. Pedelecs seien schwerer, beschleunigten stärker und seien "daher nicht ganz leicht zu handhaben", so Zeidler.
Präventionsmaßnahmen und Empfehlungen
Der ADFC fordert mehr Engagement der Bundesregierung für die Verkehrssicherheit, den schnellen Ausbau sicherer Radwege und Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts.
Die Bundesregierung bekennt sich im Koalitionsvertrag zur Vision Zero. Sie will also Tote und Schwerstverletzte im Straßenverkehr auf Null reduzieren. Für die Trendumkehr bei den Unfallzahlen brauchen wir den schnellen Ausbau sicherer, physisch geschützter Radwege flächendeckend im ganzen Land. Die Kreuzungen brauchen besonderes Augenmerk, da passieren die meisten Unfälle. Die wichtigsten Maßnahmen sind eigene Wegeführungen und eigene Ampelschaltungen für Radfahrende. Wir brauchen außerdem ein sicherheitsförderndes Verkehrstempo: Tempo 30 als Standard innerorts, Tempo 50 ist dann die Ausnahme.
Empfehlungen für Verkehrsteilnehmer
- Autofahrer: Konsequenter Schulterblick und mehrmaliges Schauen in unübersichtlichen Abbiegesituationen.
- Radfahrer: Besondere Aufmerksamkeit an Kreuzungen und im Zweifel auf Vorfahrtsrecht verzichten.
Sicheres Verhalten im Straßenverkehr
Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone - deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten.
- Selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr auftreten, aber gleichzeitig defensiv agieren.
- Stets vorausschauend fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern rechnen.
- Fahrweise der entsprechenden Situation anpassen.
- Abbiegen durch Handzeichen ankündigen.
- Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen halten.
Verkehrssicheres Fahrrad
Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest.
- Zwei voneinander unabhängige Bremsen
- Helltönende Klingel
- Zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale
- Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen
- Rotes Rücklicht und weißer Frontscheinwerfer
- Reflektoren oder Reflektorstreifen an den Speichen
ADFC: Einsatz für mehr Sicherheit
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 240.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs.
Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt.
Verwandte Beiträge:
- Radfahrerinnenbeine: Training, Pflege & die schönsten Looks
- Verkehrszeichen für Radfahrer: Übersicht & Erklärungen
- Radfahrer Jacke Herren: Test, Vergleich & Kaufberatung für Fahrradjacken
- Orbea Rise LT im Test: Das ultimative Light-E-MTB für Abenteuer und Leistung!
- Unglaubliche BMW Motorrad Preise & brandneue Modellneuheiten, die dich umhauen werden!
Kommentar schreiben