Alleine zu reisen oder unterwegs zu sein, kann eine ganz besondere Erfahrung sein: Unabhängig, frei und den Gedanken nachhängend, lerne ich dabei nicht nur viel über mich selbst, sondern auch über meine Umwelt kennen. Die Vorzüge einer Solo-Tour mit dem Fahrrad liegen auf der Hand, denn mein Rad dient auf meinen Ausfahrten und Reisen nicht nur als bestes Fortbewegungsmittel, sondern schenkt mir auch die nötige Unabhängigkeit und Bewegung.
In diesem Artikel widmen wir uns primär der Planung der (ersten) Solo-Tour - als Frau, da aus meiner Perspektive geschrieben, doch sicherlich nicht darauf begrenzt. Ich nehme dich mit in meine Touren- und Reisevorbereitung, spreche über Ziele und Grenzen und die wichtigsten Dinge, die ich bei jeder Ausfahrt dabei habe! Du wirst merken, dass ich ab und zu zwischen den Themen (Tages-) Ausfahrt und Radreise wechsele. Einige Punkte bespreche ich daher etwas detaillierter und gebe Beispiele, wie es mir erging, andere wiederum sind kurz und knapp auf den Punkt gebracht.
Noch ein Hinweis: Ich war bisher mit meinem Fahrrad eher im europäischen Raum unterwegs. Obwohl sich viele dieser Tipps für eine Solo-Tour sicherlich auch darüber hinaus anwenden lassen, werden für manche internationale Reiseziele (bezogen auf Natur, Wetter, Kultur usw.) sicherlich noch weitere Kriterien wichtig. Es besteht also kein Anspruch auf Vollständigkeit ;-). Vielmehr soll dieser Blogbeitrag das Thema Solo-Tour & die Vorbereitung dieser, durch gezieltes Fragenstellen in Kombination mit meinen Erfahrungen, etwas einfacher machen.
Von Geschäftsreisen zur Solo-Radtour
Noch nie allein mit dem Fahrrad aus der Stadt gefahren oder gereist? Probiere es aus! Für mich kam der Wandel vom gemeinsamen Urlaub mit Familie, Partner und Freunden zur Solo-Tour schließlich über geschäftliche Reisen. Quasi ins kalte Wasser geschmissen, lernte ich für mich selbst zu planen, mich mit den lokalen Besonderheiten auseinanderzusetzen und die Welt um mich herum aus meiner ganz eigenen Perspektive kennenzulernen. Es waren Erfahrungen, die mich emotional und persönlich wachsen ließen und irgendwann dazu führten, auch meine erste alleinige Radreise zu wagen.
Wie plane ich eine Solo-Tour mit Fahrrad?
In die folgende Gliederung habe ich Fragen integriert, die mir helfen abzuwägen, wie ich eine Solo-Radtour oder Reise plane und durchführe. Was ich genau mache, darauf gehe ich in den einzelnen Abschnitten ein:
- Zielsetzung: Setze dir ein Ziel!
- Grenzen: Prüfe deine Grenzen!
- Vorbereitung: Bereite dich vor & teste deine Ausrüstung!
- Equipment: Finde heraus, was du wirklich brauchst!
- Basics: Was du immer dabei haben solltest!
- Übernachtung: Entscheide, wie du schlafen willst!
- Fahrradsicherheit: Das Mini-Schloss immer dabei.
- Planung und Informationen: Plane Reisen vorausschauend!
- Fahre los!
1. Zielsetzung: Suche dir ein Ziel!
Wo möchte ich hin (Ort, persönliches Ziel erreichen usw.)?
Die Vorstellung irgendwo allein unterwegs zu sein, fand ich früher recht befremdlich und sicherlich wäre ich nicht auf die Idee gekommen, eine Solo-Tour mit Fahrrad zu machen oder zu reisen. Aber warum eigentlich? Hast du dich auch schon mal gefragt, warum du selten oder nie allein mit dem Fahrrad raus fährst oder reist? Seien es fehlende Motivation dies zu tun, Unsicherheit im Umgang mit dem Fahrrad, Sorgen um die eigene Sicherheit oder ganz einfach der Wunsch nach Gesellschaft, Gründe gibt es einige. Welchen hast du und möchtest du das ändern?
Es gibt allerdings auch viele Gründe, weshalb ich heute gern allein mit den Fahrrad unterwegs bin. Manchmal möchte ich zum Beispiel einfach nur mal raus und meinen Gedanken freien Lauf lassen, mich bewegen und machen, worauf ich Lust habe. Aber manchmal darf es auch für mehrere Tage weg gehen.
Ziel setzen = Motivation?
Meistens hat eine Solo-Tour, die ich plane, ein bestimmtes Ziel, das örtlich, Personen oder Event bezogen sein kann. Es motiviert mich während der Tour sehr, mir solche Vorgaben zu geben. Wie schön das Radfahren sonst auch sein mag, nicht immer klappt alles wie geplant. Doch mit meinem Ziel vor Augen bin ich meist eher gewillt, weiter zu fahren, falls es mal nicht so gut läuft.
Persönliche Ziele, wie die ersten 200 km am Stück fahren, sind hilfreich, aber auch nicht in Stein gemeißelt! Für mich ist es wichtig, dass Ziele erreichbar erscheinen und gegebenenfalls anpassbar sind! Sei es eine bestimmte Streckenlänge, die erste Übernachtung draußen allein oder das Erreichen eines bestimmten Ortes (in einer bestimmten Zeit) - du bestimmst, was du machen möchtest! Und zwar nur du!
Für mich war es 2015 zum Beispiel der Wunsch, ein fremdes Land zu erkunden und gleichzeitig eine Freundin zu besuchen. Das dies meiner erste Solo-Reise mit dem Fahrrad im Ausland sein sollte, habe ich erst später wirklich realisiert. Ich wusste nur: Ich würde es gut planen müssen, um mich halbwegs sicher und vorbereitet zu fühlen. Und hätte ich einige der noch folgenden Tipps schon gekannt, wäre das sicherlich - so im Nachhinein betrachtet - auch sehr hilfreich gewesen und ich hätte den ein oder anderen Fehler vermieden.
2. Grenzen: Kenne deine Grenzen und teste sie!
Wie weit kann ich pro Tag fahren?
Wie sind die äußeren Bedingungen?
Kann ich diese beeinflussen oder muss ich mich diesen anpassen?
Wie geht es mir dabei?
Zu sagen, es gibt keine Grenzen, entspricht nicht so ganz der Realität. Und das ist auch nichts Schlechtes! Persönliche Grenzen helfen mir abzustecken, wie weit ich gehen möchte - sei es mit meinen körperlichen Fähigkeiten oder im mentalen und persönlichen Rahmen. Wie weit kann ich überhaupt fahren, bevor mein Körper erschöpft ist oder ich einfach keine Lust mehr habe? Traue ich mich allein nachts mit dem Rad durch den Wald zu fahren? Wie sicher fühle ich mich unterwegs auf dem Fahrrad? Wie weit entferne ich mich aus meiner Komfortzone?
Einige Grenzen müssen nicht starr sein und können sich verändern. Ab und zu mag ich es, meine persönlichen, körperlichen und mentalen Grenzen auf dem Fahrrad zu prüfen, kennenzulernen oder gar zu erweitern! Doch wie funktioniert das für etwas, was du noch nie gemacht hast? Schwierige Frage und doch wieder nicht. Der Sprung ins kalte Wasser kann sehr lehrreich sein, aber er ist nicht immer notwendig.
Etwas allein machen zu können, heißt nicht, es allein lernen zu müssen!
Mir hat es sehr geholfen, mich mit Freunden auszutauschen und mit dem Fahrrad raus zu fahren und zu reisen. Dabei begann ich ein Gefühl für meine Fähigkeiten zu entwickeln, zu testen, wie weit ich mit dem Rad fahren kann oder was ich eigentlich wirklich auf einer Tour brauche. Irgendwann kommt er dann, der Schritt nach vorn und rein ins Solo-Abenteuer.
Weißt du, wie lange du auf dem Rad sitzen kannst, bevor du keine Lust mehr hast oder spürst, dass es reicht?
Finde es doch heraus! Denn für die Routenplanung kann es hilfreich sein, zu wissen, welche Distanzen du radfahren kannst, falls du bestimmte Tagesstreckenlängen berechnen willst. Natürlich spielen auch Terrain, Wetter und Stimmung mit rein, doch mit jeder Tour lernst du dazu. Erst sind es vielleicht 30 km, dann 50, dann 80 und schließlich die magische 100 km Grenze. Distanzen sind für dich irrelevant? Auch gut. Du kannst auch von Ort zu Ort, Café zu Café oder in Stunden fahren. Ich meine, was ist eine bessere Motivation, als von Eisdiele zu Eisdiele zu radeln? Außerdem hält es dich davon ab, ständig auf diesen Kilometerstand zu schauen!
Starte klein: Es reicht manchmal auch schon, ein paar Kilometer raus aus der Stadt zu fahren, einen Tag oder für ein Wochenende in bekannte Gefilde zu radeln, um zu erfahren, was passt oder nicht. Die erste kurze Ausfahrt allein kann ein ganz besonderes Erlebnis sein und eine wichtige Erfahrung noch dazu. Verrückt, was die Gedanken in der Zeit so mit einem anstellen. Meine fliegen regelrecht, wenn ich allein radfahre: Keine Gespräche, die mich unterhalten, keine Ablenkung. Mein Fokus liegt auf dem Weg vor mir, auf der Straße, auf der Natur oder in meinen Gedanken: Wunderschön, aber auch fordernd zugleich!
Mit der Zeit habe ich gelernt, mich unterwegs ein wenig einzuschätzen, merke, wann eine Pause nötig ist oder, wann ich nicht mehr weiterfahren sollte, weil z.B. die Konzentration nachlässt oder ich gar Schmerzen habe! Wenn ich jetzt noch die Sache mit dem regelmäßig-essen-trotz-Hungerlosigkeit in den Griff bekommen würde. Vielleicht stelle ich mir doch mal einen Futter-Alarm, denn wenn der Indikator Laune-verändert-sich anschlägt, ist es definitiv schon zu spät…
3. Vorbereitung: Bereite dich vor & teste deine Ausrüstung!
Wie viel Zeit und Budget habe ich zur Verfügung?
Welche Route fahre ich?
Wie gut kenne ich mein Fahrrad?
Was habe ich bereits erlebt und inwiefern sind dieser Erfahrungen auf meine aktuelle Reise anwendbar?Wie ist die Wetterlage und Verpflegungssituation auf meiner Tour?
Einfach mit dem Fahrrad losfahren und herausfinden, was für dich funktioniert, ist für Tagesausfahrten eine ganz schöne Variante, denn zu viel Planen kann dich auch verrückt und unsicher machen. Andererseits sorgt ein wenig Vorbereitung bei längeren Touren oder Reisen auch dafür, dass es dann währenddessen alles etwas entspannter abläuft. Das Thema richtige Vorbereitung kann also sehr individuell ablaufen. Wie bereits im Abschnitt Zielsetzung formuliert, gehöre ich eher zur Fraktion: Ausführlich planen. Ich informiere mich einfach gern vorher und prüfe, was mich erwarten kann auf meiner Strecke. Dadurch erhalte ich ein gewisses Gefühl von Planungssicherheit und Stressfreiheit.
Für mich inkludiert das…
- die Wahl des passenden Fahrrads (inkl. Teile, also passende Reifen, Übersetzung, Sattel usw.).
- das Planen einer Route (obwohl selbst das optional sein kann, aber zur besseren Orientierung und Zeiteinschätzung beiträgt).
- zu entscheiden, wie ich navigiere (Smartphone, Navigationsgerät, Papierkarte, Schilder)?
- herauszufinden, wie ich anreise, falls ich nicht von zu Hause losfahre (Bahn, Fähre, Flieger).
- die Entscheidung, wo und wie ich essen will (Kocher, Imbiss, Restaurant, Supermarkt?).
- die Suche nach Verpflegungspunkten (und gegebenenfalls Übernachtungsorten).
- das Packen der passenden Ausrüstung.
- das eigene Fahrrad zu kennen und z.B. einen Platten flicken zu können.
- regionale Besonderheiten zu prüfen.
- Notfallkontakte und Versicherung (besonders bei Auslandreisen) parat haben.
Wenn ich ein neues Fahrrad habe oder neue Ausrüstung, führe ich diese normalerweise vor einer Reise erst einmal auf eine Testfahrt aus. So mache ich mich mit allem vertraut und kenne bei einer längeren Tour mein Equipment. Ich weiß es zu nutzen oder gar zu reparieren. Du musst dein Fahrrad nicht komplett auseinander nehmen können - auch wenn das bestimmt ein Bonus ist, den ich auch nicht bieten kann ;-).
Aber zumindest das Laufrad ausbauen und einen Schlauch flicken und wechseln können oder die Kette wieder einhängen, sind ein leicht zu lernendes Pflichtprogramm. Es gibt zahlreiche Anleitungen online, Videos, Texte und Fotos. Das vermittelt auch für eine mögliche Panne unterwegs mehr Ruhe und Sicherheit, auch wenn es immer ein nerviges Übel ist.
4. Equipment: Finde heraus, was du wirklich brauchst!
Was benötige ich unterwegs?
Was besitze ich schon und was muss ich noch besorgen?
Die Frage der Ausrüstung ist eine ganz individuelle und definitiv abhängig von der Reiseregion und Infrastruktur: Für eine Tagestour brauche ich nicht viel mehr als mein Fahrrad, Getränke, Snacks und vielleicht ein Repair-Kit, eine Pumpe und Werkzeug. Für eine Radreise darf es etwas mehr sein: Je nach Ort und Art der Tour kann die Ausrüstung stark variieren.
Zur Ausrüstung selbst habe ich schon andere Beiträge geschrieben: Einmal zu Taschen und Zelten und zur Packliste für eine Wochenendtour. Packlisten sind für Reisen übrigens kleine Retter, wenn es darum geht, nichts zu vergessen! Von Zahnbürste über Ladekabel bis Stirnlampe helfen sie, sich auch an die kleinen Dinge zu erinnern. Und wie befriedigend ist am Ende das Häckchensetzen bitte, wenn alles eingepackt ist?
Ich reise am liebsten im Bikepacking-Stil, denn es erlaubt mir für jede Tour, mein Set Up ganz nach meinem Platzbedarf zusammenzustellen. Mein Fahrrad ist viel flexibler nutzbar und leichter. Mein Gravelbike kann ich mit Gepäck hochheben und auch mal eine Treppe hochtragen. Das konnte ich mit Reiserad quasi nie. Durchs Bikepacking habe ich gelernt weniger und leichter zu packen und fast nur das Wichtigste mitzunhemen, aber das limitiert eben auch.
Folgende Fragen können außerdem bei der Ausrüstungswahl helfen:
- Was habe ich vor? Will ich weit reisen und muss möglichst viel mitnehmen, plane ich Übernachtungs- oder Mehrtagestouren oder möchte ich eher Tagestouren angehen?
- Wie sind die Wetteraussichten? Inwiefern beeinflusst das mein Ausrüstung und meine Kleidung?
- Schlafe ich in Pensionen und spare mir Gepäck oder nehme ich Zelt und Schlafsack mit und campe? Je nachdem, was in meiner Reiseregion vorhanden ist oder wie ich bevorzuge unterwegs zu sein, macht diese eine riesigen Unterschied, in der Art und Menge an Ausrüstung.
- Will ich mit klassischem Radreise Set-Up und Gepäckträger fahren oder lieber im Bikepacking-Modus alles ans Rad schnallen? Vollausstattung oder Minimalismus? Wo bekomme ich rein, was ich mitnehmen will?
- Wo und wie esse ich? Nehme ich eine Kocher mit oder kehre ich ein bzw. verpflege ich mich vor Ort?
- Was kann ich mir an Equipment leihen, was habe ich und was muss ich kaufen?
Ausrüstung leihen oder gebraucht kaufen
Nicht alles muss oder kann sofort gekauft werden! Je nach Reiseplan, kann das schnell teuer werden. Warum also nicht leihen oder gebraucht kaufen? Gerade wenn die Sachen nicht regemäßig in Benutzung sind, ergibt das Kaufen wenig Sinn. Frag im Freundeskreis herum oder gar via Social Media! Ich habe mir schon Reisrucksack, Schlafsack oder Zelt ausgeliehen und bin sehr gut damit gefahren. Über die Zeit kam dann nach und nach meine eigene Ausrüstung hinzu!
Sicherheit
Nimm immer ein kleines Erste-Hilfe-Set und ein Handy mit, für den Fall der Fälle.
Die Solo-Radreise einer Frau um die Welt
Es gehört schon eine gehörige Portion Mut dazu, sich als alleinreisende Frau per Fahrrad um die Welt zu bewegen. Dorothee Fleck ist mit vierundvierzig Jahren kühn genug, ihre Stelle als Projektmanagerin in einem internationalen Pharmaunternehmen zu kündigen. Nach siebzehn Jahren war der Alltag zu sehr zur Routine geworden, Änderungen zeichneten sich nicht ab. Grund für sie, loszufahren.... an einem Wintertag schwingt sich Dorothee Fleck auf ihr Fahrrad und beginnt eine spektakuläre Weltreise. Die alleinreisende Frau radelt innerhalb von 127 Wochen durch 26 Länder und legt dabei stolze 61.140 Kilometer zurück.
Dorothee Fleck folgt auf ihrer Reise zunächst der Donau bis an das Schwarze Meer, fährt dann über Russland, die Mongolei, China und Südostasien nach Australien. Weiter geht es nach Südamerika, durch die Atacamawüste - für Dorothee ein interessanter, wenn auch unwirtlicher Ort. Ein besonders großer Schwarm an Schutzengeln scheint über der Autorin zu kreisen. In der Mongolei wird sie von einem betrunkenen Reiter beinahe mit dem Lasso eingefangen, in Irkutsk entdeckt sie einen Wolf und in China landet sie sogar im Gefängnis. In der Metropole Bangkok kollidiert sie mit einer Geländelimousine und in Indonesien überlebt sie die chaotischen Verkehrsbedingungen auf der Insel Java. Nachts in Chile spürt sie die Erschütterungen eines Erdbebens in ihrem Zelt und in Ecuador wird ihr beinahe ein Fahrraddiebstahl zum Verhängnis. Auf dieser spektakulären Reise lernt sie gastfreundliche Menschen kennen, taucht in fremde Kulturen ein und radelt jeden Tag einem neuen Abenteuer entgegen.
Das Buch:
Als Frau allein mit dem Fahrrad um die Welt
Autorin: Dorothee Fleck
Ladenpreis: 16,80 Euro, Paperback, 304 Seiten inkl. Farbbilder
ISBN 978-3-942617-02-4
Neuerscheinung September 2016
Die Qual der Wahl: Alleine oder zu zweit auf Radtour gehen?
Eine der meist gestellten Fragen ist, warum ich denn eigentlich alleine unterwegs bin und nicht mit einem Partner? Wieviele Leute kennst Du, die mit dem Rad um die Welt fahren? Höchstwahrscheinlich kommen sie allerdings nicht aus Deiner direkten Nachbarschaft, sondern aus den unterschiedlichsten Ecken dieser Welt.
Der Reisepartner sollte zudem noch die gleichen Interessen haben, eine ähnliche Art zu Reisen, in etwa das gleiche Budget, annähernd die gleiche Fitness und auch die Zeitvorstellungen sollten sich einigermassen decken. Wir alle wissen wie schwierig es ist eine funktionierende Beziehung zu Hause zu führen, umso mehr kann man sich denken wie schnell man auf einer Radreise um die Welt an Grenzen kommt, da sie eine deutlich extremere Belastungsprobe für eine Beziehung sein kann.
Auch für eine Freundschaft, solltet ihr vor haben mit eurem besten Kumpel loszuziehen. Das Gute ist, ich habe es nie bereut und habe ganz sicher die Welt bisher anders erleben können, als wenn ich jemanden an meiner Seite gehabt hätte. Ich weiss von kürzeren, gemeinsamen Touren, dass Kompromisse der ständige Begleiter einer gemeinsamen Radreise sein kann.
Das erste was mich bei einer Zweier Tour abschreckt ist, dass man immer ein Stückchen Heimat mit dabei hat, wenn man mit einem Partner reist, den man von zu Hause her kennt. Man spricht die gleiche Sprache, man hat die selbe Kultur, die gleichen Wertevorstellungen und vieles mehr. Manche Weltradler haben das Glück unterwegs den richtigen Reisepartner zu finden und machen sich dann zusammen auf den Weiterweg. Viele der Langzeitradler sind aber am Ende solo unterwegs und die meisten von ihnen nicht unglücklich darüber, soweit ich das von aussen beurteilen kann.
Geteiltes Leid ist halbes Leid. Ein gutes Argument für die Zweier-Tour. Ich habe Tage an denen ich an allem zweifel. An denen ich das Rad am liebsten in die Ecke schmeissen würde und mich auf den Mars beamen lassen möchte. Die Höhen und Tiefen des Lebens durchlebt man hier draussen viel extremer, denn natürlich gibt es auch die anderen Tage. Die Tage für die man sich hier auf der Strasse eigentlich quält. Momente die so unglaublich bereichernd sind und einen den Kick für die nächsten zwei Wochen geben.
Ich als Solo Reisende habe alle Freiheiten dieser Welt. Ich kann aufstehen wann ich möchte, mich schlafen legen wann ich will, so viele KM fahren wie ich das möchte und so lange bleiben wie es mir gefällt. Ich kann mir aussuchen wo ich fahre und mit wem ich spreche. Ich kann machen was ich will und niemand redet mir irgendwie rein. Das hat natürlich den Beigeschmack, dass es Momente gibt, in denen ich gerne eine zweite Meinung hätte. Welchen Weg nehme ich? Welche Route könnte interessant sein? Brain storming alleine ist lange nicht so zielführend wie zu zweit.
Zwei Leute wissen mehr als einer. Wir alle haben unsere Fähigkeiten - oder eben nicht. Oftmals ist es einfach praktisch, wenn man voneinander profitieren kann. Auf der anderen Seite ist es aber auch eine Herausforderung, doch auch alles alleine meistern zu können. Auch praktische Sachen wie am Ende eines langen Tages die Arbeit teilen, sind nicht von der Hand zu weisen. Der eine stellt das Zelt auf und kümmert sich um die Räder, während der andere Holz sammelt und kocht. Oder der eine ist krank und liegt im Bett und der andere organisiert den Arzt. Der eine spielt den Unterhalter und Fragenbeantworter, während der andere einen Pausentag damit einlegen kann.
Das Ausrüstungsgewicht teilen ist natürlich ein weiteres schlagendes Argument für einen Reisepartner. Sicherheitsaspekte sind oftmals ebenso ein Gegenargument einer Soloradreise. Gedanken wie: Das Rad vor dem Supermarkt abstellen - der eine geht einkaufen, der andere passt auf die Räder auf. Zu zweit im Zelt fühlt man sich sicherer als alleine. Ich dagegen muss aber sagen, ich habe in drei Jahren weder mein Rad noch eine meiner Taschen geklaut bekommen, noch habe ich irgendein ernsthaftes Problem beim Zelten gehabt. Ich bin zweimal in richtige Schwierigkeiten gekommen.
Einladungen sind sicherlich schneller ausgesprochen wenn ich alleine unterwegs bin. Eine Person lädt man auch eher mal zum Essen ein, als wenn man gleich zwei Leute verköstigen muss. Ich gehe auch automatisch mehr auf andere zu. Ich war schon immer sehr kontaktfreudig, bin darin aber noch viel besser geworden. Ich werde zudem sehr viel angesprochen, weil ich eben alleine bin. Ich habe mir eine Vorgehensweise der Überlebenstaktik angeeignet, die ich zu zweit wohl nicht gelernt hätte. Damit meine ich nicht nur das voran kommen, sondern auch die mentale Stärke, die ich entwickelt habe. Es gibt nun deutlich weniger Barrieren, die mich von irgendetwas abhalten könnten. Ich bin so weit gekommen, ich komme auch noch weiter, wenn ich das denn möchte.
Die schönen Momente miteinander teilen ist ein von mir oft wahrgenommenes Argument für die gemeinsame Reise. Eines steht fest, ich kann mich sehr gut alleine freuen und die Erlebnisse richtig geniessen, ich muss das nicht im gleichen Atemzug nochmals mit jemandem verbal teilen. Bei mir ist es sogar so, dass ich die Welt alleine intensiver erlebe.
Auf der anderen Seite ist Einsamkeit ertragen nicht immer einfach. Je länger ich nun unterwegs bin, desto schwieriger fällt es mir niemanden zu haben, mit dem ich mich so austauschen kann wie ich das gerne würde. Doch schliesst es auch mit ein, dass man dem Partner ebenso eine Stütze sein muss, wenn es bei ihm mal nicht so gut gehen sollte. Das heisst eben auch, dass man sich von dem Partner auch immer mal wieder mit runter ziehen lässt. Also statt einer Krise, durchlebt man automatisch zwei.
Am Ende glaube ich muss man den Endeckergeist einfach mitbringen und ihn wahrscheinlich schon in die Wiege gelegt bekommen haben. Wer viel will - bekommt als Soloradler am Meisten. In diesem Sinne kann ich nur sagen, ich weiss was ich alleine kann und bisher geschafft habe. Sollte mir jemals der richtige Reisepartner über den Weg laufen, würde ich mich freuen meinen Weg zu teilen. An was ich ein wenig zweifle ist, ob ich mich irgendwann zu sehr von den Fähigkeiten entferne mich wieder richtig zu sozialisieren. Ich habe gelernt mich ständig anzupassen und es so zu akzeptieren wie es ist. Doch konnte ich immer wieder davon radeln, sobald es anstrengend wurde. Konflikte musste ich nur mit mir selber austragen, nie mit anderen.
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