Radtour auf alten Bahntrassen in Deutschland

Wer im Urlaub gerne aktiv ist, kann in Deutschland zahlreiche reizvolle Radstrecken entdecken - zum Beispiel an Orten, wo einst Eisenbahnen verkehrten. So sind zahlreiche stillgelegte Bahnstrecken heute zu Radwegen geworden. Die ehemaligen Bahnstrecken führen oft über Brücken und Dämme, also gibt es hier an vielen Stellen eine schöne Aussicht auf die Landschaft.

Als ich vor über 20 Jahren angefangen habe, mich intensiver mit Radwegen auf ehemaligen Eisenbahntrassen zu beschäftigen, habe ich nicht im Entferntesten geahnt, wie umfangreich dieses Projekt werden würde. Mich erstaunt noch immer, dass es zu diesem Thema im gesamten deutschen Sprachraum praktisch keine gesammelten Informationen gab.

Viele dieser komfortablen Radwanderwege überbrücken große Distanzen fernab vom motorisierten Verkehr - und das sogar innerhalb von Ballungsgebieten. Oft wurden die alten Tunnel und Viadukte in die Radwege mit einbezogen, sodass sich auch größere Höhenunterschiede bei bahntypischen Steigungen von wenigen Prozent bequem meistern lassen.

Belastbare Informationen zu Bahntrassenwegen sind in vielen Fällen nur durch den Besuch vor Ort zu erhalten. Eine große Hilfe bei der Recherche sind topografische Karten und Luftbilder, da gerade im Mittelgebirgsraum auch nach der Stilllegung deutliche Spuren erhalten bleiben.

Vorteile von Bahntrassenradwegen

  • Abseits vom Autoverkehr
  • Meist flach und ohne große Steigungen
  • Gut ausgebaut und beschildert
  • Oft durch landschaftlich reizvolle Gebiete

Dabei bieten die Strecken nicht nur Genussradlerinnen und ‑radlern perfekte Bedingungen, sondern auch Familien und E-Bike-Fans, die sich über das moderate Höhenprofil freuen können. In Deutschland gibt es etliche solcher Bahntrassenradwege.

Bekannte Bahntrassenradwege in Deutschland

BahnRadweg Hessen

Ab dem Mainufer unterhalb von Schloss Philippsruhe in Hanau-Kesselstadt startet der BahnRadweg Hessen. Bis nach Bad Hersfeld sind es insgesamt 245 km landschaftlich tolle Kilometer. Dank der Routenführung über extra angelegte Radwege auf ehemaligen Bahntrassen ist der BahnRadweg Hessen auch für den untrainierten Radler ein Genuss. Eine geringe Steigung trotz Mittelgebirge und Feinasphalt mit „Rollautomatik“ machen richtig Lust auf Fahrradfahren.

Die gute Bahnanbindung - nicht nur der beiden Endpunkte - sondern auch entlang der Strecke sowie Radbusse im Sommerhalbjahr machen viele Tourvarianten möglich: vom Tagesausflug bis zur Radelwoche als 400 km lange Rundtour. Im Süden ist die Anfahrt nach Hanau über den Mainradweg eine gute Alternative zur Bahn. Im Norden bieten die Radwege an Weser, Fulda und Werra eine ideale Anfahrt für Tourenradler.

Das passende Panorama bieten die Naturparke in Spessart, Vogelsberg und Rhön.

Die Barbarossastadt Gelnhausen, die Keltenwelt am Glauberg, Fachwerk in Lauterbach, die Burgenstadt Schlitz, das barocke Fulda oder die Kur- und Festspielstadt Bad Hersfeld sind die kulturellen Höhepunkte am Weg machen die Tour zu einem unvergessenen Erlebnis. Auch die Gedenkstätte Point Alpha ist nur knapp 4 km vom Weg entfernt (ab Geisa) und einen Abstecher wert. Hier standen sich die Vorposten von NATO und Warschauer Pakt vier Jahrzehnte lang Auge in Auge gegenüber.

Etappen des BahnRadweg Hessen:

  1. Hanau-Glauburg - Vom Main in die Wetterau (31,2 km)
  2. Glauburg-Schlitz (84,4 km)
  3. Schlitz-Hilders (57 km)
  4. Hilders-Phillipstal (38,9 km)
  5. Phillipstal-Bad Hersfeld (32,1 km)
  6. Bad Hersfeld-Lauterbach (43,3 km)
  7. Lauterbach-Birstein (50,9 km)
  8. Birstein - Hanau (56,2 km)

Vulkan-Express im Vogelsberg

Von Mai bis Oktober fährt an allen Samstagen, Sonn- und Feiertagen der Vogelsberger Vulkan-Express. Dabei handelt es sich um ein Netz aus sechs Buslinien. Alle Busse sindmit Radanhängern ausgestattet. Es gilt der RMV-Tarif, die Radmitnahme ist kostenlos. Drei der sechs Buslinien verlaufen entlang des Vulkanradweges, eine Buslinie pendelt entlangdes Südbahnradweges, eine weitere teilweise entlang der Niddaroute. Fünf der sechs Linien treffen sich auch auf dem Hoherodskopf.

Die Region Vogelsberg erreichen Sie aus Richtung Rhein-Main, Fulda und Gießen bequem mit der Bahn. Umstiegsmöglichkeiten zum Vulkan-Express bestehen in Hungen, Nidda,Stockheim, Wächtersbach, Lauterbach und Mücke.Anmeldung auch für Einzelpersonen empfehlenswert, für Pedelecs und Gruppen ab 4 Personen erforderlich! Anmeldung nur telefonisch möglich bis Freitag (bzw. bis zum letzten Werktag vor Feiertagen) 13 Uhr!

Radwege in Osthessen und Thüringen

Der Schwerpunkt in Deutschland sind die Radwege der Region Osthessen und angrenzendes Thüringen. Deshalb findet man auf dieser Webseite nur eine Auswahl von Radwegen. Auch wenn die Befahrung der Wege nicht immer aktuell ist, so vermittelt die Beschreibung dennoch eine Vorstellung davon, was der Radler vorfinden wird.

Nach unseren Erfahrungen verändert sich an den Bahntrassenradwegen meist nichts Wesentliches, außer der Verschlechterung durch die Alterung der Strecken und manchmal auch die mangelhafte Pflege und Instandhaltung.

Außer den skalierbaren Kartendarstellungenen (Open Street Map), den Höhenprofilen und den vielen Bildern, liegen zu fast allen der beschriebenen Radwege auch GPS-Daten mit Höhenangaben vor, die bei den Fahrten aufgezeichnet wurden.

Weitere Bahntrassenradwege in Deutschland

  • Allgäu: Dampflokrunde (80 km)
  • Aischtalbahn: Rothenburg ob der Tauber bis Bamberg (137 km oder 102 km)
  • Schwarzwald: Titisee-Neustadt (30 km)
  • Hamburg: Marschbahndamm-Radweg (33 km)
  • NRW: Vennbahnweg Aachen-Raeren (17,7 km)
  • Baden-Württemberg: Wanderbahn Mudau-Mosbach (27 km)
  • Rheinland-Pfalz: Maare-Mosel-Radweg (58,5 km)
  • Saarland: Bliestal-Freizeitweg (16,95 km)
  • Thüringen: Mommelstein-Radweg (30,7 km)
  • Bayern: Gaubahn-Radwanderweg (37 km)

Bahntrassenradwege im Ruhrgebiet

Bahntrassenradeln im Ruhrgebiet, d.h. dort radzufahren, wo einst Güterzüge zu den großen Fabriken fuhren und tonnenschwere Produkte raus in die weite Welt rollten. Ob HOAG-Trasse, Erzbahntrasse, Rheinischer Esel oder eine der anderen ehemaligen Bahnlinien: Jeder Bahntrassenradweg im Ruhrgebiet gibt Einblicke in die Geschichte der Region. Die ausgebauten Radwege führen direkt vorbei an beeindruckenden Industriedenkmälern und bieten dabei Radgenuss vom Feinsten.

  • Bananenradweg (3,6 km)
  • Elbschetalbahn
  • Gneisenautrasse (5,8 km)
  • Klöcknerbahn (13 km)
  • Lothringentrasse (5,5 km)
  • Springorumtrasse (9,7 km)
  • Wolfsbahntrasse (4 km)

Bahntrassenradwege in Bayern

In Bayern gibt es zahlreiche Radwanderwege auf stillgelegten Eisenbahntrassen mit beachtlichen Streckenlängen von 20 bis knapp 50 km. Mit der Fertigstellung des Bocklwegs (48 km) und des Radwegs Wölsendorf - Schönsee (46 km, beide Oberpfalz) im Juli 2005 wurden der Donau-Regen-Radweg in Niederbayern (ca. 39 km) und der Falkenstein-Radweg nördlich von Regensburg (ca. 36 km) von den werbewirksamen Spitzenplätzen der längsten Bahntrassenwege Bayerns verdrängt. Eine rekordverdächtige Besonderheit bietet der 2006 eröffnete Donau-Ilz-Radweg mit 40 km ausgebauter Bahntrasse "am Stück".

Beispiele für Bahntrassenradwege in Bayern:

BY 1.01 Brendtalradweg: Bischofsheim a. d. Rhön – Bad Neustadt a. d. Saale

  • Länge: ca. 19,7 km (davon ca. 16,1 km auf der ehem. Bahntrasse)
  • Charakteristik: langgez. l. Gef. von Bischofsheim (440 m ü. NN) nach Bad Neustadt a. d. Saale (242 m ü. NN)
  • Beschaffenheit: Bahntrasse komplett als Fuß-/Radweg ausgewiesen, teilw. asph.
  • Stilllegung: 15. Bischofsheim a. d. Rhön – Unterweißenbrunn – Wegfurt – Schönau a. d. Brend – Bad Neustadt a. d. Saale

BY 1.02 Bad Neustadt a. d. Saale – Bad Königshofen i. Grabfeld

  • Länge: ca. 27,3 km (davon ca. 11,7 km auf der ehem. Bahntrasse)
  • Charakteristik: zw. langgez. l. St. von Bad Neustadt (230 m ü. NN) nach Bad Königshofen (315 m)
  • Beschaffenheit: Bahntrasse als kombinierter Fuß-/Radweg, Verbindung auch auf wenig befahrenen Straßen; Wegweisung des Kreises als Teil des Saale-Radweg (Route des Bayernnetzes für Radler), z. T. asph.

Weitere Projekte in Bayern:

  • In Haßfurt soll ein rund 1,5 km langer Radweg zwischen der Zeiler Straße und der Osttangente entstehen.
  • In Höchst wurde eine Nutzung der Bahnstrecke zwischen Höchst und Sandbach als Radweg untersucht (ca. 3 km).
  • Pläne, die Strecke zwischen Mömlingen und Großostheim-Pflaumheim als Radweg zu nutzen, sind zumindest vorerst aus Naturschutzgründen gescheitert.

Die Balkantrasse in Leverkusen

Die Balkantrasse startet in Leverkusen-Opladen und endet in Remscheid-Lennep. Über eine Länge von 28 km (wovon 23 km Bahntrasse sind) führt der Radweg somit durch das Bergische Land. Da Start- und Zielpunkt jeweils an einem Bahnhof liegen, ist die Anfahrt mit ÖPNV zum Radweg auf der stillgelegten Bahntrasse einfach.

Mommelstein-Radweg in Thüringen

Der Mommelstein-Radweg zählt zu den landschaftlich schönsten Radwegen Thüringens und verbindet den Rennsteig-Radweg mit dem Werratal-Radweg. Auf der ehemaligen Bahnstrecke Schmalkalden-Brotterode, wo einst Dampfloks fuhren, sind seit 2003 Radfahrerinnen und Radfahrer unterwegs.

Die 30,7 Kilometer lange Strecke bietet mit ihren Höhenmetern (176 Meter bergauf und 629 Meter bergab) und landschaftlichen Highlights ein tolles Erlebnis für Naturfans. Besonders reizvoll ist der kurze Abstecher zum Wallenburger Turm, der mit einer beeindruckenden Aussicht über den Thüringer Wald belohnt - allerdings ist dieser Abstecher nicht für Rennräder geeignet, da der Weg durch den Wald führt und starke Steigungen aufweist.

Es gibt unterwegs viel zu sehen, wie den Mommelstein-Ausblicksfelsen, den höchsten Wasserfall Thüringens, den Trusetaler Wasserfall, die größte Kuhglocke der Welt in Kleinschmalkalden, einen Zwergenpark mit Gartenzwergen und einen Klangpfad. Die Rückfahrt ist für Mountainbike-Fahrer auch durch den Wald zum Ausflugsgebiet Schmalkalden-Ehrental mit Tiergehege, Gaststätten und Barfuss-Erlebnis-Park möglich.

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