Vor kurzem habe ich eine Radreise von Bozen nach Venedig unternommen. Der österreichische Veranstalter Eurobike Radreisen bietet individuelle Radreisen zu beinahe allen Destinationen in Europa sowie auf Kuba und in Südafrika an. Nach meiner ersten längeren Radreise auf Mallorca im letzten Jahr, habe ich mich auch in diesem Jahr für eine Radreise entschieden. Die Wahl fiel diesmal auf die Strecke Bozen - Venedig. Ich wollte das Radfahren mit der Besichtigung von sehenswerten Städten verbinden, da ich selten Städtereisen unternehme.
So beschreibt Eurobike die wunderschöne Radreise von Bozen nach Venedig: „Charmante Täler und zauberhafte Städtchen, Berglandschaften und natürlich: der Canal Grande. All das erwartet Sie bei Ihrer Radreise quer durch Südtirol bis an die Adria. Das Motto dieser Strecke lautet: „Erleben und Genießen“. Der Weg führt vorbei an traumhaften Weingärten und durch malerische Kulturstädte.
Organisation und Ablauf der Radreise
Die Radreise Bozen - Venedig habe ich im Juni unternommen. Dank der detaillierten Karten von Eurobike ist es nicht schwierig, die Strecken zu finden. Eurobike hat die Hotels und Radstrecken sorgfältig ausgesucht und getestet. Ich übernachtete in komfortablen 3- und 4-Sterne Hotels und hatte ein Frühstück inklusive. Außerdem war es möglich ausschließlich 4-Sterne Hotels zu buchen. Bei Bedarf konnte ich mich mit Mitarbeitern von Eurobike in Verbindung setzen.
Die Radreise begann in der Hauptstadt Südtirols, Bozen, die am Fuße der hohen Berge liegt. Entlang der Etsch, immer mit Blick auf die Alpen, ging es am ersten Tag nach Trient. Am zweiten Tag radelte ich nach Riva del Garda am Nordufer des wunderschönen Gardasees. Das Südufer des riesigen oberitalienischen Sees erreichte ich mit einem Schiff. Am dritten, vierten und fünften Tag ging es durch unzählige Weinanbaugebiete, Hügellandschaften und idyllische Orte zu den Kulturstädten Verona, Vicenza und Padua. Die sechste Etappe führte zur berühmten Lagunenstadt Venedig. Da die letzte Etappe nur 35 Kilometer lang ist, haben die Kunden noch viel Zeit für Venedig. Die Originalstrecke von Eurobike ist circa 380 Kilometer lang.
Bozen habe ich von München aus mit der Bahn erreicht. Nach vier Stunden einer entspannten Zugfahrt begann mein Radabenteuer mit Eurobike Radreisen. Nach dem Verlassen des klimatisierten Zugs merkte ich sofort, dass das Klima auf der Alpensüdseite wesentlich mediterraner ist. Während wir in München 25 Grad hatten, war es in Bozen heiß - über 35 Grad. Temperaturen 30 bis 35 Grad hatte ich bei meiner gesamten Radreise. Kein Wunder - ab Mitte Juni herrscht in Norditalien südlich der Alpen schon der Sommer. Ich vertrage die Hitze gut.
Das Leihrad-Plus von Eurobike
Auf der Radreise Bozen - Venedig hatte ich ein Leihrad-Plus von Eurobike zur Verfügung. Mit dem bequemen 27-Gang Trekkingrad der Marke KTM konnte ich im flachen Gelände genussvoll 20 Stundenkilometer radeln. Die Mitnahme des eigenen Fahrrads ist auf Eurobike-Radreisen ebenfalls möglich. Auf der Strecke traf ich zwei andere Teilnehmer der Radreise, die mit eigenen E-Bikes geradelt sind.
Die einzelnen Etappen der Radtour
Bozen
Ich übernachtete im 4-Sterne Hotel Four Points by Sheraton. Das komfortable Hotel liegt im Süden der Stadt in der Nähe der Messe Bozen. Vom geräumigen Zimmer genoss ich einen tollen Blick auf die Berge. An der Rezeption erhielt ich die Unterlagen von Eurobike. Da ich noch genug Zeit hatte, fuhr ich mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof. Ich wurde freundlich von einem Eurobike-Mitarbeiter empfangen und wir besprachen die wichtigsten Details. Nach einer kurzen Probefahrt mit dem Leihrad-Plus radelte ich Richtung Altstadt. Ich legte eine Fotopause auf dem Waltherplatz ein und fuhr weiter Richtung Norden. Nach einem langen Urlaub auf Lanzarote und Fuerteventura war ich zum ersten Mal in einer Bergregion. Ich genoss die Fahrt durch die Altstadt von Bozen, eine Parkanlage und die herrlichen Blicke auf die Berge. Beim Schloss Maretsch drehte ich um und radelte am Talferbach und an der Etsch entlang zum Hotel zurück. Das Fahrrad parke ich in der Fahrradgarage des Hotels. Beim Abendessen in der Hotelbar schaute ich mir die Reiseunterlagen genauer an.
Erste Etappe: Bozen nach Trient
Vor dem Frühstück stellte ich meinen Koffer im Kofferraum des Hotels ab. Um 9 Uhr wurden die Koffer von einem Eurobike-Mitarbeiter abgeholt und zum nächsten Hotel transportiert. Nach dem leckeren Frühstück im Hotelrestaurant machte ich mich auf den Weg. In den praktischen gelben Eurobike-Radtaschen hatte ich nicht viel drin. Bei 35 Grad waren keine warmen Jacken notwendig. Dafür hatte ich genug Platz für Wasser und Getränke. Bei der Hitze, die beim Radfahren allerdings nicht so schlimm ist, muss man sehr viel trinken. Da das Hotel Four Points by Sheraton im Süden von Bozen liegt, verließ ich schnell die Stadt.
Den ganzen Tag radelte ich auf dem wunderschönen Radweg entlang der Etsch und genoss traumhafte Blicke auf die Berge. Nach circa 20 Kilometern befand ich mich südlich von Auer. Dort wollte ich einen Abstecher zum Kalterer See machen, den ich früher schon zweimal besucht habe. Ich war aber unschlüssig: Die Etappe war 65 Kilometer lang und ich war nicht schnell. Wegen der unzähligen Fotopausen benötigte ich für die ersten 20 Kilometer fast zwei Stunden. Da es schon am Vormittag heiß war, entschloss ich mich, zusätzlich 10 Kilometer (hin und zurück) zu radeln, um mich im See abzukühlen. Der Abstecher lohnte sich auf jeden Fall, alleine schon wegen des Anblicks des wunderschönen Sees. Beim Gasthof Klughammer besuchte ich den Privatstrand (6 Euro Gebühr). Nach dem Abstecher legte ich weniger Fotopausen ein und radelte wesentlich flotter Richtung Trient. Die Landschaft entlang der Etsch war so bezaubernd und sehr abwechslungsreich. Ich fuhr an Weinbergen und malerischen Orten vorbei, die Alpen wechselten immer wieder ihre Form. Südlich von Bozen bewunderte ich die grünen, formschönen Gipfel. Die erste Etappe verläuft überwiegend in ländlicher Umgebung auf dem Etsch-Radweg. Aus der Ferne sah ich viele malerische Orte. Am Nachmittag konnte ich wegen des starken Windes nicht mehr so flott fahren.
In Trient übernachtete ich im 4-Sterne Hotel NH Trento. Nach der Dusche machte ich einen Spaziergang zur Altstadt, die vom Hotel aus in kurzer Zeit erreichbar ist. An diesem Samstagabend schlenderten dort unzählige Einheimische und Touristen umher. Trient ist eine schöne Stadt mit circa 120.000 Einwohnern. Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist der Domplatz mit der Kathedrale San Vigilio und zahlreichen historischen Gebäuden. Einen Besuch wert ist auch das Castello del Buonconsiglio, das im Nordosten der Altstadt auf einem Felsvorsprung liegt. Leider hatte ich am Abend keine Zeit mehr, um das bedeutende Bauwerk zu besuchen.
Zweite Etappe: Trient nach Desenzano (Gardasee)
Bei der zweiten Etappe durfte ich nicht mehr so viele Fotopausen einlegen und bis zum Abend radeln. Am Anfang verlief die Strecke auf dem malerischen Etsch-Radweg. Ich radelte durch idyllische Landschaften und viele Weinanbaugebiete. Kurz vor dem Dorf Mori wurde die Strecke anspruchsvoller - bis Nago musste ich circa 100 Höhenmeter und sogar einen kleinen, steilen Pass bewältigen. Kurz vor 13 Uhr erreichte ich Torbole am wunderschönen Gardasee. Ich war hier schon oft zu verschiedenen Jahreszeiten, aber jetzt im Hochsommer zum ersten Mal. Besonders gut gefällt es mir im Norden- in Riva del Garda, Torbole, Limone sul Garda und Malcesine. Nach einer kurzen Pause im malerischen Hafen von Torbole radelte ich am Ufer entlang und genoss das Mittelmeer-Feeling - das türkisblaue Wasser, die blühenden Oleander und Bougainvilleas, die unzähligen Palmen, die strahlende Sonne und die Hitze. Ich überquerte ich den malerischen Fluss Sarca und fuhr am Yachthafen von Riva del Garda vorbei.
Zum Glück hatte ich noch genug Zeit, um eine Badepause an einem der gut besuchten Strände einzulegen. In der Nähe der Piazza de 3 Novembre liegt der Hafen von Riva. Dort tauschte ich den Gutschein von Eurobike gegen ein Ticket um. Da ich bis zur Abfahrt noch etwas Zeit hatte, gönnte ich mir eine kleine Mahlzeit und ein Erfrischungsgetränk. Der 51-Kilometer lange Gardasee ist der größte See Italiens. In zahlreichen Orten gibt es schöne Radwege, aber wer vom Norden nach Süden Rad fahren will, muss auf stark befahrenen Straßen mit vielen Tunnels radeln. Aus diesem Grund bietet Eurobike eine Schifffahrt für die Kunden an. Die fünfstündige Fahrt war für mich ein großes Erlebnis. Obwohl ich schon so oft am Gardasee gewesen war, konnte ich ihn vom Wasser aus zum ersten Mal genießen. Das Schiff legte in vielen Orten an - besonders faszinierend war die Aussicht auf Limone sul Garda, Gargnano und Malcesine. Nach einem herrlichen Sonnenuntergang erreichten wir kurze Zeit später Desenzano. Meine nächste Unterkunft, das 3-Sterne Hotel Bonotto Desenzano war nicht weit vom Hafen entfernt. Nach dem Einchecken und einer Dusche machte ich einen kleinen Spaziergang in die Altstadt. Das Abendessen genoss ich in einem Restaurant am malerischen Fischerhafen.
Dritte Etappe: Desenzano nach Verona
Nach dem leckeren Frühstück auf der Panorama-Terrasse meines Hotels schaute ich mir die Altstadt von Desenzano und den Fischerhafen beim Tageslicht an. Danach radelte ich nach Sirmione. Der Abstecher gehört nicht zur Eurobike-Originalstrecke, wenn man in Desenzano übernachtet. Manche Gäste übernachten auch in Sirmione. Da ich den Süden vom Gardasee noch nicht kannte, entschloss ich mich, zur berühmten Festung zu radeln. Das Castello Scaligero aus dem 14. Jahrhundert liegt am Ende einer langen Halbinsel und lockt unzählige Touristen aus ganz Europa an. Bevor ich Sirmione und den Gardasee verließ, kühlte ich mich im Gardasee ab. Der schöne Abstecher bedeutete nur zusätzliche 10 Kilometer. Vom idyllischen Dorf Ponti sul Mincio aus radelte ich wieder auf der Originalstrecke von Eurobike.
Gegen 16 Uhr erreichte ich Verona und hatte für die Besichtigung noch viel Zeit. Ich übernachtete im 4-Sterne Hotel ARK, das nur 1,5 Kilometer von der Altstadt entfernt ist. Verona ist für seine unzähligen Sehenswürdigkeiten berühmt. Ich war schon zweimal dort, aber nur kurz. Nach der Besichtigung der Altstadt wanderte ich entlang der Etsch zur Burg Castell San Pietro. Ich kannte den wunderschönen Anblick auf Verona bisher nur von den Bildern im Internet. Über viele Stufen erreichte ich die Burg und die Aussichtsterrasse. Den dritten Tag meiner Radreise ließ ich in einem Restaurant direkt vor der Arena bei Pizza und Aperol ausklingen.
Vierte Etappe: Verona nach Vicenza
Die vierte Etappe der Eurobike-Radreisen von Verona nach Vicenza war die längste und anspruchsvollste Strecke. Ich musste mehr als 70 Kilometer mit 600 Höhenmetern bewältigen. Ich radelte durch idyllische Weingüter und malerische Orte. Immer wieder entdeckte ich romantische, weit entfernte Burgen. Das war ein besonders heißer Tag - 35 Grad schon gegen Mittag. Wegen der vielen Getränke war meine Satteltasche extrem schwer. Nach 20 Kilometern ging es auf einen kleinen Pass hinauf. Es waren nur 70 Höhenmeter, aber wegen der schweren Satteltasche war es mir zu anstrengend - zum Schluss schob ich das Fahrrad. Dies war die steilste kurze Strecke auf der ganzen Radreise.
Auf kleinen Straßen zwischen Weinbergen radelte ich weiter nach Soave. Von Weitem war die imposante mittelalterliche Burg Castello Scaligero zu erkennen. In Soave vor der Stadtmauer wurde auf zwei Fässern eine riesige Weinflasche aufgestellt. Am Nachmittag wurde es noch heißer. Eine Rast war nur im Schatten möglich - viel trinken war sehr wichtig. Leider waren meine Getränke sehr warm. Östlich vom Dorf Brendola beginnt nämlich der lange Aufstieg auf die Hügel, die südlich von Vicenza liegen. Am Anfang verfuhr ich mich und musste zusätzliche 100 Höhenmeter auf einer sehr steilen Straße bewältigen. Das nächste Highlight war die Basilika Santa Maria di Monte Berico, eine riesige Wallfahrtskirche aus dem 15. Jahrhundert. Sie liegt knapp 100 Meter oberhalb von Vicenza und bietet einen atemberaubenden Blick auf die Stadt. Auf jeden Fall lohnten sich die Anstrengungen, um die Hügel von Berici zu erreichen.
Vicenza ist eine norditalienische Stadt mit über 110.000 Einwohnern, die für die Bauwerke des Renaissance-Architekten Andrea Palladio berühmt ist. Seit 1994 gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen der imposante Hauptplatz Piazza dei Signori und die Basilica Palladiana.
Fünfte Etappe: Vicenza nach Padua
Die fünfte Etappe ist nur 50 Kilometer lang und absolut flach. An jenem Tag war der Himmel etwas bedeckt und es war nicht so heiß („nur“ 30 Grad). Nach 35 Kilometern erreichte ich Abano Terme. In dem berühmten Kurort mit Thermalwasserquellen haben sich zahlreiche Thermalhotels angesiedelt, die moderne Therapien anbieten. Das Etappenziel Padua erreichte ich gegen 15 Uhr. Padua ist eine berühmte Universitätsstadt mit über 210.000 Einwohnern. Die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten befinden sich in der Nähe der wunderschönen Plätze Prato della Valle, Piazza dei Signori, Piazza delle Erbe und Piazza della Frutta. Bevor ich mein Hotel erreichte und das Fahrrad in der Fahrradgarage parkte, besuchte ich den eindrucksvollen Prato della Valle. Das ist der drittgrößte innerstädtische Platz in Europa.
Sechste Etappe: Padua nach Venedig
Nach dem Frühstück auf der Panorama-Terrasse meines Hotels machte ich mich auf den Weg nach Venedig. Östlich von Padua verläuft die Strecke entlang des Kanals Brenta, an vielen prächtigen Palästen und Villen vorbei. Am schönsten ist die Villa Pisani. Schon gegen 15 Uhr erreichte ich meine letzte Unterkunft, das 4-Sterne Hotel Mercure. Da mein Koffer noch nicht angekommen war, entschloss ich mich, Venedig mit dem Fahrrad zu erreichen. Das gehört nicht mehr zur Eurobike-Originalstrecke. Von Mestre sind es noch 10 Kilometer nach Venedig, allerdings ist die Strecke alles andere als attraktiv. Man muss durch viele Industriegebiete fahren, die die beliebte App Komoot kennt. Auf keinen Fall sollte man auf der extrem stark befahrenen Hauptstraße fahren - das ist vermutlich sowieso verboten. Zum Schluss fuhr ich auf dem Radweg auf der langen Brücke zwischen dem Festland und Venedig. Als ich an der Piazzale Roma ankam, war ich sehr glücklich, mein Ziel erreicht zu haben. Da Venedig eine auto- und fahrradfreie Stadt ist und nur einen teuren Bike-Parkplatz anbietet, ist die 10-Kilometer-Fahrt allerdings nicht empfehlenswert. Ich knipste ein paar Bilder und fuhr zum Hotel zurück. Nach dem Duschen ging es mit dem Bus nach Venedig.
Venedig
Diesmal hatte ich keine Eile, weil ich nach meiner Radreise noch zwei Tage in Venedig verbrachte. In Venedig war ich einmal vor vielen Jahren und war schon damals von der wunderschönen Stadt begeistert. Mittlerweile hatte ich vergessen, wie schwierig es ist, sich in der Lagunenstadt zu Fuß zu bewegen. In der Mitte von Venedig liegt der riesige Canale Grande, den man zu Fuß nur über die Rialto-Brücke überqueren kann. Da ich in die verkehrte Richtung ging, konnte ich am ersten Abend den Markusplatz nicht besuchen.
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