Die länderübergreifende Fahrradtour verbindet historisches Wissen mit einem intensiven Naturerlebnis entlang des „Grünen Bandes“ und Ausblicken auf beeindruckende Landschaften. Wer die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes erfahrbar machen möchte, dem sei der „Europa-Radweg Eiserner Vorhang“ empfohlen.
Geführte Radtour mit historischem Fokus
Die Tourist-Information Ratzeburg und das Grenzhus in Schlagsdorf laden zu einer öffentlichen Fahrradtour ein, die sich der Geschichte der innerdeutschen Grenze widmet. Die Tour führt entlang des Grenzparcours "Grenzwege Schlagsdorf" zum "Grenzhus". Dort erwartet die Teilnehmer eine geführte Besichtigung des Außengeländes - inklusive der wiederaufgebauten, originalgetreuen DDR-Grenzzäune, die eindrucksvoll an vergangene Zeiten erinnern.
Die Tour startet um 13:00 Uhr am Rathaus Ratzeburg und dauert rund fünf Stunden. Der Teilnahmebeitrag von 12,00 Euro pro Person umfasst sowohl die fachkundige Führung durch das Außengelände des Grenzhus als auch die kontinuierliche Begleitung der Radtour durch erfahrene Führer und Zeitzeugen. Kinder bis 14 Jahre nehmen kostenfrei teil; die Gebühr kann direkt am Startpunkt entrichtet werden.
Das Grüne Band: Vom Todesstreifen zur Lebenslinie
Wo bis vor 30 Jahren die innerdeutsche Grenze das Land zerriss, verläuft heute eine der schönsten Fernradrouten Europas - mitten im Grünen. Der Teil des Grünen Bandes in Sachsen-Anhalt ist 343 km lang und seit 2019 unter dem Motto "Vom Todesstreifen zur Lebenslinie" als Nationales Naturmonument ausgewiesen. Das Grüne Band ist ein einzigartiger Verbund aus Erinnerungslandschaft und Naturschutzgebiet.
Die militärisch bewachte Grenze war bis 1989 dazu da, Menschen mit Gewalt am Verlassen der DDR zu hindern. Es gab Todesopfer und Verletzte. Gleichzeitig war sie ein Ort, den Menschen nicht betreten konnten. Dadurch entwickelte sich dort eine außergewöhnliche Artenvielfalt.
Dieser Widerspruch eines einst tödlichen Grenzregimes und eines sich daraus entwickelten Rückzugsortes für Tiere und Pflanzen ist das, was das Grüne Band ausmacht. Das „Grüne Band“ genießt eine Ausnahmestellung als eine Kette besonders wertvoller Biotope, laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) befinden sich hier 109 verschiedene Biotop-Typen, von denen die Hälfte auf der Roten Liste Deutschlands steht. Über ein Viertel des Grünen Bandes ist als Naturschutzgebiete ausgewiesen.
Der deutsch-deutsche Radweg
Die sanfte Hügeltour entlang der Werra liegt etwa auf halber Strecke des deutsch-deutschen Radweges, der sich von der Ostsee bis zur tschechischen Grenze zieht, immer am „Grünen Band“ entlang, den Naturräumen am früheren Todesstreifen. Er ist ein Abschnitt des 10.400 Kilometer langen Radwegs Iron Curtain Trail, der entlang des gesamten ehemaligen Eisernen Vorhangs durch Europa verläuft, vom Arktischen Ozean bis zum Schwarzen Meer.
Über mehr als 1100 Kilometer folgt der gesamte Radweg der ehemaligen Grenze zwischen Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen und Bayern auf der westlichen sowie den neuen Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen auf der östlichen Seite.
Auf dem deutschen Abschnitt gibt es brettebene Strecken im Norden - an der Ostsee und im Wendland, wo der Wind den Glücklichen vor sich herschiebt und den Pechvogel ausbremst. Dagegen anspruchsvolle Bergetappen im Süden, über die kahlen Kuppen der Rhön etwa, wo man sieht, was man geleistet hat und dies per Selfie aller Welt zeigen kann.
Museen und Gedenkstätten entlang der Strecke
Allerdings sind auch die vielen kleinen Museen an der Strecke sehenswert, oft unterhalten von Vereinen und Ehrenamtlichen, mit liebevoll zur Schau gestellten Grenz-Installationen, Andenken, Modellen der Zäune, Gräben, Hundelaufdrähten, dazu Geschichten, die die jeweiligen Abschnitte der „Zonengrenze“ schrieben. Man wird dort empfangen von Menschen, die diese Geschichten erlebt haben - Fluchten, Wildwechsel, Tragisches und Komisches.
Museen und Gedenkstätten:
- Grenzlandmuseum Schnackenburg
- Swinmark Grenzlandmuseum in Göhr bei Schnega
- Zonengrenzmuseum Helmstedt
- Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn
- Grenzmuseum Sorge
- Gedenkstätte „Point Alpha“
- Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth
Ein Sonderfall ist das Museum in Mödlareuth: Ein winziges Dorf, das zum Teil in Bayern und zum Teil in Thüringen liegt, war von einer Mauer wie in Berlin zerschnitten, zerrissene Familien, geteilte Straßen, Grundstücke und Häuser waren hier Alltag. Gezeigt werden hier ein kleines Teilstück der ursprünglich 700 Meter langen Mauer und ein Beobachtungsturm, der im Original erhalten geblieben ist. Vor Augen geführt werden auch die gesellschaftlichen Folgen der Teilung, indem zum Beispiel Zwangsaussiedlungen, Alltag an der Grenze und die Friedliche Revolution thematisiert werden.
Erfahrungen und Herausforderungen auf der Strecke
Die Fahrt entlang der überwundenen Grenze ist durchweg kommod befahrbar, wobei die Strecke meist abwechselnd zwischen Ost und West verläuft, manchmal auch unmittelbar auf dem alten Todesstreifen. Den hat sich die Natur weitgehend zurückerobert - so nachhaltig, dass die innerdeutsche Grenze heute, 30 Jahre nach ihrer Überwindung, an vielen Stellen gar nicht mehr sichtbar ist.
Anerkennung ist dem gewiss, der im Harz den Abstecher auf den Brocken einschiebt - unter Umständen im Wortsinn, denn mit schwerem Gepäck ist die Strecke nur für Konditionsstarke durchgehend im Sattel zu bewältigen. Bei schönem Wetter ist der 1141 Meter hohe Brocken die Krönung der Strecke, bei freiem Himmel mit Rundumblick, die Norddeutsche Tiefebene zu Füßen. Dieser markante, baumlose Gipfel ist mit der Geschichte der deutschen Teilung eng verwoben. Kein anderer Berg konnte beim Blick von hüben nach drüben so sehr das Gefühl der verlorenen Einheit erzeugen.
Rad-Führer und Bücher
- "Europa-Radweg Eiserner Vorhang 3, Deutsch-Deutscher Radweg" von Michael Cramer (Verlag Esterbauer/Reihe Bikeline)
- "Radtouren am Grünen Band" von Stefan Esser (Bruckmann Verlag)
Tipps und Informationen für Radfahrer
- Der Radweg Grünes Band Deutschland existiert an vielen Stellen noch eher als Idee auf dem Papier, als dass es sich schon um einen nach Beschilderung fahrbaren Rad(fern)weg handelt.
- Die Ausschilderung Grünes Band Deutschland und der Radweg Eiserner Vorhang sind nicht immer identisch.
- Der Kolonnenweg entlang der ehemaligen Grenze ist an vielen Stellen nicht mehr befahrbar oder sollte nicht befahren werden, da vielerorts Wildschutzgebiete am Grünen Band eingerichtet wurden.
- Diese Strecke ist größtenteils nicht rennradtauglich! Für Kinderanhänger ist es nicht die Strecke der Wahl.
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