Radtour Donau Schwarzes Meer: Erfahrungen und Tipps

Schon seit einigen Jahren beschäftigt Tanja Fisel aus Rechtenstein der Donauradweg. Fast 3000 Kilometer führt dieser entlang der Donau von der Quelle des Flusses bis zur Mündung ins Schwarze Meer. Acht Länder werden dabei durchquert.

Tanja Fisel sieht sich selbst nicht als den Typ, der von etwas träumt, es aber nicht umsetzt -auch nicht in Bezug auf den Donauradweg. Entscheidend für die Realisierung dieses Vorhabens war eine Zugfahrt: „Letztes Jahr saß ich im Zug nach Tübingen und da sieht man den Donauradweg. Das war der Tag, an dem ich entschieden habe, dass ich das mache.“

Die Vorbereitung: Packen und Planen

Also nahm die 27-Jährige die Dinge in die Hand. Sie kümmerte sich um eine dreimonatige Auszeit von ihrer Arbeit und weihte Freunde und Familie in ihren Plan ein. Ihr Partner konnte aus zeitlichen Gründen nicht mit auf die Reise kommen, aber bestärkte Fisel in ihrem Vorhaben - auch wenn es allein sein würde. „Er meinte zu mir: Du machst das!“, erzählt sie lächelnd.

Durch viele Reiseführer arbeitete sich Fisel in der Vorbereitung auf ihre Reise. Am meisten Zeit habe aber das Packen in Anspruch genommen. „Ich habe bei jedem Stück überlegt: Brauche ich das wirklich?“, sagt Fisel. Letztendlich hatte sie dann 14 Kilo Gepäck dabei, relativ wenig im Vergleich zu anderen Reisenden. Rückblickend ist Tanja Fisel damit sehr zufrieden: „Ich habe alles genutzt und nichts groß vermisst.“

Die Route und ihre Herausforderungen

Der Donauradweg führt von Donaueschingen über Passau, Wien und Budapest bis zum Donaudelta. Reisende können dabei beobachten, wie aus dem kleinen Flüsschen Donau ein reißender Strom wird. Am ersten Juni dieses Jahres ging es los für die Radfahrerin - zeitgleich zu den Hochwassern an der Donau.

„Der Anfang war vor allem nass“, kommentiert Fisel die Situation. Bis Passau konnte sie nicht direkt an der Donau fahren, sondern musste sich ihren Weg durch das Umland suchen. Auch waren viele der Campingplätze, auf denen sie eigentlich übernachten wollte, überschwemmt. Gerade deshalb sei der Anfang besonders anstrengend gewesen.

Auch das „Tägliche-immer-wieder“ sei anfänglich sehr zehrend für den Körper, sagt Fisel. Aber die Radfahrerin ließ sich davon nicht die Laune verderben, nach zwei bis drei Wochen sei sie richtig im „Flow“ gewesen.

Nach Budapest treffe man immer weniger Reisende, erzählt die Radfahrerin. Es gebe keine Radwege mehr und die Menge an Unterkünften nehme auch beträchtlich ab. „Teilweise fährt man in den Städten auf vierspurigen Autobahnen“, sagt Fisel. Die Städte seien außerdem nicht mehr so touristisch, sondern eher von groben Betonbauten geprägt.

Gastfreundschaft und Begegnungen

„Vor allem auf den Campingplätzen trifft man viele andere Reisende. Wenn man sich dann besonders gut verstanden hat, hat man sich auch verabredet, am nächsten Tag zusammen weiterzufahren“, sagt Tanja Fisel.

Besonders im Kopf geblieben ist ihr dabei eine Französin. Diese hatte die gleiche Route im gleichen Zeitraum vor sich, weshalb die beiden die letzten zwei Wochen dann zusammen bestritten. „Das wäre sonst vielleicht auch ein bisschen einsam gewesen“, kommentiert Fisel.

Trotzdem ist Tanja Fisel die Gastfreundlichkeit der Menschen dort besonders in Erinnerung geblieben. Oftmals hätten Anwohner sie auf der Straße zum Essen eingeladen oder ihr Wasser angeboten. „Man verständigt sich mit Händen und Füßen“, kommentiert sie die Sprachbarriere. Auch Übersetzungsapps haben große Hilfe geleistet.

Auf ihrer Reise durchquerte Fisel auch Ehingens ungarische Partnerstadt Esztergom. Bereits im Voraus hatte sie Kontakt mit dem Partnerschaftsverein in Ehingen aufgenommen und wurde somit in Esztergom mit offenen Armen empfangen: Bei einer Gastfamilie konnte sie die zwei Tage unterkommen und die Stadt kennenlernen.

Wetterextreme und persönliche Herausforderungen

Nach dem anfänglichen Hochwasser traf Tanja Fisel in Bulgarien und Rumänien auf das nächste Wetterextrem: Hitze. „Am heißesten Tag, den ich miterlebt habe, waren es 43 Grad“, erzählt sie. Oft radelte sie an abgebrannten Feldern vorbei oder sah Rauchschwaden aus Wäldern steigen. Drei Wochen lang hat sie keinen Tropfen Regen gesehen.

Zu dieser Zeit hatte die Radfahrerin aber nicht nur mit ihrer Umgebung zu kämpfen, sondern auch mit sich selbst. „Da hatte ich ungefähr die Hälfte der Strecke hinter mir. Ich habe realisiert, was ich geschafft hatte, aber auch, dass ich das nochmal vor mir habe“, erklärt Tanja Fisel ihren Gefühlszustand. Trotzdem sei auch dieses emotionale Tief nicht so schlimm gewesen, wie sie im Voraus erwartet hatte: „Das kommt schnell, aber geht auch wieder schnell.“

Ankunft am Ziel

Letztendlich erreichte Tanja Fisel ihr Ziel: das Donaudelta. Hier mündet die Donau ins Schwarze Meer. Direkt an der Mündung liegt die rumänische Gemeinde Sulina, die nur über den Wasserweg erreichbar ist. Von dort aus fuhr Fisel mit einem kleinen Boot im Licht des Sonnenunterganges aufs Meer.

„Ich war super überwältigt, das hat mich emotional gecatcht“, erzählt die Reisende. Sie habe Tränen in den Augen gehabt. Schließlich sei das der Moment gewesen, auf den sie die ganze Zeit hingearbeitet habe.

Am liebsten hätte sie sich in diesem Moment direkt „heimgebeamt“. All die Last sei von ihr abgefallen und habe Platz für die Freude auf Zuhause gemacht. Nach diesem bewegenden Moment verbrachte Tanja Fisel noch ein paar Tage im Donaudelta, bevor sie sich auf die Heimreise machte. „Ich musste das alles auch sacken lassen“, erzählt Fisel.

Aus heutiger Sicht kann sie es immer noch nicht ganz realisieren. „Vor allem die Frage ‚Wie wars?‛ ist mega schwierig zu beantworten“, sagt Tanja Fisel. Es sei einfach so viel in so kurzer Zeit passiert - 70 Tage war sie unterwegs. „Ich sage immer: das Abenteuer meines Lebens“, erzählt sie lachend.

Außerdem sei die Reise „erstaunlich reibungslos“ verlaufen. Den Grund dafür sieht Fisel in ihrer eigenen positiven Einstellung. Sie erinnert sich an unzählige Fragen vor Beginn ihrer Reise, ob sie nicht Angst habe.

Weitere Erfahrungen und Tipps von Radreisenden

Antonietta und ihr Mann Dario, beide nicht mehr die Jüngsten, haben die Tour im Sommer 2021 gefahren. Sie wählten Gravelbikes und nutzten Sattel- und Lenkertaschen für ihr Gepäck, das aus Zelt, Schlafsäcken, Matratzen, Campingkocher und Kochgeschirr bestand.

Highlights der Strecke laut Antonietta und Dario:

  • Deutschland und Österreich: Gut beschilderte Radwege in bestem Zustand, fast immer in unmittelbarer Nähe zur Donau.
  • Slowakei und Ungarn: Radweg gut ausgeschildert, aber bis Budapest lange Strecken auf der stark befahrenen E11.
  • Kroatien und Serbien: Route mit den blauen Schildern "Ruta Dunav" gekennzeichnet. Sonnenblumenfelder entschädigen für die teils schlechten Straßenbedingungen.
  • Bulgarien und Rumänien: Bulgarien bietet steile Auf- und Abfahrten, während das rumänische Ufer flach ist.

Ein weiterer Tipp: Wer die starke Steigungen vermeiden will, fährt auf der rumänische Seite besser. Auf der serbischen Seite hat man im Hochsommer mehr Schatten (Nordabhang des Gebirges) als auf der rumänischen (Südabhang). Man fährt nur auf kleinen Straßen.

Herausforderungen und wie man sie meistert

Ein wiederkehrendes Thema sind freilaufende Hunde, besonders in Rumänien und Bulgarien. Hier einige Tipps:

  • Reinergeorg: In eher abgelegenen Gegenden außerhalb von Ortschaften langes Messer und Pfefferspray jeweils griffbereit (!) auch während der Fahrt am Mann notwendig.
  • Andere Radfahrer: Kräftig und ausdauernd in die Pedale treten. Bergauf absteigen. Steine aufheben.

Es ist schwierig Unterkünfte im nördlichen Bulgarien zu finden. Es ist einfach wenig Geld und Infrastruktur vorhanden... Die Leute sind alle hilfsbereit und freundlich. Die "Strassenhunde" sind oft nicht so agressiv wie die Wachhunde an Höfen oder Betriebsgeländen. Hast Du vor Hunden angst, bist Du vermutlich das Opfer! Auf dem Rad zu "fliehen" ist selten möglich. Mit Gelassenheit und Abstand geht es meisst gut.

Im Hochsommer ist die Tour wirklich besonders schwer weil die Temperatur regelmässig über 30°C ist, und auch 40°C durchaus möglich ist! Es ist oft nicht möglich draussen zu verweilen ( ca. ab 1h vor Sonnenuntergang und Abends). Eine gut abgestimmte/funktionierende Gangschaltung ist sehr zu empfehlen, auch wenn das Höhenprofil nicht so spektakulär erscheint!

Sehenswürdigkeiten entlang des Donauradwegs

Entlang des Donauradwegs gibt es eine Fülle von historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten zu entdecken.

  • Beginnen Sie Ihre Reise in Wien, der österreichischen Hauptstadt, und besuchen Sie das prächtige Schloss Schönbrunn sowie das Kunsthistorische Museum.
  • In Ungarn sollten Sie Esztergom mit seiner imposanten Basilika und Budapest, der „Perle der Donau“, mit seinen zahlreichen Museen und historischen Gebäuden besuchen.
  • Rumänien lockt mit dem Donaudelta, einem UNESCO-Weltkulturerbe, das eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt sowie traditionelle Fischerdörfer bietet.

Wichtige Hinweise für die Reise

  • Unterkünfte: Reisende entlang des Donauradwegs finden zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten, von Hotels über Pensionen bis hin zu Campingplätzen.
  • Verpflegung: Sorgen Sie dafür, ausreichend Proviant mitzuführen, da in abgelegenen Gebieten die Auswahl an Restaurants begrenzt sein kann.
  • Ausrüstung: Stellen Sie sicher, dass Ihr Fahrrad in gutem Zustand ist und Sie über die notwendige Ausrüstung für Reparaturen verfügen.
  • Gesundheitsvorsorge: Informieren Sie sich über Impfungen und Gesundheitsrisiken in den bereisten Ländern.
  • Sicherheit: Achten Sie auf den Straßenverkehr und halten Sie sich an die Verkehrsregeln.

Der Donauradweg im Kontext europäischer Radwege

Der Donauradweg ist Teil des EuroVelo-Netzwerks, das ein umfangreiches Netz von Radwegen in Europa bietet. Zusätzlich verläuft der Donauradweg in einigen Abschnitten entlang des Iron Curtain Trail, der den ehemaligen Verlauf des Eisernen Vorhangs markiert. Der Donauradweg ist auch Teil des Europäischen Fernwanderwegs E6, der von der Atlantikküste in Schweden bis zum Schwarzen Meer in Bulgarien verläuft.

Die Integration des Donauradwegs in europaweite Radwegnetze und die kontinuierliche Verbesserung der Infrastruktur machen den Donauradweg zu einer der attraktivsten Radreisemöglichkeiten in Europa.

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