Amsterdam gilt als die Fahrradhauptstadt der Welt, und das nicht ohne Grund. Mit über 880.000 Fahrrädern auf den Straßen fühlt es sich oft so an, als gäbe es mehr Fahrräder als Menschen. Wenn du das Radfahren in Amsterdam wie unsere Autorin mal ausprobieren möchtest, wirst du schnell bemerken, dass nicht die Autos das Sagen haben, sondern die Radfahrer:innen.
Amsterdam - Fahrradhauptstadt der Welt
In Amsterdam müssen sich Autofahrer dem Fahrradverkehr anpassen, nicht umgekehrt. Das Fahrrad hat immer Vorrang - das merkt man an den roten Fahrradwegen, eigenen Ampeln und gut durchdachten Kreuzungen. Dennoch kann der Verkehr oft sehr hektisch sein, besonders zu den Stoßzeiten, wenn tausende Menschen gleichzeitig zur Arbeit oder nach Hause radeln. Du solltest also gut vorbereitet sein und die wichtigsten Verkehrsregeln kennen.
Für viele Stadtbewohner*innen bedeutet Fahrradfahren ein Gefühl von Freiheit. Es gibt keine bessere Möglichkeit, sich innerhalb der Stadt fortzubewegen. Mit dem Fahrrad ist man flexibel und sportlich zugleich! Die ausgeklügelte Infrastruktur macht das Fahrradfahren in Großstädten sicher und komfortabel. Es gibt nicht nur zahlreiche Radwege, sondern auch immer mehr reine Fahrradstraßen. Du kannst dich frei bewegen und fahren, wohin du willst (oder besser gesagt: radeln, wohin du willst).
Tägliche Morgenbewegung mit Blick auf die Amsterdamer Grachten, keine Zugverspätungen, keine Kosten für Bahntickets. Meine erste Tour durch den Amsterdamer Fahrraddschungel war eine hektische Angelegenheit. Auch wenn das Fahrradstreckennetz in kaum einer anderen Stadt so gut ausgebaut ist, droht die Gefahr an jeder Ecke - und zwar wegen der Fahrradfahrenden selbst. In einem Affenzahn brausen sie rechts und links an einem vorbei. An fast jeder Kreuzung ist eine Vollbremsung nötig, denn eine grüne Ampel bedeutet noch lange nicht, dass man freie Fahrt hat. Auch sollte man seine Route gut kennen, denn spontanes Abbiegen wird trotz Handzeichens mit lautem Protestklingeln bestraft. So fuhr ich mehrmals wissentlich in die völlig falsche Richtung und brauchte statt 20 Minuten stolze 35.
Verkehrsregeln für Radfahrer in Amsterdam
Hier kommen Michelle’s Tipps zum Radfahren in Amsterdam: Mit ein paar einfachen Regeln, wir das Radfahren in Amsterdam zum tollen Erlebnis.
- Immer Handzeichen geben: Handzeichen sind Pflicht. In Amsterdam wird schnell gefahren, und wenn du plötzlich abbiegst, ohne vorher Handzeichen zu geben, riskierst du nicht nur dein eigenes Leben, sondern auch das der anderen Radfahrer:innen.
- Weg mit dem Smartphone: Ein weiteres absolutes Tabu ist das Telefonieren während der Fahrt. Die Strafen sind mit 95 Euro nicht gerade günstig, und es gibt genug Beispiele für Unfälle, die durch unachtsame Smartphone-Nutzer:innen verursacht wurden.
- Halte dich rechts: Auf den Radwegen solltest du immer rechts fahren und keinesfalls nebeneinander radeln. Die Regel lautet: Langsame Radfahrer:innen rechts, damit die schnelle Radfahrer:innen von links überholen können. Und glaubt mir - das werden sie.
- Nicht einfach anhalten: Halte niemals auf dem Fahrradweg an, das kann gefährlich werden, vor allem, wenn dir jemand dicht auf den Fersen ist. Wenn du die Straßenbahnschienen überqueren musst, dann immer in einem spitzen Winkel. Andernfalls rutschst du leicht mit den Reifen in die Rillen, und das könnte einen gefährlichen Sturz verursachen.
- Richtig parken: Eines der größten Probleme in Amsterdam ist der Mangel an Parkplätzen für Fahrräder. Obwohl die Stadt riesige Fahrrad-Parkhäuser eingerichtet hat, dauert es manchmal eine Weile, bis du einen freien Platz findest. Wer sein Fahrrad jedoch außerhalb von vorgesehen Parkzonen abstellt, riskiert, dass es von der Stadt entfernt wird.
Damit Amsterdam nicht von wild abgestellten Fahrrädern zugepflastert wird, hat die Stadt mehrere Indoor-Parkplätze eingerichtet. Herzstück ist ein riesiges Unterwasser-Parkhaus am Hauptbahnhof, das Platz für 7000 Fahrräder bietet. In den Indoor-Stellplätzen ist das Parken für 24 Stunden kostenlos. Danach werden pro Tag 1,25 € berechnet, am Bahnhof 1,35 €. Alternativ können Fahrräder an dafür ausgewiesenen Stellen im öffentlichen Raum abgestellt werden.
Fahrradverleih in Amsterdam
Touristen steht ein großes Angebot an Leihfahrrädern und E-Bikes zur Verfügung. Wer ein Fahrrad oder E-Bike in Amsterdam mieten möchte, muss einen stationären Verleiher aufsuchen. Hiervon finden sich in der Stadt gleich mehrere. Größere Vermieter sind unter anderem Mac Bike, Black Bikes und Yellow Bike.
Mac Bike
Im Zentrum von Amsterdam gibt es 5 Verleihstationen. Fahrräder können für eine Stunde, drei Stunden, einen Tag oder mehrere Tage ausgeliehen werden. Benötigt wird eine Kreditkarte oder ein Personalausweis sowie eine Kaution in Höhe von 50 € pro Rad. Normale Fahrräder gibt es für 15 €/Tag, Elektroräder kosten 33 €/Tag. Daneben gibt es Räder mit Kindersitz, Lastenräder, Tourenräder und Tandems. Angeboten werden auch geführte Fahrradtouren in deutscher Sprache.
Black Bikes
Der Anbieter hat 16 Verleihstationen in Amsterdam. Der Vorteil: Das gemietete Fahrrad kann an jedem der Standorte wieder zurückgegeben werden. Die Mindestmietdauer beträgt drei Stunden. Ein normales Fahrrad kostet für drei Stunden 13 €, für den ganzen Tag 17,50 €. Für das E-Bike werden für drei Stunden 19,99 € verlangt, für den ganzen Tag 29,99 €. Wer online reserviert erhält 10 % Rabatt. Erhältlich sind auch Tandems, Lastenräder und Kinderräder. Um ein E-Bike auszuleihen, braucht man eine Kreditkarte, über die eine Kaution von 250 €/pro Rad zu hinterlegen ist. Für Fahrräder ohne Elektroantrieb reicht ein Ausweis aus.
Yellow Bike
Die Anmietstation befindet sich in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs. Wie der Name sagt, erhält man dort markant gelbe klassische Hollandräder mit Rücktritt. E-Bikes und andere Rad-Typen werden nicht angeboten. Bei Onlinereservierung liegt die Mindestmietdauer bei einem Tag. Vor Ort kann ein Fahrrad auch für 2 Stunden à 8 € ausgeliehen werden. Ansonsten kostet das Fahrrad 14,50 € pro Tag. Für zwei Tage sind 22 € und für eine Woche 70 € zu bezahlen. Für die Ausleihe benötigt wird ein Ausweis oder ein Führerschein. Pro Rad ist eine Kaution von 50 € (mit Versicherung) bzw. 75 € (ohne Versicherung) zu hinterlegen. Geführte Touren gibt es ab 27,50 € pro Erwachsenen.
Dos and Don'ts
- Geben Sie immer Handzeichen beim Abbiegen oder Überholen.
- Die Nutzung des Handys während der Fahrt ist verboten. Es droht ein Bußgeld von 95 €.
- Fahren Sie möglichst weit rechts und nicht nebeneinander.
- Halten Sie nicht auf dem Fahrradweg an.
- Kreuzen Sie Straßenbahnschienen nicht parallel, sondern möglichst quer.
- Parken Sie das Fahrzeug nur an zugelassenen Orten - sonst wird es entfernt.
- Beachten Sie die fahrradfreien Zonen (z. B. Fußgängerzonen).
- Auch für Fahrräder untereinander gilt: Rechts vor Links, wenn nicht anders geregelt.
- Schließen Sie das Fahrrad sicher an.
Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln
Wenn du mal nicht fahren möchtest, kannst du dein Fahrrad auch problemlos in den öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen - zumindest teilweise. Auf den kostenlosen Fähren für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen kannst du jederzeit dein Fahrrad mitnehmen. In den Straßenbahnen und Bussen der Stadt hingegen ist das nicht partout erlaubt. In der Metro gibt es Ausnahmen: Außerhalb der Stoßzeiten, also zwischen 9:00 und 16:00 Uhr sowie nach 18:30 Uhr, darfst du dein Fahrrad mitnehmen, solange es andere Fahrgäste nicht stört. Dafür musst du allerdings ein extra Ticket lösen. Am Wochenende und an Feiertagen kannst du dein Fahrrad ganztägig mitnehmen, ohne dich an die Stoßzeiten halten zu müssen.
Die Rushhour ist allerdings nicht zu unterschätzen. Zwischen 7:00 und 9:00 Uhr sowie 16:00 und 18:30 Uhr ist es nicht erlaubt, dein Fahrrad in die Metro mitzunehmen. Zu diesen Zeiten ist der Verkehr besonders dicht, und die Züge sind oft überfüllt. Du solltest also gut planen, wann du dein Fahrrad transportieren möchtest.
Routenempfehlungen für Radtouren in Amsterdam
Radfahren ist auch die beste Art, die umliegende Landschaft zu sehen. Die Stadtführer, die oft seit über 20 Jahren in der Stadt leben, kennen jede Ecke und können Ihnen informative Einblicke in die Geschichte und Kultur der Stadt geben.
- Grachtengürtel Route: Erkunden Sie den Grachtengürtel mit seinen Kanälen und Grachtenhäusern.
- Historische Stadttour: Diese Tour führt Sie durch die historischen Viertel und vorbei an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Amsterdamer. Sie erfahren mehr über Künstler wie Rembrandt und besuchen Kirchen aus dem 17. Jahrhundert ist ein Muss.
- Vondelpark: Der größte Stadtpark Amsterdams ist der perfekte Ort für eine Pause. Im Vondelpark können Sie sich erholen und die Natur mitten in der Hauptstadt genießen.
- Jordaan: Dieses charmante Viertel ist bekannt für seine engen Gassen, gemütlichen Cafés und bunten Märkte.
Neben den sehenswerten alten Fabriken und Lagerhäusern entlang des Flusses freuen Sie sich auch auf die schönen Windmühlen in Zaanse Schans, wo Senf, Farbe und Öl bis zum heutigen Tag produziert werden. Schauen Sie sich die vielen Filme auf Youtube an, um einen Vorgeschmack auf Zaanse Schans zu bekommen.
Weitere Routen:
- Tour nach Marken, Volendam und Edam an der Küste des einstigen Zuiderzee-Meeres.
- Strecke zum Schloss Muiden.
- Route zum Zaandam.
Zusammenfassung
Amsterdam ist zum Radfahren wie geschaffen. Touristen steht ein großes Angebot an Leihfahrrädern und E-Bikes zur Verfügung. Das Radwegenetz umfasst rund 400 km. Die Fahrradwege sind rot markiert, verfügen über eigene Ampeln und Abbiegespuren. Und auch an Kreuzungen enden die Radwege nicht, sondern sind mit diesen verbunden. Also, rauf aufs Rad und los geht's!
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