Eine Solo-Tour mit dem Fahrrad ist eine besondere Erfahrung, die Unabhängigkeit und Freiheit bietet. Das Rad dient als bestes Fortbewegungsmittel und ermöglicht es, die Umgebung aus einer neuen Perspektive kennenzulernen. Dieser Beitrag widmet sich der Planung der (ersten) Solo-Tour in Spanien, wobei die Erfahrungen und Tipps aus der Sicht einer Frau geschrieben sind, aber sicherlich für alle Radfahrer relevant sind.
Die folgenden Themen werden behandelt:
- Zielsetzung
- Grenzen
- Vorbereitung
- Equipment
- Basics
- Übernachtung
- Fahrradsicherheit
- Planung und Informationen
1. Zielsetzung: Suche dir ein Ziel!
Ein bestimmtes Ziel, das örtlich, Personen oder Event bezogen sein kann, motiviert während der Tour sehr. Persönliche Ziele, wie die ersten 200 km am Stück fahren, sind hilfreich, aber auch nicht in Stein gemeißelt! Es ist wichtig, dass Ziele erreichbar erscheinen und gegebenenfalls anpassbar sind! Sei es eine bestimmte Streckenlänge, die erste Übernachtung draußen allein oder das Erreichen eines bestimmten Ortes (in einer bestimmten Zeit) - du bestimmst, was du machen möchtest! Und zwar nur du!
2. Grenzen: Kenne deine Grenzen und teste sie!
Persönliche Grenzen helfen abzustecken, wie weit man gehen möchte - sei es mit den körperlichen Fähigkeiten oder im mentalen und persönlichen Rahmen. Einige Grenzen müssen nicht starr sein und können sich verändern. Es kann hilfreich sein, sich mit Freunden auszutauschen und mit dem Fahrrad raus zu fahren und zu reisen, um ein Gefühl für die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.
Für die Routenplanung kann es hilfreich sein, zu wissen, welche Distanzen man radfahren kann, falls man bestimmte Tagesstreckenlängen berechnen will. Natürlich spielen auch Terrain, Wetter und Stimmung mit rein, doch mit jeder Tour lernst du dazu. Du kannst auch von Ort zu Ort, Café zu Café oder in Stunden fahren. Was ist eine bessere Motivation, als von Eisdiele zu Eisdiele zu radeln? Außerdem hält es dich davon ab, ständig auf diesen Kilometerstand zu schauen!
Es reicht manchmal auch schon, ein paar Kilometer raus aus der Stadt zu fahren, einen Tag oder für ein Wochenende in bekannte Gefilde zu radeln, um zu erfahren, was passt oder nicht. Die erste kurze Ausfahrt allein kann ein ganz besonderes Erlebnis sein und eine wichtige Erfahrung noch dazu.
3. Vorbereitung: Bereite dich vor & teste deine Ausrüstung!
Ein wenig Vorbereitung sorgt bei längeren Touren oder Reisen dafür, dass es dann währenddessen alles etwas entspannter abläuft. Die richtige Vorbereitung kann also sehr individuell ablaufen.
Das inkludiert:
- Die Wahl des passenden Fahrrads (inkl. Teile, also passende Reifen, Übersetzung, Sattel usw.).
- Das Planen einer Route (obwohl selbst das optional sein kann, aber zur besseren Orientierung und Zeiteinschätzung beiträgt).
- Zu entscheiden, wie man navigiert (Smartphone, Navigationsgerät, Papierkarte, Schilder).
- Herauszufinden, wie man anreist, falls man nicht von zu Hause losfährt (Bahn, Fähre, Flieger).
- Die Entscheidung, wo und wie man essen will (Kocher, Imbiss, Restaurant, Supermarkt).
- Die Suche nach Verpflegungspunkten (und gegebenenfalls Übernachtungsorten).
- Das Packen der passenden Ausrüstung.
- Das eigene Fahrrad zu kennen und z.B. einen Platten flicken zu können.
- Regionale Besonderheiten zu prüfen.
- Notfallkontakte und Versicherung (besonders bei Auslandreisen) parat haben.
Wenn man ein neues Fahrrad hat oder neue Ausrüstung, führt man diese normalerweise vor einer Reise erst einmal auf eine Testfahrt aus. So macht man sich mit allem vertraut und kennt bei einer längeren Tour sein Equipment. Du musst dein Fahrrad nicht komplett auseinander nehmen können - auch wenn das bestimmt ein Bonus ist, den ich auch nicht bieten kann ;-).
Aber zumindest das Laufrad ausbauen und einen Schlauch flicken und wechseln können oder die Kette wieder einhängen, sind ein leicht zu lernendes Pflichtprogramm. Das vermittelt auch für eine mögliche Panne unterwegs mehr Ruhe und Sicherheit, auch wenn es immer ein nerviges Übel ist.
4. Equipment: Finde heraus, was du wirklich brauchst!
Die Frage der Ausrüstung ist eine ganz individuelle und definitiv abhängig von der Reiseregion und Infrastruktur. Für eine Tagestour braucht man nicht viel mehr als sein Fahrrad, Getränke, Snacks und vielleicht ein Repair-Kit, eine Pumpe und Werkzeug. Für eine Radreise darf es etwas mehr sein: Je nach Ort und Art der Tour kann die Ausrüstung stark variieren.
Packlisten sind für Reisen übrigens kleine Retter, wenn es darum geht, nichts zu vergessen! Von Zahnbürste über Ladekabel bis Stirnlampe helfen sie, sich auch an die kleinen Dinge zu erinnern. Und wie befriedigend ist am Ende das Häckchensetzen bitte, wenn alles eingepackt ist?
Folgende Fragen können außerdem bei der Ausrüstungswahl helfen:
- Was habe ich vor? Will ich weit reisen und muss möglichst viel mitnehmen, plane ich Übernachtungs- oder Mehrtagestouren oder möchte ich eher Tagestouren angehen?
- Wie sind die Wetteraussichten? Inwiefern beeinflusst das mein Ausrüstung und meine Kleidung?
- Schlafe ich in Pensionen und spare mir Gepäck oder nehme ich Zelt und Schlafsack mit und campe?
- Will ich mit klassischem Radreise Set-Up und Gepäckträger fahren oder lieber im Bikepacking-Modus alles ans Rad schnallen?
- Wo und wie esse ich? Nehme ich eine Kocher mit oder kehre ich ein bzw. verpflege ich mich vor Ort?
- Was kann ich mir an Equipment leihen, was habe ich und was muss ich kaufen?
Ausrüstung leihen oder gebraucht kaufen
Nicht alles muss oder kann sofort gekauft werden! Je nach Reiseplan, kann das schnell teuer werden. Warum also nicht leihen oder gebraucht kaufen? Gerade wenn die Sachen nicht regelmäßig in Benutzung sind, ergibt das Kaufen wenig Sinn. Frag im Freundeskreis herum oder gar via Social Media! Es gibt übrigens auch kommerzielle Möglichkeiten, Ausrüstung zu leihen, vom Zelt, über die Isomatte bis zum Rucksack ist die Auswahl sehr groß. So etwas lohnt sich auch, wenn du ein Produkt erst ausprobieren möchtest, bevor du es selbst kaufst.
Der Jakobsweg mit dem Fahrrad
Der Jakobsweg ist einer der schönsten Radrouten Europas. Er ist der bekannteste Pilgerweg der Welt. Laut aktuellen Pilgerstatistiken absolvieren etwa 10% der Pilger den Camino de Santiago per Fahrrad. Die Strecke der zu Fuß gehenden Pilger ist nicht komplett identisch mit dem Jakobsweg für Radfahrer.
Radfahren ist einfach weniger kommunikativ als Wandern. Du folgst einem über tausend Jahre alten Pilgerweg. Du bist umgeben von lauter Pilgern. Du schnupperst dieselbe Luft, du schläfst in denselben Herbergen und du hast dasselbe Ziel.
Fahrrad FAQ
Während der Tour verbrauche ich zwischen 30 € und 60 € am Tag. Die Ausgaben beinhalten den Campingplatz, das Essen in der örtlichen Gastronomie und sonstige Einkäufe. Es gibt aber auch Radler, die kommen mit 200 € im Monat aus.
Die Kosten sind sehr individuell und abhängig von den Ländern, durch die man fährt. Dabei sind Schweden oder Finnland deutlich teurer als Portugal oder Kroatien.
Am Fahrrad habe ich eine Lenker-, zwei Vorderrad- und zwei Hinterradtaschen. Vollbepackt mit Zelt, ISO-Matte und der kompletten Ausrüstung sind es ungefähr 25 Kilogramm.
Wenn man das Gewicht vom Fahrrad (17 kg), dem Schloss (1 kg) und den Getränken (3 kg) dazurechnet, dann komme ich auf ein Gesamtgewicht von ca. 46 Kilogramm.
Radfahren und Urlaub in Spanien
Radfahren und Urlaub lassen sich in Spanien ausgezeichnet miteinander vereinbaren. Dank des guten Klimas ist der Fahrradtourismus in Spanien praktisch das ganze Jahr über möglich.In Spanien erwarten Sie Routen durch Naturräume und Touren aller Schwierigkeitsgrade. Die atemberaubende Landschaft entlang der Wege ist wirklich lohnenswert. Spanien ist das Land mit den meisten Biosphärenreservaten (55) und verfügt über 16 Nationalparks sowie einige der schönsten und am besten ausgeschilderten Routen in Europa (darunter der Jakobsweg, wo Sie sogar kostenlose Herbergen finden).
Viele Touren führen durch kulturell und gastronomisch interessante Orte. Wenn Sie auf der Suche nach einer Unterkunft zum Rasten sind, können Sie zwischen Hotels, ländlichen Unterkünften, Campingplätzen, Herbergen usw. wählen. Es gibt auch sogenannte „Bike-Hotels“, die besonders häufig auf Mallorca, auf den Kanarischen Inseln und in den Pyrenäen anzutreffen sind.
Grüne Wege: Die Vías Verdes
Die sogenannten „Vías Verdes“ sind mehr als 3.200 Kilometer ehemaliger Eisenbahnstrecken, die für Radfahrer hergerichtet wurden. Insgesamt stehen mehr als 120 Strecken mit sehr unterschiedlichen Entfernungen (von 1 bis zu 100 Kilometern) zur Verfügung. Es handelt sich dabei unter anderem um alte Eisenbahnstrecken, Hohlwege, Viehpfade und Fußwege. Es gibt 17 festgelegte Routen mit einer Gesamtlänge von rund 90.000 km. Drei Hauptrouten verlaufen größtenteils durch Spanien: EuroVelo 1 - Atlantikküsten-Route, EuroVelo 3 - Pilger-Route und EuroVelo 8 - Mittelmeer-Route.
Einige Beispiele für berühmte Routen:
- Jakobsweg: Diverse Strecken enden an der Kathedrale von Santiago de Compostela (Galicien), darunter der Französische Weg, der Ursprüngliche Jakobsweg und der Englische Weg.
In Spanien dürfen Radfahrer in der Regel nicht auf Autobahnen und Schnellstraßen fahren (vorbehaltlich gegenteiliger Beschilderung). Den Vorschriften entsprechend muss nachts und in Tunneln reflektierende Kleidung getragen werden, und Vorder- und Rücklichter müssen 50 Meter weit sichtbar sein.
Wichtig: In ganz Spanien gilt außerhalb geschlossener Ortschaften für Fahrradfahrer eine Helmpflicht.
Wenn Sie mit dem Flugzeug nach Spanien kommen und Ihr Fahrrad mitbringen wollen, muss dieses ordnungsgemäß verpackt sein. Einige Fluggesellschaften berechnen für Fahrräder einen Aufpreis. Dasselbe gilt für die Langstrecken-Busunternehmen. Berücksichtigen Sie dies vor dem Kauf des Tickets.
Wenn Sie mit der Bahn reisen, akzeptiert das nationale Netz der spanischen Eisenbahnen (RENFE) Fahrräder, die die angegebenen Handgepäckmaße überschreiten, in AVE-, Langstrecken- und Avant-Zügen auf nationalen Strecken unter folgenden Bedingungen:
- Das Fahrrad muss zusammengeklappt oder zerlegt in einer Hülle mit den maximalen Abmessungen von 120 x 90 x 40 cm (Länge-Höhe-Breite) verstaut sein.
- Die Pedale müssen entfernt und der Lenker um 90º gedreht sein.
Dank des milden Klimas können Zweiradfreunde das Land auf der iberischen Halbinsel praktisch das ganze Jahr über erkunden. Dennoch sollten Reisende bedenken, dass die Temperaturen insbesondere im Sommer in einigen Regionen sehr hoch sein können. Wer es also beim Radeln nicht ganz so heiß mag, sollte die Monate Juni, Juli und August besser meiden. Ein weiterer Pluspunkt für das Reisen in der Nebensaison: Viele Wege und Sehenswürdigkeiten sind deutlich weniger überlaufen.
Auf den sogenannten „Vías Verdes“ können Radtouristen das Land auf mehr als 3.400 Kilometern stillgelegten Eisenbahnstrecken entdecken, die für Fahrradfahrer und Wanderer ausgebaut wurden. Um sich trotz der in der Regel guten Beschilderung nicht zu verfahren, empfehlen wir ein GPS-Gerät fürs Fahrrad.
Eine weitere Möglichkeit, Spanien auf dem Zweirad zu erkunden, bieten die EuroVelo-Routen. Das europaweite Netz von Radfernwegen verbindet auf einer Länge von rund 90.000 Kilometern den gesamten Kontinent miteinander. Drei der 17 Hauptrouten verlaufen größtenteils durch Spanien: Eine davon ist EuroVelo 3, die sogenannte Pilger-Route.
Eine der beliebtesten Routen für Fahrradfahrer auf dem Jakobsweg ist der Camino Francés. Die insgesamt ungefähr 830 Kilometer können in der Regel innerhalb von etwa 8 bis 14 Tagen zurückgelegt werden - abhängig von der körperlichen Verfassung und sportlichen Vorbereitung.
Unser Tipp: Lassen Sie es mit etwa 50 Kilometern pro Tag etwas entspannter angehen. So haben Sie mehr Zeit, die idyllischen Landschaften und interessanten Städte entlang des Weges zu erkunden - und ganz in die spanische Lebensweise einzutauchen.
Packliste für Sie und Ihr Fahrrad
Bei der Wahl des Fahrrads kommt es vor allem darauf an, wo Sie in Ihrem Urlaub unterwegs sein werden. Für viele Wege empfiehlt sich ein Mountainbike, um auch unebenes Gelände gut passieren zu können. Wer lieber mit einem Tourenrad fährt, muss an einigen Stellen eventuell von der vorgegebenen Strecke auf größere Straßen ausweichen.
Um optimal ausgerüstet zu sein, sollten Sie bequeme Kleidung zum Radfahren, geeignete Schuhe, eine Regenjacke mit reflektierenden Elementen, Handschuhe, Sonnenbrille und Sonnenschutz einpacken. Außerdem sollten Sie ein Basis-Werkzeugset für mögliche Pannen mit Flicken, Schlüsseln, Klebstoff, Pannenschutzmittel, Schmierfett sowie ein Schloss dabeihaben.
Routenvorschläge für eine dreiwöchige Veloreise in Spanien
- Jakobsweg: Landschaftlich schön und gut ausgestattet bezüglich Unterkunftsmöglichkeiten.
- Santander-Valencia: Einsame Strecke mit Höhepunkten wie die Querung der Kantabrischen Kordillere über den Puerto de las Truebas, die urkastilische Stadt Burgos, die Yecla-Schlucht mit den seheswerten Zielen Covarrubias und dem Kloster Santo Domingo de Silos.
- Barcelona - Gibraltar: Passt gut für etwa drei Wochen.
Es wird empfohlen, sich eher an die Mittelmehrküste bzw. Mittelspanien zu halten, da es im Norden Spaniens im April noch kalt sein kann.
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