Thailand ist ein Paradies für Radreisende und bietet eine ideale Mischung aus herzlichen, entspannten Einwohnern, westlichen Standards, tropischen Regenwäldern, steilen Bergetappen und Strandbaden.
Warum Thailand für eine Radtour ideal ist
- Abwechslungsreiche Landschaft: Von den Bergen im Norden bis zu den Stränden im Süden bietet Thailand eine Vielzahl von Landschaften.
- Gastfreundliche Menschen: Die Thailänder sind bekannt für ihre Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit.
- Gesundes und abwechslungsreiches Essen: Die thailändische Küche ist köstlich und bietet für jeden Geschmack etwas.
- Geringe Reisekosten: Thailand ist ein vergleichsweise günstiges Reiseland.
- Gute Infrastruktur: Viele kleinere Nebenstraßen sind geteert und in gutem Zustand.
Routenplanung und Navigation
Anders als in den Nachbarländern sind viele kleinere Nebenstraßen in Thailand geteert und in gutem Zustand.
Dank GPS-Routing lassen sich bequem sämtliche Schnellstraßen umgehen - ohne digitalen Helfer ist dies sehr viel umständlicher bzw. unmöglich, da sich viele Sträßchen irgendwann verlieren oder blind enden.
„Viel zu viele Radtouristen bleiben auf den Hauptstraßen!“, meint ein Warmshowers-Gastgeber und hat völlig Recht.
Die Highways sind dank eines Seitenstreifens zwar sicher zu befahren, aber fast durchgängig von Buden, Betonbauten und Müll gesäumt, obendrein außerdem extrem laut und abgasschwanger.
Zudem lassen sich, wenn gewünscht, einzelne Gebiete ganz einfach im Zug auch mit den Rädern überspringen.
Ausrüstung und Fahrräder
Die Straßen des Landes befinden sich überwiegend in gutem Zustand und stellen keine besonderen Ansprüche an die Fahrräder. Unsere massiven Packesel sind reichlich überdimensioniert.
Gute Tourenräder oder Randonneur, in jedem Falle mit eher schmalen Reifen, sind völlig ausreichend. In den Bergen des Mae Hong Son Loops sind starke Bremsen und eine Gangschaltung mit vielen Gängen wichtig.
Auf einen Rückspiegel würden wir nicht verzichten wollen.
Abgesehen vom hohen Norden des Landes sinken die Temperaturen nur selten unter die Kuschligkeitsgrenze, daher reicht luftige, kurze Kleidung (klare Empfehlung: Merinowolle), dazu lange Kleidung für kühle Abende.
Auch das Schuhwerk darf leicht sein: Sandalen oder Sneaker. Empfehlenswert ist wasserdichtes Schuhwerk zum Baden, da die Strände abseits der Touristenorte oft mit Müll gespickt sind.
Unterkünfte und Verpflegung
Hotels gibt es überall, in allen möglichen Preislagen und generell recht günstig, das gleiche gilt für Restaurants.
In jedem noch so kleinem Ort gibt es Garküchen, in denen Radreisende für ein bis zwei Euro satt werden. Zudem erfrischen die überall verkauften Eis-Shakes hervorragend - allerdings fangen wir uns Giardien (Parasiten) ein.
In größeren Städten gibt es Supermärkte mit westlichem Angebot, eine willkommene Abwechslung zur einheimischen Küche.
Zelten ist möglich, am Feldrand oder auch in Klöstern, wo wir sogar oft duschen können. Allerdings krabbeln - neben Skorpionen, Taranteln und Schlangen - auch hier die tropischen Ameisen, die sich ggf. durch Zeltwände beißen.
Wir gönnen uns zwei Wochen klimatisierte Bungalows für 10 bis 20 Euro direkt am Strand.
Reisezeit und Visum
November bis März (Trockenzeit). Während der Regenzeit sind viele Straßen überschwemmt und Zelten fast unmöglich.
Wir reisen entspannt mit dem Boot über den Mekong von Laos ein. Ohne Visum möglich, die Aufenthaltsdauer beträgt 30 Tage. Wer kein Flug-, Bus-, oder Zugticket als Ausreisebeleg vorzeigt, muss jedoch ein Visum kaufen.
Geld und Kommunikation
Landeswährung ist der Thailändische Baht (THB). Die Geldabhebung mit Kreditkarte stellt kein Problem dar. Das Land ist recht günstig zu bereisen, vor allem Essen ist sehr billig.
In den Touristen-Hochburgen sprechen viele Thais Englisch, außerhalb bedarf es vieler Gesten und Google Translate als Offline-Übersetzer zur Kommunikation.
Gesundheit
Daniel erwischt es arg: eine eitrige Luftröhrenentzündung mit Fieber und Schüttelfrost. Er ist so matt, dass wir aus lauter Angst vor Malaria und Dengue ein privates Krankenhaus in Chiang Mai aufsuchen.
Hunderte Patienten warten in dessen Empfangshalle und ich rechne mit dem Schlimmsten. Doch letztlich funktioniert dieses Thai-Spital besser als ein deutsches Modell: Dem Arztgespräch folgen umgehend Labortests, die Medikamente inklusive Wurmkur erhalten wir in der integrierten Apotheke und zahlen mit VISA-Karte. Nach nur drei Stunden sind wir fertig, weniger als 80 Euro kostete alles zusammen.
Umweltprobleme
Steigender Lebensstandard und Massentourismus (also auch wir) führen im ganzen Land zu enormen Umweltproblemen. Knapp 40 Millionen Besucher urlaubten hier 2017, damit liegt Thailand auf Platz drei der umsatzstärksten Reiseziele weltweit, direkt hinter den USA und Spanien.
Jährlich gelangen 700.000 Tonnen Plastikmüll ins Meer, denn Abfall wird schlicht im nächsten Bach entsorgt. Ungeklärte Abwässer verwandeln ganze Buchten in Kloaken.
Gastfreundschaft und kulturelle Besonderheiten
Doch trotz des touristischen Dauerbooms erfuhren wir seit Pakistan nicht mehr soviel Gastfreundschaft. Das in einem Land, das seiner zahllosen Gäste eigentlich überdrüssig sein dürfte!? Ob Bananen, Wasser, Papayas oder Reis - täglich beschenkt man uns reichlich.
Wir tappen in einige Peinlichkeitsfallen: Einmal verwechseln wir eine Trauerfeier mit einem Restaurant am Straßenrand, werden von den Gastgebern dennoch gemästet und bewirtet.
Ein anderes Mal fragen wir unsere Warmshowers-Gastgeber, wie ihnen der aktuelle König tauge. Der treibt sich nämlich gerne mit seinen Mätressen in der Münchner Schickeria herum. Die beiden lächeln verschmitzt und die Stimmung sackt in den Keller - Tage später erfahren wir, dass man wegen Majestätsbeleidigung hier locker in den Knast gesteckt wird.
Radfahren mit Kindern
Meine Tochter Anna hatte noch nie eine mehrtägige Radtour unternommen. Zudem war sie kurz vorher krank geworden. Wir wussten somit nicht, wie fit sie sein würde.
Herausgekommen ist diese Radtour von Bangkok nach Chiang Mai mit ein bisschen Zugfahren zwischendurch und fast immer auf kleinen Straßen parallel zu den großen Verkehrsachsen.
Meine Idee mit dem Skylane, der Radstrecke um den Flughafen Suvarnabhumi in Bangkok herum zu starten, fand Anna super gut. So konnten wir leicht testen, wie fit sie ist und uns einfahren ohne nervenden Verkehr.
Etappen der Radtour von Bangkok nach Chiang Mai:
- Prolog - Skylane
- 1. Etappe - Ayuttaya nach Chaiyo
- 2. Etappe - Chaiyo nach Chainat
- 3. Etappe - Chainat nach Nakon Sawan
- 4. Etappe - Khun Than nach Ganesha Museum
Transport des Fahrrads
Wichtig ist, dass die Fluggesellschaft ein Fahrrad als normales Gepäckstück oder als Sportgepäck ohne Aufzahlung akzeptiert.
Anders als beim Rennrad verpacke ich mein Tourenrad nicht in einem Koffer oder Karton, sondern baue das Schaltauge aus und drehe die Pedale nach innen. Danach schütze ich alle beweglichen Teile mit Polsterfolie.
Wer sein Rad für den Rückflug sicher verpacken will, sollte in Thailand einfach in einen guten Radladen gehen und dort für wenig Geld (ca. 300 Baht) in einem Radkarton verpacken lassen.
Fahrräder sind übrigens „oversize luggage“, d.h. es gibt im Suvarnabhumi Flughafen Bangkok einen speziellen Schalter, wo sie abgeholt werden müssen. Einfach nach den großen Schildern schauen oder das freundliche Personal fragen.
Wer sein Bike für ein paar Stunden oder Tage im Flughafen unterstellen will, kann das im 3. Stock bei „Left luggage“ (Suvarnabhumi) bzw. im 2. Stock zwischen den Terminals (Don Muang) machen. Für ab 100 Baht pro Gepäckstück sicher und praktisch.
Zugfahren mit dem Fahrrad
Ich war auf verschiedenten Routen in allen 4 Zugkategorien mit dem Rad unterwegs. Immer waren 90 Baht fürs Rad fällig - egal ob es die 5 Stationen von Lad Krabang zum Hauptbahnhof waren oder der Nachtzug nach Chiang Mai.
Nur zum Train Market in Samut Songkram war es anders. Im Ordinary, der untersten Kategorie wurde das Rad durchs Fenster in ein Waggon gehoben, in allen anderen gab es einen speziellen Cargo-Waggon. Nur beim Special Express wird kein Rad mitgenommen, weil dieser Zug mit 2 Waggons einfach keinen Platz dafür hat.
Fahrrad vorher anmelden ist wichtig.
Radfahren in Bangkok
Für erfahrene Biker, die den Thai-Fahrstil kennen, machbar. Darüber hinaus gibt es Touranbieter, die es Interessenten ermöglichen, Bangkok mit dem Rad zu entdecken ohne auf den großen Straßen im Stau zu stecken.
Der Skylane am Flughafen bietet eine super geniale Trainingstrecke. 25 km lang und ausschließlich für Radfahrer. Mit genialer Infrastruktur.
Rennradfahrer und Triathleten aus Bangkok trainieren hier. Eher „normale“ Radfahrer drehen ihre Runden hauptsächlich in den beiden Parks Lumphini und Benjakitti, die mit einem Fahrradweg verbunden sind. Aber auch im Suan Rot Fai beim Chatuchak-Markt lässt es sich gut radeln.
Herausforderungen und Tipps
Außerhalb der Großstädte und er der großen touristischen Inseln sind meine Erfahrungen mit Radfahren in Thailand sehr gut. Ich erlebe die Thais außerhalb der Großstädte als defensive Fahrer und meist gibt es eine „Schleichspur“ für Mopeds und Räder. Allerdings fahre ich ungern im Dunkeln.
Ein Problem sind für die Hunde. Manchmal dösen Sie einfach in der Sonne - mitten auf der Straße - und lassen mich in Ruhe. Manchmal aber meint einer den Kampf mit einem Radfahrer aufnehmen zu müssen oder es schießt einer aus einer Hofeinfahrt raus, um den vermeintlichen Eindringling zu vertreiben. Hunde in allen Größen und Rassen rennen dann bellend oder kläffend hinter mir her, mit der Schnauze schön auf Höhe meine Waden. Das jagt mir bisweilen Angst ein.
Meist reicht ein laut ausgerufenes „Pai“ (geh weg) und mit dem Arm auf sie zu zeigen, aber zur Sicherheit habe ich eine laute Pfeife dabei (Tornado 2000, wirklich laut, wenn man kräftig bläst). Nach einem lauten Pfiff höre ich zwar für ein paar Minuten keine hohen Töne mehr, die Hunde bleiben aber auch zurück. Wenn du eine laute Stimme hast, kannst du einen Hund auch richtig laut anbrüllen. Das stoppt fast jeden.
Beste Reisezeit und Klima
Als beste Jahreszeit zum Radfahren habe ich bisher November bis Februar erlebt, wobei es im Dezember und Januar im Norden morgens und abends recht kühl sein kann.
Meist ist es heiß beim Radfahren in Thailand. Ich schwitze dabei viel und muss daher auch auf ausreichende Aufnahme von Elektrolyten achten.
Den Tipp eines Weltradlers habe ich mir zu Herzen genommen: Je schlechter der Isodrink schmeckt, um so besser wirkt er. Daher lasse ich Gatorade links liegen (ist eh zu teuer) und kaufe „Sponsor“, das es in fast jedem kleinen Laden gibt. Und ich kaufe mir Isopulver günstig in der Apotheke. Das heißt dort „Glüa rae“ (เกลือแร่, Mineralsalz). Mein Favourite ist „J-lyte“.
Bei der Hitze trinke ich überhaupt sehr viel. Entsprechend habe ich zwei Dreiviertel-Liter-Flaschen am Rad. Selbst bei der Hitze darf das Wasser darin nicht nach Plastik schmecken. Die besten Erfahrungen habe ich mit VAUDE Trinkflaschen gemacht.
Radveranstaltungen
Mittlerweile gibt es viele Bike Events für die vielen Fahrrad-Begeisterten in Thailand.
Im Singha Park in Chiang Rai finden mehrmals im Jahr gut organisierte Radveranstaltungen statt.
Beim Chiang Rai Road Classic werde ich auch dieses Jahr im November wieder zusammen mit Hunderten anderer Enthusiasten dabei sein.
In Chiang Mai fand in den letzten beiden Jahren jeweils im Dezember ein Gran Fondo statt.
Auch Triathlon ist in Thailand mittlweile sehr populär. Was auf Phuket schon lange etabliert ist, kommt nun auch vermehrt in den Norden. So fand z.B. der Phayao-Triathlon mit Radstrecke um den schönen See 2019 zum ersten Mal statt. In Chiang Mai startete 2022 die Sprint-Serie Bike Zone Tri Sim. Aber auch Chiang Rai mausert sich: Triathlon in CR.
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