Die Radtour im Wilden Kaiser folgt in Teilen der ausgeschilderten Kaiserradrunde (blaues Signet). Mit unseren Varianten erhält die Umrundung jedoch eine sportlichere Note, gewürzt mit zahlreichen landschaftlichen Extra-Highlights.
Bergstraßen sind immer dann besonders spannend, wenn sie hautnah an die Felsen heranführen. Wenn die Mächtigkeit der Berge im wahrsten Sinn des Wortes greifbar wird - wie im Kaiserbachtal.
Wilder Kaiser-Tour Tag 1: Ins Herz des Kaisers
Am Morgen waren wir im geschäftigen Grenzstädtchen Kufstein gestartet. Hier zwängen sich Autobahn, Bundesstraße und Eisenbahn durch eine Engstelle im Inntal. Ein strategisch idealer Ort für eine Festung, auch wenn es im Mittelalter lediglich eine Handelsstraße entlang des Flusses gab.
Noch vor wenigen Kilometern war das Kaisergebirge nichts weiter als ein ferner Kamm, der eine gezackte Linie in den blauen Himmel zeichnet. Eine Kulisse hinter den sanft gewellten Almwiesen am Walchsee. Nun ragen die Felswände unmittelbar neben uns auf.
Die Dame an der Schranke winkt uns durch. Anfangs geht es fast ohne Steigung in diese andere Welt hinein. Von jetzt auf gleich sinkt die Temperatur um zehn Grad, denn spätestens ab Ende Oktober liegt der Talgrund fast ständig im Schatten.
Ein Mautsträßchen führt von Griesenau hinein ins Herz des Kaisers - ausnahmsweise! Denn seit 1963 ist das gesamte Gebirge ein Naturschutzgebiet. Keine Seilbahn entweiht die erhabenen Gipfel, keine Straße überquert seinen Kamm. Nur Wanderer, Skitourengeher und Kletterer dürfen den Fels berühren.
Erst im Frühjahr blinzelt die Sonne wieder über die bizarren Gipfel von Lärcheggspitze, Predigtstuhl und Totenkirchl hinweg. Kein Wunder, dass Skitourer im berühmten Griesner Kar ihre Schwünge bis weit in den Mai hinein in den Schnee zeichnen können.
Ab der Fischbachalm sind wir dann doch froh, dass uns die E-Bike-Motoren auf den letzten Höhenmetern zum Ziel unterstützen. Lohn der Mühen: Die Griesner Alm bekommt um die Mittagszeit gerade noch etwas Sonne ab.
Länge der Tour: 56 Kilometer, Anstieg: 700 Höhenmeter, Maximale Steigung: 10 %.
Nach einer nahezu flachen Einrollphase im Inntal wartet der lang gezogene Anstieg ins Walchsee Hochtal (130 Hm). Abseits der Hauptstraße umrundet man die sogenannte Schwemm (Moor) und den Walchsee (Bademöglichkeit).
Während die Originalroute nun über Kössen durchs flache Tal der Großache nach Sankt Johann führt, hat der Bichlachweg zwar mehr Anstiege im Profil, bietet aber deutlich mehr fürs Auge.
Um ins Kaiserbachtal zu gelangen, den unzweifelhaften Höhepunkt der Tour, verlassen wir bei Niederbichl die ausgeschilderte Kaiserradrunde nach Süden - und entdecken mit dem Bichlachweg eine nicht minder schöne Variante. Vorbei an Bilderbuch-Bauernhöfen schwingt sich der schmale Wirtschaftsweg durch hügeliges Almgebiet.
In Griesenau steht man vor der Entscheidung: entweder den Abstecher ins Kaiserbachtal auslassen und geradeaus direkt nach Sankt Johann rollen. Oder die 240 Höhenmeter zur Griesner Alm in Angriff nehmen und die beeindruckendste Kaiserkulisse der gesamten Runde genießen. Das Mautsträßchen zur Alm ist für Fahrräder gratis.
Tipp für Radler ohne E-Unterstützung: Schon der Weg zur auf halber Strecke liegenden Fischbachalm lohnt sich!
Wilder Kaiser-Tour Tag 2: Platz an der Sonne
Nach dem intensiven Felsen-Schauspiel im Kaiserbachtal geht die zweite Etappe wieder etwas auf Distanz zum Gebirge. Ein paar Anstiege tauchen dennoch im Profil auf.
Länge der Tour: 42 Kilometer, Anstieg: 600 Höhenmeter, Maximale Steigung: 10 bzw. 16 % (Hintersteiner See).
Man darf nicht verschweigen, dass Sankt Johann auch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt ist. Doch auf der Radroute lässt man die Hektik der Stadt schnell hinter sich.
Zum Beispiel gleich nach dem Start in Sankt Johann, wo der Römerweg bald traumhafte Weitblicke eröffnet. Zum Glück außer Sicht- und Hörweite der berüchtigten B 178, wo der Ausflugsverkehr Richtung Kitzbühel rauscht.
Die Route schlängelt sich auf einer aussichtsreichen Trasse entlang, weit oberhalb der Bundesstraße 178. Von der Südseite her präsentiert sich das Kaisergebirge in seiner Postkarten-Ansicht.
Wir rollen durch die bekannten Dörfer Going und Ellmau, die die Ruhe vor dem Sturm der Skifahrer zu genießen scheinen. In Scheffau kommen wir noch einmal in die Nähe der kaiserlichen Felsen.
Nach einer Abfahrt, vorbei an einem beliebten Badesee, passiert man die bekannten Wintersportorte Going und Ellmau. In Scheffau zweigt nach Wunsch die Stichstraße zum idyllischen Hintersteiner See ab (230 Hm). Landschaftlich ein weiteres Highlight, aber der Anstieg ist mit seinen bis zu 16 % steilen Rampen ohne E-Antrieb wirklich eine Herausforderung (Einkehr- und Bademöglichkeit am Seestüberl).
Die Steilrampen zum Hintersteiner See wollen hart erkämpft werden. Dank unserer E-Bikes gönnen wir uns den Abstecher, wohl darauf bedacht, nicht zu viel Akkuleistung zu verbraten. Denn bis Kufstein warten noch ein paar Wellen....
Nach der Kletterpartie folgt das Finale nach Kufstein auf einer teils neu eröffneten Radtrasse.
Weitere Informationen zur Radtour
Insgesamt angegeben mit 83 Kilometern und 700 Höhenmetern. Für die Abstecher ins Kaiserbachtal und zum Hintersteiner See ist ein E-Bike sehr zu empfehlen. Ein Großteil der Wege ist asphaltiert.
Die Tour führt mit einer maximalen Höhe von rund 1.000 Metern zwar nicht in hochalpine Regionen. Aber die Region Kaisergebirge gilt als Schneeloch, sodass durchaus bis in den April hinein partiell Schnee liegen kann.
Besonders auf dem schattigen Abstecher ins Kaiserbachtal! Der Herbst hingegen kann Sonne und milde Temperaturen bis weit in den Oktober hinein bringen. Wenn möglich, die Ferienmonate Juli und August meiden.
Für Übernachtungen am Start- und Zielort findet man Infos auf www.kufstein.com.
Tabelle: Übersicht der Etappen
| Etappe | Länge | Anstieg | Maximale Steigung | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Tag 1: Ins Herz des Kaisers | 56 km | 700 Hm | 10 % | Kaiserbachtal, Griesner Alm |
| Tag 2: Platz an der Sonne | 42 km | 600 Hm | 16 % | Hintersteiner See, Going, Ellmau |
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