Die Radpilgertour von Emmerich nach Nijmegen ist eine wunderschöne Fahrradroute, die durch die malerische Landschaft an der deutsch-niederländischen Grenze führt. Diese 40 Kilometer lange Tour verbindet die Hansestadt Emmerich mit der ältesten Stadt der Niederlande, Nijmegen, und bietet eine abwechslungsreiche Mischung aus Natur und Kultur.
Vorbereitung und Anreise
Den Tipp für die morgige Tour habe ich noch während unserem diesjährigen My Camino von Waltraud A aus Haldern bekommen. Und einige vom Pilgerstammtisch Bocholt waren letztes Jahr hier zur Einweihung der Pilgerherberge. Dadurch kommt mir die Idee einen Tag vorher anzureisen. Der Kontakt zur organisierenden Gilde ist schnell hergestellt und die Herberge in Emmerich lässt sich mit etwas Vorlauf unkompliziert über den Webauftritt der Gilde anfragen.
Auf bekanntem Weg fahre ich mit dem Rad 11 km von Hünxe nach Voerde zum Bahnhof. Mit dem Nahverkehrszug soll’s planmäßig um 10:45 Uhr von Voerde nach Empel-Rees gehen. Die aktuelle Verspätung beträgt laut meiner DB-App um 10:20 Uhr immerhin 31 min. Das Wetter: bedeckter Himmel, zeitweise strammer Gegenwind. Nach den ersten 6 km setzt auf dem Weg nach Voerde leichter Nieselregen ein. Im Café beim Bäcker ist es warm und trocken. Auch der Kaffee crema ist sehr gut. Der RB5 kommt schließlich um 11:15 Uhr. Ich stehe am Anfang des Zuges. Der Fahrradwagen ist aber leider heute am anderen Ende. Wegen der Verspätung hat es der Zugführer eilig. Ich wuchte mein Rad am hohen Einstieg zu einem doppelstöckigen Wagen hoch. Ein junger Mann fasst mit an. In Rees-Empel ist der Bahnsteig neuer; so bekomme ich das Rad mühelos die drei Stufen runter.
Den von mir geplanten Track nach Emmerich habe ich gestern vergessen in den Fahrradnavi zu laden. Ich frage einen Passanten nach dem Radweg und entschließe mich ohne den Track die Etappe nur nach den Schildern zu fahren. Bei Bedarf kann ich den Track ja auch unterwegs vom W10-Tablett in den Navi nachladen oder eine Route am Navi selbst berechnen lassen. Den real gefahrenen Track zeichne ich auf. Das Ergebnis können Sie / könnt Ihr oben sehen. Bis kurz vor die Rheinpromenade hat die Fahrt nach Schildern sehr gut geklappt. Dann irritiert mich eine Fahrradumleitung und ich fahre in die falsche Richtung. Das Wetter hält sich und der Gegenwind wird durch die zahlreichen Hecken und die Maisfelder stark gebremst. Auf dem freiem Feld bläst er kräftig.
Gegen 11:45 Uhr habe ich die ca. 19 km lange Strecke über Radwege nach Emmerich gestartet. Kurz nach 13 Uhr bin ich am Aldegundiskirchplatz. Von hier aus sind es nur wenige Meter bis zur Rheinpromenade. Hier bin ich später mit dem Herrn Dr. Hans Jürgen Arens verabredet, der die Herberge öffnen will. Den obligatorischen Schlafsack und einen frischen Pilgerausweis habe ich im Gepäck.
Pilgerherberge "Arche Willibrord" in Emmerich
Jürgen Arens ist der Gildemeister der St. Jakobus- und Johannes- Gilde e.V. hier in Emmerich. Die Unterkunft liegt direkt an der Rheinpromenade. Ich setzte mich auf eine Bank, mache erst mal ein ordentliche Trinkpause und freue mich, dass ich trocken angekommen bin. Kaum beginne ich den Anblick der Promenade zu genießen, da kommt aus den inzwischen aufgezogenen dunklen Wolken eine kräftige Regenschauer. Ich parke rasch mein Rad und flüchte in ein Speiselokal. Da meldet sich auch schon vor der Zeit Pilgerbruder Jürgen.
Ich verabrede mich für 15 Uhr mit dem Hospitalero Herrn Dr. Johannes Pickers an der Tourist Info, die quasi gleich neben der tollen neuen Pilgerherberge „Arche Willibrord“ liegt. Im infoCenter wird mein Personalausweis kopiert und mein Pilgerausweis bekommt einen schönen Pilgerstempel. Der Pilgerbruder und Herbergsvater Johannes holt mich im infoCenter ab und begleitet mich die wenigen Schritte bis zur Herberge.
Das Rad, die Wind- und Regenweste sowie die Radfahrerschuhe bleiben im Keller. Dann geht es über eine historische Treppe vorbei an den Überresten der alten Stadtmauer ins Haus. Im Erdgeschoss ist ein kleiner Andachtsraum. Im ersten Stock wohnen die Herbergseltern. Nach 37 Stufen kommt man in der zweiten Etage an. Hier wird man mit einem traumhaften Ausblick auf den Rhein, die Rheinbrücke und die niederrheinische Landschaft für den Aufstieg belohnt. Johannes zeigt mir alles.
Es gibt neben einer kleinen Kochnische vier Etagenbetten im kombinierten Wohn-/Küchen-/Schlafraum und ein Einzelzimmer sowie ein Bad. Über Emmerich führen verschiedene Pilgerwege. Hierzu und zu weiteren Pilgerthemen gibt es in der Herberge reichlich Infomaterial in einem liebevoll zusammengestellten „Blauen Ordner“.
Auch das papierene Gästebuch verzeichnet die ersten Einträge der jungen Herberge an der Rheinpromenade 32, die fast genau vor einem Jahr am 23. August 2015 eröffnet wurde.
Organisation der Radtour
Veranstalter der Radtour ist die St. Treffpunkt ist in Emmerich am Rhein um 8 Uhr am Aldegundiskirchplatz, der nur ca. 250 m von der Pilgerherberge entfernt ist. Gemeinsam mit dem Hospitalero Dr. Johannes Pickers radele ich die kurze Distanz über die Rheinpromenade bei leichtem Nieselregen und 16 °C dorthin.
Von hier aus werden die Fahrräder und Teilnehmer mit einem VW-Bus nebst Anhänger nach Nijmegen transportiert. Mit von der Partie sind ab Emmerich die Radpilger Josef und Marga Verhaegh (Pedelec), Ernst Grodowski , Dr. Johannes Pickers , Resi und Dr. Jürgen Arens (Gildemeister). Ich bin dankbar als Gast mitfahren und dabei sein zu dürfen. Unser Transporteur ist der stellvertretende Gildemeister Rüdiger Kunz.
Die Etappe von Nijmegen nach Kalkar
In Nijmegen startet die eigentliche Etappe an der Jakobuskapelle, Glashuis 4. Wir laden kurz vor der Kapelle die Räder vom Anhänger. Das Wetter wird besser. Hier in der Jakobuskapelle werden wir mit Kaffee und Rosinenbrötchen herzlich empfangen. Wir erfahren einiges von der Historie der kleinen Kapelle, die seit geraumer Zeit von den Jakobuspilgern von Nijmegen betreut und gepflegt wird.
Heute sind davon hier Ineke van Brunswijck , Frans Kosters (secretaris) und Pieter Niesten (voorzitter) . Die drei begleiten uns auf dem Pilgerweg von Nijmegen bis Kranenburg und geben unterwegs interessante Informationen. Vor der Kapelle steht eine Jakobus-Stehle von der Niederländischen Jakobusgesellschaft. Drinnen bekommen wir einen Pilgerstempel. Vor dem Aufbruch zünde ich noch eine Kerze an und Frans Kosters spricht den irischen Pilgersegen in niederländischer Sprache.
Um 9:30 Uhr sitzen wir zehn auf den Rädern und unsere holländischen Freunde führen uns über den Pilger- und Radweg aus der Stadt. Es geht zunächst am Nebenfluss der Waal am Het Meer und am Gewässer Wylermeer entlang. Schon bald danach erreichen wir den Kranenburger Bach und treffen gegen 10:30 Uhr in Kranenburg ein.
Am Mühlenturm in Kranenburg verabschieden sich unsere holländischen Mitpilger. Sie kehren mit dem Rad nach Nijmegen zurück. Am parallel zu uns eingetroffenem VW-Bus bedanken wir uns für die gute Begleitung. Wir fahren meist über Rad- und Wirtschaftswege sowie abschnittsweise über den Pilgerweg weiter, lassen die Oberstadt von Kleve rechts liegen und radeln zügig in Richtung Kalkar.
Während der Fahrt wechseln innerhalb unserer kleinen Radgruppe öfter die Positionen. Das gibt eine gute Gelegenheit für das eine oder andere schöne Gespräch während der Fahrt. In Qualburg verlassen wir die Radwege entlang der Bundesstraßen B9 und B57. Über einen Wirtschaftsweg erreichen wir schließlich wieder den Pilgerweg und Kalkar, das Hauptziel der Etappe.
Besuch in Kalkar
Wir kehren gegen 13 Uhr in den empfehlenswerten und interessanten Beginenhof Kalkar in der Kesselstraße 20 ein. Der Koch Herr Kersten stellt in diesem schönen und großen mittelalterlichen Patrizierhaus hautsächlich „Essen auf Rädern“ her. Er hat für uns ein schmackhaftes kleines Drei-Gänge-Menü vorbereitet. Die hohen Räume sind mit Wand und Deckenmalereien geschmückt, große Kamine schaffen eine einzigartige Atmosphäre in diesem historischen Ambiente.
Gut gestärkt aber etwas körperlich „eingerostet“ sind es nur noch wenige Meter bis zur Nikolaikirche Kalkar. Der Kapitän der Jakobusbruderschaft in Kalkar Karl-Ludwig van Dornick und seine Manen erläutern für uns: „Die Kirche St. Nicolai gehört zu den bedeutendsten Schatzhäusern spätmittelalterlicher Kunst in Europa. Im 15. und 16. Jahrhundert errichtete die stolze Bürgerschaft in etwas mehr als einem Jahrhundert nicht nur wichtige Bauten, wie das stattliche Rathaus und die St.
Der geschnitzte Jakobusaltar in Kalkar hat noch die Originalfarben und stammt wahrscheinlich aus dem ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts. In der Mitte sehen wir die Statue des heiligen Apostels Jakobus . Die kleineren, knienden Figuren dürften die Stifter der Bildwerke sein, die als Pilger dargestellt sind. Die beiden anderen Heiligen, Petrus mit dem Himmelsschlüssel und Matthäus mit Buch und Hellebarde dürften von einem anderen Künstler als die Figur des heiligen Jakobus stammen, aber auch einem Schüler des Meisters Arnt.
Die Emmericher Gilde pflegt die Kontakte zu anderen Pilgern und Bruderschaften. So erfahren wir auch heute wissenswertes aus erster Hand und haben interessante Begegnungen. Ich komme mit Günter von der Jakobusbruderschaft ins Gespräch. Wir erzählen uns gegenseitig von unseren Erlebnissen auf dem Jakobsweg von zu Hause bis nach Galizien mit dem Fahrrad. Er war am Anfang dieses Jahrtausends in mehreren Etappen und über mehrere Jahre verteilt mit dem Rad nach Santiago de Compostela unterwegs.
Rückfahrt und Ausklang
Nach der eindrucksvollen Kirchenbesichtigung in Kalkar fahren die Radfahrer über den historische Stadtkern hier in Kalkar nach Emmerich zurück. Ich bedanke mich herzlich bei der Gruppe und verabschiede mich für heute aus der Runde der Emmericher Gilde. Dann fahre ich über den Marktplatz, am gotisches Rathaus und an der alten Windmühle (ein toller Tipp von Resi) vorbei. Das Straßenpflaster ist holprig aber mit dem Rad fahrbar.
Gegen 15 Uhr folge ich von Kleve aus dem Rheinischen Jakobsweg bis Xanten. Das Wetter verbessert sich weiter und es erscheinen bereits blaue Löcher am Himmel. Gemütliche und entschleunigt genieße ich die letzte Etappe. Mein Navi führt mich den Pilgerweg entlang. In Appeldorn und Marienbaum fahre ich jeweils zur Kirche und mache kurze Trinkpausen. Die Wallfahrtskirche St.
Geprägt von der Routenführung am späten Vormittag, kann ich zwischendurch nicht widerstehen und kürze über den Radweg entlang der B57 die Schluss-Etappe etwas ab. Hier führt auch ein Limes-Radweg lang. Auch die Via Romana streife ich heute mehrfach. So lasse ich das jüngere Franziskaner-Kloster Mörmter rechts und die mir bekannten Xantener Seen links liegen. Dafür fahre ich am schönen Archäologischer Park entlang und treffe mit Sonnenschein gegen 16:45 Uhr in Xanten am Dom St. Viktor ein.
Obwohl ich mindestens einmal im Jahr im Dom bei der nachweihnachtlichen Bläsermusik aktiv mitblase, nehme ich mir Zeit für den Dom. Zuletzt stecke ich im Dom noch eine Kerze an und hole mir einen Pilgerstempel. Auf dem Markt mache ich im Eis-Cafe noch eine Pause und warte auf Walli, die mit PKW und Fahrradträger auf dem Weg hier her nach Xanten ist.
Im Biergarten beim Jugoslawen und 24 °C lassen wir gemeinsam den kurzen Besuch in Xanten mit Cevapcici und Kölsch vom Fass ausklingen. Es waren zwei wunderbare Tage mit vielen Eindrücken und vielen schönen Begegnungen. Die Pilgertour war von der Emmericher Gilde und den Niederländischen Jakobuspilgern prima vorbereitet und eine tolle Idee.
Rheinradweg und Hanse-Radweg
Die Radpilgertour von Emmerich nach Nijmegen kann als Teil des längeren Rheinradwegs oder des Hanse-Radwegs betrachtet werden. Beide Routen bieten unterschiedliche Schwerpunkte und Erlebnisse.
Rheinradweg
Der Rheinradweg hat eine Länge von etwa 1500 Kilometern und kann in fünf mehrtägige Teilstrecken gegliedert werden. Die Reise entlang des Rheins mit dem Rad beginnt in der Schweiz. Die erste Etappe auf dem Rheinradweg verläuft von Andermatt in der Schweiz nach Konstanz in Baden-Württemberg, Deutschland.
Die zweite Etappe auf dem Rheinradweg führt am Hochrhein nach Basel und von dort bis in die südbadische Metropole Freiburg. Die Strecke umfasst rund 270 km und lässt sich bequem in etwas weniger als einer Woche erradeln.
Die dritte Teilstrecke auf dem Rheinradweg: rund 370 km über Mannheim bis nach Mainz. In sechs Tagen kann diese Strecke bewältigt werden und es bleibt genügend Zeit für Besichtigungen.
Ein Klassiker unter den Radwegen ist die Strecke von Mainz in das knapp 190 km entfernte Köln. Besonders reizvoll auf diesem Radfernweg ist dabei der Streckenabschnitt durch das Obere Mittelrheintal. Von Bingen bis Koblenz und hat der Rhein ein enge Senke geschaffen, an der die wohl schönsten Orte in Rheinland-Pfalz liegen.
Auf dem fünften Abschnitt des Rheinradweges geht es von Köln bis nach Rotterdam an die niederländische Nordseeküste. Es ist mit rund 400 km der längste Teilabschnitt der Route. Die Strecke in der Tiefebene der Niederlande hat überhaupt keine Schwierigkeiten aufzuweisen und ist leicht zu fahren, lediglich einige seichte Steigungen sind hier zu bewältigen.
Hanse-Radweg
Der niederländisch-deutsche Hanseradweg folgt größtenteils historischen Handelsrouten: den Flüssen Rhein, IJssel und der ehemaligen Zuiderzee. Die Route ist insgesamt 450 km lang und führt an vierzehn Hansestädten vorbei. Auf deutscher Seite sind dies Neuss, Wesel, Kalkar und Emmerich am Rhein, auf niederländischer Seite Nijmegen, Doesburg, Zutphen, Deventer, Hattem, Zwolle, Hasselt, Kampen, Elburg und Harderwijk.
Der Hanse-Radweg ist in 8 Etappen aufgeteilt, welche eine Länge von 35 bis 60 km haben. Die Routen folgen dem Knotenpunkt-System, welches die Navigation denkbar einfach und verirren so gut wie unmöglich macht.
Hier eine Übersicht der Hansestädte entlang des Hanse-Radwegs:
| Deutsches Seite | Niederländische Seite |
|---|---|
| Neuss | Nijmegen |
| Wesel | Doesburg |
| Kalkar | Zutphen |
| Emmerich am Rhein | Deventer |
| Hattem | |
| Zwolle | |
| Hasselt | |
| Kampen | |
| Elburg | |
| Harderwijk |
Die Etappe von Emmerich nach Nijmegen ist ein reizvoller Abschnitt des Hanse-Radwegs. Die Route führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft mit sanften Hügeln, weiten Wiesen und historischen Städten.
Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke Emmerich-Nijmegen
- Emmerich am Rhein: Die Stadt ist vor allem für ihre schöne Rheinpromenade bekannt.
- Landschaftspark Eltenberg-Bergherbos: Dieser Bergrücken liegt auf einer Seitenmoräne und bietet schöne Aussichten.
- Nijmegen: Die älteste Stadt der Niederlande mit vielen Museen und historischer Bedeutung.
- Eltenberg: Die St. Vitus Kirche, die aus dem Jahr 1677 stammt.
- Europakade in Tolkamer
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