Radtour entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze: Erfahrungen und Erlebnisse

Die Radtour entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze ist nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern auch eine Reise in die Vergangenheit. Es ist erdrückend zu sehen, wie viele Kreuze, Gedenkstätten, Erinnerungstafeln und Steine/Tafeln für abgerissene Dörfer entlang der Tour stehen. Und das nur, weil es 45 Jahre eine Grenze gab, die ein Land, zwei Systeme und dadurch die halbe Welt in Ost und West spaltete. Auf jeden Fall sollte es einen interessieren, was hier passiert ist und welche Schicksäle sich hier zugetragen haben.

Die Strecke und ihre Herausforderungen

Der innerdeutsche Grenzweg führte mich in 9 Tagen auf 1215 km und knapp 10000 hm vom Dreiländereck bei Hof bis nach Lübeck. Nachdem ich nun mit dem Ostseeküstenradweg, Oder Neiße Radweg, einem Teil des Berliner Mauerweges und nun auch den Innerdeutschen Grenzweg zurückgelegt habe, werde ich mir jetzt zum Ziel setzten, die Lücke zwischen Hof und Zittau durchs Ersgebirge zu schließen.

Leider kann ich bei den Einzeletappen nur circa Werte angeben, da meine Tochter meinen kleinen Reiseblock mit allen notierten Sachen zum Malen verwendet hat und ich dies leider nicht mitbekommen habe. Sprich er ist weg.

Etappen und Erlebnisse

Tag 1: Dreiländereck - Kronach (circa 140 km)

Am frühen Morgen starte ich am Dreiländereck Tschechien/Bayern/Sachsen zu meiner Tour auf dem Deutsch Deutschen Grenzweg. Das Wetter ist schön, die Sonne scheint und es ist nicht zu warm. Zuerst ging es auf kleinen Wegen mal Schotter, mal Teer Richtung Nentschau und von da auch gleich weiter zum ersten Grenzübertritt. Denkmal zwischen Nentschau und Posseck zur Grenzöffnung.

Danach geht es weiter durchs hügelige Vogtland. Immer wieder hoch und runter, kleine Straßen, Feldwege oder hier und da mal ein kleiner Pfad geht es vorwärts entlang der ehemaligen Grenze. Blick auf HeinersgrünKurz vor Heinersgrün habe ich mich das erste Mal verfahren.

Weiter geht es Richtung Hirschberg und Thüringer Wald. Die Anstiege werden immer knackiger. Es geht zwar relativ kurz aber dafür immer steiler werdend hoch und runter. Kaum hat man Höhenmeter gewonnen werden sie 2 km weiter wieder vernichtet. Ab hier laden auch die nächsten Tage immer wieder und wieder lecker Kirschbäume entlang des Radweges zum Naschen ein. Einfach köstlich.

Eigentlich als Wanderparadies bekannt, werde ich ihn mir jetzt mit Reiserad mal anschauen. Was ich am Anfang gar nicht so beachtet habe bzw. was mir nicht aufgefallen ist, dass ein Teil der Radtour genau über den Rennsteig verläuft.

Über Lichtenhain, Tettau und Stockheim verlasse ich den Rennsteig in Richtung erstes Etappenziel bei Kronach. Eine Umleitung bringt mich noch ins Schwitzen, aber ich ignoriere diese und halte an meiner Route fest. Eigentlich war geplant bei Gehülz auf einem Campingplatz zu übernachten.

Tag 2: Kronach - Irmelshausen (circa 140 km)

Morgens kann ich heute noch etwas ausschlafen. Kein Zelt abbauen, kein Frühstück machen etc. Einfach Taschen packen, Frühstücken gehen und auf den Sattel setzen. Was für ein Luxus und dass nach der ersten Nacht der Tour.

Da ich gestern circa 10 km weiter südlich gefahren bin, als die eigentliche Route geht, muss ich jetzt erst mal wieder zurück radeln. Allerdings nutze ich hier gleich die kürzere Verbindung über Gehülz und Mitwitz und komme beim geschleiften Dorf Liebau wieder zurück auf den Grenzweg. Von den geschleiften Dörfern gibt es gerade entlang der thüringischen Grenze sehr viele.

In der Regel geht es wie so oft entlang von kleinen Nebenstraßen durch kleine Dörfer, mal durch Wald, mal durch Feld, mal hoch, mal runter auf allen möglichen Fahrbahnbelägen dahin. Es ist abwechselnd, man trifft kaum Leute und ab und an muss man schon mal schauen, das man auch was zum Einkaufen bekommt.

Nach Heldburg macht die Tour einen kleinen Schlenker nach Bad Colberg. Diesen kleinen Umweg erspare ich mir und fahre direkt über Einöd weiter nach Lindenau und in Richtung Hellingen. Von Hellingen geht es vorbei an Rieth Sternberg nach Alsleben.

Tag 3: Irmelshausen - Heringen (circa 130 km)

Der Wecker klingelt zeitig am Morgen. Das frühe Aufstehen wird mit einer wunderbaren Stimmung am See belohnt. Schwaden steigen aus dem See empor und verbreiten eine mystische Stimmung. Gemütlich und in der Stille des Morgens geht es auf in Richtung Behrungen.

Ein Zeichen dafür, das man auch heute noch sich mit Umsicht im Bereich des Grünen Bandes bewegen sollte. Anweisung an Westdeutsche Staatsbürger, die oft als Grenztouristen die Grenze besuchten. Hierbei war die Gefahr, das man dachte die Grenze fängt mit dem Zaun an. In Wahrheit ein gefährlicher Trugschluss. Das DDR Gebiet fängt mit Beginn des DDR Grenzsteins an, an den mein Fahrrad gelehnt ist. Dies ist um einiges vor dem Zaun.

Weiter geht es nach Berkach und Schwickershausen, in dem man ein schönes kleines Wasserschloss anschauen kann. Kurz darauf folgt das Jagdschloss Fasanerie bei Hermannsfeld.

Ein paar Kilometer weiter und schon ist Fladungen erreicht. Ein schönes kleines Städtchen. Hier verbringe ich dann unter ein paar Bäumen die Mittagspause. Das es heute ziemlich heiß ist, kaufe ich mir noch einiges an Trinken und ein bisschen zu Essen ein und auf geht es zu einem größeren Anstieg Richtung Frankenhain.

Oben angekommen und ein Fahrradweg, der einfach nur gerade aus zu gehen scheint. Wie ungewohnt. Ab jetzt geht es fast nur nach abwärts Richtung Campingplatz. Es ist verdammt heiß. Über Hilders geht es nach Tann, wo ich mir erstmal ein Eis gönne.

Über Motzlar nach Geisa geht es zum nächsten steilen Anstieg, dem Point Alpha. Point Alpha war von zentraler strategischer Bedeutung. Hier wurde von der NATO im Ernstfall der Einfall der Truppen des Warschauer Paktes durch die Fuldaer Lücke befürchtet. Eine amerikanische Einheit war direkt auf dem Berg stationiert. Die Beobachtungstürme lagen hier nur 200 m auseinander.

Von da aus geht es abwärts und sehr schnell auf Nebenstrecken durch das Tal der Ulster in Richtung Philippsthal. Von weiten sieht man schon das, was das Leben hier bestimmt: Kaliabbau.

Jetzt geht es ein letztes Mal bergauf ins Niemandsland vorbei am geschleiften Dorf Heiligenroda. Am Kamm angekommen bekommt man den 2. Kalihügel, den Monte Kali bei Heringen zu sehen. Gemütlich rollt es nun abwärts Richtung Heringen, dem Schlussort für heute.

Tag 4: Heringen - Wahlhausen (circa 120 km)

Heute ist ein eher ruhiger Tag, an dem es auch nicht so viele Höhenmeter zu radeln gibt wie in den letzten Tagen. Deswegen lasse ich mir morgens Zeit, gehe erstmal gemütlich zum Rewe einkaufen, Frühstücke bevor ich so nach und nach die Sachen packe und in Ruhe losfahre.

Der größte Unterschied zu den letzten Tagen ist, das es heute den ganzen Tag am Fluss entlang der Werra geht. Keine großen Walddurchquerungen, kaum Steigungen und ein komplett anderes Fahrerlebnis wie die letzten Tage.

Den Abzweig bei Hörschel in Richtung Eisenach erspare ich mir, da ich es bereits kenne. So geht es weiter in Richtung Creuzburg. Hinter Creuzburg und Mihla beginnt meiner Meinung nach einer der schönsten Abschnitte der Werra. Große Flussschleifen schlängeln sich durch tief eingeschnittene Täler. Aus 3 km Luftlinie weiterkommen werden 6 km Fahrstrecke, aber bei dem Ausblick lohnt es sich allemal.

Von Wanfried aus geht es in Richtung Eschwege vorbei am schön gelegenen Werratalsee. So langsam endet die Tour schon für heute.

Tag 5: Wahlhausen - Hornburg (178 km und 2300 hm)

Heute war es so weit. Die letzte große Bergetappe mit vielen Höhenmeter, bevor man nach dem Harz ausrollt bis in Richtung Lübeck. Die Etappe war eigentlich anders geplant, aber spontan änderte ich sie und somit wurde es die längste Etappe der Tour. Heute ging es auf jeden Fall wieder sehr zeitig los, um genügend Zeit unterwegs zu haben, da ich ja nicht wusste, wie viele Höhenmeter genau auf mich zu kamen.

Danach verließ ich die Werra und fuhr in einem Bogen über Borhagen nach Arenshausen. Wie so oft ging es auf kleinen Nebenstraßen weiter.

Die Bedeutung des Grünen Bandes

Wo bis vor 30 Jahren die innerdeutsche Grenze das Land zerriss, verläuft heute eine der schönsten Fernradrouten Europas - mitten im Grünen. Die Spuren der Teilung sind, jenseits der Grenzmuseen, kaum noch sichtbar. Der breite Todesstreifen, der sich dahinter bis vor 30 Jahren den Berg hinaufzog wie eine Skipiste mit Flutlicht, ist heute zugewachsen.

Museen und Gedenkstätten

Entlang der Strecke gibt es zahlreiche Museen und Gedenkstätten, die an die Zeit der deutschen Teilung erinnern. Dazu gehören:

  • Grenzlandmuseum Schnackenburg
  • Swinmark Grenzlandmuseum in Göhr bei Schnega
  • Zonengrenzmuseum Helmstedt
  • Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn
  • Grenzmuseum Sorge
  • Gedenkstätte „Point Alpha“
  • Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth

Die Grenzsteintrophy

Die Grenzsteintrophy ist eine 1.280 Kilometer lange Mountainbiketour, die anlässlich des 20. Jubiläums des Mauerfalls entlang des einstigen innerdeutschen Grenzstreifens von Lübeck-Travemünde bis nach Mittelhammer im Vogtland führte. Sie ist keine gemütliche Radeltour, sondern eine Selbstversorgerfahrt, die Solidarität unter den Teilnehmern statt Konkurrenz fördert.

Der Kolonnenweg, der etwa 100 Meter parallel zur ehemaligen deutsch-deutschen Grenze verlief, diente den NVA-Soldaten als Versorgungsstraße. Charakteristisch sind die Betonlochplatten mit Löchern, die das Fahren erschweren.

Weitere Erfahrungen und Beobachtungen

Während der Radtour begegnet man immer wieder den Zeugnissen der Teilung, aber auch der Schönheit der Natur. Die Strecke führt durch abwechslungsreiche Landschaften, von flachen Abschnitten an der Ostsee bis zu anspruchsvollen Bergetappen im Harz und in der Rhön.

Empfehlungen und Tipps

  • Planung: Informieren Sie sich im Voraus über die Strecke und die verschiedenen Etappen.
  • Ausrüstung: Wählen Sie ein geeignetes Fahrrad, idealerweise ein Mountainbike oder Trekkingrad mit breiten Reifen.
  • Verpflegung: Nehmen Sie ausreichend Proviant und Getränke mit, da es nicht überall Einkaufsmöglichkeiten gibt.
  • Unterkünfte: Buchen Sie Ihre Unterkünfte im Voraus, besonders in der Hauptsaison.
  • Navigation: Nutzen Sie GPS-Tracks oder Karten, um sich auf der Strecke zurechtzufinden.

Zusammenfassung der Etappen

Tag Etappe Länge (ca.)
1 Dreiländereck - Kronach 140 km
2 Kronach - Irmelshausen 140 km
3 Irmelshausen - Heringen 130 km
4 Heringen - Wahlhausen 120 km
5 Wahlhausen - Hornburg 178 km

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