Das Baltikum mit seinen drei Ländern Estland, Lettland und Litauen übt auf Radreisende eine erhebliche Anziehungskraft aus.
Vorbereitung und Planung
Viele Radfahrer nutzen die reisefreie Zeit, um vor allem Riga und das Baltikum zu besuchen. Es ist gut, die Route im Voraus zu planen. Die geplante Strecke war auch recht schnell zusammengeklickt: Start in Tallin, einen Schlenker über die größeren Inseln, dann durch Litauen gen Osten ins Inland.
Nachdem wir auf dem Forumstreffen noch die nachdrückliche Empfehlung bekamen, auch Vilnius zu besuchen, wurde das auch noch eingebaut. Und von dort sollte es dann auf direktem Weg zurück zur Küste nach Klaipeda gehen, um von dort mit der Fähre zurückzukehren.
Da mit guter Versorgungslage zu rechnen war, entschieden wir uns für leichtes Gepäck. Bernd wollte endlich seinen Bootzipper ausfahren, mit dem er auf dem Forumstreffen schon über die Waldwege gebolzt war, und ich mein leichtes Gravelrad, von dem ich vor anderthalb Jahren noch sicher war, dass ich sowas überhaupt nicht brauche, und das ich inzwischen allerdings sehr lieben gelernt habe weil es einfach ziemlich viel Spaß macht.
Anreise
Zum Startpunkt in Tallinn geht es mit Airbaltic. Buchung und Check-in sind problemlos und um 13:30 Ortszeit landen wir im sonnigen Tallinn. Gepäckstücke und Räder sind komplett und intakt angekommen - die erste Hürde ist genommen.
Straßenverhältnisse und Routen
In Kaschubien und Danzig / Polen fand ich die Straßenverhältnisse größtenteils ungeeignet zum Radfahren. Der Verkehr schien mir überhaupt nicht auf Radfahrer eingestellt, Radwege absolute Mangelware und die Nebenstrecken oft Sand und so weich, dass Radfahren keinen Spaß machte.
Der Unterschied zwischen Stadt und Land ist wirklich krass, in den Städten und da wo es Tourismus gibt kann man auch gut Radfahren, dazwischen eher nicht so. Da gibt es immer noch Sand- und Schotterpisten. Eine Radtour durch das westliche Litauen habe ich als nicht so angenehm empfunden. In Erinnerung geblieben sind entweder breite große Hauptstraßen oder katastrophal zu fahrende Sandwege.
Konkret hatten wir in Litauen an einem Tag 40 km geschotterte "Kreisstraßen". Die Alternative wäre die "Bundesstraße" mit entsprechend viel Lkw-Verkehr gewesen. Unsere Tour in Lettland bestand sehr viel aus Schotterwegen, die sich mit unseren normalen Trekkingrädern sehr unterschiedlich gut befahren ließen. Die Hauptverbindungsstraßen über Land sind geteert, es gibt kaum Radwege, aber auch wesentlich weniger Verkehr als hier.
Am meisten los war an der Küste zwischen Litauischer Grenze und Liepaja und natürlich rund um Riga, da sind wir aber lieber mit dem Bus rein und raus und haben uns außerhalb einquartiert. Innerorts gibt es oft ein sehr gutes Radwegenetz, nagelneu, zum Beispiel in Liepaja. Es gibt nicht viel Kartenmaterial, aber die geschotterten Wege sind dort alle markiert, so dass man ungefähr weiß, was auf einen zukommt.
Die kurische Nehrung haben wir einmal abgefahren, das war toll auf einem super ausgebauten Radweg. Die Einfahrt in die kleine Stadt ist entspannt und der Ausbau der Radinfrastruktur wird in Estland offensichtlich gefördert. An der Sinnhaftigkeit mancher Wege darf allerdings gezweifelt werden so wie bei diesen 50 m Neubaustrecke…
Erfahrungen in den einzelnen Ländern
Estland
Wir checken im Hotel ein und schlürfen ein Sommer-Sonne-Urlaubsbier in Kalamaja, einem netten Viertel das uns gewaltig an frühe Prenzlauer Berg Zeiten erinnert. Kombiniert mit einer fortgeschrittenen Verkehrswende. Kaum Autos, breite Radstreifen und viele Radler.
Wir folgen aus der Stadt raus der Empfehlung von Markus (cyclist), uns küstennah zu halten und besorgen unterwegs noch eine Gaskartusche, - dann sind wir unterwegs. Auch der Hinweis auf den höchsten oder 2. höchsten (???) Wasserfall Estlands kommt von Markus.
Hier in Estland ist grad alles bunt - es blüht, was blühen kann. Gräser, Wildblumen, Bäume…, was sich in unserem Frühling auf Wochen verteilt, scheint hier innerhalb von wenigen Tagen quasi zu explodieren. Es ist zu schön!
Die Ausstattung lässt aber vermuten, dass hier ein paar Wochen später deutlich mehr los sein dürfte. Auch für Saaremaa sind wir von Markus mit reichlich Tipps versorgt worden. Unter anderem empfahl der den Besuch eines Senfverkaufs von zwei Dortmundern, die dort vor einigen Jahren hin ausgewandert sind.
Am nächsten Morgen läuft es wesentlich besser. Wir brechen recht früh (das heißt für uns: vor 9 Uhr) auf weil es im Zelt mit der Sonne zu warm wird. Das haben wir selten. Schon am frühen Mittag erreichen wir Orissaare, wo wir eine kurze coop-Pause einlegen bevor wir über den Damm nach Muhu fahren.
Auf Muhu biegen wir von der Hauptstraße nach Süden ab und fahren auf kleinen Sträßchen und Pisten auf einigermaßen direktem Weg zur Fähre. Dabei folgen wir immer dem ausgewiesenen Radweg: Ein ausgesprochen schöner Abschnitt!
Ein weiterer Tag schönstes Sommerwetter. Die Einfahrt in die kleine Stadt ist entspannt und der Ausbau der Radinfrastruktur wird in Estland offensichtlich gefördert. An der Sinnhaftigkeit mancher Wege darf allerdings gezweifelt werden so wie bei diesen 50 m Neubaustrecke…
Lettland
Trotzdem sieht es auf der anderen Seite ganz anders aus. Unser erster Eindruck ist ziemlich trüb. Die Häuser sind dunkler, viele in dunklem, verwitterten Holz und die Felder und Äcker scheinen viel großflächiger und industriell bewirtschaftet zu sein. Es fällt mir schwer, den Unterschied konkret zu benennen, aber die Häuser und Ortschaften machen auf mich vielfach einen deutlich verkommeneren und dunkleren Eindruck, als im nördlichen Nachbarland.
Litauen
Ich mochte Litauen sehr. Die bunten Häuschen in dem ganzen Grün und köstliche Lebensmittel Saltibarsciai mache ich noch immer oft selber. In den Nationalparks in Lettland nur Sand, da ging wenig. Es gibt aber auch schöne Straßen durch dünnbesiedelte Gebiete oder eine gut ausgebaute Küstenstraße. Und Radwege in den Städten.
Besonders beeindruckte uns das Künstlerviertel mit seinen kleinen Gassen und den individuell gestalteten Häusern und Details. Nachdem wir die Radtour starteten besuchten wir in Nida noch ein kleines Bernsteinmuseum, in dem wir in die Geschichte des Steines eingeweiht wurden, und das idyllisch gelegene Thomas Mann-Haus mit einem tollen Blick über das Kurische Haff, kein Wunder dass der Herr so über dieses Fleckchen Erde schwärmte, es ist traumhaft schön!
Wir fuhren kurz bevor die Schwenkbrücke geöffnet wurde in Richtung Altstadt und erkundeten diese per Rad, bevor wir die Stadt auf dem gut ausgebauten Europaradweg verließen und in der Nähe der Küste in Richtung Norden fuhren.
Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse
- Tallinn: Altstadt, Handwerkergassen, Hafen, Stadtmauer
- Lahemaa Nationalpark: Fantastische Natur
- Peipussee: Einer der größten Seen Europas
- Vilnius: Altstadt, KGB-Museum
- Kurische Nehrung: Dünen, Fischerort Nida
Zusätzliche Tipps
Ich würde es beim nächsten Mal so machen wie ihr das plant: Die langen Strecken mit dem Auto und da wo es schön ist mit dem Rad, an die Ostsee, in die Nationalparks oder z. B. mit der Fähre auf die Insel Saleema. Zuviel Kopp sicher nicht. Es geht halt entweder Fahrrad oder Kanu, wobei Fahrrad ja normalerweise häufiger eingesetzt werden kann.
Ich würde das Fahrrad nehmen und schauen, ob man sich ein Kanu leihen kann. Ansonsten waren wir eher an der Küste und da wäre ein Seekajak gut. Wenn es nicht passt, fahrt ihr halt weiter.
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