Radtour von Goslar nach Wernigerode auf dem Europaradweg R1

Auf der zweiten Etappe unserer dreitägigen Radreise durch den Harz auf dem Europaradweg R1 radeln wir von Goslar nach Wernigerode.

Start in Goslar: UNESCO-Welterbe erleben

Beim Frühstücksbuffet im Hotel Die Tanne ist alles da, was mein kleines Radfahrerherz begehrt. Wilhelm, der Hotelier, setzt sich kurz zu mir und bietet an, mich nach Goslar zu begleiten und eine Führung zu organisieren. Das Zentrum ist fußläufig in 5 Minuten erreichbar, und so zeigt er mir zunächst das Welterbe-Infozentrum in den historischen Rathaus-Gemäuern. Unbedingt anschauen, die kostenlose interaktive Ausstellung gibt einen tollen Überblick über die UNESCO Welterbestätten.

Eine geführte Tour durch Goslar ist alles, nur nicht langweilig! Mich fasziniert an Goslar, wie viele Sehenswürdigkeiten auf überschaubarem Raum überraschen. Beim Spaziergang durch die Altstadt mit ihren über 1500 Fachwerkhäusern kommst du aus dem Staunen nicht heraus, und kaum überquerst du eine kleine Brücke, machst du einen Zeitsprung durch die Jahrhunderte und entdeckst die ehemalige Kaiserpfalz, erbaut unter Kaiser Heinrich III. zwischen 1040 und 1050.

Als weiteres Highlight dürfen wir das Siemenshaus besichtigen, das größte Fachwerkhaus Goslars mit einer Fläche von über 2000 qm, in dem sich auch das einzig übrig gebliebene historische Brauhaus der Stadt befindet. Alle 3 Jahre trifft sich hier die Familie Siemens, dann ist das Haus reich mit Blumen geschmückt.

Tipp: Unscheinbarer ist hingegen der Eingang zum Großen Heiligen Kreuz, das als städtische Armenfürsorge 1254 errichtet wurde und das älteste bürgerliche Hospital Mitteleuropas war. Heute findest du in den kleinen Seitenstübchen einheimische Kunsthandwerker.

Dann muss ich meine Führung verlassen - es ist bereits nach Mittag, und ich bin noch keinen einzigen Kilometer geradelt! Na gut, eine kleine Fotosession auf der Peterstraße, einer urigen Kopfsteinpflastergasse, gesäumt von wundervollen Fachwerkhäusern oberhalb des Zentrums, ist noch drin, dann hat mich der Europaradweg R1 wieder.

Durch den Nationalpark Harz

Wir kurbeln uns zunächst 70 Höhenmeter nach oben und lassen uns dann über einen guten Waldweg mit herrlicher Aussicht über die Harzer Dörfer hinabrollen. Nachdem wir das Flüsschen Oker überquert haben, schieben wir unser Rad ein kurzes Stück neben einer Treppe hinauf.

Tipp: Lust auf einen tollen Blick über das Harzvorland? Dann stell dein Rad ab und tausche ein paar Euro gegen Höhenmeter mit der Burgberg-Seilbahn, von der du auch einen Blick auf den ersten niedersächsischen Baumwipfelpfad werfen darfst.

Ja, und jetzt sind wir auf dem R1 tatsächlich im Nationalpark Harz, dessen nördlichen Ausläufer wir zwischen Bad Harzburg und Ilsenburg kreuzen. Von hier trennen uns nur etwa 10 km Luftlinie zum Brocken. Kurz vor Ilsenburg passieren wir die ehemalige Grenze zur DDR, wir verlassen Niedersachsen und befinden uns nun in Sachsen-Anhalt.

Ich genieße jeden einzelnen Meter durch den Wald, und atme die klare und würzige Luft tief ein. Als ich Ilsenburg erreiche, habe ich bereits den größten Teil der heutigen Höhenmeter hinter mir.

Begegnungen am Wegesrand

Während ich dafür mein kleines Setup aufbaue, hält neben mir eine junge Radlerin. Sie hat die schöne Szenerie ebenfalls erkannt, stellt ihr Bike an die kleine Mauer, und fragt mich, ob ich ein Foto von ihr machen kann. „Klar, gerne!“, sage ich und wir starten ein kurzes Fotoshooting. Ich finde noch heraus, dass sie Norwegerin ist und frage mich, was es wohl mit der Trompete auf sich hat, die sie hinten auf ihrem Rucksack befestigt hat.

Kloster Ilsenburg

Weiter geht’s zum bereits 1018 gegründeten Kloster und Schloss Ilsenburg. Das Gelände, auf dem aktuell kräftig renoviert wird, ist leider nur bis 16.30 Uhr geöffnet, so dass ich den Klostergarten, der zu den „Gartenträumen Sachsen-Anhalts“ gehört, leider nicht besichtigen kann. Auch das Café steht aufgrund von Bauarbeiten aktuell dauerhaft leer.

Ankunft in Wernigerode: Bunte Stadt am Harz

Als ich in Wernigerode an der Ampel stehe, steht sie plötzlich wieder neben mir, die Norwegerin vom See in Ilsenburg. Mit Overear-Kopfhörer bemerkt sie mich zunächst nicht, doch dann müssen wir beide lachen, und beschließen abends zusammen essen zu gehen. Radler sind schließlich immer hungrig.

Dann checke ich in meinem Hotel ein, in dem ich ein kleines Appartement für mich habe: Dem Hotel Am Anger, diesmal weniger Fahrrad-freaky, doch mit viel Platz und bei gutem Wetter mit Frühstück auf der Terrasse. Bei Schnitzel und Bier im Wernigeroder Brauhaus lassen Mari und ich den Tag auf dem Europaradweg R1 Revue passieren und stellen lachend fest, dass wir nicht nur exakt die gleiche Etappe gefahren sind, sondern auch unsere Fotos der Sehenswürdigkeiten oft zeitlich nur ein paar Minuten und perspektivisch wenige Meter auseinander lagen. Radreisen und inspirierende Begegnungen gehören halt einfach untrennbar zusammen.

Auf dem Weg zurück ins Hotel schlendere ich über Wernigerodes Fußgängerzone und lasse die hübschen Fachwerkhäuser auf mich wirken.

Die Strecke im Überblick

Die Etappe startet in der UNESCO-Welterbestadt Goslar und führt am Nordharzrand entlang durch die Kurorte Bad Harzburg und Ilsenburg nach Wernigerode, die bunte Stadt am Harz. Die Route startet an der historischen Kaiserpfalz in Goslar und verläuft entlang des nördlichen Harzrandes durch die Kurstadt Bad Harzburg. Weite Ausblicke ins wellige Harzvorland begleiten den Genussradler bis ins beschauliche Ilsenburg, welches über einen abwechslungsreichen Gravelweg zu erreichen ist.

In Eckertal wird mit der Ecker auch die ehemalige innerdeutsche Grenze überquert. An Forellenteich und Schlosspark vorbei führt der weitere Wegverlauf oberhalb des Ilsenburger Ortsteils Drübeck entlang. Es lohnt ein Abstecher zur ehemaligen Benediktinerinnen-Abtei Evangelisches Zentrum Kloster Drübeck. Der Wernigeröder Ortsteil Darlingerode wird ebenfalls passiert, bevor es über Waldwege am heute nicht mehr existierenden Augustiner-Eremitenkloster Kloster Himmelpforte nach Wernigerode geht, wo die Etappe am Marktplatz endet.

Daten & Fakten der Etappe Goslar-Wernigerode

Hier sind einige Daten und Fakten zur Etappe Goslar-Wernigerode:

  • Startpunkt: Goslar
  • Zielpunkt: Wernigerode
  • Dauer: 3 Stunden, 5 Minuten
  • Länge: 39,0 Kilometer
  • Höchster Punkt: 386 m
  • Niedrigster Punkt: 202 m
  • Aufstieg: 469 m
  • Abstieg: 499 m

Weitere Informationen

Anfahrt mit der Bahn: Goslar, Bad Harzburg, Ilsenburg, Wernigerode. In allen Nahverkehrszügen der Deutschen Bahn ist die Fahrradmitnahme in Sachsen-Anhalt sowie in den Nahverkehrszügen innerhalb des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV) im Rahmen vorhandener Kapazitäten kostenfrei möglich.

Der Harzrundweg gibt es seit 1995. Er umrundet den Harz im Uhrzeigersinn am Harzrand, wobei der Weg ein ständiges Zickzack beschreibt. Auf diese Weise erreicht der Weg eine Gesamtlänge von über 310 km. Er richtet sich an den sportlichen Fahrer und hat daher bewusst eingebaute Steigungen.

Highlights entlang der Strecke

Auf dieser Etappe gibt es zahlreiche Highlights zu entdecken:

  • Über 1.500 Fachwerkhäuser in der Weltkulturerbe-Stadt Goslar bestaunen
  • Schlendern Sie durch den farbenfrohen Stadtkern von Wernigerode
  • Mit der Harzer Schmalspurbahn auf den 1.143 Meter hohen Brocken fahren
  • Bei einem Spaziergang im Nationalpark Harz neue Kraft tanken

Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke

Hier eine Liste von Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke:

  1. Goslar: Erzbergwerk Rammelsberg (UNESCO-Welterbe), Kaiserpfalz, Glockenspiel
  2. Bad Harzburg: Baumwipfelpfad, Trink- und Wandelhalle
  3. Ilsenburg: Kloster Ilsenburg, Schloss Ilsenburg, Ilsetal mit Heinrich Heine Weg
  4. Wernigerode: Schloss Wernigerode, Harzer Schmalspurbahnen, Harzmuseum, Luftfahrtmuseum, Rathaus, Johanniskirche

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