Immer mehr Menschen nutzen das Fahrrad das ganze Jahr über - auch im Winter. Doch Radfahren bei rutschigen und nasskalten Wetterbedingungen macht nur mit der richtigen Ausrüstung Spaß. Mit einem winterfesten Fahrrad, schützender Kleidung und angepasstem Fahrstil kann man auch bei widriger Witterung in die Pedale treten. Das gilt auch für E-Bikes.
Vorbereitung und Ausrüstung
Winterreifen und Spikes
Für Fahrräder gibt es in Deutschland keine Winterreifen-Pflicht. Auf Winterreifen mit grobem Lamellen-Profil und weicherer Gummimischung umzurüsten bietet im Vergleich zu Sommerreifen allerdings deutliche Vorteile bei Grip und Traktion - besonders auf festgefahrenem Schnee und auf Schneematsch. Nur bei Glatteis stoßen sie an ihre Grenzen. Pneus mit Metallstiften sind bei sehr rutschigen Straßenverhältnissen sinnvoll. Auf vereistem Untergrund sind sie meist die einzige Möglichkeit, um überhaupt sicher bremsen und lenken zu können. Auf trockenem oder nassem Asphalt machen sie Kurvenfahren und Bremsen allerdings schwieriger und sollten dort nicht über längere Strecken gefahren werden.
Die Preise der verschiedenen Typen mit und ohne Spikes lagen in diesem Test von Fahrrad-Winterreifen des ADAC Partnerclubs TCS aus dem Jahr 2021 zwischen 25 und 55 Euro.
Beleuchtung
Unbedingt erforderlich sind ein Frontscheinwerfer mit weißem Reflektor, ein Rücklicht und ein roter Rückstrahler. Außerdem muss das Rad über umlaufende Reflexstreifen an Vorder- und Hinterreifen, gelbe Reflektoren in Vorder- und Hinterrad oder reflektierende Speichensticks an allen Speichen sowie je zwei gelbe Reflektoren an den Pedalen verfügen. Funktioniert die Beleuchtung nicht richtig, ist das im Winter besonders heikel. Die Ursache für einen Defekt liegt oft an den Anschlüssen zum Dynamo oder zu den Leuchten. Gerissene Kabel sollten erneuert, defekte Birnen getauscht werden. Statt klassischen Lichtanlagen mit Dynamo sind auch montierbare Fahrradlampen erlaubt, die mit Batterien laufen. Wer bei Schneematsch mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollte auf Naben- oder Speichendynamos oder Akku-Licht setzen, weil Seitenläufer-Dynamos bei Matsch und Schnee häufig Aussetzer haben.
Tipp: Überprüfen Sie vor jeder Fahrt, ob Front- und Heckstrahler am Rad tatsächlich leuchten und - falls verwendet - ob Akkus und Batterien aufgeladen sind.
Bremsen und Schaltung
Zu Beginn der dunklen und kalten Jahreszeit sollten Radfahrende ihr Bike einem technischen Check unterziehen. Das Augenmerk gilt dabei besonders den Bremsen und der Gangschaltung. Wenn diese bei Minustemperaturen einfrieren und nach dem Losfahren nicht funktionieren, ist das nicht nur für diejenigen gefährlich, die auf dem Sattel sitzen. Die Räder sollten beim Schieben blockieren, wenn die Bremsen betätigt werden. Andernfalls müssen die Bremsen nachgestellt beziehungsweise abgefahrene Bremsbeläge getauscht werden. Vor allem Felgenbremsen verlieren bei Nässe teils deutlich an Bremskraft. Schwergängige Bremshebel und Bremszüge sollte man fetten, damit sie auch bei Minusgraden funktionieren. Für den Einsatz in der nassen Saison gibt es im Fachhandel besondere Bremsklötze für Nässe.
Tipp: Im Winter sind Fahrräder besonders häufig Nässe und Schmutz - zum Beispiel durch Streugut - ausgesetzt. Deshalb brauchen sie mehr Pflege.
Sichtbarkeit
Reflektierende Applikationen an der Jacke oder am Rucksack erhöhen die Sichtbarkeit. Die einfachste Möglichkeit ist, eine Warnweste über die Alltagskleidung zu ziehen. Reflektierende Bänder an den Beinen können auch helfen, schneller und besser gesehen zu werden. Die Reflektoren werfen auftreffende Lichtstrahlen ohne Streuung zurück.
Tipp: Auch der Helm sollte eine helle Farbe oder einen hellen Überzug haben oder mit Reflektoren ausgestattet sein. Dicke Wintermützen sind unter einem Fahrradhelm nicht ratsam. Der Helm kann darauf verrutschen und den Kopf nicht mehr optimal schützen. Es gibt dünne und atmungsaktive Unterziehmützen aus Thermomaterial, die bequem unter den Fahrradhelm passen.
Die richtige Kleidung
Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung. Das gilt auch fürs Radfahren im Winter. Ob die Sonne strahlt oder Sie in einen Schneeregen geraten, mit dem Schichtprinzip sind Sie gut eingekleidet.
Wer sich nach dem "Zwiebelprinzip" kleidet - also mehrere dünne Schichten übereinander trägt -, ist flexibel bei Temperaturänderungen. Schließlich kommt es im Winter vor, dass man beim Losfahren noch leicht fröstelt, einem später in Bewegung jedoch recht warm wird. Die Luftpolster zwischen den einzelnen Kleidungsschichten schützen den Körper zusätzlich vor Kälte. Am besten eignet sich atmungsaktive, regenabweisende und winddichte Sportbekleidung.
Zur Ausstattung gehören:
- Fahrradhelm
- dünne, winddichte Mütze
- Handschuhe
- atmungsaktive Funktionsunterwäsche
- an der Vorderseite winddichte, am Rücken aber atmungsaktive Radjacken und -hosen
- Überschuhe
- reflektierende Weste
Regen- und Schneeschauer gehören zum Winter. Deshalb sollte eine Radjacke für jeden Tag zumindest wasserabweisend sein (z.B. Softshell). Das reicht bei Rädern mit Schutzblechen meist für 20 bis 30 Minuten Regenfahrt. Danach dringt Wasser ein. Wer länger oder ohne Schutzbleche unterwegs ist, sollte auf eine wasserdichte Jacke aus einer Klimamembran achten, damit es innendrin nicht zu feucht durch Schweiß wird. Materialien gelten allgemein ab einer Wassersäule von etwa 1500 mm als wasserdicht. Entscheidend sind allerdings auch die Nähte, die verschweißt oder verklebt sein sollten. Eine leichte Isolationsschicht aus Primaloft oder ähnlichem Material an der Front, den Armen und Schultern vermindert den Wärmeverlust.
Fahrtechnik und Verhalten im Straßenverkehr
Beim Radfahren im Winter gilt: Fahren Sie vorausschauend und umsichtig.
Winterreifen, besonders die mit Spikes, bieten dann deutliche Vorteile. Das Fahren auf großflächigem Eis sollte wegen der Sturzgefahr vermieden werden. Wenn man doch auf Glatteis gerät: Lenkbewegungen unterlassen und möglichst ohne zu bremsen ausrollen. Eine gewisse Sicherheit bieten hier Spikes-Reifen.
Die Vorderradbremse sollte auf Schnee und Eis immer mit Bedacht betätigt werden, besonders mit Reifen ohne Spikes. Blockiert beim Bremsen das Hinterrad, deutet das auf Glätte hin.
Wegen der eingeschränkten Bremsmöglichkeiten vorausschauend fahren und ausreichend Abstand halten zu anderen Verkehrsteilnehmern, parkenden Autos oder Fußgängern.
Bodenmarkierungen und Kopfsteinpflaster sind bei Nässe besonders rutschig.
Vorsicht an Hindernissen wie Längsrillen (Trambahngleise) oder Längskanten, die häufig zwischen Rad- und Fußweg sind.
Auf Brücken langsam fahren. Dort ist es oft eisiger als davor und danach. Dasselbe gilt an schattigen Orten, etwa in Wäldern, wo die Straßen kälter und feuchter sein können.
Beim Anfahren mit E-Bike oder Pedelec kann das Hinterrad durch die schnelle Beschleunigung die Haftung verlieren und wegrutschen - daher beim Start die geringste Unterstützungsstufe wählen.
Viele Pedelec-Antriebe reagieren zeitverzögert auf die Pedalbewegungen. Bei Eis, Schnee und Matsch muss man besonders auf diesen Zeitversatz gefasst sein.
Tipp: Fahren Sie im Winter generell langsamer und rücksichtsvoll, da die Bremsen und Reifen bei schneebedeckten Straßen nicht zuverlässig greifen können.
Radwege im Winter
Städte und Gemeinden sind nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs verpflichtet, "verkehrswichtige" innerörtliche Radwege zu räumen und zu streuen. Trotzdem werden sie oft als Letztes geräumt. Wurde auf einem Radweg weder gestreut noch geräumt, entfällt auch bei entsprechenden Beschilderung die Benutzungspflicht. Sind Sie bei Schnee und Glätte mit dem Rad unterwegs, sollten Sie besonders auf Brücken vorsichtig fahren, denn hier kann es aufgrund der freien Fläche glatter sein als auf geschützten Wegen.
E-Bike im Winter
Sind Sie mit dem E-Bike unterwegs, dann nehmen Sie den Akku, falls er abnehmbar ist, mit, wenn Sie das Rad abstellen. Die Batterie ist jedoch eine empfindliche Komponente. Minusgrade führen dazu, dass Leistung und Reichweite sinken. Neopren-Akkuhüllen helfen: Sie halten länger warm und die Batterien entladen sich langsamer.
Wenn das E-Bike länger steht, sollten Sie den Akku mit ins Warme nehmen, also ins Büro oder ins Zuhause. Generell gilt: Die Batterie des Fahrrads erst aufladen, wenn sie Zimmertemperatur erreicht hat. Ist sie zu kalt, lässt sie sich nicht vollständig laden. Darüber hinaus kann sich durch plötzlichen Temperaturwechsel Kondenswasser bilden. Und das kann zu Schäden führen.
Weitere Tipps
- Sattel tiefer stellen: Damit Sie zum Beispiel bei Glatteis mit beiden Füßen schneller auf den Boden kommen. Ein tiefer gestellter Sattel eignet sich vor allem für kurze Strecken.
- Fahrrad reinigen: Wenn die Straßen durch Schnee oder Schneematsch besonders dreckig sind, ist es wichtig, dass Sie Ihr Rad nach jeder Ausfahrt reinigen. Gehen Sie bei der Reinigung gründlich vor und befreien Sie das Rad komplett von Schnee, da sich mit dem Schnee oftmals Streusalz ablagert, das die Rostbildung am Rad fördert. Reinigen Sie neben dem Fahrradrahmen und den Reifen auch den Umwerfer, die Kette, die Kettenblätter und die Federung regelmäßig. Ölen Sie die Kette, falls es notwendig ist.
- Fahrrad richtig abstellen: Für das Abstellen und Lagern Ihres Rads gilt: es soll trocken und nicht zu kalt sein. Als Abstellort eignet sich zum Beispiel ein Keller oder Schuppen. Aber aufgepasst: Werden auch ein oder mehrere Autos in der Nähe des Rads abgestellt, kann der verdunstende Schnee vom Auto und damit das Streusalz zu Korrosion am Rad führen. Stellen Sie deshalb Ihr Rad, besonders wenn Sie es länger lagern wollen, nicht neben einem Auto ab.
- Schloss pflegen: Sie sind mit Ihrem Rad bei Schneeregen unterwegs und müssen es ungeschützt abstellen. Dann kann es passieren, dass Ihnen das Schloss zufriert. Schmieren Sie das Schloss vor dem Abschließen mit Öl ein. Bringen Sie das Schloss so an, dass der Schließzylinder nach unten zeigt. Dadurch kann kein Wasser reinlaufen und gefrieren.
- Getränke und Snacks: Bei längeren Touren sollten Sie lauwarme Getränke und kohlenhydratreiche Snacks mitnehmen. Denken Sie auch an Fahrradwerkzeug für unterwegs.
- Hautpflege: Pflegen Sie Ihre Gesichtshaut mit fetthaltigen Cremes.
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