Das Allgäu wird zur Genussradregion Nummer 1 in Deutschland - mit der Radrunde Allgäu, der vom ADFC mit vier Sternen klassifizierten Etappenradroute. Mit dieser 475 Kilometer langen Strecke ist es dem Allgäu gelungen, eine völlig neue Routenführung zu setzen.
Die Strecken hat der Tourismusverband Ostallgäu zu einer Route mit rund 80 Kilometern Länge verbunden und durchgehend beschildert. Ganz nach Lust, Laune, Kondition und Wetter können Sie die Tour in einem, zwei oder drei Tagen erradeln.
Die letzte Etappe dieses insgesamt 450 km langen Radfernwegs führt von Füssen über Kaufbeuren nach Bad Wörishofen. Wir sind einen Teil dieser letzten Etappe gefahren, aber in der anderen Richtung: von Kaufbeuren in Richtung Berge.
Etwa 45 km lang ist die Radtour Kaufbeuren - Füssen. Die Strecke ist gut ausgeschildert, erfreulich flach und besonders in der zweiten Hälfte landschaftlich ungemein reizvoll. Beschildert ist die Strecke mit dem Symbol der Radrunde Allgäu, einem dynamischen weißen Rad auf blauem Grund.
Als Ziel hab ich wieder mal Füssen ausgesucht. Mit dem Schwaben-Allgäu-Ticket geht’s mit dem Zug nach Kaufbeuren. Lediglich das Umsteigen in Buchloe war etwas problematisch. Dort wurden noch uralte Waggons eingesetzt. Da hieß es, das schwere E-Bike durch eine viel zu schmale Türe drei Stufen hoch zu wuchten. Dafür gabs dann auf dem Rückweg von Füssen neue Waggons mit breiten Türen und ebenerdigem Zugang. Na also geht doch.
In Kaufbeuren steht direkt neben dem Bahnhof ein großer Lidl. Dort noch schnell was für Herz und Magen gekauft. Aus Kaufbeuren raus und an der Wertach entlang geht’s auf ausgefahrenen Feldwegen zum Bären- und Bachtelsee. Der glitzernde Stausee mit seinen Booten gibt ein schönes Fotomotiv. Die schmale Straße nach Heiland bietet das erste Alpenpanorama. Sie ist sehr schmal aber kaum vom Autos befahren. Mir ist bis auf einen kleinen Traktor kein einziges motorisiertes Gefährt in den Weg gekommen.
Als ich durch Stötten fahre, kommen Erinnerungen an die ersten Skifahrten hoch. Damals (in den siebziger Jahren) gabs noch keine Umgehungsstraße und man musste sich durch zahlreiche Ortschaften (unter anderem Kaufbeuern ud Marktoberdorf), quälen. Eine Belastung für Autofahrer wie auch für die Anwohner. Ab jetzt ist Schluss mit Lustig. Mit teilweise bis zu 14 % Steigung geht’s die nächsten 7,5 km auf den 1055 Meter hohen Auerberg. Ein E-Biker kann dank voller Batterie die herrliche Landschaft genießen.
Der Weg von Stötten bis zum Abzweig am Auerberg ist eine schmale asphaltierte Straße, auf der nur ein paar vereinzelte Anlieger fahren. Ab jetzt hat die Plackerei ein Ende. Eine alte Weisheit besagt: Wo’s nauf gaud, dau gaud’s au mea na. Der Rest des Wegs bis Füssen ist leicht wellig und fast durchgehend eben.
Auf einem Schotterweg am Talhof vorbeikommt man zu der kleinen Kapelle Maria Schmerz im Thal. Am Parkplatz des Golfplatzes geht’s rechts in den Wald nach Lechbruck. Wer den Abzweig verpasst, muss entweder umkehren oder mit schlechtem Gewissen die gesperrte Privatstraße des Hotels benutzen. Die Strecke von Lechbruck bis Füssen verläuft oft auf dem Damm einer Staustufe. Oft merkt man gar nicht, dass es ein Fluss ist. Der Lech ist nur noch eine Aneinanderreihung von Kraftwerken.
Kaum im Dunstkreis des Forggensees dann Massenradlerhaltung. Bei einer kleinen Rast am Badestrand des Forggensees wurden die Füße und die Augen schwer. Ein Nickerchen ließ den Puls und Blutdruck zuerst herunterfahren und beim Aufwachen gleich wieder in die Höhe schnellen. Obwohl die Handy-App den ganzen Tag strahlenden Sonnenschein prognostizierte, genügte ein Blick zum Himmel, um das Handy mit seiner verlogenen App im Forggensee zu versenken. Das reale Gewitter wurde immer bedrohlicher.
Die letzten 300 Meter vor dem Bahnhof in Füssen fing es an zu tröpfeln. Ich war noch keine 30 Sekunden in der schützenden Bahnhofhalle, brach ein Sturm mit wasserfallartigem Regen aus. Die Abfahrt des Zuges verzögerte sich wegen der starken Regenfälle um 20 Minuten. Probleme bekam ich dann in Augsburg mit dem Anschluss. Auf der Strecke nach Ulm wurde die Schienen durch umstürzende Bäume blockiert und alle Verbindungen gestrichen. Nach dem mein Akku, genauso wie ich schon im Feierabendmodus war, blieb nichts anderes übrig als bei leichtem Nieselregen zu meiner 10 km entfernten Tochter zu radeln.
Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke
Auch die historische Altstadt von Kaufbeuren, mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten, Museen und Geschäften ist ein lohnenswertes Ziel. Sicher auch einen Besuch wert ist das Franziskanerinnen-Kloster der hl. Crescentia mit dem wunderschönen Klosterberggarten.
Dieses Stück Dampflokrunde habe ich bereits anlässlich meiner Familien-Radtour von Marktoberdorf nach Sameister beschrieben. Ab Steinbach entfernt sich der Radweg von der Straße, hier beginnt der landschaftlich schönste Teil der Radtour Kaufbeuren - Füssen. Die Dampflokrunde führt ja weiter nach Lechbruck, wir aber wollen weiter in Richtung Roßhaupten.
Den sagenhaften Blick vom südlichen Ortsende von Roßhaupten auf den Forggensee habt ihr ja im Titelbild schon gesehen. Ich zeige ihn trotzdem nochmal, weil ich ihn gar so schön finde. Er erinnert an die Legende des Heiligen Magnus, der am Tiefental einen Drachen bekämpft und (natürlich) besiegt haben soll.
Da bietet sich das Café Zur SeeLust in Dietringen an. Es ist sehr nett und hat auch einen kleinen Badestrand. und dann hinunter auf der Forggensee-Radweg. Dieser ist deutlich befahrener als unsere bisherige Strecke und führt auch am Festspielhaus vorbei. Kurz darauf erreichen wir Füssen-Nord und folgen den Radwegschildern durch Wohngebiete bis ins Zentrum.
Der Quaglio-Blick auf die Altstadt mit der St. Mang-Kirche dem Hohen Schloss ist ebenfalls ein super Foto-Punkt. Der Quaglio-Blick heißt so, weil der italienische Maler Domenico Quaglio genau aus dieser Perspektive die Füssener Altstadt gezeichnet hat. Den besten Blick auf das St.
In den Räumen des Klosters ist heute das Museum der Stadt Füssen untergebracht. Der Besuch lohnt sich schon allein wegen der herrlichen barocken Ausstattung von Lesezimmer, Bibliothek, Speisesaal und Kaisersaal. Aber auch die Ausstellungen zur Stadtgeschichte sind interessant. Etwas gruselig ist der gemalte Totentanz in der St.
Die Radrunde Allgäu
Auf der Schlossparkradrunde im Allgäu erleben Sie das Ostallgäu in seiner gesamten Vielfalt und Schönheit und können dem Geist des Königs nachspüren. Sie werden verstehen, warum König Ludwig II. genau hier das Schloss Neuschwanstein errichtete. Vom Schloss aus können Sie den imposanten Überblick in die Region erleben.
In Füssen können Sie sich auch für die Erlebniswelten der Vier-Sterne-ADFC-Qualitätsradroute Radrunde Allgäu entscheiden. Sie erwarten „Glückswege“ mit Kneipp-Kuren, die Kraft der Gletscher in den „Naturschatzkammern“ oder Sie lassen sich in die „Wasser-Reiche“ des Allgäus entführen. Natürlich erblicken Sie auch auf dieser Route neben dem Forggensee das weltberühmte Märchen schloss Neuschwanstein.
Lust auf mehr? Sie können die „Gipfelwelten“ mit dem Fahrrad erkunden oder bei einer Ausfahrt zu den „Alpgärten“ die Nagelfluh, eine Fels-formation in Form von Nagelköpfen, bestaunen. Entscheiden Sie sich für eine Tour zu den „Heimatstätten“, erwarten Sie kunstvolle Bauwerke aus Gotik, Renaissance und Barock und die besten „Allgäuer Seelen“ in Wangen. Probieren Sie die leckeren Brotstangen und krönen Sie die kulinarischen Erlebnisse mit einem Abstecher zu den Sennereien der Allgäuer Käsestraße.
Überwiegend asphaltiert, Höhenprofil individuell auswählbar. Füssen: Schloss Neuschwanstein | Altstad: Hohes Schloss | Pfronten: Alpenbad | Jungholz: Kräuterdorf | Naturschutzgebiet Vilsalpsee | Wertach: Bergkäsesennerei | Rettenberg: Brauereien | Sonthofen: ökologischer Kurpark | Fischen: Eichhörnchenwald | Obermaiselstein: Sturmannshöhle | Immenstadt: AlpSeeHaus, Nagelfluhkette | Stiefenhofen: Kräutergarten Artemisia | Oberreute: Grenzpfad | Weiler: Hausbachklamm | Scheidegg: Wasserfälle | Lindenberg: Hutmuseum | Isny: Wassertor-Museum, Käsküche | Wangen: Altstadt | Kißlegg: Neues Schloss | Bad Wurzach: Wurzacher Ried, Erlebnisausstellung „Moor Extrem“ | Schmidsfelden/Leutkirch: Glasmacherdorf | Memmingen: historische Altstadt, Stadtmauer, MEWO Kunsthalle | Ottobeuren: Kloster, Benediktinerabtei | Bad Wörishofen: Sebastian-Kneipp-Museum | Kaufbeuren: Crescentiakloster, Altstadt | Marktoberdorf: Lindenallee | Kempten: Altstadt, Basilika St.
Weitere Radwege im Allgäu
Falls ihr im Raum Füssen weitere Radtouren unternehmen möchtet: Die Radrunde um den Forggensee ist ebenfalls leicht zu fahren und landschaftlich reizvoll; am wenigsten los ist dort im frühen Frühjahr und im Spätherbst.
Die Route erkundet auf gut 300 Kilometern vierzehn Nebentäler der Donau in Bayerisch-Schwaben. Die gut ausgeschilderten Strecken, zwischen 16 und 100 Kilometer lang, verlaufen gelegentlich auch auf Württembergischem Boden. Die Touren erschließen die Landschaft zwischen Iller und Donau, an der mäandernden Zusam und die Region zwischen der Egau und der Kessel mit ihren Wäldern und Weihern.
Auf 475 Kilometern eine Runde durchs Allgäu drehen, von leicht bis sportlich. Der ADFC hat die Radroute mit vier Sternen ausgezeichnet, unter anderem dank des ausgedehnten Wegenetzes mit einheitlicher Beschilderung, unterschiedlichen Höhenprofilen und eigenem E-Bike-Revier. Basis ist die klassische Route mit den wichtigsten Anlaufpunkten Sonthofen, Nesselwang, Füssen, Kaufbeuren, Bad Wörishofen, Ottobeuren, Memmingen, Wangen und Fischen, hinzu kommen Varianten und Kombinationsmöglichkeiten. Spezielle Bett-und-Bike-Betriebe erfüllen alle Bedürfnissen von Fernweg-Radlern.
Der mit fünf Sternen zertifizierte Fernradweg führt in fünf Etappen auf knapp 220 Kilometern durchs Ostallgäu, vorbei an Burgen und Schlössern, Seen und Bergen. Und folgt dem Geist von Märchenkönig Ludwig II.: An ihn erinnern die Burgruine Falkenstein (auch hier wollte Ludwig eine Märchenburg errichten lassen, das Projekt wurde aber nie realisiert) und die Königsschlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein. Verlauf: Füssen, Lechbruck, Kaufbeuren, Buchloe, Bad Wörishofen, Irsee, Görisried, Nesselwang, Pfronten und zurück nach Füssen. Abwechslung vom Strampeln findet man beim Kneipp-Kuren oder auf Moorwanderwegen. Die Strecke mit mäßigen, gelegentlich auch größeren Steigungen verläuft meist auf Landstraßen mit wenig Verkehr, vielfach folgt die Route auch alten Bahntrassen. Sie lässt sich teilweise verkürzen oder aufteilen. Gute Infrastruktur für Radtouristen.
Wichtige Hinweise
Wegen Baumfällarbeiten entlang des Radwegs an der Bahnlinie von Kaufbeuren nach Biessenhofen kann es für Radfahrer und Fußgänger im Laufe dieser Woche zu zeitweisen Behinderungen kommen. Die Fällungsmaßnahmen betreffen mehrere alte Fichten, die eine Gefahr für Radfahrer und Fußgänger sein könnten.
Die Benutzung der Rad-/Wanderwege erfolgt auf eigene Gefahr. Sie befinden sich „in der Natur“ und müssen deshalb mit naturgegebenen Risiken, insbesondere Gefahren, die von Bäumen ausgehen (z.B. Bitte prüfen Sie vor Antritt Ihrer Etappe deshalb unbedingt die Wettervorher-sage sowie die bestehenden Bedingungen. Vor der Benutzung der Rad-/Wander-ege unmittelbar vor, während und nach Unwetterereignissen (Gewitter, Stark-wind, Sturm und extremer Schneefall bzw. hohe Schneelast) wird eindringlich gewarnt.
Zusammenfassung
Insgesamt war es ein wunderbarer Tag mit schöner Radtour, gutem Essen und nettem Stadtbummel, die ich euch gerne weiterempfehle. Zurück haben wir die Bahn genommen; von Füssen geht stündlich ein Zug Richtung München, der auch in Kaufbeuren hält.
Alle auf dieser Seite genannten Produkte, Hotels, Veranstalter usw. wurden von mir selber bezahlt. Grüne Wiesen, sanfte Hügel, klare Seen, glückliche Kühe. Und ein Märchenschloss wie aus einer anderen Welt. Das Klischee vom Allgäu? Vielleicht. Aber aufgepasst: Die ADFC-Qualitätsradroute Radrunde Allgäu zeigt neben den lieblichen und barocken auch die rauen Facetten dieser Region.
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