Radtour Krimmler Tauernhaus: Erfahrungen und Highlights

Der Tauernradweg gehört zweifellos zu den attraktivsten Radtouren in Österreich. Die erste Station der Radtour war die Firma Austria Radreisen in Schärding. Diese bietet ein Radtaxi an, das uns nach Krimml brachte. Auf dem Gelände der Firma kann auch das Auto gegen eine Gebühr für die Dauer der Radtour geparkt werden. Die Fahrt dauert etwa 3, 5 Stunden.

Der Tauernradweg: Von Krimml nach Passau

Ausgangspunkt ist Krimml auf gut 1000m Höhe, fast am Ende des Pinzgau, mitten in den Hohen Tauern gelegen und nah an den berühmten Krimmler Wasserfällen gelegen. Die Pinzgauer Lokalbahn fährt stündlich, ist auch auf Radfahrer eingestellt und hat entweder ein Abteil oder gar einen ganzen Rad-Güterwagen in der Zuggarnitur. Krimml kann man mit der Pinzgauer Lokalbahn sehr gut von Zell am See aus erreichen.

Erste Etappe: Krimml und Umgebung

Der Anfang des Tauernradweges liegt direkt am Eingang zu den berühmten Krimmler Wasserfällen. Am Endbahnhof in Vorderkrimml befand sich mein Gasthof „Marienhof“, ein idealer Ausgangspunkt für alle Touren, wie sich herausstellen sollte. Von Vorderkrimml führt der Radweg noch ein Stück hinauf zu den Wasserfällen, wo es auch ein Informationszentrum und die „Wasserwelten“ gibt, dann muss man sich aber links am Waldrand halten, um den Tauernweg zu finden. Oben angekommen weitet sich das Tal wieder zu einem Alpenhochtal - das Krimmler Achental, für das ich am nächsten Tag eine Extratour einplante.

Die Krimmler Wasserfälle:

  • Mit insgesamt 380 Metern die höchsten Wasserfälle Europas und die fünfthöchsten der Welt.
  • Weniger attraktiv sind die Touristenmassen, die sich dort ähnlich der Wassermassen die Felsen entlangschlängeln.

Wer genug Geld oder Bequemlichkeit besitzt oder sich aber auch aus gesundheitlichen Gründen den Aufstieg sparen will, kann übrigens ein Taxi (VW T5, kostet etwa 10-15 Euro) hoch zum 3. Fall nehmen, eine Schotterpiste führt in steilen Serpentinen hinauf. Ein Restaurant auf halber Strecke des Fußweges verwöhnt dann noch mit üblichen Regularien, wie einen 1€-Eintritt für die Toilette. Ich wage nicht hochzurechnen, welche marmornen Pissoirs sich mit solchen Verdiensten einrichten lassen könnten.

Nach einer Jause auf der nahegelegenen Hölzlahner Alm ging es dann, diesmal auf dem normalen Touristenweg, entlang der Fälle wieder hinunter, allerdings musste ich hier - wie am Anfang fast jeden Tag - das planmäßige Gewitter abwarten, das sich vom Zillertal hinüber vom Großvenediger schlängelte, ohne dass ich einen Tropfen abbekam.

Das Krimmler Achental

Nach einer Abendradrunde hinunter nach Wald im Pinzgau, die ich mit mehreren Schauer-Stopps in Bushaltestellen und Garagen verbrachte, freute ich mich auf den nächsten Tag: das Taxi war für 9 Uhr bestellt und beförderte mich und mein Rad die Serpentinen hinauf an den oberen Wasserfall, von dem aus sich das Achental weitet. Auf halber Strecke lockt das alte Tauernhaus zur Einkehr, am Ende des Tales beginnt das Krimmler Kees, das in einen schon im Anblick mächtig vorkommenden Gletscher mit der Dreiherrnspitze (3499m) als höchstem Gipfel mündet. Vom Beginn auf etwa 1400m Höhe landet man am Talende auf etwa 1800m.

Oben war ich gegen 12.30 Uhr bei herrlichem Wetter. An diesem Tag war das Gewitter erst für 16 Uhr angekündigt, es sollte also eigentlich mit der Rückkehr passen. Die obligatorischen Kasnockerln wurden verzehrt, und Sonnenbrille und Jacke sind dort oben auch angebracht, dafür sind Luft und Ausblick unvergleichlich und man ist hier sehr mit der Natur im Einklang - wie auch die anderen etwa 20 Leute, die zeitgleich mit mir oben auf der Hütte waren. Hinunter ging es naturgemäß etwas flotter und auch die Rückfahrt durch’s Achental geht leicht bergab, auf quer auf dem Weg liegende Kühe sollte man achtgeben.

Zweite Etappe: Weiterreise entlang der Salzach

Erste Etappe: Krimml - Kaprun ca. Entlang der Salzach geht es vom Krimml dann bergab dem Tal folgend in Richtung Osten.

Am nächsten Morgen rücken wir das erste Mal unseren Helm zurecht und schwingen uns auf die Räder Richtung Krimmler Wasserfälle. Dieses Naturschauspiel wollen wir uns nicht entgehen lassen! Es empfiehlt sich, gleich früh dort zu sein, denn wir wollen dort noch eine Wanderung unternehmen und wir haben heute noch knapp 70km mit dem Rad vor uns. Wir sind fasziniert von den gewaltigen Wassermassen und dem imposanten Rauschen. Bei aktuell schon 24 Grad erfrischen wir uns im Sprühregen. Wir können die Gewalt des Wassers spüren und hören. Was für ein Erlebnis!

Erst am dritten Tag startete ich also den richtigen Tauernradweg, verließ mit Sack und Pack mein Quartier und begab mich abwärts, denn von diesem Ort aus folgt man den Flüssen ja durchweg talwärts und verläßt somit ganz allmählich auch die Hochalpen, schließlich die Voralpen und blickt sogar nach der Inn-Fahrt am Ende vor Passau auf die so genannte „böhmische Masse“, befindet sich also auch geologisch in völlig anderen Gebieten.

Von Kaprun aus geht es erstmal weiter nach Osten . Sportlichere Fahrer schlagen sicher gern den umgekehrten Weg ein, aber ich war ja vor allem zur Entspannung anwesend.

Daher ließ ich es schön rollen und die ersten 50km durch das weite Pinzgau-Tal waren vermutlich auch die erholsamste Etappe, weil man gar nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll. In die beschaulichen Bergdörfer, die sich im Winter vermutlich zu Skihöllen verwandeln? Links hinauf geht der Blick zum eher sanften Beginn der Kitzbüheler Alpen oder er geht nach rechts, wo sich sauber aufgereiht die Tauerntäler wie Akkordeonfalten anordnen.

Trotzdem ist das Pinzgau in seiner weiten Talanlage ein eher entspannter Ort, der sich besonders auch für Familien und Ältere eignet - es gibt viele Freibäder und natürlich Wanderangebote, Pferdehöfe und Campingplätze. Ganz anders gibt sich wiederum Kaprun, das mit seinem Tauernhochtal mit dem Kitzsteinhorn und den Hochgebirgsstauseen im Sommer wie im Winter komplett touristisch erschlossen ist.

Sie sind mittlerweile in dieser Gegend zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden, denn sie mieten sich oft ganze Häuser oder Hotelsuiten, reisen mit dem SUV umher und nutzen selbstverständlich auch hochpreisige Angebote und Touren. Die Österreicher haben sich darauf eingestellt und das führt nicht nur zu arabischen Speisekarten und Hinweisschildern, sondern auch zu mancher Shisha-Bar oder einem Ali-Baba-Restaurant.

Im Gasthof Oberschneider an der Ausfallstraße lockte allerdings der günstige Preis, dafür hatte ich die Balkonklinke auch beim ersten Öffnen gleich in der Hand, was diesmal wirklich nicht an mir lag. Große Touren habe ich in Kaprun nicht unternommen, da ich erst spätnachmittags ankam und das Kitzsteinhorn auch unter einer ordentlichen Wolkendecke lag. Als 12-jähriger war ich überdies schon einmal bei den Stauseen, so dass ich es diesmal bei einer Erkundungstour durch’s Dorf beließ, an dessen Rand eine große Sommerrodelbahn volksfestartige Stimmung verbreitet - im Dorf selbst freuen sich teure Boutiquen auf (arabischen) Besuch.

Dritte Etappe: Kaprun nach Lofer

Weiter geht’s über Maria Alm nach Lofer. Auf dem Weg legen wir ein Stopp an der Seisenbergklamm ein, um diese zu erkunden. Nach einer ca. 1-stündigen Wanderung radeln wir weiter. In Lofer angekommen erhalten wir beim Hotel-Check-In unsere Gästekarte. Diese berechtigt u.a. zu einer kostenlosen Berg- und Talfahrt der Almenwelt Lofer, die wir natürlich nutzen. Unsere Räder lassen wir an der Talstation stehen. Es lohnt sich, früh dort zu sein, um die Wanderalm zu erkunden! Wir gönnen uns ein kühles Getränk auf der Außenterrasse des Bergrestaurants Loderbichl mit unvergesslichem und unbezahlbarem Panorama- und Talblick!

Vierte Etappe: Bischofshofen und Werfen

Bei Högmoos ist eine kurze aber kräftige Steigung zu meistern. Ab Taxenbach geht es wieder eben dahin bis hinter Lend. Am Ortsende ist rechts neben der Strasse eine Fabrik, die ein Tor etwas oberhalb, von dort hat man eine schöne Sicht auf einen Wasserfall der Gasteiner Ache.

Mit etwas Glück kann man, so wie wir, auch ohne Schnee den Springern beim Sommertraining zusehen. In Bischofshofen lohnt sich ein Abstecher zur berühmten Skisprungschanze.

Schon weit vor Werfen kann man die auf dem Felsen liegende Burg Hohenwerfen erkennen. Bei Werfen lockt die Eisriesenwelt zu einem Besuch.

Fünfte Etappe: Durch das Salzburger Land

Von Werfen aus geht weiter in Richtung Norden an der Bundesstrasse entlang bis über den Pass Lueg und dann hinab bis man bei Golling aus den Bergen in die Ebene hinauskommt. Von dort geht es dann wieder von der Bundesstrasse weg auf Neben- oder Radwege. Vor Salzburg geht es dann weiter durch die Auenwälder auf die Stadt zu. Der weitere Verlauf ist geprägt von sehr gerade Wegen in den Wäldern entlang des Flusses.

Sechste Etappe: Tittmoning nach Obernberg

Von Tittmoning aus geht es auf der österreichischen Seite bei Hadermarkt zuerst mal kräftig bergauf. Der Radweg führt entlang eines Höhenzuges neben der Salzach bis zur es kurz vor Burghausen wieder hinab zum Fluss geht. Gegenüber der eindrucksvollen Burganlage geht es dann wieder steil bergauf. Oben angekommen gibt es einen Aussichtsplatz von dem man die Burganlage von Burghausen in seiner gesamten Länge zu sehen bekommt. Man kann sich einen zweiten Anstieg ersparen, wenn man von Duttendorf auf der Haupstrasse bleibt und nicht die Abzweigung des Radweges nach Überackern folgt. Weiter geht es auf der Höhe durch den Wald bis zu einem Parkplatz von dem aus man den Zusammenfluss von Salzach und Inn sehen kann.

Siebte Etappe: Obernberg nach Schärding

Der Tauernradweg ist eine schöne Tour, besonders die erste Hälfte durch die Berge bietet viel für das Auge. Etwas Kondition und Schieben ist bei den wenigen aber dafür kräftigen Steigungen nötig. Wegen der teilweisen Streckenführung auf Haupt- und Bundesstrassen ist der Abschnitt zwischen Werfen und Golling für jüngere Kinder eher nicht geeignet.

Achte Etappe: Salzburg nach Burghausen

Heute verlassen wir die Welt der Alpen und radeln entlang des Inn nach Burghausen. Schon aus der Ferne sehen wir die Burg zu Burghausen, eine der längsten Burgen der Welt! Vor dieser schönen Kulisse finden im Juli/August abends viele Events statt.

Neunte Etappe: Burghausen nach Bad Füssing

Unser heutiges Ziel ist der Kur- und Thermenort Bad Füssing. Wir radeln weiter entlang des Inn-was für eine Farbe des Wassers, was für eine Landschaft-bis wir unsere nächste Unterkunft, das Ortner’s Resort“ erreichen. Mit mittlerweile ca. 270 Radkilometern in den Beinen relaxen wir in der hoteleigenen Thermalquelle, die stärkste Schwefelquelle Europas. Das haben wir uns verdient!

Zehnte Etappe: Bad Füssing nach Passau

Ein bisschen wehmütig machen wir uns auf die letzte kurze Etappe nach Passau, weil wir wissen, dass diese schöne Reise nun zu Ende geht. Wir genießen sie noch einmal in vollen Zügen! Mit jeder Menge unvergesslicher Eindrücke im Gepäck erreichen wir die Drei-Flüsse-Stadt. Hier erkunden wir natürlich noch die Altstadt und lassen die Tour am Drei-Flüsse-Eck, wo Donau, Inn und Ilz zusammenfließen, Revue passieren. Abends belohnen wir uns noch mit einem Abschiedsessen im Biergarten des Wirtshauses Bayerischer Löwe bevor wir am nächsten Morgen nach dem Frühstück die Heimreise antreten. Was für eine Radreise!

Empfohlene Restaurants und Einkehrmöglichkeiten:

  • Lofer: Bergrestaurant Loderbichl, Almenwelt Lofer, Mittelstation Loferer Almbahn 1
  • Salzburg: Stiegl Keller unterhalb der Burg Hohensalzburg mit Blick auf den Dom und die Altstadt, sowie Restaurant/Biergarten Die Weisse
  • Passau: Wirtshaus/Biergarten Bayerischer Löwe

Radwegbeschaffenheit und Schwierigkeitsgrad:

Die Tour startet auf ca. 1100 Metern über dem Meeresspiegel und endet in Passau, welches auf 300 Metern Seehöhe liegt. Über leicht abfällig verlaufende Wegstrecken sind nur wenige Anstiege zu überwinden. Diese sind überwiegend asphaltiert oder bestehend aus befestigtem Schotter. Eine leichte bis mittelschwere Tour.

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