Radtour mit Camping: Planung und Routen

Wer sich für Fahrrad-Camping entscheidet, genießt die Nähe zur Natur, den Anblick sehenswerter Landschaften und die vollkommene Spontanität und Flexibilität. Da es so flexibel ist, eignet sich Fahrrad-Camping für alle, die Lust darauf haben. Auf gemütlichen Campingplätzen spannen Sie nach einer Radtour die Zelte auf und tanken Energie für die nächste Etappe. Doch vor der Entspannung steht die Planung an: Für Fahrrad-Camping spielt vor allem das Gepäck eine große Rolle!

Camping mit dem Fahrrad richtig planen

Damit Ihre Fahrrad-Campingreise ein voller Erfolg wird, ist eine gute Planung im Voraus das A und O. Bei der Planung der Route sollten allerdings nicht nur Sehenswürdigkeiten oder die zu bestaunenden Landschaften von Bedeutung sein - vor allem bei mehrtägigen Radreisen ist die eigene Kondition ein wichtiger Faktor. Ein guter Einsteigertipp für den Fahrradurlaub: planen Sie bei Ihrer ersten Tour nicht mehr als 50 Kilometer pro Tag ein. So lassen sich die Tagesetappen einfach steigern, wenn es leicht fällt. Außerdem setzt die Erschöpfung meist am dritten oder vierten Tag ein, weshalb für diese Tage kleinere Etappen sinnvoll sind.

Packliste für die Radreise

Das Gepäck ist meist auf Satteltaschen begrenzt, weshalb es wichtig ist, sich auf die elementare Ausrüstung zu beschränken. Verlieren Sie Dank einer hilfreichen Packliste nicht den Überblick und strukturieren Sie Ihr Gepäck sinnvoll und durchdacht. Für die gesamte Radreise-Packliste gilt: Je nach ausgewählter Reisezeit können Sie den ein oder anderen Gegenstand der Liste auch mit ruhigem Gewissen zuhause lassen. Doch im besten Falle sind Sie mit der ADAC-Fahrrad-Ausrüstung stets auf Wetterumschwünge vorbereitet, damit die Radtour nicht ins Wasser fällt.

Versuchen Sie, das Gepäck möglichst klein zu halten und nur in Satteltaschen zu verstauen, da ein Rucksack auf dem Rücken mit der Zeit unangenehm werden kann und den Rücken beim Fahren sehr belastet. Eine weitere Möglichkeit: Fahrradanhänger sind auf befestigten Straßen eine einfache und praktische Alternative.

Das Gewicht beachten

Allgemein gilt: Beim Packen ist weniger mehr, auch wenn es ums Camping geht. Wer zu viele Sachen mit sich schleppt, reduziert den Fahrspaß und ist früher erschöpft, ganz besonders am Berg. Aber auch die Versicherung interessiert (im Fall eines Unglücks), wie schwer das Rad beladen ist. Das Kriterium ist das zulässige Gesamtgewicht, also Fahrrad plus Gepäck und Fahrer. Falls Sie dieses zulässige Gewicht nicht kennen, sprechen Sie mit Ihrem Fahrradhändler. Wieviel Ihr Gepäckträger verkraftet, ist am Träger selbst abzulesen, in der Regel sind das zwischen 20 und 40 kg. Sinnvoll ist es, vor dem Trip das Packen und auch die Fahrweise zu testen. Denn natürlich fährt sich ein Fahrrad schwerfälliger, wenn es beladen ist.

Übernachtung in der Natur

Wer keine Unterkunft bucht, sondern in der Natur übernachten will, braucht die richtige Ausstattung. Und die sollte natürlich leicht sein! Aber weil Outdoor-Produkte immer besser werden, kann man mittlerweile sogar mit nur 2-3 kg zusätzlichem Gewicht (Zelt, Isomatte und Schlafsack!) recht komfortabel nächtigen. Bei der Wahl der Isomatte ist die Dicke entscheidend, da sie die Schlafqualität stark beeinflusst. Manche Camper kommen mit einer 3 cm dicken Matte gut klar, andere benötigen mehr Polsterung. Besser sind normale Isomatten, die sich nicht selbst aufblasen. Das liegt daran, dass sich die Matten sowieso nie komplett selbst aufblasen, man immer manuell nachhelfen muss und noch dazu sind sie durch die Füllung größer im Packmaß und schwerer. Bei Schlafsäcken empfehlen sich die Varianten mit Daunen, da diese leichter und kleiner verpackt sind sowie eine sehr gute Isolierwirkung haben.

Verpflegung unterwegs

Um ab und zu eine warme Mahlzeit zu haben, ist ein Camping-Kocher ideal. Um Brennstoff wie Spiritus, Gas oder Benzin zu sparen, sollten Speisen zubereitet werden, die nicht lange gekocht werden und vielleicht nur aufgewärmt werden müssen. Weiterer Tipp: Möglichst windgeschützt kochen!

Ein Zelt einfach in freier Natur aufzuschlagen ist in Deutschland nicht erlaubt. Stattdessen muss man einen Campingplatz aufsuchen, will man den offiziellen Weg gehen. Andererseits gibt es immer wieder Landwirte, die einem das Übernachten auf einer Wiese gestatten und wer sowieso ohne Zelt ganz unter freiem Himmel schläft, bekommt selten Probleme.

Beliebte Routen für Radtouren mit Camping in Deutschland

Deutschland ist bekannt für seine Landschaftsvielfalt: Harz, Allgäu oder auch Schwarzwald und Sächsische Schweiz gelten als beliebte Urlaubsziele für Naturliebhaber. Die Route ist gewählt, die Vorfreude steigt: Bei einer Campingeise mit dem Fahrrad erfreuen Sie sich an den schönsten Landschaften in den verschiedenen Regionen des Landes. Diese laden ein, den ganzen Tag das Grün zu genießen und in der Natur zu Campen. Egal ob Schwarzwald, Allgäu oder der Norden: Überall in Deutschland warten abwechslungsreiche Strecken und Campingplätze auf Sie, die Sie in Ihrem Urlaub meistern können. Flexibel und spontan erleben Sie so eine einmalige, naturnahe und aufregende Zeit!

  • Schlossparkrunde durch den voralpinen Süden: Bietet atemberaubende Natur- als auch glanzvolle Kulturhighlights auf der Route. Bestaunen Sie das traumhafte Schloss Neuschwanstein und den Fünfknopfturm von Kaufbeuren, der aus dem typisch bayerischen Städtchen ragt. Entdecken Sie außerdem die Seenlandschaft mit Weißensee, Forggensee, Hopfensee und Alpsee in der Umgebung von Füssen und erkunden Sie in Ihren Pausen die Moorwanderwege, die Sie noch weiter ins Grün der Voralpen führen. Der gesamte Weg führt über meist gut asphaltierte Wege mäßig bergauf, nur selten kommt es auch zu größeren Steigungen.
  • Weserbergland nach Cuxhaven: Fahren Sie durch das Weserbergland mit seinen beschaulichen Fachwerkstädten wie Hameln und Nienburg bis zur Norddeutschen Tiefebene. Hier sorgen historische Windmühlen und weite, grüne Wiesen für ein idyllisches Landschaftsbild. Genießen Sie die abendliche Ruhe auf dem Campingplatz Hameln an der Weser oder auf dem Campingplatz Strandallee in Nordenham, bevor Sie zu den nächsten Etappen aufbrechen. Ihr Ziel ist Cuxhaven: Hier können Sie nach der abwechslungsreichen Fahrt durch den Norden den Blick über die Nordsee schweifen lassen oder das Wattenmeer zu Fuß erkunden. Sie profitieren von einem Fahrradweg ohne große Steigungen.
  • Neckertal: Die Route durch das grüne, vom Fluss durchzogene Neckertal startet im Hochmoor Schwenninger Moos, bevor es Sie zu kleinen historischen Städten wie Villingen oder Horb führt. Erleben Sie die Zeit der Römer hautnah bei einem Besuch Tübingens oder erkunden Sie rund um Stuttgart das UNESCO-Welterbe Weißenhofsiedlung, das Einblicke in die Ursprünge der modernen Architektur verspricht. Abends erwarten Sie gemütliche Campingplätze wie der Naturcampingplatz in Bad Dürrheim oder der Zeltplatz am Neckartalradweg in Oberndorf, die Sie inmitten der grünen Natur des Neckertals finden. Sie radeln auf der Strecke durch Naturschutzgebiete, teils auf befestigten aber auch auf unbefestigten Wegen.

Bikepacking als Alternative

Bikepacking ist ein Trend aus den USA, der sich in den letzten Jahren auch in Europa durchgesetzt hat. Diese Art des Rad-Abenteuers hat seine Wurzeln in Langstrecken-Rennen in Nordamerika, die im sogenannten Selfsupport-Mode gefahren werden. Das heißt: Man hat bereits alles dabei, was man für die Fahrt und die Übernachtung braucht. Das gesamte Gepäck wird am Rad selbst montiert, auf Gepäckträger wird verzichtet. Natürlich muss auch hier noch minimalistisch gepackt werden. Aber es ist durchaus möglich, Schlafsack, Kocher und Co. dabei zu haben.

Die typischen Bikepacking-Taschen: Eine Lenkertasche quer unterm Lenker, eine Rahmentasche für schwere Gegenstände wie Kocher oder Werkzeug sowie eine Satteltasche, die direkt an Sattelgestell und -stütze befestigt wird. Hier können eine Isomatte oder ein Schlafsack transportiert werden - natürlich nur besonders leichte Modelle. Noch etwas mehr Gepäck lassen sich in kleinen Taschen auf dem Oberrohr, am Lenker und/oder am Unterrohr unterbringen. Manche Bikepacker haben auch einen Biwaksack dabei, um nicht auf ein schützendes Dach angewiesen zu sein.

Mit wenig Gepäck und diesem direkt am Rad befestigt kommt man mit dem Bike richtig gut voran. Besonders in ruppigerem Gelände macht sich dass bemerkbar. Bikepacking ist ideal für Menschen, die den kurzen Urlaub am Wochenende suchen und den Alltag hinter sich lassen wollen. Outdoor-Freunde, die das Abenteuer und die echte Natur suchen. Diese Variante des Camping verlangt Reduktion auf das Wesentliche. Bikepacker müssen minimalistisch packen und auf Bequemlichkeiten verzichten. Vor allem wenn es um die Übernachtung geht, denn für ein Zelt ist oft kein Platz mehr in der Tasche. Auch Extra-Bekleidung inkl. Schuhe für Stadt-Ausflüge oder einen Restaurantbesuch passt in der Regel nicht mehr rein.

Packtaschen für mehr Komfort

Wer ein bisschen mehr Komfort sucht, der packt alles in große Packtaschen. Der Klassiker sind fünf Taschen: zwei am Gepäckträger hinten, zwei kleinere am Lowrider vorn plus eine Lenkertasche. Viele Radurlauber haben dann noch einen Packsack auf dem Gepäckträger hinten oder man schnürt beispielsweise das Zelt oben drauf. Eine gute Gewichtsverteilung von etwa einem Drittel Gewicht an den Lowridern und zwei Dritteln hinten sorgen für mehr Sicherheit. Sinnvoll ist es selbstverständlich, Gegenstände, die häufiger benötigt werden, oben in den Taschen unterzubringen. „Packen nach Themen“ hilft, die Sachen leicht wieder zu finden. Die Lenker­tasche eignet sich ideal für Kleinigkeiten wie Fotoapparat, Dokumente und kleine Snacks.

Mit Packtaschen reisen ist für alle, die das Natur­erlebnis suchen und trotzdem vor Wind und Wetter geschützt sein wollen. Ein kleines Zelt, Schlafsack und Co. lassen sich gut unterbringen, sodass die Nächte trotz Camping einigermaßen komfortabel werden. Sinnvoll packen ist hier das A und O. Viele unerfahrene Radurlauber wühlen frustriert in allen Taschen, um beispielsweise an ihre Badehose zu kommen. Abhilfe schaffen nur das systematische Packen und eine Strategie, die über den kompletten Radtrip beibehalten wird. Bei fünf Taschen laufen manche Leute Gefahr, sich zu überladen! Lieber etwas Platz lassen, als alles vollpacken.

Fahrradanhänger als Option

Wer eine weite Reise plant oder aus anderem Grund viel Equipment braucht, wird irgendwann über einen Anhänger nachdenken. Ins­besondere im flachen Terrain und auf Asphalt kann ein Fahrradanhänger viel Entlastung bieten. Es gibt flache Anhänger, auf denen alles mit Spanngurten befestigt wird, „Kisten-Anhänger“ und Trolleys. Auf einigen können Kinder oder Tiere wie Hunde mittransportiert werden, andere kommen nur für Gegenstände in Frage. Denken Sie vor dem Kauf eines Anhängers gut über Ihre Bedürfnisse nach!

Auf langen Touren haben sich beispielsweise einspurige Anhänger bewährt, die den zweirädrigen klar überlegen sind. Die Anhänger-Option empfiehlt sich vor allem für Radreisende, die eine sehr große Tour wie beispielsweise eine Weltreise planen. Aber auch für Familien, die ein Mehr an Gepäck, aber nur einen oder zwei „Lastenträger“ haben. Und auch für Radfahrer, die ihren Hund oder kleine Kinder mitnehmen wollen, die noch nicht selbst radeln können. Für übergewichtige Menschen ist der Anhänger ebenfalls eine Option. Denn wer viel wiegt, hat je nach Fahrrad und dessen zulässigem Gesamtgewicht einfach nicht mehr viel Spielraum für Gepäck. Auch praktisch: Räder, die sich für die Gepäckträgermontage nicht eignen (z.B.

Alle Sachen müssen rutschsicher auf dem Hänger verstaut werden und das Gewicht sollte die 25 kg nicht überschreiten. Prüfen Sie vor der ersten Ausfahrt Belege und Einstellung der Bremsen, da diese stark belastet werden. Was außerdem ein echtes Problem darstellen kann: Anhänger bringen schon einige Kilo Eigen­gewicht mit. Der Fahrspaß wird auch dann schnell getrübt, wenn auf der Strecke viele enge Kurven, auch Drängelgitter und unbefestigte Wege warten. Und auch wer einen Teil seiner Tour mit der Bahn zurücklegen will, ist mit einem Anhänger eher schlecht bedient.

Campingplätze für Radfahrer

Vor einer Tour im Ausland sollten Sie sich mit den Gegebenheiten vor Ort auseinandersetzen. Übrigens: Fahrradfreundliche Campingplätze erkennt man auch am ADFC-Siegel „Bett+Bike“.

Die ADFC-Radreiseanalyse 2023 zeigt deutlich: Camping wird bei Radreisenden immer beliebter - ein Drittel der Befragten übernachtete 2022 auf Campingplätzen, Tendenz steigend. Besonders gut geht Camping-Urlaub mit dem Rad in den zertifizierten ADFC-RadReiseRegionen und entlang der ADFC-Qualitätsradrouten. Die lassen das radtouristische Herz höherschlagen und man kann sie oft auch ganz spontan erfahren. Und wer auf einem der fast 300 Bett+Bike-Campingplätze einkehrt, kann sicher sein, dass hier alles vorhanden ist, was das Herz der Radreisenden begehrt - von eigenen Zeltflächen über Fahrrad-Reparatursets und Werkstattanbindung bis zu Trockenräumen für nasse Kleidung.

ADFC-RadReiseRegionen

Die insgesamt 8 zertifizierten ADFC-RadReiseRegionen eignen sich hervorragend, um von einem festen Ort aus die Umgebung zu erkunden. Egal ob alleine, mit Freund:innen oder mit der ganzen Familie - hier gibt es gute Übernachtungsmöglichkeiten und einladende Radrouten, aber auch ein breites touristisches Angebot mit tollen Einkehrmöglichkeiten und vielen Attraktionen für die ganze Familie. Alle ADFC-RadReiseRegionen sind für spontanen Camping-Urlaub mit dem Rad gut geeignet.

  • ADFC-RadReiseRegion Seenland Oder-Spree: Bietet mit wunderschönen Seen, Flüssen und Wäldern eine beeindruckende Kulisse für Fahrradausflüge. Zwischen einmaliger Natur und kulturellen Highlights gibt es viele Campingplätze, auf denen man auch kurzfristig noch ein Plätzchen findet, darunter auch einige ausgezeichnete Bett+Bike-Campingplätze.
  • ADFC-RadReiseRegion Chiemsee Chiemgau: Hier finden Reisende auf zwei Rädern garantiert schöne Aussichten rund um das „Bayrische Meer“ und auf die Chiemgauer Alpen mit gut ausgebauten Wegen für entspannte Ausfahrten und sportliche Touren. Unter den vielen Campingplätzen in der Region sind auch zwei Bett+Bike-Plätze.
  • radrevier.ruhr: Bietet ein spannendes Wechselspiel aus weitem Grün, alter Industriekultur und urbaner Lebendigkeit. Die ADFC-RadReiseRegion bietet ein dichtes Netz von Fahrradverleihern, vor allem im südlichen Teil viele Campingplätze und auch einige Bett+Bike-Unterkünfte.
  • ADFC-RadReiseRegion Wesermarsch: Im Nordwesten Deutschlands gelegen, dreht sich hier, an Nordsee, Jade und Weser, alles um Weite, Wasser, Natur und Landleben. Zwischen maritimem Flair an der Küste und sattgrünen Marschlandschaften finden Radreisende viele Campingplätze, darunter auch einen Bett+Bike-Campingplatz.

ADFC-Qualitätsradrouten

Reisende, für die der Weg das Ziel ist und die um Urlaub aktiv sein und Strecke machen wollen, fahren auf einer der insgesamt 47 ADFC-Qualitätsradrouten garantiert richtig. Routen mit besonders gutem Camping-Angebot sind etwa der Donauradweg, der Diemelradweg, der Ilmtal-Radweg und der Fulda-Radweg R1. Auf allen Strecken finden Radreisende gute Wege, viele Übernachtungsmöglichkeiten und natürlich zahlreiche tolle Ausblicke und bleibende Eindrücke. Wer noch mehr Routentipps braucht, kann im ADFC-Routenfinder nach Themenrouten im ganzen Bundesgebiet suchen.

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