Das schöne Wetter lockt nach draußen? Zeit für einen langen Ausflug in der Natur. In die Pedale zu treten, bietet Kindern viel Action. Für längere Ausflüge über mehrere Stunden (oder sogar Tage) ist ein bisschen Vorbereitung notwendig. Zuerst suchst du dir eine schöne Route aus. Wichtig ist eine Strecke, die deiner Kondition entspricht. Besonders idyllisch sind Wege ohne viel Verkehr über Land. Willst du unterwegs einkehren oder übernachten? Recherchiere im Vorfeld schöne Ziele, damit du nicht suchen musst, wenn du schon müde wirst.
Die richtige Ausrüstung für die kleine oder große Fahrradreise
Für eine sportliche Tour brauchst du die passende Kleidung und Ausrüstung. Ideal ist lockere, atmungsaktive Sportkleidung nach dem „Zwiebelprinzip“: Mehrere dünne Oberteile (perfekt: Merino-Wolle) übereinander sind besser als ein dicker Pulli. Dazu trägst du eine dünne Regenjacke oder einen Windbreaker. Eine Radlerhose mit Polsterung toppt Jeans, sie können scheuern und drücken. Festes Schuhwerk ist ein Muss. Für einen kleinen Ausflug reicht dir ein Rucksack. Fährst du länger, verteilst du dein Gepäck am besten auf Taschen am Gepäckträger und Lenkertaschen. Das meiste Gewicht sollte dabei hinten liegen.
Das solltest du für eine lange Fahrradtour mitnehmen:
- Erste-Hilfe-Set
- Werkzeug wie Flickzeug, Innensechskantschlüssel und Luftpumpe
- Handy mit Navigations-App
- Eventuell Zweit-Akku vom E-Bike
5 Tipps für lange Fahrradtouren mit Kindern
Willst du eine Familientour mit den Kindern machen? Auch die Kleinsten lassen sich gut auf einen Trip mitnehmen. Ihr müsst nur ein paar Kleinigkeiten beachten, damit es unterwegs keine langen Gesichter gibt:
- Nimm einen Fahrradanhänger mit oder nutze ein Follow-me (Eltern-Kind-Tandemkupplung). Auch größere Kinder werden auf langen Strecken müde.
- Wähl besonders ruhige und vollkommen flache Strecken.
- Such Routen aus, bei denen ihr zur Not Strecken mit Bus und Bahn überbrücken könnt.
- Leg besonders viele Pausen ein und mach im Rad-Urlaub Pausentage, die ihr am Strand oder auf dem Spielplatz verbringt.
- Pack kindgerechte Snacks wie Käsewürfel oder selbst gebackene Haferkekse ein.
Radwege in Hessen: Empfehlungen für Familien
In Hessen gibt es viele wunderschöne Radwege, die du in kurzen oder langen Etappen befahren kannst. Die AOK Hessen hat drei tolle Wege für dich herausgesucht:
Südhessen - Saar-Mosel-Main-Radfernweg
Dieser Radfernweg führt insgesamt über fast tausend Kilometer vom Saarland bis nach Tschechien. Die Etappen 8 und 9 bringen dich von Bingen über Frankfurt a. M. bis nach Seligenstadt. Auf der ersten Teilstrecke durchfährst du eine kulturreiche Region, in der bereits die Römer und die Kelten ihre Spuren hinterlassen haben. Entdecke die alten Bauten um Bingen oder besuche die Schlösser Johannisberg oder Vollrads. Für Kulturinteressierte lohnt sich ein Besuch beim Kloster Eberbach, einer wunderschönen Zisterzienserabtei aus dem 12. Jahrhundert. Nach weiteren 15 Kilometern könntest du die Tour in Rüdesheim mit einem Glas Wein beenden und von dort mit dem Zug nach Hause fahren. Sonst geht es weiter Richtung Frankfurt. Bevor du in die Innenstadt fährst, halt in Höchst an und besichtige die Altstadt und den Bolongaropalast. Schließlich endet deine Tour im historischen Kern von Seligenstadt.
- Länge: 987 km, 110 km in Hessen
- Schwierigkeitsgrad: mittel
Mittelhessen - Lahntal-Radweg
Was gibt es Schöneres, als am Flussufer zu radeln? Die Lahn-Strecke ist besonders traumhaft, sie führt an zahlreichen malerischen Städtchen vorbei. Deine Tour startet am Rothaarsteig im Kneipp-Kurort Bad Laasphe. Über Biedenkopf fährst du von dort aus weiter bis in die alte Universitätsstadt Marburg. Wenn du noch fit bist, spaziere die Altstadt bis zum Schloss hinauf. Von Marburg aus fährst du etwa 2,5 Stunden bis in die Goethe-Stadt Wetzlar. Besichtige dort das bekannte Lottehaus. Im zwölf Kilometer entfernten Braunfels lädt dich das Schloss ein, das immer noch in Familienbesitz ist. Du brauchst eine Pause? Nimm doch in Weilburg den Wasserweg und durchfahre mit dem Kanu die Schiffstunnelanlage. Über die wunderschönen alten Städte Limburg, Nassau und Bad Ems erreichst du am Ende Lahnstein, wo die Lahn in den Rhein mündet.
- Länge: 247 km
- Schwierigkeitsgrad: mittel
Nordhessen - Fulda-Radweg
Der Fulda-Radweg geht von Gersfeld bis Hann. Münden und bietet neben vielen Sehenswürdigkeiten vor allem ein abwechslungsreiches Naturschauspiel: Zu Beginn fährst du über Schotterwege durch Wälder und Wiesen. Bei Gersfeld passierst du den großen Wildpark. Dort kannst du Rehe, Heidschnucken oder Waschbären beobachten. Nach weiteren 30 Kilometern führt dich der Weg nach Fulda mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten wie dem Dom, dem Stadtschloss oder dem alten Feuerwehr-Museum. Auf der nächsten Etappe musst du etwas mehr in die Pedale treten - bis Bebra ist die Route etwas schwieriger und geht einige Höhenmeter rauf und runter. Danach wird der Radweg flacher und familienfreundlicher. Gen Melsungen fährst du über Waldwege und passierst dabei neben alten Fachwerk-Bauten auch das Schloss Rotenburg aus dem 15. Jahrhundert. Der letzte Streckenabschnitt ist besonders gut für Kinder geeignet: Hier laufen die Fulda und die Werra zusammen und du fährst durch das flache Fuldatal. Bis Hann. Münden musst du noch mal einen kleinen Anstieg bewältigen. Dafür hast du hier einen schönen Ausblick.
- Länge: 233 km
- Schwierigkeitsgrad: mittel bis leicht herausfordernd.
Weitere Tipps für die Radtour mit Kindern
Der Erfolg jeder Fahrradtour steht und fällt mit der Wahl der richtigen Route - besonders, wenn Kinder dabei sind. Die Strecke sollte sich immer an Alter, Fitness und dem fahrerischem Können aller Mitfahrer orientieren. Eine pauschale Aussage, welche Streckenlänge sich für welches Alter eignet, gibt es allerdings nicht - hier muss auf jedes Kind individuell eingegangen werden. Die Hauptsache ist, dass die Tour niemanden überfordert und der Spaß im Vordergrund steht.
Besonders bei Touren mit kleineren Kindern, die noch nicht sicher im Straßenverkehr unterwegs sind, sollten autofreie Fahrradwege bevorzugt werden. Müssen kurze Abschnitte auf der Straße zurückgelegt werden, sollte im Zweifelsfall abgestiegen und geschoben werden.
Zusätzliche Hinweise
- Routen auswählen, auf denen Gefahrenstellen möglichst ausgeschlossen werden können
- Anfang und Schlusslicht bilden Erwachsene. Kinder sollten - wenn überhaupt - nur auf ungefährlichem Terrain vorausfahren
- Der langsamste Mitfahrer bestimmt das Fahrtempo
- Strecken mit einfachem Untergrund wählen - Sand, Geröll, Wurzeln etc. vermeiden
- Geduld und Zeit für spontane Zwischenstopps aufbringen: Blumen, Tiere oder ein kleiner Bach entlang der Strecke laden zum Erkunden und Beobachten ein. Zudem lieben es Kinder, Steine und weitere “Schätze” zu sammeln
- Regelmäßige Trink- und Toilettenpausen sind ein Muss!
- Herausforderungen, wie eine kurze Strecke mit leichter Steigung, können motivierend wirken. Überforderung jedoch vermeiden!
- Verpflegung für unterwegs sowie Sonnen- und Insektenschutz gehören ins Gepäck
- Ein attraktives Ziel wie ein Spielplatz, eine Eisdiele oder ein Badesee motiviert zum Durchhalten
Alle(s) fit?
Bevor in die Pedale getreten wird, muss jedes Fahrrad gründlich geprüft werden: Wie steht es um Reifendruck und Funktionsfähigkeit der Bremsen? Sind alle Schrauben fest angezogen? Besonders nach einer längeren Pause mit einem eventuellen Wachstumsschub, zum Beispiel im Frühjahr, muss die Sattelhöhe des Kinderfahrrads überprüft werden - dasselbe gilt für den Fahrradhelm.
Eine Halterung für die eigene Getränkeflasche und eine kleine Gepäcktasche am Kinderfahrrad sorgen dafür, dass die Kleinen sich ganz groß fühlen - das fördert das Selbstbewusstsein und den Spaß am Fahrradfahren.
Um auch während der Fahrt auf kleine Pannen vorbereitet zu sein, gehören die wichtigsten Utensilien wie Flickzeug, Fahrradschlauch, Luftpumpe und ein Miniwerkzeug mit den passenden Schraubendrehern mit ins Gepäck.
Transportmöglichkeiten für müde Kids
Kinder, die müde oder unmotiviert sind, haben ein erhöhtes Unfallrisiko. Darauf sollten Erwachsene vorbereitet sein und rechtzeitig für Entlastung sorgen. Je nach Alter, Gewicht und fahrerischem Können gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Kleine Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren können im Kinderfahrradsitz mitfahren, wenn sie nicht mehr selbstständig radeln möchten. Am Lenker montierte Sitze eignen sich bis maximal 15 kg, in am Gepäckträger angebrachten Sitzen können Kinder bis maximal 25 kg mitfahren.
- Ein Fahrradanhänger ist zwar teurer, kann jedoch ein bis zwei Kinder bis zu sieben Jahren transportieren. Herausforderung bei beiden Varianten: Wie erfolgt der Weitertransport des Kinderfahrrads? Eine Möglichkeit besteht in der Kombination beider Lösungen: Das Kind fährt im Fahrradsitz mit, das Fahrrad wird im Anhänger weitertransportiert.
- Eine praktische und preiswerte Option für Kinder ab drei bis ca. neun Jahre ist die Tandemstange: Mit wenigen Handgriffen kann das Kinderfahrrad an das Erwachsenenrad gekuppelt werden. Dabei kann das Kind entscheiden, ob es mit in die Pedale treten möchte oder nicht. Unbedingt darauf achten, dass die Anschlüsse und Schrauben qualitativ hochwertig sind!
Sicherheit geht vor
Kinder lernen durch Beobachtung. Deshalb gilt: Vorbildliches Verhalten ist der beste Schutz! Erwachsene sollten deshalb immer selbst einen Helm tragen, an Ampeln anhalten und Handzeichen geben.
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