Große Reiselust, kleines Budget und ein für Touren geeignetes Rad? Dann steht einem Fahrradurlaub nichts im Weg. Hier sind die wichtigsten Tipps, damit Ihr Radurlaub zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.
Inhaltsverzeichnis
Tipp 1: Route auswählen
Wer sich erstmals mit dem Thema Radreisen beschäftigt, wird überrascht sein, wie viele Möglichkeiten es gibt. Genau genommen steht einem die ganze Welt offen, denn überall finden sich tolle Radwanderwege. Vorab sollten entscheidende Fragen geklärt werden: Wohin soll es gehen? Bergig oder flach? Städte oder Wildnis? Individualreise oder Pauschalangebot eines Radreiseanbieters? Allein oder in der Gruppe?
Generell gilt: Beim ersten Fahrradurlaub sollte das Ziel nicht zu hoch gesetzt werden, um sich oder etwaige Mitradelnde nicht zu überfordern. Empfehlenswert ist eine Route auf gut erschlossenen und nicht zu steilen Wegen. Die Auswahl ist groß, lohnenswert sind etwa der Altmühltal-, der Donau- oder der Elbe-Ostsee-Radweg bzw. Abschnitte davon. Am besten checken Sie vorab die Streckenprofile der favorisierten Route.
Aktives Erleben der Landschaft im eigenen Tempo: Radreisen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Bevor Sie sich für ein konkretes Reiseziel entscheiden, sollten Sie überlegen, welche Art von Radreise am besten zu Ihnen passt. Möchten Sie eine lange Strecke zurücklegen, eine Rundreise unternehmen oder lieber Tagesausflüge machen?
Ausgewiesene Fernradwege führen oft über landschaftlich reizvolle Strecken abseits stark befahrener Straßen. Wer eine Radreise plant, kommt am Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) kaum vorbei. Er gibt Empfehlungen zu Routen und Regionen, die sich besonders gut für Radfahrer eignen. Außerdem vergibt der ADFC das Gütesiegel "Qualitätsradroute". Diese Strecken sind gut ausgebaut, durchgehend ausgeschildert und bieten ausreichend Rastplätze und Unterkünfte. Insgesamt gibt es 48 zertifizierte Routen.
Der ADFC klassifiziert jedes Jahr Fernradwege, und unter den Top-Platzierten finden sich stets viele Flussradwege. Sie sind aus mehreren Gründen besonders beliebt: An den Ufern reihen sich interessante Städte und Sehenswürdigkeiten, die Wege sind meist gut beschildert, das Navigieren entlang des Flusses fällt ohnehin leicht. Oft fahren auch Bahnlinien parallel zu den Flüssen, sodass im Notfall oder bei schlechtem Wetter auch mal eine Etappe mit dem Zug zurückgelegt werden kann. Außerdem sind - von den Quellregionen abgesehen - selten große Höhenunterschiede zu überwinden.
Hier ist eine Liste der fünf beliebtesten Fernradwege in Deutschland (Quelle: ADFC-Radreiseanalyse):
- Weser-Radweg: Der 520 Kilometer lange Radweg startet in Hannoversch Münden im Weserbergland und endet in Cuxhaven.
- Elbe-Radweg: Dieser Fernradweg beginnt im Gebirge an der tschechisch-polnischen Grenze und führt über Dresden, Magdeburg und Hamburg nach Cuxhaven.
- Ostseeküsten-Radweg: Der 1.140 Kilometer lange deutsche Teil verläuft von der Insel Usedom bis nach Flensburg.
- Donau-Radweg: Die Donau ist der längste Fluss Europas, und der Donau-Radweg begleitet sie von Donaueschingen bis Passau (rund 600 Kilometer in Deutschland).
- Main-Radweg: Dieser Fernradweg führt aus dem Fichtelgebirge durch Bier- und Weinregionen bis nach Mainz.
Radfahren kann man fast überall, aber es ist empfehlenswert, nach speziellen Radreiseregionen zu suchen. Sie sind auf Radtouristen eingestellt und bieten gebündelte Informationen zu Touren und Unterkünften, eine einheitliche Beschilderung und andere Serviceleistungen.
Beliebte Radregionen:
- Bodensee
- Grafschaft Bentheim/Emsland/Osnabrücker Land
- Allgäu
- Schleswig-Holsteinische Ostseeküste
EuroVelo ist ein Fernradwege-Netz, das quer durch Europa vom Nordkap bis nach Sizilien aufgespannt ist. Insgesamt werden 19 Routen beschrieben, darunter die Atlantic Coast Route, die allein 11.150 Kilometer lang ist und vom Nordkap bis nach Portugal führt. Oft führen die EuroVelo-Routen über nationale Fernradwege. Auf EuroVelo gibt eine digitale Karte einen Überblick über alle Routen.
Wenn das Ziel für die Radreise klar ist, stehen weitere Planungsschritte und Entscheidungen an. Da sich Start und Ziel bei Radurlauben oft unterscheiden, bietet sich die An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Laut ADFC-Radreiseanalyse nutzen rund 40 Prozent der Radreisenden diese Variante. Die Stellplätze im Fernverkehr sind aber leider oft Mangelware.
Tipp 2: Fahrrad-App
Sie sollten sich aktueller Karten bedienen, die ohne Internetverbindung nutzbar sind und eine tolle Routenplanung liefern. Am besten ist, wenn man sich das gewünschte Kartenmaterial der Region, in der die Tour stattfinden soll, auf den Speicher des Smartphones herunterladen und es bei Bedarf abrufen kann.
Neben der Angabe der Steigungen und der zu überwindenden Höhenmeter verfügen viele Navis über eine 3D-Ansicht, was bei der Einschätzung einer Strecke sehr hilfreich ist. Geeignet sind etwa die Apps von Komoot oder Outdooractive.
Tipp 3: Vorab trainieren und Kilometer pro Tag planen
Zur Vorbereitung empfiehlt es sich, über ein paar Wochen hinweg etwa dreimal wöchentlich für 20 bis 60 Minuten am Stück Rad zu fahren. So steigern Sie Ihre Fitness. Wie viele Kilometer im Radurlaub pro Tag zu schaffen sind, hängt von der Strecke (Höhenprofil), dem Wetter (Hitze, Regen, Wind), der eigenen Fitness, dem Körpergewicht und auch vom Fahrrad und dem Gepäck ab.
Völlig Untrainierte sind möglicherweise schon mit 20 bis 30 Kilometern am Tag bedient, mit 50 Kilometern sind Normalsportliche gut dabei. Ist das Gelände durchgehend flach, können es auch mal 70 oder sogar 100 Kilometer sein - nicht zu reden von der Strecke, die sich mit einem E-Bike zurücklegen lässt.
Doch auch mit einem konventionellen Fahrrad sind 15 Kilometer pro Stunde auf ebenem Terrain gut zu schaffen. Für die Premierentour kann man sich vornehmen, vormittags und nachmittags jeweils zwei Stunden zu radeln und mehrere Pausen einzulegen. Diese lassen sich wunderbar für Besichtigungen oder eine Einkehr nutzen, aber auch dazu, den Körper zu strecken und zu dehnen.
Grundsätzlich sollten bei der Planung einer Tagesetappe immer auch die Gesamtstrecke und die Etappen der folgenden Tage im Auge behalten werden. Nicht nur für Einsteiger empfiehlt es sich, von vornherein mindestens einen Ruhetag einzuplanen.
Radreise-Neulingen empfehlen wir, Tagesetappen mit im Durchschnitt 50 bis 60 Kilometern zu planen. Optimal ist es, kürzere und längere Etappen im Wechsel zu planen, damit der Körper sich zwischendurch immer wieder etwas erholen kann. An Tagen mit kürzeren Etappen bleibt zudem Zeit, sich Sehenswertes unterwegs anzuschauen.
Wenn Kinder mitfahren, sollte eine Tagesetappe grundsätzlich nicht länger als 40 Kilometer sein. Planen Sie Ihre Tour nach den Bedürfnissen aller Teilnehmer.
Tipp 4: Check-up fürs Fahrrad
Vor dem Start sollte Ihr Fahrrad auf jeden Fall technisch überprüft werden. Zudem ist es hilfreich, sich vorab mit seinem Bike vertraut zu machen, um in der Lage zu sein, einen Reifen zu flicken oder einen Fahrradschlauch zu wechseln.
Kurz vor der Reise checken Sie Ihr Fahrrad gründlich durch: Haben die Reifen noch genug Profil, sind die Bremsbeläge fit, funktioniert die Beleuchtung, ist die Schaltung richtig eingestellt? Falls Sie nicht selbst schrauben wollen oder können, nutzen Sie den Service-Check im Radladen.
Tipp 5: Wichtiges Zubehör fürs Bike
Das A und O bei einem Radurlaub ist demnach: Gewicht sparen. Dies bedeutet, genau zu überlegen, was verzichtbar bzw. unverzichtbar ist. Nicht zu empfehlen ist bei einer mehrtägigen Tour ein Rucksack, da dieser auf Dauer die Rückenmuskulatur belasten und schmerzhafte Verspannungen verursachen kann.
Am besten besorgt man sich im Fachhandel wasserdichte Fahrradtaschen mit wenig Eigengewicht. Beim Packen ist es sinnvoll, Regenkleidung nach oben zu legen, falls das Wetter umschlägt.
Tipp 6: Das gehört in die Packtaschen
Das sollten Sie dabei haben:
- Funktionskleidung, sie trocknet schnell und hält den (Fahrt-)Wind ab
- Wechselwäsche (nicht zu viel, lieber öfter waschen), Schlaf- und Badebekleidung
- Bequeme Sportschuhe, evtl. Badeschuhe
- Regenkleidung mit Fahrradüberschuhen (Gamaschen) und Regenhose
- Medikamente, Notfallset, Sonnencreme
- Taschenlampe oder Stirnlampe
- Ladekabel bzw. Powerbank fürs Handy
- Witterungsschutz fürs Handy
- Geld, Ausweis, Versicherungskarte
Je weniger Gepäck, desto mehr Radelspaß. Wie viel Platz muss sie bieten? Wie sollte sie ausgestattet sein?
Fahrradkleidung: Zu empfehlen sind gepolsterte Hosen, die auf langen Touren einem schmerzenden Po vorbeugen. Etwas ungewohnt, aber sinnvoll: Die Unterwäsche weglassen, damit nichts scheuert.
Regenschutz: Regenjacke und -hose sind auf längeren Touren unverzichtbar. Praktisch ist auch ein Überzug für den Fahrradhelm, damit kein Wasser durch die Lüftungslöcher eindringt.
Sonnenschutz: Wer den ganzen Tag radelt, ist selten im Schatten. Ein Fahrradhelm schützt den Kopf - auch vor der Sonne. Gegen schädliche UV-Strahlung und Sonnenbrand hilft lange, luftige Kleidung.
Karte und wichtige Dokumente: In einer Tasche am Lenker sollten Sie Karte beziehungsweise Navi oder Smartphone sowie wichtige Papiere transportieren - dort sind die Sachen stets griffbereit.
Ein möglichst leichtes, aber aufbruchsicheres Fahrradschloss verhindert, dass Ihr Reisegefährt ungewollt den Besitzer wechselt. Auch wenn der Platz in den Fahrradtaschen begrenzt ist: Eine gut sortierte Reiseapotheke gehört hinein. Das gilt besonders dann, wenn der Weg durch ländliche...
Tipp 7: Anreise zum Start des Fahrradurlaubs
Am nachhaltigsten geschieht dies per Bahn. Dabei gilt es zu beachten, dass ICEs nur eingeschränkt Mitnahmemöglichkeiten für Räder anbieten. In Intercity- und Eurocity-Zügen ist dies problemlos möglich, sofern Sie eine Fahrradkarte sowie eine Stellplatzreservierung für Ihr Rad haben. Fahrradkarte und normales Ticket können Sie in einem Vorgang buchen.
Möchten Sie nicht mit dem Zug, sondern mit dem eigenen Auto aufbrechen, erfahren Sie hier, wie Sie das Fahrrad sicher transportieren.
Tipp 8: Planen Sie Ihre Übernachtung
Entlang der vielbefahrenen Fernradwanderwege gibt es zahllose Pensionen und Gasthäuser, die sich auf die radelnde Klientel eingestellt haben. Das Serviceangebot umfasst meist Unterstellmöglichkeiten, Radwerkzeug und Reparaturservice, Trockenraum für nasse Kleidung, Lademöglichkeiten für Pedelecs etc. Unterkünfte finden Sie beispielsweise bei Bett + Bike.
Natürlich können Sie Ihren Urlaub auch abenteuerlicher gestalten, indem Sie auf Campingplätzen übernachten oder sogar in der freien Natur, sofern in Ihrem Urlaubsland das sogenannte Jedermannsrecht gilt. Bedenken Sie jedoch, dass Sie in diesem Fall mehr Gepäck zu transportieren haben.
Mehr Infos zu Campingplätzen gibt's bei Pincamp, dem Campingportal des ADAC.
Tipp 9: Genug trinken
Zu wenig Wasser kann zu Konzentrationsproblemen und Muskelkrämpfen führen. Am besten trinkt man spätestens alle 30 Minuten ein paar Schlucke, auch wenn man noch kein Durstgefühl hat. Hin und wieder ein isotonisches Sportgetränk oder eine Fruchtschorle versorgen den Körper schnell mit Energie.
Eine Trinkflasche sollte deshalb stets greifbar sein, damit nicht für jeden Schluck Wasser eine Pause eingelegt werden muss.
Tipp 10: Spontan bleiben
Bei aller Planung und Vorbereitung: Seien Sie bereit für spontane Entscheidungen. Nicht nur das Wetter kann sich plötzlich ändern. Es gibt Tage, an denen sind die Beine schwer oder es fehlt die Lust, die angesetzte Etappe bis zum Ende durchzuradeln. Machen Sie daher öfter eine ungeplante Einkehr.
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