Der Wesel-Datteln-Kanal (WDK) ist eine Bundeswasserstraße in Nordrhein-Westfalen und nach dem Rhein die meistbefahrene Wasserstraße Deutschlands. In Wesel, am Kilometer 813, zweigt der WDK vom Rhein ab und führt bis zum Kanalknotenpunkt in Datteln. Die Route entlang des Kanals bietet eine entspannte Möglichkeit, die Region zu erkunden.
Für viele ist der Wesel-Datteln-Kanal mehr als nur eine Bundeswasserstraße. Der Kanal war Badespaß, Anglerparadies sowie Schlauchboot- und Kanurevier. Die gesamte Länge des WDK beträgt rund sechzig Kilometer.
Start in Wesel und Fahrt entlang des Kanals
Der Startpunkt in Wesel ist der Schiffermast, der alle Schiffe begrüßt, die vom Rhein in den Wesel-Datteln-Kanal abbiegen. Nur wenige Meter später wartet bereits die erste Schleuse. Auf seinen 60 km Länge überwindet der WDK einen Höhenunterschied von rund 41 Meter, mit Hilfe von sechs Schleusen. Wie die anderen fünf Schleusen auch, verfügt Friedrichsfeld über zwei Schleusenkammern. Die jeweils größere wurde mit Fertigstellung des Kanals im Jahre 1931 in Betrieb genommen. Alle großen Schleusen sind rund 220 Meter lang und 12 Meter breit.
Geschichte des Wesel-Datteln-Kanals
Der Kanal wurde von 1915 bis 1931 gebaut. Zwar wurde tatsächlich 1915 mit dem Bau begonnen, er wurde aber aufgrund des 1. Weltkrieges schon 1916 wieder unterbrochen. Erst ab 1924 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Die Aufgabe des WDK sollte eine Entlastung des Rhein-Herne-Kanals sein.
Die beim Kanalbau ursprünglich geplante Kapazität der Schleusen war bereits Ende der 1930er Jahre erreicht. Trotzdem dauerte es nochmal rund dreißig Jahre, bis endlich Entlastung da war: Zwischen 1966 und 1970 wurden alle sechs Kanalstufen um eine zweite, kleinere Schleuse erweitert. Diese sind mit rund 110 m Länge nur halb so lang wie ihre großen "Schwestern".
Entspanntes Radfahren entlang des Kanals
Das Fahren entlang des Kanals ist sehr entspannt. Keine Steigerungen, wenig andere Radler, kaum Fußgänger. Die Strecke führt zur Schleuse Dorsten und damit fast genau zur Hälfte des Weges. Es ist auffällig, wie ähnlich sich all diese Schleusen sind. Eine große und eine kleine Schleusenkammer, ein breites Hafenbecken, mehrere Poller mit gelben "Hut" - wenn da nicht jeweils ein Namensschild aufgestellt wäre, könnte man die einzelnen Schleusen fast verwechseln. Beim Heben und Senken der Schiffe werden hier in der großen Kammer in Dorsten immerhin 26.500 m³ Wasser bewegt.
Kurz hinter Dorsten ist der Weg am Kanal dann gesperrt. Der Chemiepark Marl erlaubt kein Durchfahren, darum ist hier Ende-Gelände. Ab hier verlassen wir den WDK und schlagen uns ein wenig abseits der Wasserstraße durch. Der Kanal verläuft nämlich parallel südlich der Lippe in deren unmittelbarer Nähe. Hier bei Dorsten wurde die Lippe beim Bau des Kanals etwa 500 Meter nach Norden verlegt. Und genau an dieser Lippe wurde in den letzten Jahren eine Art Damm aufgeschichtet, auf dem wir nun den Chemiepark umfahren.
Weitere Stationen entlang der Route
Die Schleuse Flaesheim liegt bei ungefähr Kilometer 50. Wie die anderen Schleusen auch ist sie für Schiffe mit einen Tiefgang von bis zu 2,80 Meter ausgelegt. Rund 1,50 Kilometer hinter der Schleuse befindet sich die Marina Flaesheim, ein kleiner Yachthafen, der aus einem Baggersee zur Sandgewinnung entstanden ist. Nach knapp 56 Kilometer auf unserer Tour kommt die Schleuse Ahsen in Sicht. Auch sie bietet mit der großen und der kleinen Schleuse das schon gewohnte Bild.
Ab der Schleuse Ahsen kommen wir sozusagen zum Endspurt der Tour. Noch rund vier Kilometer sind es bis zur Schleuse Datteln, hinter der der Wesel-Datteln-Kanal in den Dortmund-Ems-Kanal mündet. Die Schleuse selbst gleicht ihren fünf Vorgängerinnen auf dem Weg von Wesel bis hierher. Eine gleichzeitige Schleusung in den beiden Kammern dauert rund 40 Minuten.
Hinter der Schleuse sind es nur noch wenige Meter bis zum Dortmund-Ems-Kanal. Ab hier führt der Weg entweder nach links Richtung Nordsee oder nach rechts über den Rhein-Herne-Kanal oder dem Datteln-Hamm-Kanal zu weiteren Zielen.
Alternativroute von Dorsten nach Hünxe
Eine weitere Radrunde führt von Dorsten nach Hünxe und wieder zurück, teils an der Lippe, größtenteils am Wesel-Datteln-Kanal entlang. Ab dem Parkplatz P4 in Dorsten folgen Sie den Radschildern Schermbeck/Lippefähre. Gleich danach überqueren Sie den Wesel-Datteln-Kanal auf einer Eisenbrücke. Alternativ kann die Verkehrsbrücke etwa 350 Meter weiter westlich genutzt werden. Nach der Überquerung des Kanals folgen Sie dem Südufer der Lippe.
Fast unauffällig wechselt der Radweg von der Lippe zum Wesel-Datteln-Kanal. Der Kanal verläuft parallel zur Lippe, an vielen Stellen nur getrennt vom Uferweg und einem schmalen Streifen Natur. Die Wasserstraße wurde am Beginn der Planung und der ersten Bauphase denn auch als Lippeseitenkanal bezeichnet.
Die Lippefähre Baldur wird rechts liegen gelassen und dem Uferweg am Kanal entlang gefolgt. Der Biergarten anne Bänke ist eine beliebte Adresse für einen ersten Zwischenstopp.
Abstecher zum Schloss Gartrop
Die Route bleibt dem Nordufer des Kanals treu. Bevor Sie bei Hünxe zum anderen Ufer wechseln, verlassen Sie den Kanal für einen Abstecher auf dem Römer-Lippe-Radweg zum eleganten Wasserschloss Gartrop, das Mitte des 14. Jahrhunderts erstmals als Burg nachweislich erwähnt wurde. Heute befinden sich auf dem Anwesen ein Hotel, Veranstaltungsräume, ein Landgasthof und eine Kapelle, die für Hochzeiten zur Verfügung steht.
Rückweg von Hünxe nach Dorsten
Ab dem Schloss immer dem Römer-Lippe-Radweg folgend gelangen Sie bei der Kanalbrücke zum Knotenpunkt 68. Hier überqueren Sie den Kanal und radeln am anderen Ufer wieder zum Wasser hinunter, bevor es Richtung Dorsten zurückgeht. Bei der Hünxener Schleuse lohnt es sich, kurz anzuhalten, um den Vorgang in den beiden Schleusenkammern zu beobachten. Felder, Alleen und Wald begleiten schließlich die Tour am Wesel-Datteln-Kanal auf dem Rückweg, der auch am Naturschutzgebiet Gartroper Mühlenbach entlangführt.
Kurz nach Gahlen steht direkt am Radweg ein richtiger Hingucker: Die Säule aus Stahlgitter ist gefühlt mit Kohle und verweist auf die Geschichte der Region. Errichtet wurde das außergewöhnliche Kunstwerk am ehemaligen Gahlischen Kohlenweg, worüber eine Tafel informiert.
Der Kanalknotenpunkt Datteln
Bei Datteln kommen verschiedene Kanäle zusammen und bilden hier den größten Wasserknotenpunkt der Welt. Sie radeln schon wenige Meter nach dem Parkplatz über die Schleuse mit freiem Blick auf den Schiffsverkehr und den Schleusenvorgang und folgen am anderen Ufer nach rechts dem Kiesweg auf dem Deich. Die schöne Strecke mit weiten Aussichten über Felder und Wiesen einerseits und den Wesel-Datteln-Kanal andererseits führt zur nächsten Schleuse bei Datteln. Hier geht es geradeaus weiter am Dattelner Meer. Das Wasser der verschiedenen Kanäle breitet sich am Knotenpunkt weit aus.
Sie erreichen in einem Bogen nach links den Dortmund-Ems-Kanal, den Sie aber bei der neuen Brücke gleich wieder nach links verlassen. Nun setzen Sie die Tour auf dem schattigen Radweg am linken Ufer der beschaulichen Alten Fahrt fort. Die Alte Fahrt ist ein stillgelegter Teil des Dortmund-Ems-Kanals. Beeindruckend ist die denkmalgeschützte, von drei Bögen getragene Kanalbrücke rund 18 Meter über der idyllischen Lippe. Sie ist ein wahres Meisterwerk der Ingenieurskunst. Der Radweg verläuft direkt über die 70 Meter lange Brücke.
Kurze Zeit später weist der Radwegweiser Sie nach rechts über die Alte Fahrt auf eine ruhige Nebenstraße in Richtung Bork. Die Route begegnet erneut der Lippe, unterquert die moderne Kanalbrücke des Dortmund-Ems-Kanals und führt dann nach Vinnum. Der Ort liegt bereits im Münsterland und auf der Fahrt nach Bork sind am Horizont die höchsten Erhebungen des Münsterlands, die Baumberge, sichtbar.
Getreide und Maisfelder begleiten ab nun die Route weiter nach Bork. Sie radeln geradeaus ins Ortszentrum hinein und biegen nach der Kirche rechts auf die breite Fahrradstraße Richtung Lünen ein. Nun folgen Sie den Radschildern durch den Ort, unterqueren die Gleise und biegen kurz danach links nach Lünen ab. Dem separaten Radweg entlang der Landstraße folgen Sie bis ins beschauliche Alstedde. Bei der Kreuzung am Ortsrand halten Sie sich rechts Richtung Lippholthausen und lassen den Verkehr hinter sich.
Kurz darauf erreichen Sie das Naturschutzgebiet Lippeaue. Die wunderschöne Auenlandschaft und der Fischaufstieg in der Lippe bieten Ruhe und Natur pur - ein schöner Platz, um eine Pause einzulegen. Zudem informieren Tafeln über die Geschichte und den Werdegang der Region. Sie überqueren danach die Lippe auf einer Radbrücke, die als Bindeglied zwischen dem Naturschutz am einen und der Industrielandschaft am anderen Ufer fungiert.
Geradeaus gelangen Sie zum Radknotenpunkt 25, wo Sie die stark frequentierte Ortsdurchfahrt überqueren und so zur Schlossmühle Buddenburg kommen. Die 250 Jahre alte Fachwerkmühle ist wunderschön restauriert und dient heute als Standesamt.
Von der Schlossmühle radeln Sie weiter Richtung Brambauer auf einer ruhigen und schattigen Nebenstraße. Sie führt kurz durch Industriegelände und dann links auf dem Radweg hoch zum Datteln-Hamm-Kanal. Sie überqueren den Kanal und lassen das Rad links hinunterrollen zum Knotenpunkt 26 am Kanalufer. Nun folgen Sie links der Route der Industriekultur Richtung Schiffshebewerk Henrichenburg, immer am Kanal entlang bis zur nächsten Kanalbrücke.
Hier stoßen Sie auf eine T-Kreuzung und wechseln rechts ans andere Ufer. Der Weg zum Kanal ist leider nicht gut ausgeschildert! Nach der Brücke rechts halten Richtung Lünen und dann die erste Straße wieder rechts Richtung Waltrop einbiegen. Ab nun folgen Sie auf dem Kiesweg dem Datteln-Hamm-Kanal gemütlich und weitab vom Verkehr und der Bebauung bis zum Ende des Kanals. Hier geht es dann rechts am Dortmund-Ems-Kanal weiter und Sie radeln um den Dattelner Hafen herum, fahren rechts und dann links über die Kanalbrücke nach Datteln hinein.
Kanäle rund um Datteln
- Rhein-Herne-Kanal: Eine zentrale Wasserstraße mit wichtiger Bedeutung als Transportweg für Güter.
- Wesel-Datteln-Kanal: Eine Bundeswasserstraße, die vom Rhein bei Wesel bis zum Kanalknotenpunkt in Datteln führt.
- Dortmund-Ems-Kanal: Eine Bundeswasserstraße, die von Dortmund aus bis zur Ems und dann als Kanalstrecke parallel zur Ems bis kurz vor Papenburg führt.
- Datteln-Hamm-Kanal: Eine Bundeswasserstraße vom Kanalknotenpunkt in Datteln zum Kraftwerk Westfalen in Hamm.
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