Das entspannte Radeln über stillgelegte Bahnstrecken wird immer beliebter. Hier haben die Dampfloks den Fahrrädern ihre Trassen überlassen. Routen fernab vom Straßenverkehr führen nahezu steigungsfrei mitten in die ursprüngliche Natur, durch Tunnel und über Viadukte. Schnaufen tun hier nur die Dampfrösser in der Erinnerung vergangener Zeiten!
Willkommen auf dieser privaten Homepage. Hier geht es um das Thema Radfahren auf alten Eisenbahntrassen, die zu Radwegen ausgebaut wurden. Auch wenn die Befahrung der Wege nicht immer aktuell ist, so vermittelt die Beschreibung dennoch eine Vorstellung davon, was der Radler vorfinden wird. Nach unseren Erfahrungen verändert sich an den Bahntrassenradwegen meist nichts Wesentliches, außer der Verschlechterung durch die Alterung der Strecken und manchmal auch die mangelhafte Pflege und Instandhaltung.
In Deutschland gibt es inzwischen um die 813 Bahntrassenradwege, entsprechend etwa 5600 km (Quelle: A. Bartoschek 2024), etwa weitere 80 sind bereits in der Planung. Die ehemaligen Bahnstrecken ermöglichen es dem Radler, unsere Mittelgebirgslandschaft auch ohne extreme Steigungen zu durchqueren und die Landschaft zu genießen. Sie sind mit ihren Bauwerken auch ein industriell-kulturelles Erbe, das durch die Pflege der Radwege erhalten werden sollte.
Die Geschichte der Bahntrassen
Bereits 1833 entwarf Friedrich List ein deutsches Eisenbahnnetz, worauf schon bald am 7. Dezember 1835 die erste sechs Kilometer lange Eisenbahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth mit der berühmten Lokomotive „Adler“ in Betrieb genommen wurde (Bayerische Ludwigsbahn). Damit war in Deutschland das legendäre Eisenbahnzeitalter eingeläutet. Obschon mancher „Nostalgiker“ der verblichenen Eisenbahnepoche wehmütig nachtrauert, so ebneten demontierte Schienenstränge andererseits dem aufkommenden Radtourismus sprichwörtlich den Weg.
Durch die Bahnreform, die 1994 durch das in Kraft getretene Eisenbahnneuordnungsgesetz eingeleitet wurde, legte die Deutsche Bahn bis 2004 in Deutschland pro Jahr mehr als 400 km Schienenstrecken still. Innerhalb 25 Jahren waren es mehr als 5400 Kilometer, was das gesamte Streckennetz um rund 16 Prozent dezimierte. Infolge eines Bahnanschlusses konnten sich Industrieansiedlungen entwickeln, Güter transportiert werden, Einheimische ferne Arbeitsplätze erreichen bzw. „Fremde“ (Sommerfrischler) in landschaftlich reizvolle Gegenden gelangen.
Auf jenen Spuren, wo heute mit einem Selbstverständnis geradelt wird als sei das niemals anders gewesen, eröffneten Eisenbahnlinien den Menschen einst eine vollkommen neue Dimension von Raum und Zeit. Waren vor dem Eisenbahnzeitalter Entfernungen mühsam und zeitintensiv noch zu Fuß, auf einem Fuhrwerk oder Postkutsche zu bewältigen, so trug der Eisenbahnbau zu erheblichen wirtschaftlichen Umwälzungen und sozialen Veränderungen bei.
Vorteile der Radwege auf alten Bahntrassen
Sanfte Streckenprofile haben Radfahrer einer technischen Unzulänglichkeit im 20. Jahrhundert zu verdanken. Die Lokomotiven waren seinerseits nämlich nicht in der Lage, das beträchtliche Gesamtgewicht eines Zuges über einen Steigungsprozentsatz von mehr als 3% zu bewältigen. Deshalb wurde kupiertes Gelände durch massive Baumaßnahmen wie Viadukte, Tunnel, Brücken und Geländeeinschnitte von Menschenhand künstlich eingeebnet.
Die trassierte Einebnung des Landschaftsreliefs erwies sich 100 Jahre später für den neuzeitlichen Radwegebau als segensreiches Geschenk. Selbst in Steigungspassagen lässt es mit erträglichem Kraftaufwand entspannt dahin gleiten. So weisen Radwege auf ehemaligen Bahnstrecken selbst in Mittelgebirgen wie z.B. Bayerischer Wald, Frankenwald, Fichtelgebirge, Spessart, Rhön und das Voralpenland trotz bergiger Topographie komfortable Streckenprofile auf. Die "Profilglättung" senkt Tritt- und Energieleistung was wiederum die Tagesreichweite steigert und zudem größere Höhendifferenzen ermöglicht.
Oft zeichnen sich die Streckenverläufe dadurch aus, dass Bahntrassenradler fernab von den Brennpunkten der Verkehrswege Regionen / Standorte erreichen, die für Autos unzugänglich sind. Weiterer Vorteil: die Wegführung erklärt sich ähnlich der Fluss-Radwege wie von selbst. Geländeeinschnitte, Bahndämme, Brückenbauwerke geben die Richtung der verkehrsfreien Trasse vor. Somit bleibt Zeit zum Träumen, Nachdenken und Philosophieren.
Radwege auf stillgelegten Eisenbahnstrecken faszinieren in vielerlei Hinsicht. Auf ehemaliger Bahninfrastruktur entstanden in Deutschland zwischen den 1980er Jahren und Jahrtausendwende mitunter hochklassige Bahntrassenwege, die sowohl ländliche Räume als auch Ballungsgebiete erschließen. Die charakteristische Trassenführung mit Dämmen und Einschnitten, Brücken, Viadukten und Tunneln macht Bahntrassenwege sehr speziell - auch weil es sie von anderen Radwegen signifikant unterscheidet.
Rast- und Spielplätze mit Unterstellgelegenheit, Infotafeln die Auskunft über die Streckenhistorie geben, gehören zum Standard moderner Infrastruktur. Damit erfährt der Radler ganz nebenbei viel Wissenswertes über die Region aus früherer Zeit. Wer dazu noch seinen inneren "Tempomat" auf entschleunigten Wohlfühlmodus dimmt, kann seine Sinne in Ruhe schweifen lassen und dabei reichlich Energie schöpfen.
Bekannte Bahntrassenradwege in Deutschland
In Deutschland gibt es etliche solcher Bahntrassenradwege. Ob durch die Mittelgebirge, entlang von Flüssen oder durch weitläufige Ebenen - jede Strecke hat ihren eigenen Charme und erzählt ihre ganz eigene Geschichte.
- SauerlandRadring: Für Tourenradler ist der SauerlandRadring als Drehschreibe des Radfahrens im Sauerland der ideale Einstieg, um die Region mit dem Rad zu entdecken. Wo einst Dampfloks über die Gleise schnauften kommt heute kein Radler mehr aus der Puste. Auf weiteren 40 Kilometern ergänzt die HenneseeSchleife den SauerlandRadring im Norden und verbindet ihn gleichzeitig mit dem RuhrtalRadweg.
- Maare-Mosel-Radweg: Von der Eifel bis zur Mosel führt zum Beispiel der Maare-Mosel-Radweg.
- Bahntrassenradeln im Ruhrgebiet: Jeder Bahntrassenradweg im Ruhrgebiet gibt Einblicke in die Geschichte der Region. Die ausgebauten Radwege führen direkt vorbei an beeindruckenden Industriedenkmälern und bieten dabei Radgenuss vom Feinsten.
Ausgewählte Bahntrassenradwege und ihre Besonderheiten
Der reisereporter stellt dir sieben der schönsten Bahntrassenradwege Deutschlands vor:
- Hamburg: Marschbahndamm-Radweg: Der Marschbahndamm-Radweg führt auf rund 33 Kilometern durch die malerische Landschaft der Vier- und Marschlande nahe Hamburg.
- NRW: Vennbahnweg Aachen-Raeren: Dieser Abschnitt des Vennbahnwegs führt Radfahrerinnen und Radfahrer 17,7 Kilometer auf den Spuren der ehemaligen Bahnstrecke von Aachen-Rothe Erde über Walheim bis ins belgische Raeren.
- Baden-Württemberg: Wanderbahn Mudau-Mosbach: Die Wanderbahn Mudau-Mosbach führt durch die waldreichen Höhen des Odenwalds und bietet auf rund 27 Kilometern ein ruhiges, naturnahes Fahrraderlebnis.
- Rheinland-Pfalz: Maare-Mosel-Radweg: Auf der 58,5 Kilometer langen Strecke von Daun nach Bernkastel-Kues radelt man entspannt durch die sanfte Hügellandschaft der Eifel, vorbei an idyllischen Maaren, mit Grundwasser gefüllten Mulden vulkanischen Ursprungs.
- Saarland: Bliestal-Freizeitweg: Der Bliestal-Freizeitweg führt Radfahrerinnen und Radfahrer durch das malerische Biosphärenreservat Bliesgau, eine der schönsten Naturlandschaften im Saarland.
- Thüringen: Mommelstein-Radweg: Der Mommelstein-Radweg zählt zu den landschaftlich schönsten Radwegen Thüringens und verbindet den Rennsteig-Radweg mit dem Werratal-Radweg.
- Bayern: Gaubahn-Radwanderweg: Der Gaubahn-Radweg verbindet das Maintal mit dem Taubertal und führt auf einer stillgelegten Bahntrasse durch die sanft hügelige Landschaft des Ochsenfurter Gaus von Ochsenfurt nach Weikersheim.
BahnRadweg Hessen
245 km sind es von Hanau über Fulda bis nach Bad Hersfeld, 400 km als Rundtour unter Einbeziehung des Fuldaradweges. Ab dem Mainufer unterhalb von Schloss Philippsruhe in Hanau-Kesselstadt startet der BahnRadweg Hessen. Die gute Bahnanbindung - nicht nur der beiden Endpunkte - sondern auch entlang der Strecke sowie Radbusse im Sommerhalbjahr machen viele Tourvarianten möglich: vom Tagesausflug bis zur Radelwoche als 400 km lange Rundtour.
Etappen des BahnRadweg Hessen:
- 1. Etappe: Hanau-Glauburg - Vom Main in die Wetterau (31,2 km)
- 2. Etappe: Glauburg-Schlitz (84,4 km)
- 3. Etappe: Schlitz-Hilders (57 km)
- 4. Etappe: Hilders-Phillipstal (38,9 km)
- 5. Etappe: Phillipstal-Bad Hersfeld (32,1 km)
- 6. Etappe: Bad Hersfeld-Lauterbach (43,3 km)
- 7. Etappe: Lauterbach-Birstein (50,9 km)
- 8. Etappe: Birstein - Hanau (56,2 km)
Von Mai bis Oktober fährt an allen Samstagen, Sonn- und Feiertagen der Vogelsberger Vulkan-Express. Dabei handelt es sich um ein Netz aus sechs Buslinien. Alle Busse sindmit Radanhängern ausgestattet. Es gilt der RMV-Tarif, die Radmitnahme ist kostenlos. Drei der sechs Buslinien verlaufen entlang des Vulkanradweges, eine Buslinie pendelt entlangdes Südbahnradweges, eine weitere teilweise entlang der Niddaroute.
Weitere Informationen
Dank Infotafeln und Hinweisschildern lässt sich auf vielen dieser Radtouren auch etwas über die Geschichte der ehemaligen Bahntrasse erfahren. Gepaart mit alten Viadukten, teils restaurierten Bahnhöfen und gemütlichen Cafés und Imbissbuden ist das Bahntrassenradeln nicht umsonst für viele Radlerinnen und Radler ein Highlight in Deutschland.
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