Radtouren in Frankreich: Planung und Routen

Frankreich ist ein ideales Land für Radfahrer, geprägt von zahlreichen Nebenstraßen, weiten, dünn besiedelten Gebieten und rücksichtsvollen Verkehrsteilnehmern. Das Land lässt sich auch ohne spezielle Fahrradinfrastruktur gut erkunden, wobei das Straßennetz oft eine gute Option darstellt.

Seit 1998 befindet sich ein nationales Radroutennetz in Planung, das unter dem Namen Schéma National des Véloroutes et de Voies Vertes (SN3V) bekannt ist und zuletzt 2011 aktualisiert wurde. Das SN3V-Netzwerk umfasst die sieben Eurovelo-Routen in Frankreich (plus eine geplante) sowie fast 50 nationale Radrouten, die jedes der 94 Festland-Départements erschließen. Korsika ist hierbei nicht vertreten.

Das Nationale Radroutennetz SN3V

Das geplante Netz umfasst ca. 20.000 km, wovon etwa 7.000 km bereits realisiert sein sollen. Diese Abschnitte sind oft verstreut und nicht immer ausreichend ausgeschildert. Gut ausgeschilderte, zusammenhängende Wege gibt es hauptsächlich auf einigen Eurovelo-Trassen, während der Rest kaum Netzwirkung entfaltet.

Die Routenwahl bevorzugt einfache, flache Strecken entlang von Flüssen, Kanälen und stillgelegten Bahntrassen, selbst in den Alpen. Das gut ausgebaute Netz aus Nebenstraßen wird nur selten genutzt. Für passionierte Bergfahrer ist Frankreich im Vergleich zur Schweiz weniger geeignet.

Das SN3V-Netz sieht die sieben in Frankreich verlaufenden Eurovelo-Routen (plus eine geplante) sowie knapp 50 nationale Radrouten vor, die jedes der 94 Festland-Départements erschließen.

Eurovelo-Routen in Frankreich

Der Europäische Radfahrer-Verband ECF arbeitet an einem europaweiten Radrouten-Netz namens Eurovelo mit derzeit 14 geplanten Routen. Die Eurovelo-Routen sind in der Planung des SN3V berücksichtigt, was jedoch bisweilen zu widersprüchlichen Angaben über den beabsichtigten Verlauf führt, da die beteiligten Seiten nicht immer dieselben Ziele verfolgen.

Im Folgenden eine Übersicht über die Eurovelo-Routen in Frankreich:

  • EV1 - Atlantikküsten-Route (Vélodyssée): Diese Route führt vom Nordkap über die britischen Inseln bis zur Südspitze Portugals. Der französische Abschnitt, bekannt als Vélodyssée, ist seit 2012 fertiggestellt und verläuft vom bretonischen Fährhafen Roscoff entlang der Atlantikküste bis zur spanischen Grenze bei Hendaye.
  • EV3 - Pilgerroute (Trondheim - Santiago de Compostela): Die längste geplante EV-Strecke in Frankreich. Es existieren zwar schon etliche Abschnitte, aber diese sind kurz und übers ganze Land verteilt. Konkret im Wiki dargestellt sind bislang nur die Abschnitte an der Loire (Orléans - Tours) sowie am Garonne-Seitenkanal (von Bordeaux nach Buzet-sur-Baïse).
  • EV4 - Mitteleuropa-Route: Diese Route soll der französischen Nordküste folgen und anschließend bis nach Kiew gehen. Tatsächlich realisiert unter dem Namen EV4 ist bis jetzt nur ein Teil-Abschnitt der so genannten Tour de Manche. Noch nicht unter dem Namen EV4, sondern als Véloroute du littoral ist ein Abschnitt zwischen Le Havre und Dieppe ausgeschildert.
  • EV5 - Via Romea Francigena: Diese Route basiert auf einem alten Pilgerweg und soll von London nach Rom bzw. Brindisi verlaufen. Sie quert Frankreich in zwei Abschnitten, von denen der westliche Abschnitt von Calais über Lens nach Lille geplant ist, aber noch nicht realisiert wurde.
  • EV6 - Atlantik-Schwarzmeer-Route: Eine der am weitesten fortgeschrittenen Eurovelo-Projekte, die von Basel nach Mülhausen, dem Doubs, der Saône und dem Canal du Centre folgend nach Digoin führt und dann der Loire bis zum Atlantik folgt.
  • EV8 - Mittelmeer-Route: Diese Route soll von Cádiz nach Athen (bzw. Zypern) führen und folgt in Frankreich weitgehend der Küste, mit Ausnahme eines Abschnitts östlich der Rhône.
  • EV15 - Rhein-Radweg: Der französische Abschnitt dieses multinationalen Radwegs ist unter Véloroute Rhin dargestellt.
  • EV16 - London - Paris - Prag (Projekt): Ein Projektvorschlag Frankreichs, der in der nationalen Netzplanung bereits berücksichtigt ist, aber vom Eurovelo-Konsortium noch nicht akzeptiert wurde. Es handelt sich um die Idee einer Verbindung London - Paris - Prag.
  • EV17 - Rhone-Radweg: Seit 2016 die vorerst jüngste Ergänzung des Eurovelo-Netzes, bestehend aus der Schweizer Rhone-Route und der französischen ViaRhona.

Nationale Radrouten in Frankreich

Die nationalen Radrouten erhalten jeweils eine zweistellige Nummer, wobei die erste Ziffer der groben geographischen Einteilung dient. Die Realisierung wird sich auf sehr lange Zeit hinziehen, dennoch wird die kommende Entwicklung interessant zu beobachten sein.

  • V31 - Véloroute de la Somme: Der geplante Routenverlauf verbindet die mittlere Marne mit der Somme und folgt letzterer bis zum Ärmelkanal.
  • V32 - Route de la Lys: Querverbindung zwischen EV3 und EV5 in Nordfrankreich, von Lens nach Maubeuge.
  • V33 - Véloroute de l’Oise: Nord-Süd-Achse durch Nordfrankreich, von Paris über Conflans, Senlis nach Beauvais.
  • V34 - Vallée de la Seine à Vélo: Diese Route soll die Seine von Paris nach Le Havre erschließen.
  • V36 - Trans-Ardennes: Die Route ist als Querverbindung zwischen den Flüssen Aisne/V30 und Maas/V54 gedacht und soll am Ardennenkanal verlaufen.
  • V81 - Véloroute du Piémont Pyrénéen: Diese Route soll einmal den Atlantik bei Biarritz und das Mittelmeer bei Perpignan verbinden.
  • V82 - Véloroute des Gorges de Galamus: Véloroute zwischen Chalabre und den Gorges de Galamus (59km).

Beliebte Radwege an der Atlantikküste

Die französische Atlantikküste bietet rund 1.000 km Radwege. Fünf besonders empfehlenswerte Routen sind:

  • La Vélodyssée (EV1)
  • La Vélocéan
  • La Vélo Francette
  • La Flow Vélo
  • Le Tour de Gironde à vélo

Auch die Inseln Ile de Noirmoutier, Ile de Ré und Ile d’Oléron sind wunderschöne Reiseziele für Fahrradurlaub in Frankreich.

La Vélodyssée

Mit 1.290 Kilometern ist die EV1-La Vélodyssée® der längste Radweg Frankreichs. Die 2012 eingeweihte Route führt durch die Bretagne, Pays de la Loire und Nouvelle Aquitaine, wobei 70 Prozent der Strecke auf autofreien Wegen verlaufen. Entlang der Strecke liegen Orte wie Nantes, die Loire-Mündung bei Saint-Brevin-les-Pins, Fromentine, La Rochelle, Royan, das Bassin d‘Arcachon, die Dune du Pilat und das Baskenland.

In Les Sables d’Olonne sollten Sie unbedingt das Stadtviertel „Ile Penotte“ besuchen. 1997 begann die Künstlerin Dan Aubrin mit dem Spitznamen „Die Dame der Muscheln“ die Häuserwände dieses Viertels mit herrlichen Fresken aus Muscheln zu bedecken.

La Vélocéan

Dieser 148 Kilometer lange Radweg führt von Saint-Nazaire nach Saint-Molf und ermöglicht es, die nördliche Küste von Loire-Atlantique zu entdecken. Entlang der Strecke passieren Sie die Loire-Mündung, die Halbinsel Le Croisic und die Salzgärten von Guérande.

La Vélo Francette®

Dieser Radweg startet am Ärmelkanal und führt durch die Normandie, das Pays de la Loire, den Poitou und Charente-Maritime. Die letzte Etappe ist identisch mit einer Etappe der Vélodyssée und führt entlang des Canal de Marans nach La Rochelle.

La Flow Vélo

Dieser 290 km lange Radweg führt vom grünen Périgord bis zur Atlantikküste und durchquert eine malerische Landschaft. Highlights sind Rochefort mit seiner maritimen Vergangenheit und das Fort Vauban in Fouras.

Le Tour de Gironde à Vélo

Diese 480 Kilometer lange Radstrecke führt durch die Landschaft der Landes de Gascogne bis zu den Weinbergen des Médoc und passiert dabei das Bassin d’Arcachon, die Küstengebiete des Atlantiks und die Gironde-Mündung. Die Strecke ist zu 90 Prozent gut ausgebaut und eignet sich ideal für Familien.

Weitere Tipps für die Radreise in Frankreich

Frankreich ist ein Paradies für Radreisen mit abwechslungsreichen Landschaften, mildem Klima und einer Vielzahl an schönen Dörfern, Schlössern und Weinbergen.

Frankreich kennt verschiedene Arten von Radwegen. Véloroutes bezeichnen Radwanderstrecken. In den Städten gibt es immer mehr pistes cyclables. Die Itinéraires de Grande Randonnée à Vélo sind das Pendant der Grandes Randonnées für Wanderer und sind meist recht anspruchsvoll.

Die Marke „Accueil Vélo“ ist ein französisches Gütesiegel, das Radfahrern einen herzlichen Empfang und qualitativ hochwertige Dienstleistungen entlang der französischen Radwanderwege garantiert.

Vorbereitung und Ausrüstung

Eine gute Planung ist entscheidend für eine gelungene Radreise. Wichtige Punkte sind:

  • Länge der Radreise: Tagesausflüge erfordern weniger Vorbereitungen.
  • Ausrüstung: Ein gut gewartetes Tourenrad oder E-Bike, Gepäckträger und Satteltaschen sind empfehlenswert. Achten Sie auf funktionelle, atmungsaktive Fahrradkleidung.
  • Unterkünfte: Nutzen Sie fahrradfreundliche Unterkünfte wie Campingplätze, Chambres d’hôtes oder Hotels.
  • Verpflegung: Planen Sie regelmäßige Pausen ein und nutzen Sie die Gelegenheit, regionale Spezialitäten zu genießen.
  • Klima: Frühling und Herbst (April bis Juni und September bis Oktober) sind ideal für die meisten Regionen. Beachten Sie die Wettervorhersage.

Nützliche Apps für Radfahrer

  • Komoot: Für detaillierte Karten und Routenplanung.
  • Google Maps: Für die Orientierung und Echtzeit-Informationen.
  • AllTrails: Für landschaftlich reizvolle Strecken.
  • BikeMap: Speziell für Radfahrer entwickelt mit Millionen von Fahrradrouten.
  • AccuWeather: Für detaillierte Wettervorhersagen.
  • Warmshowers: Für kostenfreie Unterkünfte bei gastfreundlichen Radfahrern.
  • Airbnb und Booking.com: Für spontane Hotel- oder Unterkunfts-Buchungen.

Erlebnisse und Sehenswürdigkeiten

Eine Radtour in Frankreich bietet unzählige Möglichkeiten, Land und Leute kennenzulernen. Einige Highlights sind:

  • Die Schlösser der Loire
  • Die Lavendelfelder der Provence
  • Die bretonische Küste
  • Das Elsass mit seinen Weinbergen
  • Die Normandie mit ihren historischen Landungsstränden

Auch eine Städtereise mit dem Bike ist eine tolle Möglichkeit, Frankreich zu erkunden. Selbst Paris lässt sich gut mit dem Fahrrad entdecken.

Radfahren mit E-Bike

Für anspruchsvollere Strecken oder längere Touren empfiehlt sich ein E-Bike. Damit lassen sich auch bergige Strecken und Gegenwind leichter bewältigen. Auch eine lange Tagesstrecke von 70 bis 100 km wird mit dem E-Bike zum Kinderspiel.

Route Länge Region Besonderheiten
La Vélodyssée 1.290 km Atlantikküste Längster Radweg Frankreichs, autofreie Strecken
La Vélocéan 148 km Loire-Atlantique Nördliche Küste, Salzgärten von Guérande
La Vélo Francette Variabel Normandie, Pays de la Loire Verbindet Ärmelkanal mit Atlantik
La Flow Vélo 290 km Périgord, Charente Grüne Landschaft, historische Städte
Le Tour de Gironde à Vélo 480 km Gironde Weinberge, Atlantikküste, Bassin d’Arcachon

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0