Radfahren im Nationalpark Bayerischer Wald: Routen und Erlebnisse

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist ein wahres Paradies für Radfahrer. Mit über 200 km bestens markierten Radwegen bietet er sowohl Gravel- als auch Tourenbikern anspruchsvolle Tourenmöglichkeiten inmitten faszinierender Naturerlebnisse. Der Nationalpark steht für sanften Tourismus, weshalb Mountainbike-Touren, die mitten durchs Gelände führen, strengstens verboten sind.

Die waldreiche Streckenführung des »Nationalpark-Radwegs« ist für Naturliebhaber ein Muss. Die malerische Bergregion im Nationalpark Šumava, wo die Flüsse Moldau und Otava entspringen, sowie der Nationalpark Bayerischer Wald bieten eine Ursprünglichkeit, die in Europa ihresgleichen sucht. Dank des Landschaftsschutzes konnte die Artenvielfalt sowohl im Böhmerwald als auch im Nationalpark Bayerischer Wald bis heute erhalten bleiben. Besonders die hermetische Abriegelung des Grenzstreifens durch den Eisernen Vorhang erwies sich im Nachhinein als Glücksfall für die Natur des Böhmerwaldes, da das militärische Sperrgebiet die ungestörte Entwicklung der Flora und Fauna begünstigte.

Der Nationalpark-Radweg: Eine Reise durch zwei Nationalparks

Ein entlegenes Fleckchen Erde, das der »Nationalpark-Radweg« mitten durch zwei Nationalparks quert. Menschenleere Hochflächen, saftiggrüne Täler, Bergfichtenwälder, Moorlandschaften und naturbelassene Flussauen im Tal der Moldau liegen den Tourenradlern in dem unberührten Naturjuwel zu Füßen. Dazu Talsperren, malerische Städtchen und Dörfer, kulinarische und kulturelle Schätze.

Der »Nationalpark-Radweg« verbindet die Urlaubsparadiese Dreiländereck und den Zwieseler Winkel miteinander, zu dem sechs Gemeinden am Rande des Nationalparks zählen. Der Name ist Programm - Der »Nationalpark-Radweg« verläuft sowohl durch den Nationalpark Šumava (Tschechien) als auch den Nationalpark Bayerischer Wald. Beide Naturreservate bilden mit über 900 km² das größte Waldschutzgebiet Mitteleuropas.

Der »Nationalpark-Radweg« verläuft von Haidmühle (Landkreis Freyung-Grafenau) nach Ferdinandstal (grüne Grenze) im Zwieseler Winkel (Landkreis Regen). Der Nationalpark-Radweg prunkt auf 105 Kilometer Länge mit einer der ursprünglichsten Naturregionen Deutschlands. Die Route verbindet in einer urwaldähnlich gebliebenen Mittelgebirgslandschaft den »Nationalpark Ferienland Bayerischer Wald« mit dem »Arberland«.

Der Nationalpark-Radweg durchquert den Nationalpark Bayerischer Wald vom Grenzübergang Ferdinandsthal-Deffernik bei Bayerisch Eisenstein bis Finsterau-Bucina.

Streckencharakteristik und Etappenplanung

Der Streckencharakter ist sehr unterschiedlich ausgeprägt, d.h. die 18 km lange Streckenpassage zwischen Nationalparkzentrum Lusen (KM 53) und dem Klingenbrunner Bahnhof (KM 71) ist durch sanfte Gefällstrecken, längere Flachabschnitte und vereinzelten sanften Steigungen gekennzeichnet (familiengeeignet). Dass ein Mittelgebirgsprofil nicht zum entspannten "Nulltarif" zu haben ist versteht sich von selbst. Ungleichmäßig verteilte Höhenmeter im vierstelligen Bereich (1.700 hm) sind eben beileibe kein Pappenstil.

Egal in welcher Fahrtrichtung man radelt: der anspruchsvollste Anstieg verbirgt sich im Raum Finsterau/Bucina. Ist das Hochplateau auf 1.172 m Höhe bezwungen, dann lässt sich die Kurbel spürbar leichter schwingen. Fahrtechnische Herausforderungen weist die (trailfreie) Strecke keine Besonderheiten auf.

Neben konditioneller Power braucht es hierfür einen straffen Zeitplan. Will man es dagegen lieber gemütlicher angehen und sich achtsam dem Naturgenuss widmen, versprechen zwei Etappentage wesentlich mehr Entfaltungsspielraum. So können Besichtigungen wie beispielsweise die Gedenkstätte in Bucina, Besuchereinrichtungen im Nationalparkzentrum Lusen (Hans-Eisenmann-Haus), das Haus zur Wildnis, Erlebnisausstellungen bzw. die Begehung des Baumwipfelpfads in den Tourplan mit aufgenommen werden. Zudem ermöglicht ein großzügig bemessener Zeitrahmen Abstecher zu Sehenswürdigkeiten sowie Besuche im Freilichtmuseum Finsterau, Waldgeschichtliches Museum Sankt Oswald und Glasmuseum Frauenau. Auch Einkehrschwünge und Pausenstopps sind weniger von Hektik geprägt.

Naturerlebnisse und Besonderheiten

Im Angesicht der Bayerwaldriesen Dreisessel, Haidel, Rachel, Lusen, Großer Falkenstein und Großer Arber bietet die Waldwildnis sowohl Tieren, Pflanzen und Pilzen als auch dem Menschen ein Rückzugsrefugium von unschätzbarem Wert.

Schautafeln informieren am Wegesrand über Land, Leute, Kultur, Geschichte und Natur, was die Nationalpark-Tour aufwertet. Waldlichtungen bzw. stehendes wie liegendes Totholz zeugen von großflächigen Borkenkäferschäden. Das zerstörerische Machwerk des Borkenkäfers ist darauf zurückzuführen, weil der Schädling unter der Baumrinde seine Eier ablegt. Die schlüpfenden Larven fressen dann die wichtigsten Schichten des Baumstammes und unterbrechen so die Lebensadern des Baumes.

Stürme und der Borkenkäfer als Motor der Walderneuerung haben die Wälder entlang des Grenzkamms in den vergangenen drei Jahrzehnten grundlegend umgestaltet. Dabei gilt auf knapp 25 000 Hektar im Bayerischen Wald der maßgebende Leitsatz: „Natur Natur sein lassen“. Eine Philosophie, die nirgendwo sonst zwischen Atlantik und Ural so beharrlich verfolgt wird, bei der sich Wälder, Moore, Bergbäche und Seen nach ihren ureigenen Gesetzen zu einer einmaligen wilden Waldlandschaft entwickeln dürfen.

Da der Nationalpark Šumava mit dem Nationalpark Bayerischer Wald das größte zusammenhängende mitteleuropäische Waldschutzgebiet bildet, wird das Gebiet häufig auch als „Grünes Dach Europas“ bezeichnet. Zu den höchsten Gipfeln des Nationalparks zählen der Große Falkenstein (1315 m), der Lusen (1373 m) und der Große Rachel (1453 m).

Mit Glück begegnest du ihnen während deiner Radtour hautnah - zum Beispiel in einem der Tierfreigelände im Nationalpark. Kulturell und kulinarisch Interessierte kommen im Bayerischen Wald ebenfalls nicht zu kurz. Die Region ist außerdem ein Zentrum der traditionellen Glasherstellung.

Weitere Radwege im Bayerischen Wald

Neben dem Nationalpark-Radweg gibt es im Bayerischen Wald zahlreiche weitere attraktive Radwege. Hier eine kleine Auswahl:

  • Adalbert-Stifter-Radweg: Verlängerung des Donau-Ilz-Radweges, verläuft zum Teil auf nicht asphaltierter Strecke auf einer ehemaligen Bahntrasse.
  • Donau-Ilz-Radweg: Verbindet die Donau mit dem Sonnenwald und dem Dreiburgenland.
  • Donau-Regen-Radweg: Verbindet die Flüsse Donau und Regen auf einer ehemaligen Bahntrasse.
  • Falkenstein-Radweg: Bietet schöne Ausblicke auf die Natur und eine fahrradfreundliche Infrastruktur.
  • Festspiel-Radweg: Botschafter für die sieben Festspielorte im Landkreis Cham.
  • Regental-Radweg: Geprägt von Strecken entlang naturnaher Flussauen und durch opulente Waldgebiete.

Wichtige Hinweise für Ihre Radtour

  • Wetter: Checke vor jedem Tourstart die Wettervorhersage. Das Wetter im Bayerischen Wald kann schnell umschlagen, besonders in den höheren Lagen.
  • Kondition: Wähle eine Strecke, die zu deiner Fitness passt. Der Bayerische Wald bietet sowohl einfache Radwege für gemütliche Touren als auch anspruchsvolle Mountainbike-Strecken.
  • Proviant: Packe ausreichend Snacks und Getränke ein, besonders wenn du abgelegene Strecken oder Bergtouren fährst.
  • Kartenmaterial: Verlasse dich nicht nur auf dein Smartphone. Nimm analoges Kartenmaterial oder eine Offline-App mit, um dich jederzeit sicher auf den Wegen zurechtzufinden.
  • Unterkünfte: Buche deine Unterkunft rechtzeitig, besonders in der Hauptsaison. Viele Hotels und Pensionen bieten fahrradfreundliche Services wie Abstellmöglichkeiten und Werkzeug für kleinere Reparaturen an.

Refill Deutschland

Seit kurzem wird im Nationalpark Bayerischer Wald bzw. in der Ferienregion Bayerischer Wald an vielen Stellen und Einrichtungen kostenloses Leitungswasser im Rahmen der Aktion „Refill Deutschland“ angeboten. Ziel ist es, Plastikmüll zu vermeiden und dadurch die Umwelt zu schützen.

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