Die Toskana ist seit jeher ein beliebtes Ziel für Rennradfahrer. Mit ihrer außergewöhnlichen Radsporttradition und den vielfältigen Landschaften bietet die Region ideale Bedingungen für unvergessliche Touren. Von sanften Hügeln bis zu anspruchsvollen Anstiegen - hier findet jeder Radfahrer die passende Herausforderung.
Die Faszination der Toskana für Rennradfahrer
Die Toskana ist für Rennradfahrer schon lange einer der Hotspots in Europa. Das milde Klima und die tollen Trainingbedingungen ziehen im Frühjahr Scharen von bunt gekleideten Sportlern an, die die Hügel der italienischen Provinz erobern wollen, um Kraft für die Saison zu tanken. Aber auch im Herbst, wenn in Mitteleuropa die Temperaturen den einstelligen Bereich erreichen und der Regen die Motivation für längere Ausfahrten bremst, ist die Toskana eine sehr gute Alternative.
Wer die einmalige Landschaft der Toskana per Rennrad erobern will, braucht Kraft in den Beinen, denn die Straßen führen ständig auf und ab. Hohe Berge gibt es in der Toskana nicht, durch das hügelige Gelände sammeln Rennradfahrer dennoch reichlich Höhenmeter.
Die "Strade Bianche": Auf den Spuren des ursprünglichen Radsports
Einmal im Jahr beherrscht die Radnostalgie die Region. Bei der L’Eroica kämpfen sich über 3000 Teilnehmer mit Rennrädern aus den guten alten Tagen des Radsports auf bis zu 200 Kilometer langen Strecken durch die Toskana. Dabei geht es meist über die berühmt-berüchtigten "weißen Straßen", die "Strade Bianche". Bei uns würde man schlicht Schotterstraßen dazu sagen. Unter die große Gruppe der Hobbyfahrer aus der ganzen Welt mischen sich sogar ehemalige Weltmeister, Tour-de-France- und Giro-Helden. Denn hier in der Toskana wird der Radsport nicht nur ausgeübt, er wird gelebt und geliebt.
Auch ohne Rennteilnahme kann man in der Toskana mit den "Strade Bianche" in Berührung kommen, und das sollte man auch unbedingt, denn ein Spruch besagt: "Die wahre Toskana fängt bei den weißen Straßen an." Und wahrlich, biegt man vom geteerten Untergrund in die staubigen Wege ein, verändert sich plötzlich das Bild. Die typischen Landhäuser mit ihren Steinmauern, die man bisher nur aus der Ferne erkennen konnte, begegnen einem nun aus nächster Nähe, und die Zypressen-Alleen sind dann auch kein Foto aus dem Reisekatalog mehr. Nur eines bleibt gleich: Die Anstiege werden auch auf weißen Straßen nicht flacher.
Mit dem Unterschied, dass sie auf dem losen Untergrund noch mehr in die Waden gehen. Hinter jeder Kurve versteckt sich eine neue Überraschung, sei es ein 15-Prozent-Schild oder eine nette Osteria für eine Pause mit perfektem Cappuccino und Gebäck.
Landschaftliche Vielfalt und abwechslungsreiche Touren
Die Toskana besteht aber nicht nur aus Hügeln, Wäldern und Weingärten. Die Landschaften in der Region sind zum Teil sehr unterschiedlich. In Küstennähe findet man viele weite Ebenen, die Richtung Osten in das bekannte Hügelbild münden. Die Region südöstlich von Siena besticht durch leicht kupiertes Gelände und weite Getreidefelder, die im Herbst die Landschaft in ein braun-goldenes Farbenspiel verwandeln.
Im Gegenteil zum Norden, dessen Vegetation mehr Grün zulässt. Über den Feldern südlich von Siena thronen die beiden bekannten Städte Montalcino und Montepulciano wie zwei mächtige Fürsten. Dahinter liegt aber der wahre Herrscher der Toskana: Der Monte Amiata. Er ist mit gut 1700 Meter Höhe der Gipfel der Region und hat sogar einen Skilift.
Tourenvorschläge für Rennradfahrer in der Toskana
Die angenehm milden Temperaturen im Frühjahr und im Herbst locken viele Rennradfahrer in die Toskana. Das hügelige Landschaftsprofil sorgt für einige Höhenmeter und ist deutlich in den Waden zu spüren. Ganz egal ob kurze Touren oder herausfordernde Trainingsstrecken - in der Toskana werdet ihr mit Sicherheit fündig. Hier haben wir einige Vorschläge für euch gesammelt:
- Traumtour mit zweimaliger Querung des Val d´Orcia und einer Stippvisite am Monte Amiata.
- Rennradtour nördlich von Cecina, die einen Mix aus Bergfahrten und ebenen Landstrassen bietet, wobei die gefahrenen Höhenmeter für die Toskana-Verhältnisse überschaubar bleiben. Start Marina di Bbbona über Monte Casale nach Canneto und auf stillen wenig befahrenen Straßen und sanften Steigungen nach Pomerance.
- Kurze Rennradtour nach Montecatini und Montescudaio.
Beispielhafte Tagestouren
- Tag 1: Anreise und Hausrunde Bibbona - Montescudaio (ca. Nach knapp 20 km Einrollen in flachem Terrain erreichen wir die längste Zypressenallee Italiens. Die nächsten 10 km verlaufen leicht hügelig, bevor wir dann noch einen kleinen Anstieg von etwa 10 km mit 250 Höhenmetern hinauf nach Guardistallo haben.
- Tag 2: Wir nehmen heute die Toskanische Küste unter die Räder. Über Cecina erreichen wir das Naturschutzgebiet der Tomboli von Cecina und über Marina di Bibbona weiter auf der Via Aurelia nach San Vincenzo. Durch das Naturschutzgebiet von Rimigliano erreichen wir den Golf von Baratti (etruskische Nekropole), welcher landschaftlich sehr reizvoll ist. Hier Auffahrt nach Populonia Alta (150 HM) mit Blick Richtung Piombino/Elba und die Bucht.
- Tag 3: Über Rosignano - Lorenzana geht es duch ein traumhaftes Hinterland durch typische Etruskerdörfer über Calci zum Monte Pisano. Nach der Passhöhe haben wir eine herrliche Abfahrt in die älteste Stadt der Toskana, nach Lucca, wo wir eine kleine Stadtrundfahrt machen. In Pisa (bitte Licht mitnehmen für einen Tunnel) sehen wir den schiefen Turm am Piazza dei Miracoli - dem Platz der Wunder.
- Tag 4: Durch das berühmte Weingebiet von Montescudaio geht es mit einem auf und ab über Montecatini nach Volterra. Eine toskanische Schatztruhe, die reich an Schönheit und interessanten Bauwerken ist. Auf kleinen Straßen radeln wir dann nach San Gimignano. Die Stadt wird gerne als mittelalterliches Manhatten oder Stadt der Türme genannt. Die mittelalterlichen Geschlechtertürme sind hier die große Attraktion. Bevor wir die Rücktour starten, stärken wir uns beim Eisweltmeister.
- Tag 6: Wir radeln ab Hotel Richtung Cecina. Dann haben wir über San Martino einen kleinen Anstieg zu bewältigen bis nach Castellina Marittima. Auf der Höhenstraße haben Sie einen tollen Panoramablick auf die Costa degli Etruschi. In Pomaia besuchen wir das größte buddhistische Kloster Europas. Lassen Sie sich überraschen. Weiter geht es über eine hübsche Strecke nach Santa Luce, wo wir eine Kaffeepause einlegen.
- Tag 7: Ab Hotel starten wir über Cecina entlang dem Fluss Cecina. Nach rund 20 Kilometer verlassen wir das Tal und steigen hinauf Richtung Canneto und Colline Metallifere. Bei Kilometer 29 machen wir die Auffahrt (rund 350 HM) ins hübsche Dörfchen Sassa. Dort gibt es einen hübschen kleinen Tante-Emma-Laden. Hier können wir uns verpflegen. Ebenso ist dort die Aussicht lohnenswert. Weiter über das Sterza-Tal erreichen wir Canetto und später Monteverdi Marittimo, welches herrlich auf den westlichen Erhöhungen der Colline Metallifere auf 360 m Höhe liegt. Die Rückfahrt erfolgt über Castagneto Carducci (toller Blick auf Elba u. Capraia) und die Zypressenallee nach Vada.
Weitere Routen und Regionen für Rennradfahrer
Über sanfte Hügel gleiten, am Meer entlang cruisen oder Berge hinaufstrampeln: Die Toskana bietet enorm viel Abwechslung für Radfahrer. Es gibt eigentlich kein besseres Fortbewegungsmittel als das Fahrrad, um die Vielfalt der Region zu erleben und ihre landschaftliche Schönheit zu genießen.
- Das Val d’Orcia: Das Val d’Orcia im Südosten der Toskana ist der Inbegriff der Bilderbuch-Toskana: ebenmäßige Hügel, einsame Landvillen, Weinhänge und Zypressenalleen - eine Landschaft wie ein Gemälde! Es gibt mehrere Straßen im Orcia-Tal, die man auf zwei Rädern erlebt haben muss: Eine davon ist die SP 146. Sie verbindet unter anderem die Renaissance-Stadt Pienza mit dem idyllischen Ort San Quirico d’Orcia. Als wäre das nicht genug, führt die SP 146 obendrein zu einer der meistfotografierten Sehenswürdigkeiten der Region: der mitten in der Landschaft platzierten malerischen Kapelle Madonna di Vitaleta. Von San Quirico d’Orcia führt die SR 2 zur nicht weniger malerischen Zypressengruppe Cipressi di San Quirico d’Orcia.
- Die Via Francigena: Die Via Francigena ist eine über 1.500 Jahre alte Pilgerstraße, die von Franken nach Rom führt und daher auch „Frankenstraße“ genannt wird. Große Teile dieses Wegenetzes befinden sich in der Toskana und sind bei Wanderern ebenso beliebt wie bei Radfahrern. Highlights der Route sind Lucca, Siena sowie etliche Burgen und Klöster. Sehr schön ist beispielsweise der rund 50 Kilometer lange Abschnitt, der von San Gimignano über Poggibonsi, Colle di Val d’Elsa und Monteriggioni nach Siena führt.
- Die Versilia-Küste: Radfahren in der Toskana geht aber auch ganz entspannt - etwa an der Versilia-Küste im Norden der Region. Wunderbar flach geht es dahin, immer am Meer entlang und von einem mondänen Badeort zum nächsten. Die 20 KIlometer von Marina di Massa über Forte dei Marmi bis nach Viareggio sind selbst für Ungeübte locker zu schaffen.
- Die Saturnia-Thermen: Die Saturnia-Thermen sind eines der landschaftlichen Highlights der Maremma, ganz im Süden der Toskana: Ein türkiser Thermalfluss schlängelt sich durch die Landschaft und ergießt sich schließlich in einem spektakulären Gebilde aus Wasserfällen und Sinterbecken. Warum also nicht mit dem Fahrrad dort haltmachen und eine kurze Badepause einlegen? Die Thermen sind übrigens frei zugänglich und haben sommers wie winters die gleiche Temperatur (37 Grad). Besonders schön ist eine Radtour von Manciano über das beschauliche Dorf Montemerano zu den Saturnia-Thermen. In langgezogenen Kurven geht es praktisch immer bergab - und beim Rückweg selbstredend bergauf.
- Der Monte Argentario: Am südlichsten Ende der Toskana ragt die Halbinsel Monte Argentario ins Mittelmeer. Sie ist nur durch drei schmale Landzungen ans Festland gebunden, welche eine Lagune begrenzen. Und alle drei Landzungen lassen sich wunderbar mit dem Fahrrad befahren: Die Giannella im Norden bietet viele Strandbäder (leider auch etwas mehr Autoverkehr); die mittlere Nehrung führt mitten durch die Lagune und bietet die Gelegenheit, durch das Städtchen Orbetello zu bummeln; die südliche Landzunge Feniglia schließlich ist die schönste, da man mitten durch einen Pinienwald radelt.
Kulinarische Genüsse entlang der Strecken
Rennradtouren in der Toskana lassen sich ohne Probleme auch zu gemütlichen Sightseeingtouren machen, auf denen weltberühmte Orte wie San Gimignano besichtigt werden, oder ein kurzer Zwischenstopp in Siena auf dem Programm steht. Ganz zu schweigen natürlich von den vielen kulinarischen Köstlichkeiten, die an der Strecke angeboten werden: Sie sind immer wieder eine Pause wert.
Nach einer anstrengenden Tour locken die regionalen Spezialitäten:
- Ribollita: Eine der beliebtesten Suppen aus der Florentiner Küche, die mit anderen typischen lokalen Gerichten eine Gemeinsamkeit hat: die Verwendung von altbackenem Brot. Es ist ein typisches, besonders schmackhaftes Wintergericht, wozu verschiedene Gemüsearten gekocht werden: Kartoffeln, Tomaten, Bohnen, Sellerie, Karotten, Zwiebeln und Toskanischer Schwarzkohl. Sie wird dann mit gerösteten Brotwürfeln und einem Schuss abgelagertem Öl serviert.
- Bringoli: Typisches Gericht aus der Maremma, eigentlich nichts anderes als ein hauchdünner, leichter Pfannkuchen, der mit Wasser statt Milch zubereitet wird. Er ist in den Restaurants nicht leicht zu finden, aber er ist wirklich köstlich.
- Panforte: Dieses traditionelle Weihnachtsgebäck (das es mittlerweile schon das ganze Jahr über gibt) ist besonders reich an Nährstoffen. Honig wird zum Kochen gebracht, dazu kommen kandierte Früchte, Mehl, Gewürze, Mandeln und ganze Haselnüsse.
- Torta di Ceci: Wer die Toskana bereist hat, hat sicher schon von dieser Kichererbsentorte gehört, ein typisches Gericht der Versilia, die mit kaltem Wasser und Kichererbsenmehl zubereitet wird.
Reisezeit und Anreise
Beste Reisezeit: Herbst und Frühjahr eignen sich am besten für Rennradtouren. Die Temperaturen sind dann angenehm mild. Im Sommer ist es oft zu heiß, im sehr feuchten Winter kann es auf unter zehn Grad abkühlen.
Anreise: Wer mit dem Auto aus Süddeutschland - von München rund 700 Kilometer - kommt, muss über den Brenner. Weiter geht es dann über Modena, Bologna und Florenz ins Herz der Toskana. Flugzeuge landen in Florenz und Pisa.
Zusätzliche Informationen
Die Toskana zählt seit jeher zu den meistbesuchten Regionen Italiens. Ihr unwiderstehlicher Reiz, der jedes Jahr Millionen Touristen aus aller Welt und anderen Regionen Italiens anlockt, wird auch durch die lange Liste der durch das Welterbe der UNESCO geschützten Stätten bestätigt.
Nützliche Links:
- Infos: Auf www.toskana.net können Sie sich nicht nur über die Region informieren, sondern auch Ihre Unterkunft buchen.
Kartenmaterial:
- Karte: Touring Club Italiano, 1:200000, Blatt 7: Toscana, ISBN, 88-365-2830-9, 7 Euro.
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