Radweg Grünes Band: Verlauf und Geschichte entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze

Der Radweg Grünes Band ist ein besonderes Projekt, das entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze verläuft. Diese Strecke, die einst Deutschland teilte, hat sich zu einem Korridor unberührter Natur entwickelt. Heute verbindet das Grüne Band aktiven Naturschutz mit der deutschen Geschichte, die hier erlebbar wird. Die Strecke zieht den Besucher durch ihre landschaftliche Schönheit und die zahlreichen Details zur Grenzgeschichte unwiderstehlich in ihren Bann.

Verlauf des Grünen Bandes

Mit knapp 1400 Kilometern zieht sich das Grüne Band vom Ostseestrand bei Priwall bis ins Vogtland. Es berührt die Bundesländer Sachsen, Bayern, Thüringen, Hessen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Dabei lässt sich das Grüne Band naturräumlich in eine nördliche Etappe von der Ostsee bis zum Harz durch die norddeutsche Tiefebene und vom Harz bis zum Vogtland durch die deutschen Mittelgebirge einteilen.

Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern erstreckt sich das Grüne Band entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze vom Priwall an der Ostsee bis in die Niederungen der Elbe auf 157 km Länge. Aus Richtung Norden kommend, stellen die beiden Biosphärenreservate das Eingangstor nach Mecklenburg-Vorpommern dar. An unterschiedlichen Orten in den Biosphärenreservaten kann man das Grüne Band erleben und die Geschichte dieser Region erfahren. Dabei ist das Grüne Band in Mecklenburg-Vorpommern jedoch kein ausgebauter Wanderweg.

Das „Grenzhus Schlagsdorf. Informationszentrum innerdeutsche Grenze“ ist die größte und wichtigste museale Einrichtung zur Erinnerung an die innerdeutsche Grenze in Mecklenburg-Vorpommern. Hier kann die Geschichte des Dorfes und des Barber-Ljaschtschenko-Abkommens vom 13. November 1945 nachgelesen werden. Damals wurden zwei lauenburgische Gebiete östlich vom Schaalsee gegen ein mecklenburgisches Gebiet nordöstlich von Ratzeburg durch die Briten und die Russen ausgetauscht. Die absolute Mehrheit der Einwohner aus den übergebenen lauenburgischen Dörfern ließ sich in die britische Besatzungszone evakuieren. In die leeren Dörfer zogen ab Dezember 1945 Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten.

Weitere Stationen entlang der Strecke

  • Lassahn war auch Sitz einer Grenzkompanie.
  • Das Gartenschläger Eck zwischen Leisterförde und Bröthen ist eine Gedenkstätte für Michael Gartenschläger, der in der Nacht zum 1. Mai 1976 beim dritten Abbau einer Selbstschussanlage durch eine Spezialeinheit der Staatssicherheit erschossen wurde.
  • Zu dem Areal gehören außerdem der Streifen Heide entlang des ehemaligen Streckmetallzaunes, der Gedenkstein für die geschleifte Siedlung Wendisch Lieps und die rekonstruierte DDR-Sperranlage in Leisterförde.
  • Ausstellungen zum KZ-Außenlager Boizenburg und zur ehemaligen Innerdeutschen Grenze.
  • Rund um den früheren Turm des Kontrollpunktes dokumentiert eine Ausstellung die Geschichte der Innerdeutschen Grenze im Kreis Hagenow.

Erfahrungen entlang der Strecke

Neben schöner Natur und pittoresken Orten warten entlang der Strecke viele spannende Überreste der DDR-Grenzanlagen. Trotz 30 Jahren Mauerfall hat die Region noch ein Flair vom „Ende der Welt“ - ideal, um Menschenmassen zu vermeiden. Relikte aus DDR-Zeiten wirken unwirklich. Doch die jüngste Geschichte ist hier, an der 1400 Kilometer langen deutsch-deutschen Grenze, noch überraschend nah.

Startpunkt ist Hof, von wo nach 16 hügeligen Kilometern bald das Dreiländereck bei Oberzech erreicht ist. Im Wald markieren Schilder die Grenze zwischen Sachsen, Bayern und der tschechischen Republik. Das ehemalige Grenzgebiet wirkt vielerorts immer noch abgelegen. Die hübschen Dörfer sind oft menschenleer, manche Gebäude sehen noch aus wie in DDR-Zeiten und die schmalen Landstraßen sind nahezu autofrei. Ein ungewohntes Bild im dicht besiedelten Deutschland - und ein Plus in Corona-Zeiten.

Nach ein paar Kilometern auf holprigem Lochplattenweg erreicht man den ersten Höhepunkt der Tour: Das ehemals geteilte Dorf Mödlareuth, auch bekannt als „Klein-Berlin“. Hier verliefen Zäune und Mauer mitten durch den Ort - ausschlaggebend für den Grenzverlauf war ein winziger Bach. Ein Teil der Grenzanlagen ist noch gut erhalten: Betonsperrmauer, Beobachtungstürme, Warnschilder, Suchscheinwerfer und Hundelaufanlagen vermitteln ein eindrucksvolles Bild der lücken- und gnadenlosen Überwachung des DDR-Regimes. Das deutsch-deutsche Museum daneben zeigt historische Fotos und hält zahlreiche Informationen bereit.

Landschaft und Sehenswürdigkeiten

Weiter geht es bergauf und bergab, am hügeligen Ufer der Saale entlang bis in den hübschen Ort Blankenstein. Hier trifft man auf einen Abschnitt des Rennsteigs. Malerische Orte wie Brennersgrün oder Lehesten, die mit ihren grau-getäfelten Schieferhäusern und pittoresken Kirchen wie kleine Freilichtmuseen wirken, laden zum Verweilen ein. Durch ein abgelegenes Tal, das früher von der Grenze in zwei Hälften geteilt wurde, gelangt man ins bayrische Lauenstein. Dahinter quert man mitten im Wald die ehemalige Grenze und folgt zwischen Tannen und dichtem Gesträuch dem ehemaligen Kolonnenweg. Auf der Weiterfahrt trifft man immer wieder auf Überbleibsel der Grenze: etwa das verlassene Hotel „Grenzgasthof“, alte Wachtürme oder den Gedenkstein für das geschleifte Dorf Liebau.

Von Neustadt bei Coburg geht es auf Feld-, Wald- und Wiesenwegen und winzigen Sträßchen mal auf der West-, mal auf der Ost-Seite der „Grenze“ entlang. Nach einem scharfen Knick nach Süden gelangt man ins „Viereck“ des thüringischen Rodachtals: Es war zu DDR-Zeiten auf drei Seiten von der Grenze umschlossen und gehörte vollständig zum Grenzsperrgebiet. Das Zweiländermuseum Rodachtal im malerischen Streufdorf beschreibt anschaulich den Alltag im Sperrgebiet. Aber auch die nahegelegenen Orte Bad Colberg, Heldburg und Ummerstadt lohnen mit ihren gut erhaltenen Fachwerkhäusern, Kirchen und Brunnen einen Zwischenstopp.

Im 20 Kilometer entfernten Zimmerau erreicht man wieder bayrisches Terrain. Hoch über dem Ort ragt wie ein Ufo der 38 Meter hohen Bayernturm auf. Anschließend radelt man gemütlich durch die leicht wellige Landschaft der thüringischen und fränkischen Vorrhön - vorbei an Kleinoden wie dem Wasserschloss Irmelshausen, dem alten Judenfriedhof bei Berkach und der Schlossruine Henneberg. Ein weiteres spannendes Freilandmuseum mit Resten der Grenzanlagen, schwarz-rot-goldenen Grenzmarkern und Warnschildern auf Westseite erwartet den Besucher bei Behrungen.

Allmählich nähert man sich den kargen Höhenzügen der Rhön. Über 175 Kilometer folgt die Route der Ulster und später der Werra. Am Weg liegen zahlreiche historische Orte wie Tann vor der Rhön, Geisa oder das verschlafene Vacha. Bei Geisa sollte man unbedingt einen Stopp an der Gedenkstätte „Point Alpha“ einlegen.

Stetig der Werra folgend, radelt man vorbei an unwirklich großen, weißen Kali-Hügeln. Es folgen zahlreiche historische Orte wie Creuzburg mit seiner mittelalterlichen Brücke, Treffurt mit der Burg Normannstein, Wanfried mit seinen alten Handelshäusern und schließlich das etwas größere Eschwege. Schließlich gelangt man in den Kurort Bad Sooden-Allendorf. Anschließend verlässt man die Werra wieder, durch eine hügelige Landschaft mit kleinen Orten geht es weiter bis ins niedersächsische Duderstadt. Aber auch das nahegelegene Grenzlandmuseum Eichsfeld sollte man nicht verpassen. Passend dazu serviert der „Grenzlandgrill“ typische Ost-Gerichte wie Soljanka oder „DDR-Schnitzel“ (panierte Jagdwurstscheiben).

Nun nähert man sich einem der schönsten, aber auch anstrengendsten Abschnitte der Route: Hinter Walkenried mit seiner stimmungsvollen Klosterruine beginnt der schier endlose Anstieg in den Harz. Im winzigen Drei-Annen-Hohne hat man die Wahl: Entweder steigt man in die historische, kräftig rauchende Schmalspurbahn auf den Brocken oder man legt die knapp 600 Höhenmeter mit dem Rad zurück.

Der Abstecher zum 1142 Meter hohen Gipfel, der zu DDR-Zeiten komplett im Grenzsperrgebiet lag, lohnt sich auf jeden Fall. Anschließend rollt man in langen Serpentinen mühelos bergab bis ins historische Wernigerode oder ins hübsche Ilsenburg. Hier endet der erste Teil des deutsch-deutschen Abenteuers.

Praktische Tipps

Für Trekkingbikes sind die Kolonnenwege mit ihren Lochbetonplatten nur bedingt fahrbar, für Mountainbikes schon eher. Sie ringen einem ein hohes Maß an Konzentration ab, da die Gefahr von „Übersteigern“ gegeben ist, wenn das Vorderrad plötzlich in ein nicht verfülltes Loch wegsackt. Besondere Vorsicht ist auch bei überwachsenen Lochbetonplatten geboten.

Generell kann man das Grüne Band in einem oder mehreren Teilen befahren oder erwandern. Für die Zelt- und Campingvariante sollte man sich für ca. zwei Tage bevorraten, um in der täglichen Routenplanung flexibel zu bleiben. Da die Wege manchmal durchaus anspruchsvoll für Mensch und Material sind, sollte man auch hier halbwegs autark sein und sowohl eine gute Apotheke, 1. Hilfe-Set und Reparaturmaterial bzw. Ersatzteile dabei haben.

Das Grüne Band als Naturraum und Denkmal

Das Zusammenspiel von konservierter Natur und Spuren der Weltgeschichte als Erinnerungskultur ist einzigartig. Als erstes Bundesland wies Thüringen das Grüne Band 2018 als Nationales Naturmonument aus. Aktuell gibt es nicht nur Bestrebungen, das Band auf ganzer Länge zum Naturmonument zu erklären, sondern auch zum Unesco-Weltnatur- und Weltkulturerbe.

Empfohlene Etappen

Hier eine Übersicht über empfohlene Etappen entlang des Grünen Bandes:

Etappe Länge
Hof - Dreiländereck 16 km
Dreiländereck - Fladungen 308 km
Fladungen - Ilsenburg 331 km

Unterkünfte entlang der Route (Auswahl)

  • In Hof: Hotel Akropolis Pension
  • In Blankenstein: Café & Pension Am Rennsteig
  • In Haig (bei Kronach): Landgasthof Detsch
  • In Bad Colberg: Landgasthof zum Seysingshof
  • In Heringen: Pension am Werraufer
  • In Bad Sooden-Allendorf: Hotel Pension Haus Erika
  • In Drübeck (bei Ilsenburg): Landhaus Tonmühle

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