Radweg Grünes Band: Etappenplanung

Der Radweg Grünes Band Deutschland existiert an vielen Stellen noch eher als Idee auf dem Papier, als dass es sich schon um einen nach Beschilderung fahrbaren Rad(fern)weg handelt. Dem gesamten Verlauf der ehemaligen Grenze zu folgen, ist die Idee dieser Radtour: Vom Dreiländereck mit Tschechien bis zur Halbinsel Privall an der Ostsee.

Die Strecke zieht den Besucher bald unwiderstehlich in ihren Bann - durch ihre landschaftliche Schönheit und die zahlreichen Details zur Grenzgeschichte. Trotz 30 Jahren Mauerfall hat die Region noch ein Flair vom „Ende der Welt“ - ideal, um Menschenmassen zu vermeiden. Neben schöner Natur und pittoresken Orten warten entlang der Strecke viele spannende Überreste der DDR-Grenzanlagen.

Das Grüne Band im Überblick

Hier findet ihr eine Zusammenfassung der einzelnen Etappen des Grünen Bands: Das Grüne Band im Zeitraffer. Von dieser Seite könnt ihr bequem auf die entsprechenden Tour- bzw.

Das Grüne Band ist ein europaweites Naturschutzprojekt im Gebiet des ehemaligen "Eisernen Vorhangs", der während des Kalten Krieges Europa in zwei politische Blöcke trennte. Das Grüne Band hat eine Gesamtlänge von über 12.500 km und reicht dabei vom Eismeer im Norden Norwegens bis zum Schwarzen Meer an der Grenze zur Türkei. In Deutschland wurde das Grüne Band nach dem Mauerfall 1989 als gesamtdeutsches Naturschutzprojekt von Naturschützer:innen aus Ost- und Westdeutschland installiert. Der Teil des Grünen Bandes in Sachsen-Anhalt ist 343 km lang und seit 2019 unter dem Motto "Vom Todesstreifen zur Lebenslinie" als Nationales Naturmonument ausgewiesen.

Die Route

Startpunkt ist Hof, von wo nach 16 hügeligen Kilometern bald das Dreiländereck bei Oberzech erreicht ist. Im Wald markieren Schilder die Grenze zwischen Sachsen, Bayern und der tschechischen Republik. Auf dem folgenden Abschnitt bekommt man bereits einen Eindruck vom „Flair“ der Strecke: Das ehemalige Grenzgebiet wirkt vielerorts immer noch abgelegen.

Die hübschen Dörfer sind oft menschenleer, manche Gebäude sehen noch aus wie in DDR-Zeiten und die schmalen Landstraßen sind nahezu autofrei. Ein ungewohntes Bild im dicht besiedelten Deutschland - und ein Plus in Corona-Zeiten.

Nach ein paar Kilometern auf holprigem Lochplattenweg erreicht man den ersten Höhepunkt der Tour: Das ehemals geteilte Dorf Mödlareuth, auch bekannt als „Klein-Berlin“. Hier verliefen Zäune und Mauer mitten durch den Ort - ausschlaggebend für den Grenzverlauf war ein winziger Bach. Ein Teil der Grenzanlagen ist noch gut erhalten: Betonsperrmauer, Beobachtungstürme, Warnschilder, Suchscheinwerfer und Hundelaufanlagen vermitteln ein eindrucksvolles Bild der lücken- und gnadenlosen Überwachung des DDR-Regimes. Das deutsch-deutsche Museum daneben zeigt historische Fotos und hält zahlreiche Informationen bereit.

Weiter geht es bergauf und bergab, am hügeligen Ufer der Saale entlang bis in den hübschen Ort Blankenstein. Hier trifft man auf einen Abschnitt des Rennsteigs - was zunächst eine längere Steigung bedeutet.

Doch dann hat man man das idyllische, saftig-grüne Hochland des thüringischen Schiefergebirges erreicht und durchquert malerische Orte wie Brennersgrün oder Lehesten, die mit ihren grau-getäfelten Schieferhäusern und pittoresken Kirchen wie kleine Freilichtmuseen wirken.

Durch ein abgelegenes Tal, das früher von der Grenze in zwei Hälften geteilt wurde, gelangt man ins bayrische Lauenstein. Hier gilt es, einen heftigen Anstieg zu überwinden, bis man sich auf Höhe der wuchtigen Burg befindet. Dahinter quert man mitten im Wald die ehemalige Grenze und folgt zwischen Tannen und dichtem Gesträuch dem ehemaligen Kolonnenweg.

Ab Tettau geht es dann flott bergab, in einem langen Taleinschnitt am Flüsschen Tettau entlang bis ins bayrische Haßlach. Auf der Weiterfahrt trifft man immer wieder auf Überbleibsel der Grenze: etwa das verlassene Hotel „Grenzgasthof“, alte Wachtürme oder den Gedenkstein für das geschleifte Dorf Liebau: Es lag wie zahlreiche andere Dörfer der DDR „zu nah“ an der Grenze und wurde vollständig abgerissen, seine Bewohner umgesiedelt.

Von Neustadt bei Coburg geht es auf Feld-, Wald- und Wiesenwegen und winzigen Sträßchen mal auf der West-, mal auf der Ost-Seite der „Grenze“ entlang. Nach einem scharfen Knick nach Süden gelangt man ins „Viereck“ des thüringischen Rodachtals: Es war zu DDR-Zeiten auf drei Seiten von der Grenze umschlossen und gehörte vollständig zum Grenzsperrgebiet. Das Zweiländermuseum Rodachtal im malerischen Streufdorf beschreibt anschaulich den Alltag im Sperrgebiet.

Aber auch die nahegelegenen Orte Bad Colberg, Heldburg und Ummerstadt lohnen mit ihren gut erhaltenen Fachwerkhäusern, Kirchen und Brunnen einen Zwischenstopp. Im bayrischen Zimmerau ragt hoch über dem Ort wie ein Ufo der 38 Meter hohen Bayernturm auf. 1966 erbaut, bot er Besuchern aus dem Westen einen eindrucksvollen Blick auf die Grenzanlagen der DDR - und auch heute lohnt sich der Aufstieg.

Anschließend radelt man gemütlich durch die leicht wellige Landschaft der thüringischen und fränkischen Vorrhön - vorbei an Kleinoden wie dem Wasserschloss Irmelshausen, dem alten Judenfriedhof bei Berkach und der Schlossruine Henneberg. Ein weiteres spannendes Freilandmuseum mit Resten der Grenzanlagen, schwarz-rot-goldenen Grenzmarkern und Warnschildern auf Westseite erwartet den Besucher bei Behrungen.

Allmählich nähert man sich den kargen Höhenzügen der Rhön. Die erste längere Steigung wartet vor Fladungen, direkt hinter dem hübschen Städtchen geht es weiter stetig bergauf. Hinter dem abgelegenen Frankenheim hat man die Bergetappe geschafft und saust hunderte Höhenmeter durch den Wald bergab, bis man das hessische Batten erreicht.

Hier ändert sich der Charakter der Landschaft schlagartig: Über 175 Kilometer folgt die Route der Ulster und später der Werra. Die Gegend ist deutlich besiedelter, die Radwege belebter, dafür gibt es so gut wie keine Steigungen zu bewältigen. Am Weg liegen zahlreiche historische Orte wie Tann vor der Rhön, Geisa oder das verschlafene Vacha, das mit seinen etwas verwitterten Bürgerhäusern fast noch wie eine Stadt zu DDR-Zeiten wirkt.

Bei Geisa sollte man unbedingt einen Stopp an der Gedenkstätte „Point Alpha“ einlegen. Hier lagen sich der ehemalige US-Militärstützpunkt und die Überwachungsanlagen der DDR direkt gegenüber, die Vergangenheit ist noch hautnah zu spüren - und im „Haus auf der Grenze“ hervorragend dokumentiert.

Stetig der Werra folgend, radelt man vorbei an unwirklich großen, weißen Kali-Hügeln, die mit ihrem Geruch die Gegend prägen. Es folgen zahlreiche historische Orte wie Creuzburg mit seiner mittelalterlichen Brücke, Treffurt mit der Burg Normannstein, Wanfried mit seinen alten Handelshäusern und schließlich das etwas größere Eschwege, dessen alter Stadtkern von weißen Fachwerkhäusern, schönen Kirchen und dem Landgrafenschloss geprägt ist.

Schließlich gelangt man in den Kurort Bad Sooden-Allendorf, der neben schöner Fachwerkarchitektur auch noch ein Gradierwerk, Kurparks und zahlreichen mondänen Hotels zu bieten hat.

Anschließend verlässt man die Werra wieder, durch eine hügelige Landschaft mit kleinen Orten geht es weiter bis ins niedersächsische Duderstadt. Hier lohnt sich ein längerer Spaziergang: Die zahlreichen Fachwerkhäuser sind mit bunten Figurengruppen verziert, der Wiedervereinigungsbrunnen symbolisiert eindrucksvoll die Unüberwindbarkeit der Grenze und vom Westerturm bietet sich ein schöner Rundblick über die ganze Stadt.

Aber auch das nahegelegene Grenzlandmuseum Eichsfeld sollte man nicht verpassen. Es ist in einer ehemaligen Grenzübergangsstelle (GüSt) untergebracht, ein Großteil der Grenzgebäude, die wuchtigen Kraftfahrzeug-Schnellsperren und die Büros der Grenzbeamten sind noch original erhalten. Passend dazu serviert der „Grenzlandgrill“ typische Ost-Gerichte wie Soljanka oder „DDR-Schnitzel“ (panierte Jagdwurstscheiben).

Nun nähert man sich einem der schönsten, aber auch anstrengendsten Abschnitten der Route: Hinter Walkenried mit seiner stimmungsvollen Klosterruine beginnt der schier endlose Anstieg in den Harz. Schließlich erreicht man den kleinen Ort Hohegeiß, quert hinüber nach Sachsen-Anhalt und radelt im leichten Bergauf und Bergab an der Harzer Schmalspurbahn entlang - vorbei an Orten mit so vielsagenden Namen wie Sorge und Elend.

Im winzigen Drei-Annen-Hohne hat man die Wahl: Entweder steigt man in die historische, kräftig rauchende Schmalspurbahn auf den Brocken oder man legt die knapp 600 Höhenmeter mit dem Rad zurück. Der Abstecher zum 1142 Meter hohen Gipfel, der zu DDR-Zeiten komplett im Grenzsperrgebiet lag, lohnt sich auf jeden Fall: Von dem kargen, windigen Hochplateau bietet sich ein weiter Rundblick, und die gepanzerten Gebäude mit ihren Kuppeln und Sendemasten, die Militär- und Abhöranlagen der Stasi enthielten, sind nach wie vor eindrucksvoll.

Anschließend rollt man in langen Serpentinen mühelos bergab bis ins historische Wernigerode oder ins hübsche Ilsenburg. Hier endet der erste Teil des deutsch-deutschen Abenteuers.

Diese Strecke ist größtenteils nicht rennradtauglich! Für Kinderanhänger ist es nicht die Strecke der Wahl, bei einem gut gefederten Anhänger und nicht allzu kleinen Kindern sind aber viele Abschnitte gut fahrbar. Dreispurige Gespanne holperfrei auf den Kolonnenwegen zu fahren, ist allerdings unmöglich, daher scheint es angeraten, diese mit Kinderanhängern zu umgehen.

Einige Etappen im Detail

  • Von Selb zum Dreiländereck: Gut gelaunt, gut gefrühstückt, bei idealem Radwetter ging es von der Übernachtung in Selb zum Dreiländereck. Das ist der südlichste Punkt des Grünen Bands: hier treffen sich die Bundesländer Bayern und Sachsen sowie die tschechische Republik.
  • Erste Etappe: Diese erste Etappe war ein recht sanfter Einstieg über knapp 60 Km. Die Strecke führt am alten Grenzbahnhof Gutenfürst, dem ehemals geteilten „Klein-Berlin“ oder Mödlareuth vorbei.
  • Etappe nach Probstzella: Nach einem gemütlichen Abend im neu gemachten Sauna-Bereich des Staatsbades, einer erquicklichen Nacht und einem guten Frühstück ging es am nächsten Morgen - bei Sonnenschein und trotzdem frischen Temperaturen - Richtung Norden weiter. Das Ziel dieser Etappe hieß: Probstzella - Bauhaus-Geschichte in der thüringischen Pampa. Ein Highlight zwischendurch ist der historische Schieferabbau in Lehesten und nicht weit davon entfernt eine sehr traurige Mahnung aus der Zeit des deutschen Faschismus: das KZ-Außenlager Laura. Zum guten Ende: nach Probstzella geht es von 630m NN auf 360m NN herunter.
  • Richtung Thüringer Wald: Also raus aus dem Thüringer Wald - rein in den Frankenwald. In Veilsdorf war der Thüringer Wald Geschichte und ich radelte sehr entspannt über eine hügelige Landschaft bis Zimmerau.
  • Etappe nach Geisa: Diese Etappe führte mich nach einer fürchterlichen Nacht (Ibuprofen sei Dank!), jedoch mit interessanten Gesprächen durchs Ulstertal nach Geisa und damit auch zum Point Alpha. Diese Stelle war im Kalten Krieg ein strategisch wichtiger Punkt zwischen Ost und West. Nach NATO-Überlegungen hätte nämlich nur hier der „Russe“ mit seiner riesigen Panzertruppe in den freien Westen durchbrechen können.
  • Entlang der Werra: Von der Ulster an die Werra: eine Landschaft, die durch die großen Kaliabraumhalden geprägt wird. Monte Kali ist weithin sichtbar. Vacha, ein kleines, mittelalterliches Städtchen wurde durch die „Brücke der Einheit“ und das Grüne Ampelmännchen bekannt. In der Stadt Heringen ist K+S Kali zuhause. Im kleinen Hörschel an der Werra beginnt der Rennsteig. Und für den Radfahrer ist eine Etappe entlang eines Flusses meistens eine sehr erholsame Sache.
  • Creuzburg: „Faulsein in Creuzburg“ so lautete die Überschrift. Das Motto war wirklich Programm. Das Fahrrad blieb im Rad-Schuppen und wir nutzten die Zeit für eine ausgedehnte Erkundung mit dem Auto. Schon Creuzburg ist recht pittoresk, die bekannte Liboriuskapelle aus dem 15. Jahrhundert an der alten Werrabrücke, Treffurt, Mühlhausen - das sind alles Orte mit viel Geschichte und Vergangenheit.
  • Schifflersgrund: Dieses Teilstück hatte es wieder mächtig in sich. Erst der gemütliche Einstieg an der Werra entlang - nebenbei bemerkt: ich hätte einfach bis Bad Sooden gemächlich weiterradeln können. Aber ich wollte mir unbedingt das Grenzmuseum Schifflersgrund, die berühmte Agentenröhre und die Burgruine Altenstein anschauen. Kurz gesagt: alle diese Orte habe ich nicht erreicht, dafür auch ein tolles, wildes und waghalsiges Stück vom Grünen Band - wenn auch nicht beabsichtigt - erlebt.
  • Volkerode und Hessische Schweiz: Bei Volkerode (im Osten) oder in der Hessischen Schweiz (im Westen) findet man einen wunderschönen Abschnitt des Grünen Bands - wie aus dem Lehrbuch vom BUND. Eine breite Schneise, Magerwiesen, der alte Plattenweg bis zum Horizont - und Einsamkeit pur.
  • Friedland und Teistungen: Ich hatte mir einige spannende Besichtigungspunkte auf den Zettel geschrieben, auch hier: weniger ist mehr, denn es wurde ein recht stressiger Tag. Die Burg Hanstein liegt praktisch noch in Sichtweite der Werra und hat eine sehr wechselhafte Geschichte. Danach bin ich bald nach Friedland abgebogen, das liegt nicht unmittelbar am Grünen Band, aber beschreibt die Wirren und das menschliche Leid im Nachkriegs-Deutschland sehr anschaulich. Außerdem eine sehr berührende Ausstellung über Migration und Fluchtursachen. Kurz vorm Ende des Tages dann noch das Grenzmuseum in Teistungen - mit einer neu aufgebauten Ausstellung und einem ausgedehnten Besichtigungsareal.
  • Sülzhayn: Die Etappe nach Sülzhayn zog sich länger als geplant, weil ich mich einmal bei Rhumspringe (nahe der Rhume-Quelle) trotz Komoot kräftig verfahren hatte. Besonders gefallen haben mir drei Besichtigungsorte: das West-Östliche Tor bei Duderstadt, das Gut Herbigshagen der Sielmann Stiftung und das ehemalige Kloster Walkenried.
  • Brocken: Das war die Etappe der Schmerzen: Blut, Schweiß und Tränen - na, ich übertreibe maßlos. Dennoch war diese Etappe aufgrund der vielen Höhenmeter kräftezehrend. Der Aufstieg zum Brocken zog sich, nicht zuletzt weil ich die Planung der Streckenführung zu dilettantisch angegangen war.
  • Goslar: Ich war am frühen Abend sehr froh, in Bad Harzburg ein Schild „Bahnhof“ zu finden, diesem nachzufahren und 20 Minuten später im Zug nach Goslar zu sitzen - dort war mein heutiges Etappenziel. Die kurze Zugfahrt von Bad Harzburg nach Goslar hatte mich begeistert, zunächst bis Wolfenbüttel mit der Bahn zu fahren, um von dort aufs Grüne Band zurückzugelangen. Das klappte gut und ich konnte vor mich hin träumend die flache Landschaft betrachten.
  • Hötensleben und Schöningen: Es gibt auf dieser Etappe wenig echte Highlights oder beachtenswerte Landmarken. Zwei, drei möchte ich nennen: das Freiland-Museum Hötensleben, den aufgegebenen Tagebau in Schöningen und unweit davon das paläon-Museum. Wenn man die A2 überquert, sollte man sich auch den ehemaligen Grenzübergang Helmstedt/Marienborn anschauen.
  • Gardelegen: Die Gedenkstätte in Gardelegen wurde im bereits 1945 an der Stelle eingerichtet, wo mindestens 1.100 KZ-Häftlinge auf einem der Todesmärsche brutal in eine Scheune gesperrt und bei dem absichtlich gelegten Brand der SS-Wachmannschaften bestialisch umgebracht wurden. Kurze Zeit später trafen die US-amerikanischen Truppen ein und konnten noch viele der Verantwortlichen festsetzen. Ebenso musste die Gardelegener Bevölkerung die Toten ordentlich bestatten, darüber hinaus wurde festgelegt, dass die Gräber dauerhaft durch die Bevölkerung gepflegt werden mussten.
  • Binde und Schnackenburg: Anschließend habe ich noch eine alte Freundin aus Berlin getroffen, die gemeinsam mit mir drei Tage radeln wollte. Das abendliche Ziel lag diesmal in Binde, also kurz vorm Arendsee. Jürgen Starck hat dort seit einiger Zeit den Haselnusshof - im Garten eine kleine Villa. Von Binde war es nur ein kurzes Stück - durch Plantagen-Wälder und ausgedehnte Ackerwiesen - um Schnackenburg an der Elbe zu erreichen.
  • Elberadweg: Einmal auf dem Elberadweg angekommen, ist die Richtung klar: immer nach Norden und Obacht geben , dass einen kein anderer Radler (oder Radlergruppen) über den Haufen fährt. Also, Verfahren konnten wir uns hier nicht, denn es ging nach der Übernachtung in Lenzerwische immer weiter an der Elbe entlang. Hier erwischten wir den ersten richtigen Regentag auf der Tour: wir starteten bei heftigem Regen vom Landhaus hinter dem Elbdamm über Dömitz (schöne Festung) bis zur kurzzeitig berühmten Dorfrepublik Rüterberg. Zum Glück hatte es sich dann für diesen Tag ausgeregnet.
  • Boizenburg: In Boizenburg haben wir den Elberadweg Richtung nach Norden verlassen. Landschaftlich gibt es nicht viel Abwechslung - es ist halt platt.
  • Langenlehsten und Ratzeburg: Am Morgen fuhren wir ein kleines Stück zurück, denn einige Kilometer von Langenlehsten entfernt liegt die Stelle, wo Michael Gartenschläger bei der Demontage einer Selbstschussanlage von DDR-Spezialkräften 1976 erschossen wurde. Anschließend ging es durchs Unterholz auf den Kolonnenweg zurück, am Schaalsee und dem bekannten Kloster Himmelspforte vorbei bis zur überaus nervigen B208 nach Ratzeburg hinein. Hier gab es im Hotel Seehof - unmittelbar am Küchensee gelegen - bei Kaffee und Kuchen einen herzlichen Abschied, denn meine Freundin Barbara fuhr mit dem Zug nach Berlin zurück.
  • Letzte Etappe zur Ostsee: Natürlich tue ich den Menschen, die dort leben Unrecht, aber die Gegend dieser letzten Kilometer bis zur Ostsee sind recht langweilig: Landwirtschaft, Wälder, viel Autoverkehr - nichts, was zu den Highlights meiner 1.200 Km Tour zählen würde.

Überreste der DDR-Grenzanlagen

Auf dem Foto sind die ehemaligen Grenzanlagen der DDR zu sehen: Doppelter Streckmetallzaun, Überwachungsbunker, KFZ-Sperrgraben, Wachturm. 30 Jahre nach Ende der deutsch-deutschen Teilung wirken die Relikte aus DDR-Zeiten unwirklich. Doch die jüngste Geschichte ist hier, an der 1400 Kilometer langen deutsch-deutschen Grenze, noch überraschend nah.

„Ist das ein Hochsicherheitsgefängnis?“ Die Frage eines ausländischen Freundes sagt eigentlich schon alles.

Zu dieser Zeit war die Grenze ein hochkomplexes Sicherheitssystem aus Streckmetall- und Signalzäunen, teilweise Sichtschutzmauern, Sperrstreifen, Wachtürmen, Hundelaufanlagen, Bodenminen und Selbstschussanlagen.

An der Stelle der heutigen Gedenkstelle Grenzanlage Stresow befand sich das Dorf Stresow, dessen Bewohner von den DDR-Behörden ab 1952 zwangsausgesiedelt wurden, um Platz für die Grenzsicherungsanlagen zu schaffen. 1974 war diese Umsiedlung abgeschlossen und die Reste des Dorfes wurden komplett abgerissen. Heute befindet sich hier ein Grenzsicherungsstreifens mit Zaun, Bodenbeobachtungsbunkern, KFZ-Sperrgraben etc.

Das Grüne Band als Naturschutzgebiet

Das Grüne Band ist ein einzigartiger Verbund aus Erinnerungslandschaft und Naturschutzgebiet. Die militärisch bewachte Grenze war bis 1989 dazu da, Menschen mit Gewalt am Verlassen der DDR zu hindern. Es gab Todesopfer und Verletzte. Gleichzeitig war sie ein Ort, den Menschen nicht betreten konnten. Dadurch entwickelte sich dort eine außergewöhnliche Artenvielfalt. Dieser Widerspruch eines einst tödlichen Grenzregimes und eines sich daraus entwickelten Rückzugsortes für Tiere und Pflanzen ist das, was das Grüne Band ausmacht.

Empfehlungen und Tipps

Es sei darauf hingewiesen, dass der Kolonnenweg entlang der ehemaligen Grenze an vielen Stellen nicht mehr befahrbar ist oder befahren werden sollte, da vielerorts Wildschutzgebiete am Grünen Band eingerichtet wurde. Soweit der Kolonnenweg aber noch befahrbar ist, wurde damit begonnen, diese Abschnitte mit in den Streckenverlauf aufzunehmen.

Mit dem hier vorliegenden Track und der entsprechenden Streckenbeschreibung wird versucht, einen möglichst grenznahen Verlauf einer Srecke zu dokumentieren, die auch mit Rädern mit normaler Tourenbereifung gut gefahren werden kann.

Auch gibt es unterschiedliche Konzepte für den Verlauf des Radweges, die Ausschilderung Grünes Band Deutschland, soweit schon vorhanden (z.B. nördlich des Harzes und an der Elbe), und der ebenfalls viel beworbene Radweg Eiserner Vorhang sind nicht immer identisch.

Hier eine Tabelle mit einigen Etappenorten und Übernachtungsmöglichkeiten:

Ort Übernachtungsmöglichkeit
Hof Hotel Akropolis Pension
Blankenstein Café & Pension Am Rennsteig
Haig Landgasthof Detsch
Bad Colberg Landgasthof zum Seysingshof
Heringen Pension am Werraufer
Bad Sooden-Allendorf Hotel Pension Haus Erika
Drübeck Landhaus Tonmühle

Beste Reisezeit: Gute Jahreszeiten für diese Radtour sind der Frühling, Sommer und Herbst, etwa von April oder Mai bis September oder Oktober.

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