Flussradwege sind immer mal wieder eine tolle Option, wenn man aktiv unterwegs sein möchte. Vom 13. bis 16. September 2018 sollte es für uns durch die Flusslandschaften von Moldau und Elbe gehen.
Anreise und erster Tag in Prag
Mit dem Zug fuhren wir am Donnerstag nach Prag (EC 171, vorherige Platzreservierung notwendig inkl. internationale Fahrradkarte, Ankunft 11.24 Uhr). Im gebuchten Garni-Hotel in der Prager Altstadt stellten wir die Räder unter und starteten gleich unsere Erkundungstour zu Fuß - über den Altstadtplatz, die Karlsbrücke, die Prager Burg und das Goldene Gässchen. Zwischendurch ließen wir uns Kaffeespezialitäten schmecken und probierten auch die knusprigen Zucker-Zimt-Kringel mit dem Zungenbrecher-Namen „Trdelník”, der original aus Siebenbürgen stammt. Wir genossen den Teigzylinder auch mal mit Vanilleeis gefüllt! Am Abend kehrten wir in ein gemütliches Altstadtlokal ein, wo wir natürlich Knödel zu Gulasch und Kraut sowie tschechisches Bier bestellten.Kultureller Genuss am Abend
Zuvor allerdings gab es noch einen kulturellen Genuss - ein Konzert in der St. Clement-Kirche: Bei unserem Nachmittagsbummel wurden wir an mehreren Kirchen auf Konzerte mit „Hits“ aus klassischen Werken aufmerksam gemacht, und spontan hatten wir Karten für eines dieser einstündigen Konzerte gekauft - und das nicht bereut! Genau so wenig wie unseren Spaziergang über die nächtliche Karlsbrücke - dort verkauften die Künstler immer noch ihre Bilder - mit dem Blick auf den angestrahlten Hradschin. Die Geschäfte waren um 23 Uhr noch geöffnet, und die vielen Menschen auf den Plätzen und in den engen Gassen verbreiteten eine ansteckende Fröhlichkeit! Also nochmal in einen Biergarten, wo sogar ein Gitarrenspieler live für Unterhaltung sorgte.Die erste Etappe: Prag nach Štětí
Am nächsten Tag stand uns mit reichlich 85 km die längste Etappe von Prag bis Štětí bevor. In Prag folgten wir der Empfehlung des bikeline-Radtourenbuches „Elbe-Radweg, Teil 1“ (Ausgabe 2014), die am rechten Moldau-Ufer entlang führt, etwas länger als die Hauptroute, dafür aber fast verkehrsfrei ist. Kurz vor dem Zoo stießen wir wieder auf Hauptroute des Moldauradweges, der sehr gut ausgeschildert ist (A2) und sich gut fahren ließ, auch ohne streckenweise Asphaltierung. Im stilvollen Restaurant KOTVA in Kralupy, direkt an der Moldau, stärkten wir uns zur Mittagszeit (sehr lecker!).Abweichungen und Alternativrouten
In Bukol überquerten wir die Moldau mit der Fähre und fuhren dann am linken Ufer der Moldau entlang (abweichend von der rechtsseitigen Hauptroute und lt. Empfehlung von bikeline). Da die Melniker Brücke gesperrt war, brachte uns eine Fähre kostenfrei an das rechte Elbufer, wo wir der Altstadt Melniks einen Kurzbesuch abstatten wollten. Nach der Überquerung der nächsten Brücke fuhren wir auf der linken Elbseite weiter. Inzwischen war es nach 19 Uhr und die Fahrradbeleuchtung wies uns den Weg auf dem tadellos ausgebauten Elberadweg bis zur Stadt Štětí. Unser Hotel (Sporthotel Skif Labe Arena Racice) bot uns eine komfortable Übernachtung.Zweite Etappe: Štětí nach Svadov
Der nächste Tag hatte den Ort Svadov kurz nach Ústí nad Labem zum Ziel. Wir blieben auf der linken Elbseite (keine Brückenüberfahrt in Roudnice nad Labem) als ruhigere Alternative zur Hauptroute. In Theresienstadt fehlte uns die Zeit zum Besuch der Gedenkstätte. An diesem Ort ließen die Nazis im November 1944 die Asche von 22.000 jüdischen Opfern aus dem Ghetto Theresienstadt in die Ohre werfen.Weinfest in Litoměřice
Nach der Brückenüberquerung streiften wir zu Fuß mit den Rädern über den Marktplatz von Litoměřice - auch hier steppte der Bär! Das hiesige Weinfest mit handwerklichem Jahrmarkt, Gesang, Tanz und Ritterturnier, mit Buden und Bühnen auf dem ganzen Platz war ganz bestimmt einen längeren Besuch wert. Wir fuhren weiter auf der rechten Elbseite, wo wir auf das Weingut „Mikulenkovi“ in Velké Žernoseky stießen und einkehrten (leckerer Zweigelt, zwei Flaschen mitgenommen, Essen: u. a. Palatschinken mit Frischkäse- und Schinkenspeckfüllung, Gulaschsuppe).Böhmisches Tor und Schleusenanlage in Strekov
Leider verpassten wir das „Porta Bohemica“, den engen Eintritt der Elbe am Ende des Böhmischen Beckens ins Böhmische Mittelgebirge. Mit dem Blick auf die 100 m über uns thronende Burgruine Schreckenstein überquerten wir die Schleusenanlage in Strekov. Weiter ging es rechtselbisch, an der markanten modernen Brücke Dr.-E.-Beneše vorbei, ohne Stopp in der Stadt Ústí nad Labem auf der linken Elbseite. Nach einer nochmaligen Einkehr in einem Biergarten direkt an der Elbe erreichten wir Svadov. Unsere Pension unweit des Elberadweges war gut ausgeschildert (Penzion Stara Fara Svadov).Kulinarische Entdeckung in Svadov
So empfahl er uns für das Abendessen eine wenige Gehminuten entfernte Gaststätte („sieht ein bisschen komisch von außen aus, aber drinnen alles in Ordnung, Essen schmeckt, immer zufriedene Gäste“). Und tatsächlich: Ohne seinen Hinweis hätten wir dieses Haus nie betreten, waren dann aber überrascht, wie neu und gemütlich drinnen alles war - im Gegensatz zum sanierungsbedürftigen äußeren Erscheinungsbild.Die letzte Etappe: Svadov nach Schöna
Die letzte Etappe unseres verlängerten Wochenendausfluges - etwa 35 km bis Schöna - sah den ersten Stopp in Velké Březno am Schloss Velké Březno vor. Hier spazierten wir durch die englische Parkanlage mit seltenen Bäumen und Sträuchern. Im Brückenrestaurant in Decin legten wir eine Trinkpause ein.Böhmische Schweiz und Grenzübergang
Nun wechselten wir die Elbseiten: Auf unserer linkselbischen Weiterfahrt hatten wir eine großartige Sicht auf die Sandsteinfelsen der Böhmischen Schweiz entlang des rechten Elbufers. Kurz vor dem Grenzübergang nach Deutschland kehrten wir in Dolní Žleb in das Restaurant „Dolny Grund“ mit Blick auf die Elbe ein (sehr empfehlenswert). Nun waren es noch 5 km bis Schöna, wo wir den Zug in Richtung Dresden bestiegen.Fazit
Es war eine landschaftlich sehr reizvolle und abwechslungsreiche Radtour, die Erlebnispotential für ein bis zwei Tage mehr bot. So ergab das zur Verfügung stehende Zeitbudget Tagesetappen, die kaum Zeit für Besichtigungen ließen und teilweise eine körperliche Herausforderung bildeten, insbesondere die 85 km lange Strecke von Prag bis Racice. So nahm sich wohl jedes Paar vor, wenigstens den Elberadweg von Melnik bis Dresden nochmals zu befahren. Die Radwege in Tschechien sind sehr gut ausgebaut und beschildert, nur das Elberadwegslogo haben wir nirgends entdeckt. Die Tschechen sind herzlich und hilfsbereit, die Verständigung in deutscher oder englischer Sprache klappte gut.Weitere Reiseberichte und Tipps
Viele Radfahrer haben ihre Erfahrungen auf dem Moldau- und Elberadweg geteilt. Hier sind einige wertvolle Hinweise:* **Anreise:** Einige empfehlen die Anreise über Regensburg und den Regen-Radweg. Eine Alternative ist der Start in Linz mit Torte im Gepäck.* **Route:** Es gibt verschiedene Routenoptionen, sowohl entlang der Moldau als auch der Elbe. Die Süd-West-Route am Lipno-Stausee wird als verkehrsarm und flacher beschrieben.* **Unterkünfte:** Besonders im August empfiehlt es sich, Unterkünfte im Voraus zu buchen.* **Beschilderung:** Die Radwege sind in Tschechien gut ausgeschildert, oft mit Nummern versehen.* **Sehenswürdigkeiten:** Český Krumlov, Prag und die Böhmische Schweiz sind Höhepunkte der Tour.Moldau-Radweg: Mehr als nur ein Flussradweg
Der "Moldau-Radweg" ist eigentlich eine Wortschöpfung und eine Verknüpfung mehrerer lokaler Abschnitte. Es ist kein klassischer Fluss-Radweg, sondern führt oft hügelig auf und ab über die Dörfer.Tipps für den Moldau-Radweg:
1. Fahr stromaufwärts.2. Studiere dein Kartenmaterial genau.Tabelle: Etappen und Übernachtungen
| Etappe | Strecke (ca.) | Übernachtung || :------------------------- | :----------- | :------------------------------------------- || Prag - Štětí | 85 km | Sporthotel Skif Labe Arena Racice || Štětí - Svadov | 50 km | Penzion Stara Fara Svadov || Svadov - Schöna | 35 km | |Diese Tabelle bietet einen Überblick über die einzelnen Etappen unserer Radtour und die gewählten Unterkünfte.
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