Radweg Peru: Anforderungen und Hintergründe der deutschen Entwicklungspolitik

Im Internet kursieren Falschinformationen und Missverständnisse zur deutschen Entwicklungspolitik. Eine häufige Frage ist, ob Deutschland für Fahrradwege in Peru zahlt.

Fahrradwege in Lima: Ein Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung

Das BMZ unterstützt mit einem im Jahr 2020 zugesagten Zuschuss in Höhe von 20 Millionen Euro den Aufbau eines Fahrradschnellwegenetzes in Lima, das sich derzeit im Bau befindet.

In Peru wird das Fahrrad bisher kaum als öffentliches Verkehrsmittel genutzt und selbst in der Hauptstadt Lima gibt es nur vereinzelt Radwege. Bisher gibt es aber auf Zentralebene keinen "Sponsor", der den Ausbau der Fahrradinfrastruktur unterstützt und die Lokalregierungen sind ohne Unterstützung bei dessen Planung und Finanzierung überfordert.

Ziel des Vorhabens ist es daher, Peru bei der Strukturierung und Umsetzung eines öffentlichen Investitionsvorhabens zu unterstützen, welches das Fahrrad als alternatives öffentliches Verkehrsmittel etabliert. Das Fahrradnetz insbesondere in Lima soll vervollständigt und intermodale Schnittstellen zu Metro/Schnellbussystem hergestellt werden. Der Anteil des nicht motorisierten Verkehrs soll so erhöht und die öffentliche Wahrnehmung bezüglich angepassten alternativen Verkehrsformen gestärkt werden.

Geplante Maßnahmen sind u.a. die Planung für den Aufbau eines integrierten Fahrradnetzes, Finanzierung von Feasibility-Studien für einzelne Radwegabschnitte und Investitionsfinanzierung zur Vervollständigung des Netzes in Lima.

Die breitangelegte Nutzung von Fahrrädern als Verkehrsmittel hat erhebliche positive Auswirkungen auf die Klimaziele Perus und steht im Einklang mit einer Reform des öffentlichen Nahverkehrs in Peru. Zudem wird das Projekt eine umfassende Multiplikatorwirkung entfalten.

Das geplante FZ-Vorhaben sieht einen FZ-Zuschuss i.H.v. EUR 20 Mio. an die Stadt Lima als Projektträger vor.

Ergänzende Projekte

Das DKTI Projekt wird inhaltlich folgende andere FZ-Vorhaben ergänzen:

  • NAMA-PBL (Policy Based Lending) zu urbaner Mobilität, welcher Politikreformen im Bereich des ÖPNVs und Transportsektors strukturiert und unterstützt
  • DKTI-Vorhaben: Aufbau von ÖPNV-Systemen in ausgewählten Städten
  • Investitionsvorhaben zur Teilfinanzierung der Metrolinie 2 in Lima

Umwelt- und Sozialverträglichkeit

Das Projekt besteht aus dem Ausbau eines Radwegenetzes im Metropolbereich Lima, Peru. Hierdurch werden 36 Einzelbauvorhaben in bestehenden Verkehrsflächen finanziert. Aufgrund typischer möglicher moderater negativer Auswirkungen auf die Umwelt und die soziale Belange, die mit Standardverfahren gesteuert und gemindert werden können, wurde das Projekt in die Umwelt- und Sozialrisikokategorie "B" eingestuft.

Bei der Ausarbeitung des Projektes wurden Interessengruppen einbezogen, und als Ergebnis einige Strecken neu geplant, um die negativen Auswirkungen auf die Anwohner zu verringern. Eine Sensibilisierungskampagne ist ebenfalls vorgesehen.

Jedes Einzelbauvorhaben erhält einen spezifischen Umwelt- und Sozialmanagementplan, mit dem mögliche Auswirkungen gesteuert, vermieden oder gemindert werden. Diese Pläne werden basierend auf den Ergebnissen der USVP der KfW und anhand des mit dem Projektträge vereinbarten Environmental and Social Commitment Plan (ESCP) um relevante Punkte ergänzt, u.a. Einführung eines Beschwerdemechanismus für Arbeiter und Arbeiterinnen und andere vom Projekt betroffene oder interessierte Menschen; Erfassung und Maßnahmen zur Steuerung und Kompensation von potentiellen Auswirkungen auf betroffene Bäume und der Einschränkung von formellen und informellen Erwerbstätigkeiten durch den Bau und Betrieb der Fahrradwege.

Das Design der Fahrradwege wird genau geprüft, um eine maximale Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Ein Implementierungsconsultant unterstützt den Partner bei der Projektumsetzung, sodass diese Themen ordnungsgemäß abgedeckt, vorbereitet, umgesetzt und gemonitort werden.

Klimaschutz in Peru

Klimaschutz ist in Peru von ebenso großer Relevanz wie die Anpassung an den Klimawandel. Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist es, durch strategische, sektorübergreifende Zusammenarbeit klimapolitische Reformen zu ermöglichen.

Peru gehört laut Klima-Risiko-Index zu den 50 am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffenen Ländern. Das Land verfügt über eine besonders reiche Artenvielfalt und leistet als zweitgrößter Amazonas-Anrainer einen wichtigen Beitrag zur globalen Minderung von Treibhausgasen. Im Januar 2022 hat die peruanische Regierung eine nationale Erklärung zum Klimanotstand verabschiedet. Demnach sind dringende Maßnahmen erforderlich, um die nationalen Klimaschutzziele bis 2030 verwirklichen zu können.

Seit November 2022 besteht eine Klima- und Entwicklungspartnerschaft zwischen Deutschland und Peru. Unter ihrem Dach begleiten und unterstützen das BMZ, das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, das Auswärtige Amt sowie das Bundesumweltministerium Peru bei der Umsetzung und Erweiterung seiner nationalen Klimaziele.

Darüber hinaus unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit den Erhalt und die Wiederherstellung von Ökosystemen durch eine klimaresiliente und nachhaltige lokale Landwirtschaft.

Nachhaltige Stadtentwicklung

Die Zahl der Stadtbewohner wächst in Peru seit Jahrzehnten stark. Heute leben rund 79 Prozent der Peruanerinnen und Peruaner in Städten, fast ein Drittel der Bevölkerung wohnt im Großraum der Hauptstadt Lima (rund zehn Millionen Einwohnerinnen und Einwohner).

Die deutsch-peruanische Zusammenarbeit im Bereich nachhaltige Stadtentwicklung arbeitet daran, vor dem Hintergrund des Klimawandels die Versorgung der wachsenden städtischen Bevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen nachhaltig zu sichern.

Deutsche Expertinnen und Experten beraten Ministerien und Stadtverwaltungen in Peru dabei, wie sie die Anforderungen nationaler Klimastrategien in Verkehrskonzepte umsetzen können - weg von der Dominanz des motorisierten Individualverkehrs, hin zu einem leistungsfähigen, sichereren, barrierefreien und zugleich klima- und umweltfreundlichen Stadtverkehr.

Im Auftrag des BMZ unterstützt dazu zum Beispiel die KfW Entwicklungsbank im Rahmen der finanziellen Zusammenarbeit den Ausbau von Systemen des öffentlichen Personennahverkehrs in ausgewählten Städten sowie den Ausbau von Fahrradwegenetzen.

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