Radweg Wesel-Datteln-Kanal: Eine Entdeckungsreise entlang historischer Wasserwege

Der Wesel-Datteln-Kanal ist eine Bundeswasserstraße, die vom Rhein bei Wesel bis zum Kanalknotenpunkt in Datteln führt und zu den meistbefahrenen Wasserstraßen Deutschlands gehört.

Der Kanalradweg startet in den Häfen südlich von Wesel und dem renaturierten Lippemündungsdelta. Am Kanal entlang führt die Tour Richtung Osten. An Hünxe und Gahlen vorbei ist Dorsten die nächste größere Stadt. Das kleine Dorf Flaesheim liegt mit Blick nach Süden vor dem riesigen Waldgebiet der Haard, die zum Naturpark Hohemark gehört. Auf der nördlichen Kanalseite führt die Route bis nach Datteln.

Bei Datteln kommen verschiedene Kanäle zusammen und bilden hier den größten Wasserknotenpunkt der Welt. Wegweiser, Knotenpunktnummer und Infotafel erleichtern die Orientierung an den Radwegen - wie hier nahe Lippholthausen.

Von der Lippe zum Kanal

Vom Parkplatz P4 in Dorsten aus folgen Sie den Radschildern Schermbeck/Lippefähre an der Nordostecke des Parkplatzes. Gleich danach überqueren Sie den Wesel-Datteln-Kanal auf einer Eisenbrücke, die für alle mit Höhenangst zu Problemen führen kann. Eine Alternative ist die Verkehrsbrücke etwa 350 Meter weiter westlich.

Nach der Überquerung des Kanals folgen Sie dem Südufer der Lippe. Auf dem Lippedeich mit herrlichem Blick auf den Fluss radeln Sie stromabwärts Richtung Fähre. Fast unauffällig wechselt der Radweg von der Lippe zum Wesel-Datteln-Kanal. Der Fluss und der Kanal scheinen sich hier fast zu berühren. Der Kanal verläuft parallel zur Lippe, an vielen Stellen nur getrennt vom Uferweg und einem schmalen Streifen Natur. Die Wasserstraße wurde am Beginn der Planung und der ersten Bauphase denn auch als Lippeseitenkanal bezeichnet. Der rund 60 Kilometer lange Kanal ist eine der wichtigsten Wasserstraßen im Ruhrgebiet, wurde mit Unterbrechungen zwischen 1915 und 1930 erbaut, ab 1966 mehrmals ausgebaut und verbindet den Rhein mit dem Dortmund-Ems-Kanal.

Die nette Lippefähre Baldur lassen Sie rechts liegen und folgen weiter dem teils schattigen Uferweg am Kanal entlang. Der Biergarten anne Bänke ist eine beliebte Adresse für einen ersten Zwischenstopp, seine Lage direkt am Kanal ist einfach wunderschön.

Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke

Schloss Gartrop

Die Route bleibt dem Nord­ufer des Kanals treu. Immer wieder kommen imposante Frachtschiffe entgegen, die scheinbar mühelos durch das Wasser gleiten. Bevor Sie bei Hünxe zum anderen Ufer wechseln, verlassen Sie den Kanal für einen Abstecher auf dem Römer-Lippe-Radweg zum eleganten Wasserschloss Gartrop, das Mitte des 14. Jahrhunderts erstmals als Burg nachweislich erwähnt wurde. Die alte Bausubstanz ist heute noch im Nordflügel des Schlosses erhalten.

Im 16. Jahrhundert wurde das Burghaus mit zwei Flügeln erweitert und mit einer Mauer samt Tor abgeschlossen. Nach einer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wurde ab Mitte des 17. Jahrhunderts das Anwesen als Schloss im Barockstil neu errichtet. Nach mehreren Umbauten und Erweiterungen im 18. Jahrhundert wurde Mitte der 1990er-Jahre das Schloss notgedrungen restauriert, verfiel aber ab 1998 immer mehr. Erst 2005 wurde ein neuer Besitzer gefunden, der Schritt für Schritt mit der Renovierung begann.

Heute befinden sich auf dem Anwesen ein Hotel, Veranstaltungsräume, ein Landgasthof und eine Kapelle, die für Hochzeiten zur Verfügung steht. Das Anwesen bleibt für Nichtgäste leider verschlossen, lediglich der Landgasthof Edgar & Elisabeth ist zugänglich. Zum Gelände gehört auch eine kleine, hübsche Wassermühle am Zufahrtsweg zum Schloss.

Von Hünxe retour

Ab dem Schloss immer dem Römer-Lippe-Radweg folgend gelangen Sie bei der Kanalbrücke zum Knotenpunkt 68. Hier überqueren Sie den Kanal und radeln am anderen Ufer wieder zum Wasser hinunter, bevor es Richtung Dorsten zurückgeht. Bei der Hünxener Schleuse lohnt es sich, kurz anzuhalten, um den Vorgang in den beiden Schleusenkammern zu beobachten. Immer wieder interessant, wie die Schiffe durch Wasserkraft gehoben bzw. gesenkt werden.

Felder, Alleen und Wald begleiten schließlich die Tour am Wesel-Datteln-Kanal auf dem Rückweg, der auch am Naturschutzgebiet Gartroper Mühlenbach entlangführt. Kurz nach Gahlen steht direkt am Radweg ein richtiger Hingucker: Die Säule aus Stahlgitter ist gefühlt mit Kohle und verweist auf die Geschichte der Region. Errichtet wurde das außergewöhnliche Kunstwerk am ehemaligen Gahlischen Kohlenweg, worüber eine Tafel informiert.

Der Wasserknotenpunkt Datteln

Der Start an der Schleuse Ahsen ist bereits beeindruckend. Sie radeln schon wenige Meter nach dem Parkplatz über die Schleuse mit freiem Blick auf den Schiffsverkehr und den Schleusenvorgang und folgen am anderen Ufer nach rechts dem Kiesweg auf dem Deich. Die schöne Strecke mit weiten Aussichten über Felder und Wiesen einerseits und den Wesel-Datteln-Kanal andererseits führt zur nächsten Schleuse bei Datteln. Hier geht es geradeaus weiter am Dattelner Meer. Das Wasser der verschiedenen Kanäle breitet sich am Knotenpunkt weit aus.

Sie erreichen in einem Bogen nach links den Dortmund-Ems-Kanal, den Sie aber bei der neuen Brücke gleich wieder nach links verlassen. Nun setzen Sie die Tour auf dem schattigen Radweg am linken Ufer der beschaulichen Alten Fahrt fort.

Alte Fahrt

Die Alte Fahrt ist ein stillgelegter Teil des Dortmund-Ems-Kanals. Beeindruckend ist die denkmalgeschützte, von drei Bögen getragene Kanalbrücke rund 18 Meter über der idyllischen Lippe. Sie ist ein wahres Meisterwerk der Ingenieurskunst. Der Radweg verläuft direkt über die 70 Meter lange Brücke.

Kurze Zeit später weist der Radwegweiser Sie nach rechts über die Alte Fahrt auf eine ruhige Nebenstraße in Richtung Bork. Die Route begegnet erneut der Lippe, unterquert die moderne Kanalbrücke des Dortmund-Ems-Kanals und führt dann nach Vinnum. Der Ort liegt bereits im Münsterland und auf der Fahrt nach Bork sind am Horizont die höchsten Erhebungen des Münsterlands, die Baumberge, sichtbar.

Zur Lippeaue

Getreide und Maisfelder begleiten ab nun die Route weiter nach Bork. Sie radeln geradeaus ins Ortszentrum hinein und biegen nach der Kirche rechts auf die breite Fahrradstraße Richtung Lünen ein. Nun folgen Sie den Radschildern durch den Ort, unterqueren die Gleise und biegen kurz danach links nach Lünen ab. Dem separaten Radweg entlang der Landstraße folgen Sie bis ins beschauliche Alstedde.

Bei der Kreuzung am Ortsrand halten Sie sich rechts Richtung Lippholthausen und lassen den Verkehr hinter sich. Kurz darauf erreichen Sie das Naturschutzgebiet Lippeaue. Die wunderschöne Auenlandschaft und der Fischaufstieg in der Lippe bieten Ruhe und Natur pur - ein schöner Platz, um eine Pause einzulegen. Zudem informieren Tafeln über die Geschichte und den Werdegang der Region. Sie überqueren danach die Lippe auf einer Radbrücke, die als Bindeglied zwischen dem Naturschutz am einen und der Industrielandschaft am anderen Ufer fungiert.

Geradeaus gelangen Sie zum Radknotenpunkt 25, wo Sie die stark frequentierte Ortsdurchfahrt überqueren und so zur Schlossmühle Buddenburg kommen. Die 250 Jahre alte Fachwerkmühle ist wunderschön restauriert und dient heute als Standesamt.

An drei Kanälen

Von der Schlossmühle radeln Sie weiter Richtung Brambauer auf einer ruhigen und schattigen Nebenstraße. Sie führt kurz durch Industriegelände und dann links auf dem Radweg hoch zum Datteln-Hamm-Kanal. Sie überqueren den Kanal und lassen das Rad links hinunterrollen zum Knotenpunkt 26 am Kanalufer. Nun folgen Sie links der Route der Industriekultur Richtung Schiffshebewerk Henrichenburg, immer am Kanal entlang bis zur nächsten Kanalbrücke.

Hier stoßen Sie auf eine T-Kreuzung und wechseln rechts ans andere Ufer. Der Weg zum Kanal ist leider nicht gut ausgeschildert! Nach der Brücke rechts halten Richtung Lünen und dann die erste Straße wieder rechts Richtung Waltrop einbiegen. Ab nun folgen Sie auf dem Kiesweg dem Datteln-Hamm-Kanal gemütlich und weitab vom Verkehr und der Bebauung bis zum Ende des Kanals. Hier geht es dann rechts am Dortmund-Ems-Kanal weiter und Sie radeln um den Dattelner Hafen herum, fahren rechts und dann links über die Kanalbrücke nach Datteln hinein.

Römer-Lippe-Route

Eine spannende Verbindung zwischen erlebbarer Geschichte und schöner Flusslandschaft ermöglicht die Radtour auf der Römer-Lippe-Route. Fast 300 Kilometer lang erstreckt sich die Hauptroute zwischen Xanten und Detmold quer durch NRW und dabei vor allem entlang des Flusses Lippe. Dieser schlängelt sich in zahlreichen Schleifen und mit einigen Auen bis zu seiner Mündung in den Rhein und wird streckenweise von schiffbaren Kanälen begleitet.

Die Tour folgt außerdem der Spur der Römer von der alten Römerstadt Colonia Ulpia Traiana über einige nachgewiesene Römerlager bis zum Hermannsdenkmal am zeitweise vermuteten Ort der Varusschlacht am Teutoburger Wald. Neben der Hauptroute existieren an einigen Orten Themenschleifen zum Wasser oder über die Römer mit einer zusätzlichen Gesamtlänge von 154 Kilometern. In diesem Teil folgt die Römer-Lippe-Route dem Unterlauf der Lippe von Haltern bis zu ihrer Mündung in den Rhein bei Wesel.

Die Etappe ist etwa 53 Kilometer lang und verbindet die Bahnhöfe von Haltern, Dorsten und Wesel miteinander. Dabei handelt es sich nicht um eine offizielle Etappe. In der folgenden Übersichtskarte ist der beschriebene Abschnitt mit einem pinkfarbenen Band markiert. Der Startpunkt ist gekennzeichnet. Für eine Tourplanung sind die genannten Bahnhöfe (Bf) eingezeichnet. Die vorherige Etappe ist blau gekennzeichnet. Diese Etappe enthält neben dem Hauptweg einige Zusatzwege, hier sogenannte Schleifen, die rot markiert sind.

Überwiegend verläuft die Etappe auf ruhigen Radwegen, selten entlang von Straßen und dort meist entweder auf getrennten straßenbegleitenden Radwegen oder einem breiten Mehrzweckstreifen. Auf alten Bahntrassen oder am Kanal entlang kommt man sehr zügig vorwärts. Die Oberfläche des Weges ist meist wassergebunden. Die Tour ist gut beschildert. An Straßenkreuzungen ist den rot-weißen Zeichen Radverkehrsnetz NRW zu folgen (Symbol Fahrrad mit Pfeil in Fahrtrichtung). An Knotenpunkten mit anderen Themenradwegen findet man das bekannte mehrfarbige Piktogramm der Römer-Lippe-Route. Die Schleifen haben eine eigene Beschilderung mit einem einfarbigen Piktogramm (z.B. blau bei den Wassererlebnis-Schleifen).

Hin und wieder stößt man auf rostig-metallene Schilder, die in römischen Ziffern Kilometerstände der Römer-Lippe-Route angeben. Die Etappe habe ich bewusst so gelegt, dass nach der Bewältigung der Rückweg mit der Bahn möglich ist. Bahnhöfe werden in Haltern am See (RE 2 und 42, S9), in Dorsten (bzw. Bahnhof Hervest-Dorsten mit RE 14) und in Wesel (RE 49, auch RRX 5, RE 19) erreicht. Auch der Endpunkt in Xanten (RB 31) hat einen Bahnhof. Die Rückreise erfolgt jedoch grundsätzlich mit Umstieg in Essen. Wichtiger Hinweis: Zwischen den Bahnhöfen von Haltern, Dorsten und Wesel liegen Strecken von etwa 20 bis 30 Kilometern. Bushaltestellen sind selten und Busse insbesondere am Wochenende häufig nicht im dichten Taktverkehr.

Viktoria-Schleife

Zwischen Flaesheim und Marl führt die etwa 11 Kilometer lange „Viktoria-Schleife“ am Wesel-Datteln-Kanal entlang und verkürzt den Weg ohne Umweg durch Haltern, die Westruper Heide und den Halterner See um etwa 2 Kilometer. Wegen Umbauarbeiten an der Lippe ist die Alternativstrecke etwas verkürzt. Ursprünglich liegt ihr Ende an der Lippebrücke südlich von Lippramsdorf. Heute zweigt sie mit Umleitungsbeschilderung am Haus Ostendorf ab. Benannt ist sie nach der Zeche Auguste Victoria in Marl.

Die Schleife kann in Kombination mit der Hauptroute sehr gut als verkürzte Rundstrecke bei Haltern genutzt werden. Bereits am Knotenpunkt 34 bei Flaesheim, wo die Hauptroute zur Westruper Heide und zum Halterner See abbiegt, setzen wir die Fahrt am nördlichen Ufer des Wesel-Datteln-Kanals fort. Etwa 3 Kilometer weiter besteht die Möglichkeit zum Bahnhof in Haltern am See zu fahren. Dazu an der Bossendorfer Brücke auf den äußersten Weg fahren und an der Brücke der Recklinghäuser Straße rechts abbiegen, links der Straße folgen, durch den Tunnel und hinter der Bahnstrecke links zum Bahnhof. Andersherum kann diese Verbindung auch vom Bahnhof genutzt werden.

Wir folgen dem Weg parallel zum türkisblauen Wesel-Datteln-Kanal und passieren die markante Kirche Heilig Kreuz von Hamm-Bossendorf. Über die lilafarbene Brücke könnten wir die Seite wechseln und sie besichtigen. Die thematische Schleife der Römer-Lippe-Route verläuft im Rahmen der Umleitung eigentlich etwas anders. Doch wir folgen dem Kanalweg einfach weiter bis zum Ende. Rechts von uns, unterhalb, liegt das Naturschutzgebiet Lippeaue.

Wir unterfahren noch einmal die Brücke der Lippramsdorfer Straße über den Kanal und kommen zur Sickingmühler Brücke unmittelbar an der gleichnamigen Siedlung auf der anderen Kanalseite. Auf unserer Seite liegt direkt hinter der Brücke zwischen Kanal und Fluss eine besondere Landschaftskunst. Durch den Bergbau kommt es hier zu starken Bergsenkungen. Ganz bewusst wird ein altes Wasserwerk sich selbst überlassen. Es sinkt langsam ab und wird vom höher steigenden Grundwasserspiegel immer wieder teilweise überflutet und freigegeben.

Im Luftbild (Blickrichtung Osten) fährt das Frachtschiff auf dem Wesel-Datteln-Kanal Richtung Rhein. Oben rechts ist erwähnte Sickingmühler Brücke. Unten links ist die breite Lippe zu sehen. Das Gelände lässt sich außer aus der Vogelperspektive jedoch nur als Zaungast von außen und an wenigen Stellen besichtigen. Dadurch kann sich die Natur ungestört ausbreiten und sich an die wiederkehrenden Überflutungen und Verlandungen anpassen. Das Landschaftskunstwerk trägt den Namen Wasserstände und wurde vom Künstler Hermann Prigann (1942-2008) entwickelt, der z. B. auch die Himmelstreppe auf der Halde Rheinelbe geschaffen hat. Ein Weg führt rings um die Anlage. Von dort aus kann man auch gut auf den Fluss Lippe blicken.

Die Bergsenkungen sind dort deutlich zu erkennen. In den 1990er Jahren gab es unterhalb des Wasserwerks noch einen befestigten Weg, wie in alten Luftbildern deutlich zu erkennen ist. Die heute tief im Wasser stehenden Straßenlaternen markieren die Stellen. Ein wenig östlich vom alten Wasserwerk können wir ebenfalls auf den Deich fahren. Mit dem Projekt „HaLiMa“ (Deiche zwischen Haltern Lippramsdorf und Marl) des Lippeverbands wird dem Fluss mehr Freiraum gegeben. Die großen Deiche weichen derzeit ein Stück ins Hinterland zurück und verlieren dabei auch ihre steile Böschung. Schon jetzt hat der Fluss sein Erscheinungsbild stark verändert.

Es sind nicht nur die kleinen Inseln und Blänke, die künstlich im Fluss geschaffen wurden. Dem Fluss wurde mehr Freiraum gegeben und teilweise hat er es sich durch Bergsenkungen selbst genommen. Beinahe wie ein kleiner See ist die Lippe heute auffallend breit an dieser Stelle. Vom Deich aus sieht man das Fördergerüst der Zeche Auguste Victoria VIII. Ob Zufall oder nicht, aber die Form des Fördergerüstes, das wie der Buchstabe A aussieht, schreibt den Anfangsbuchstaben des Bergwerke in die Landschaft. Es ist die zweitletzte Zeche im Revier, die 2015 stillgelegt wurde.

Wir können ein Stück in Ostrichtung auf dem Deich fahren, sollten dann aber die Auffahrt zur Lippramsdorfer Straße nehmen, um die Lippe über die Brücke zu queren. Auf der rechten Seite liegt in der Nähe dieser Kreuzung Haus Ostendorf, an dem einige Mauern und ein Turm an das alte Rittergut mit Wurzeln ins 14. Jahrhundert erinnern. In den 1930er Jahren ist das alte Herrenhaus abgebrannt und wurde nicht wiederaufgebaut.

Die Römer-Lippe-Route folgt nun der alten Bahnstrecke von Haltern nach Venlo weiter in einer Allee durch ländliche Gegend. Wir können je nach Jahreszeit brütende Störche beobachten. Zahlreiche Bauernhöfe sind sichtbar. Am Bahnhof Lippramsdorf endet die Trasse vor dem Café, das das ehemalige Bahnhofsgelände nutzt. Eine kleine Informationstafel klärt über die Geschichte des Bahnhofs auf, der 1899 eröffnet und in der Folgezeit sogar erweitert wurde. 1968 fuhr der letzte reguläre Personenzug auf der Strecke.

Wir biegen vor dem Bahnhof links auf den Oelder Weg und fahren bis zur Brücke über die Lippe. Da ist er endlich, der Fluss Lippe, der östlich von hier derzeit durch Verlegung der Deiche viel mehr Platz erhält. Vor uns liegt der riesige Chemiepark Marl, wegen dem wir auf der Straße nicht viel weiterkommen würden. Daher herrscht hier auch kaum Autoverkehr. Der Chemiepark wurde 1938 als Chemische Werke Hüls (benannt nach einem Vorort von Marl) gegründet. Heute ist dies ein Industriegelände mit mehreren Dutzend Firmen in der Chemiebranche.

Vor der Brücke biegen wir rechts ab und fahren vorbei an der stählernen Kilometertafel mit römischen Ziffern durch das Naturschutzgebiet Lippeaue auf der Krone des Hochwasser-Deichs weiter. Die flache Landschaft rechts und links von uns mit einigen kleinen Waldflächen, Baumreihen und Buschzonen können wir von hier oben gut überblicken. Irgendwann geht die Römer-Lippe-Route fast unmerklich wieder auf den Bahntrassenradweg über, der jedoch hinter einer recht neu erscheinenden Brücke am Umspannwerk Kusenhorst sein unerwartetes Ende findet - weil hier noch Gleise liegen. Am Puffer beginnt der Rest der östlich von Dorsten genutzten Strecke.

Wir müssen also ausweichen, biegen links ab und fahren am Umspannwerk vorbei durch Felder bis zur Wulfener Straße. Erstmals überqueren wir auf dieser Etappe die Lippe, nicht ohne einen Blick rechts und links auf die Mäanderbögen in der Lippeaue zu werfen. Vor der Kanalbrücke geht es rechts ab. Ein kurzer Abstecher zur Halde Brassert „Lipper Höhe“ ist von hier aus aber möglich. Nun hat man die Qual der Wahl, der Römer-Lippe-Route auf der Lippehöfestraße weiter zu folgen oder auf den Radweg am Kanalufer umzuschwenken. Beide verlaufen parallel.

Die Schleusen am Wesel-Datteln-Kanal

Der Wesel-Datteln-Kanal verbindet als künstliche Wasserstraße seit den 1930er Jahren den Rhein bei Wesel mit dem Wasserstraßenkreuz in Datteln. Im Gegensatz zur Lippe ist er von üblichen Binnenschiffen befahrbar. Große Mengen Güter können damit vergleichsweise günstig und mit nur geringem Energieaufwand transportiert werden. Heute ist der Kanal nach den Städten an seinen beiden Endpunkten benannt, in seiner Planung und in historischen alten Karten heißt er auch „Lippe-Seitenkanal“. Er weicht der Lippe auf seiner ganzen Stecke tatsächlich nur selten mehr als einen Kilometer von der Seite. Der Kanal hat auf seinen ca. 60 Kilometern Länge genau sechs Schleusen. Sie gleichen Höhenunterschiede im Gelände aus. Die Schleusen sind alle vom Prinzip her ähnlich aufgebaut und besitzen je eine ältere große Schleuse mit Hubtoren an markanten Türmen und neuere kleine Schleusen daneben.

An der Dorfstraße kurz vor Dorsten biegt die Römer-Lippe-Route rechts ab Richtung Dorf Hervest. Für den kurzen Abstecher zur Schleuse Dorsten von der Buerer Straße geradeaus dem Hammer Weg etwa 1,5 Kilometer durch das Hervester Bruch, das sich hier als Waldlandschaft präsentiert. Es geht schnurgerade bis zu einer Kurve am Ende, hinter der die Schleuse liegt. Nach der Schleusenanlage in Wesel und Hünxe ist sie die dritte Stufe im Verlauf des Kanals Richtung Datteln. Alle Schleusenanlagen sind hier gleich aufgebaut und haben je eine ältere große und eine neuere kleine Schleuse.

Die Schleuse Flaesheim liegt bei ungefähr Kilometer 50. Wie die anderen Schleusen auch ist sie für Schiffe mit einen Tiefgang von bis zu 2,80 Meter ausgelegt. Das erscheint mir nicht viel, insbesondere wenn ich die mit Kohle, Holzpellets oder Metallschrott vollbeladenen Kähne sehe.

Nach knapp 56 Kilometer auf unserer Tour kommt die Schleuse Ahsen in Sicht. Auch sie bietet mit der großen und der kleinen Schleuse das schon gewohnte Bild.

Ab der Schleuse Ahsen kommen wir sozusagen zum Endspurt der Tour. Noch rund vier Kilometer sind es bis zur Schleuse Datteln, hinter der der Wesel-Datteln-Kanal in den Dortmund-Ems-Kanal mündet. Die Schleuse selbst gleicht ihren fünf Vorgängerinnen auf dem Weg von Wesel bis hierher. Lediglich, dass sie die sechste und letzte entlang des Kanals ist, hebt sie von den anderen ab. Eine gleichzeitige Schleusung in den beiden Kammern dauert rund 40 Minuten. Hinter der Schleuse sind es nur noch wenige Meter bis zum Dortmund-Ems-Kanal.

Weitere Kanäle im Ruhrgebiet

Neben dem Wesel-Datteln-Kanal gibt es im Ruhrgebiet noch weitere wichtige Kanäle, die sich ideal für Radtouren eignen:

  • Rhein-Herne-Kanal: Eine zentrale Wasserstraße, die Duisburg mit Datteln verbindet.
  • Dortmund-Ems-Kanal: Verbindet Dortmund mit der Ems und Papenburg.
  • Datteln-Hamm-Kanal: Führt vom Kanalknotenpunkt in Datteln zum Kraftwerk Westfalen in Hamm.

Die Schleusen des Wesel-Datteln-Kanals im Überblick

Schleuse Lage (ca.) Besonderheiten
Friedrichsfeld Wesel Erste Schleuse nach dem Abzweig vom Rhein
Hünxe Hünxe
Dorsten Dorsten
Flaesheim Flaesheim In der Nähe der Marina Flaesheim
Ahsen Ahsen Vorletzte Schleuse vor Datteln
Datteln Datteln Letzte Schleuse, Verbindung zum Dortmund-Ems-Kanal

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0