Südamerika ist ein Kontinent voller Faszination, und Peru bietet mit seiner abwechslungsreichen Landschaft ideale Bedingungen für Radfahrer. Ob entlang der Küste, durch die Wüste oder hoch in den Anden, eine Radtour durch Peru verspricht unvergessliche Abenteuer.
Planung und Vorbereitung
Transport des Fahrrads
Der Transport des eigenen Fahrrads nach Peru ist unkompliziert. Verpacke das Rad in einem Fahrradkarton, den du in jedem Fahrradgeschäft erhältst. Mit Zubehör wiegt das Rad etwa 15 kg.
Reisezeit
An der Pazifikküste ist von Oktober bis Mai die beste Reisezeit, in den Anden sind es die Monate Mai bis Oktober. Die günstigste Zeit für das tropische Tiefland ist April bis Oktober.
Sprachkenntnisse
In Peru wird Spanisch gesprochen. Mit Englisch kommst du nicht sehr weit. Du solltest dir vor Radreisen in Peru einen kleinen Wortschatz in Spanisch zulegen. Das ist einfach zu bewerkstelligen und erleichtert dir die Kommunikation in Peru merklich.
Mögliche Routen durch Peru
Gestartet bin ich in Lima. Von dort ging’s über Huaral in die Anden, vorbei an Cerro de Pasco bis nach Oxapampa, wo ich meinen ehemaligen Geschäftskollegen besucht habe, der dort ein Waisenhaus führt. Von dort ein - sehr lohnenswerter - Trip nach Prozuzu, eine tiroler Enklave. Weiter nach La Merced, San Ramon und Jauja. Von dort ging ‘s mit dem Bus nach Huanta bei Ayacucho. Dort habe ich eine Bekannte besucht, die ein Praktikum in einer Schule macht. Mit dem Rad - und einem Muli fürs Gepäck - ging es über den Salkantay-Pass nach Santa Theresa, um von dort zum Machu Picchu zu gelangen. Leider war hier für Fahrräder kein Durchkommen, so dass ich über den Abra-Malaga-Pass nach Ollantaytambo musste (- “durfte”, da landschaftlich sehr schön). Dann ging’s weiter zum Machu Picchu, nach Pisac und Cusco, ab da mit dem Bus nach Puno. Ab Puno radelte ich am Titicacasee entlang und über Copacabana bis nach La Paz. Wieder mit dem Bus zurück nach Puno, von dort auf abenteuerlicher Strecke mitten durch die Anden nach Arequipa. Bis Chivay nahm ich den Bus, von dort ging es, durch das herrliche Colca-Tal über Cabanaconde bis zum Pazifik nach Camaná, dann mit dem Bus nach Ica. Weiter über die Oase Huacachina ebenfalls auf wunderschöner Strecke durch die Wüste bis nach El Chaco und Pisco.
Radfahren in der Höhe
Als Biker hat man den Vorteil, dass man relativ langsam "in die Höhe" geht. Die Geschwindigkeit kann man dem Sauerstoffgehalt gut anpassen. In der Höhe geht es halt einfach ein bisschen langsamer. Zwei Mal hatte ich Probleme, und zwar auf dem Salkantay-Trek, als ich mein Rad auf 4.300 m schleppen musste.
Verkehr in Peru
Auf den ersten Blick fahren die Peruaner völlig chaotisch, Verkehrsregeln sind in Peru wohl dazu da, um sie zu missachten. Der Verkehr speziell in Lima ist für einen Biker wirklich der Horror. Aber ich finde, durch dieses chaotische Fahren passen die Peruaner zum einen gut auf und zum anderen sind die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge lang nicht so hoch wie bei uns. Ich hatte bisher in den drei Monaten keine gefährlichen Situationen erlebt. Mit Ausnahme der Busse, die fahren, finde ich, oft ziemlich rücksichtslos, die kamen mir auch manchmal gefährlich nahe, weil sie kaum Abstand halten.
Ganz gleich, ob in der Stadt oder auf den Landstraßen: der Verkehr ist extrem gefährlich für Radfahrer. Seitenabstand kennt man nicht und bremsen für Radfahrer kommt gar nicht infrage. Hupen bedeutet: verschwinde, jetzt komme ich! Flüchtest du nicht in den Seitengraben, wirst du tatsächlich totgefahren. Die vielen Kreuze entlang der Straße zeigen, das wir nicht die ersten Opfer wären.
Was manchmal lästig ist, ist die Luftverschmutzung.
Unterkünfte und Verpflegung
Außer die erste Unterkunft in Lima habe ich nie vorgebucht. Man findet so gut wie in jedem Dorf eine Übernachtungsmöglichkeit, es gibt genügend Läden, um sich mit Verpflegung einzudecken. Was nicht schön ist und was ich, wenn möglich, versuchen würde zu meiden, sind die Vorstädte der größeren Städte.
In allen Ortschaften und Städten ist die Versorgung mit Lebensmittelgeschäften sehr gut. Zusätzlich ergänzt die Straßenküche dort die Speisekarte. In den Anden musst du allerdings häufiger Lebensmittel auf Vorrat mitnehmen, denn zwischen den Städten findest du keine Geschäfte und die endlosen Anstiege auf den Passstraßen erschweren eine exakte Strecken-Tagesplanung.
Die Küstenwüste von Paracas
Vor meinem Trip nach Peru war mir nicht klar, dass große Teile des Anden-Staats Wüsten sind. Man denkt bei Peru ja automatisch an Berge und Regenwald. Dementsprechend hat mich die Pazifikküste Perus doch überrascht: Sobald man Lima hinter sich lässt und nach Süden fährt, wird es sehr schnell, sehr trocken. Der gesamte Küstenstreifen ist eine einzige große Wüste, die sogenannte „Küstenwüste“.
Paracas als Ausgangspunkt
Ausgangspunkt meiner Erkundung war das Fischerörtchen Paracas, das praktischerweise direkt an der Panamericana liegt, der über 25.000 Kilometer langen Schnellstraße, die einmal über den gesamten amerikanischen Kontinent führt. Paracas ist auch deshalb bekannt, weil sich hier vor der Küste die Islas Ballestas befinden. Wegen der großen Population an Pinguinen und Seelöwen werden sie manchmal auch die „Galapagos-Inseln für Arme“ genannt.
Erkundung der Wüste mit dem Fahrrad
Die Lösung: In Paracas kann man sich einfach ein Mountainbike leihen und mit dem Fahrrad durch die Wüste cruisen. Die Trails durch die Wüste sind gut zu befahren, außerdem bekommst du in der Regel auch noch eine Karte.
Für einen Tag hab ich schlappe 30 Soles gezahlt. Wie erwähnt hab ich hier dann auch noch eine Karte zur groben Übersicht mitbekommen und schon konnte es losgehen.
Das Naturreservat Paracas bietet mehrere Strände zum Baden, ein Museum und viele schöne Aussichtspunkte (Miradores), von denen du tolle Ausblicke über die Küste, die Dünen und die Wüstenlandschaft hast.
Empfohlene Tour
Die Länge beträgt etwa 30 Kilometer, die Höhenunterschiede halten sich stark in Grenzen. Also eine wirklich schöne, entspannte Tour für einen Tag, wo du ausreichend Zeit für Zwischenstopps haben wirst.
- Los geht’s im Zentrum von Paracas.
- Erster Stopp: Museo de Julio Tello.
- Zweiter Stopp: Playa Roja.
- Dritter Stopp: Mirador Istmo.
- Vierter Stopp: La Cátedral.
- Fünfter Stopp: Playa Supay.
Sicherheitshinweise
Auf den großen Straßen fahren wie erwähnt Trucks. Im Nationalpark wirst du eventuell auch mal Buggies treffen. An den Stränden gibt es keine Hinweisschilder, ob es sicher ist zu baden. Gehe im Zweifelsfall davon aus, dass es nicht sicher ist. Denk unbedingt an Sonnenschutz mit hohem Schutzfaktor 50.
Positive Erfahrungen und Empfehlungen
Sehr oft ging der “Daumen nach oben”, ich weiß nicht wie oft ich die Frage “de donde vienes” beantworten musste, Kinder wollten mit dem Rad fahren, Autofahrer haben gewunken - und natürlich gehupt! Ich muss sagen, die Anerkennung war oft sehr motivierend.
Auf JEDEN FALL!! Die drei Monate waren grandios, gespickt mit Abenteuern und Erfahrungen. Jedesmal, wenn ich Bus gefahren bin, hab ich mich wieder auf’s Fahrrad gefreut, weil man einfach viel mehr sieht, riecht, hört und auch fühlt vom Land, das unheimlich abwechslungsreich und vielseitig ist.
Ich glaub’ der wichtigste Tipp, den ich geben kann, ist: “Just do it!” Ich hab vor der Reise so viele Warnungen und Horrormeldungen gehört, dass ich dachte, ich reise in ein Land von Wilden und Kriminellen. Aber ich habe völlig gegenteilige Erfahrungen gemacht. Wo wird einem in Deutschland eine private Unterkunft angeboten, wenn man kein Hotel findet?
Tabelle: Tipps für Radreisen in Peru
| Aspekt | Hinweis |
|---|---|
| Fahrradtransport | Verpackung im Fahrradkarton |
| Sprache | Grundkenntnisse Spanisch erforderlich |
| Höhe | Langsame Anpassung, Geschwindigkeit anpassen |
| Verkehr | Vorsicht, chaotisch, rücksichtsvolle Busse |
| Unterkünfte | In fast jedem Dorf verfügbar, Vorstädte meiden |
| Verpflegung | Gute Versorgungslage, in den Anden Vorräte mitnehmen |
| Sicherheit | Sonnenschutz, Vorsicht vor Tieren |
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