Radwege in Spanien: Entdeckungstouren auf zwei Rädern

Radfahren und Urlaub lassen sich in Spanien ausgezeichnet miteinander vereinbaren. Dank des guten Klimas ist der Fahrradtourismus in Spanien praktisch das ganze Jahr über möglich. Die atemberaubende Landschaft entlang der Wege ist wirklich lohnenswert.

Spanien ist das Land mit den meisten Biosphärenreservaten (55) und verfügt über 16 Nationalparks sowie einige der schönsten und am besten ausgeschilderten Routen in Europa (darunter der Jakobsweg, wo Sie sogar kostenlose Herbergen finden). Viele Touren führen durch kulturell und gastronomisch interessante Orte.

Wenn Sie auf der Suche nach einer Unterkunft zum Rasten sind, können Sie zwischen Hotels, ländlichen Unterkünften, Campingplätzen, Herbergen usw. wählen. Es gibt auch sogenannte „Bike-Hotels“, die besonders häufig auf Mallorca, auf den Kanarischen Inseln und in den Pyrenäen anzutreffen sind.

Vías Verdes: Die Grünen Wege Spaniens

Die sogenannten „Vías Verdes“ sind mehr als 3.200 Kilometer ehemaliger Eisenbahnstrecken, die für Radfahrer hergerichtet wurden. Insgesamt stehen mehr als 120 Strecken mit sehr unterschiedlichen Entfernungen (von 1 bis zu 100 Kilometern) zur Verfügung. Es handelt sich dabei unter anderem um alte Eisenbahnstrecken, Hohlwege, Viehpfade und Fußwege.

Die Anzahl der Radwege auf stillgelegten oder nie in Betrieb gegangenen Bahnstrecken in Spanien ist nicht eindeutig dokumentiert. In den neueren Führern zu den Vías Verdes werden 7600 km an stillgelegten oder nie in Betrieb genommenen Bahnstrecken genannt. Auf der offiziellen Webseite findet man (Anfang 2024) die Zahl von 3300 km, die zu Rad- oder Wanderwegen ausgebaut wurden. Im Jahr 2020 existierten bisher 2900 km an Vías Verdes (Grüne Wege"), entsprechend 127 ausgebauten Strecken.

Daneben gibt es Vías Verdes auf Bahntrassen, die zwar begehbar oder auch mit dem Fahrrad befahrbar, aber nicht ausgebaut, nicht abgesichert und nicht beschildert sind. Auf diesen sogenannten Vías Verdes no acondicionadas, muss man mit Unterbrechungen der Kontinuität und weiteren Hindernissen rechnen.

Diese Angaben stammen vom staatlichen Konsortium der Spanischen Eisenbahnen, der Fundación de los Ferrocarriles Españoles, die alle diese Vías Verdes unter Beteiligung des Umweltministeriums und der Regierungen der jeweiligen autonomen Gemeinschaften zentral verwaltet. Auf der offiziellen Internetseite der Vías Verdes (viasverdes.com) werden die Routen auf spanisch und englisch vorgestellt, nicht immer sind die Informationen vollständig.

Die Nutzung der App für mobile Endgeräte ist nun auch für Nichtspanier möglich (Vías Verdes y Red Natura 2000). Der Text ist auf Spanisch, vieles versteht sich jedoch von selbst. Nach Angaben der Betreiber sind mehr als 100 Vias Verdes mit Kartendarstellung aufrufbar.

Zwei neue praktische Bücher mit flexiblem Einband und vielen Bildern und Karten (Guías de Vías Verdes) sind 2021 neu erschienen. Diesmal sind die Führer nach Vías Verdes im Norden und Süden Spaniens aufgeteilt: (Guía de las Vías Verdes. Norte - 25 marzo 2021 und Guía de las Vías Verdes. Centro, Sur y Levante - 11 febrero 2021) - 70 Bahntrassenradwege werden darin beschrieben, Preis ca. 25 € (2022).

Betrachtet man die 127 Vías Verdes genauer, so findet man nach offiziellen Angaben, dass 25 dieser Radwege nur eine Länge von 5 km oder weniger haben, weitere 20 haben zwischen 5 und 10 km Länge (zusammen ca. 215 km). So bleiben an längeren Vias Verdes noch 74 Radwege übrig.

Wir haben bisher 70 Vias Verdes auf dem spanischen Festland befahren, davon einige mehrfach. Obwohl man sich auf den ausgebauten Strecken kaum verfahren kann, ist es nicht immer einfach, die Startpunkte der Vías Verdes zu finden, auch wenn man den Beschreibungen folgt. Wer sicher gehen will und wenig Zeit mit Suchen verschwenden will, kommt um ein Fahrrad-GPS Gerät nicht herum. Dadurch erleichtert sich der der Einstieg in die Vías Verdes erheblich.

In den entlegenen und entvölkerten Regionen ist es manchmal wichtig, seinen genauen Standort zu finden, und obwohl das Handynetz in Spanien gut ausgebaut ist, hat man mit dem Satellitensystem der GPS-Geräte noch bessere Karten.

Die Beschilderung und Wegweisung der Vías Verdes ist nicht einheitlich. Die neueren Vías Verdes sind gut beschildert, oft Teil der Caminos Naturales , die vom spanischen Landwirtschaftsministerium betreut werden. Auch die Instandhaltung der Wege ist sehr unterschiedlich.

Vor einigen Vías Verdes wird auf der offiziellen Seite inzwischen gewarnt, weil Brücken oder deren Geländer marode sind und seit Jahren nicht repariert wurden. Auf diesen Webseiten sind die Vías Verdes nach den 14 Autonomen Gemeinschaften des spanischen Festlands geordnet. Eine weitere Vía Verde befindet sich auf der Insel Mallorca. Bei den langen Radwegen, welche die Grenzen dieser Gemeinschaften überschreiten, befindet sich ein interner Link auf der entsprechenden Seite.

Die Wege über 100 km Länge sind vor allem die Strategischen Bahnstrecken, die teils niemals den vollständigen Bahnbetrieb aufgenommen haben. Einige dieser Strecken sind bereits komplett fertiggestellte Radwege, andere sind teilweise noch im Bau.

Beispiele für Vías Verdes in Spanien

  • Vía Verde de Ojos Negros: Der längste Grüne Weg in Spanien, der als Minenbahn parallel zur bestehenden Bahnstrecke über 200 km vom Mittelmeer in die Berge der Sierra Menera führte.
  • Vía Verde Santander-Mediterráneo: Der längste Ausbau einer Bahnstrecke zum Radweg ist die Strecke über die Kantabrischen Kordillere bei Santander nach Valencia am Mittelmeer. Der Ausbau der Bahnstrecke wurde nie vollendet. Der Radweg, weitgehenst auf der Bahntrasse, besteht aus mehreren Abschnitten, bisheriger Ausbau 252 km (2022) und damit der längste Bahntrassenradweg Spaniens.
  • Bahnstrecke Baeza - Utiel: unvollendet, Radwegausbau 2 Teilstrecken: Vía Verde de Segura und Vía Verde de la Sierra de Alcaraz.
  • Bahnstrecke Ferrocarril del Val de Zafán. Radwegausbau der 3 Teilstrecken: Vía Verde del Baix Ebre, Vía Verde de la Terra Alta und V. V.

Weitere Radrouten in Spanien

Neben den Vías Verdes gibt es auch andere Arten von Pfaden und kleinen Landstraßen. Es gibt 17 festgelegte Routen mit einer Gesamtlänge von rund 90.000 km. Drei Hauptrouten verlaufen größtenteils durch Spanien:

  • EuroVelo 1 - Atlantikküsten-Route
  • EuroVelo 3 - Pilger-Route
  • EuroVelo 8 - Mittelmeer-Route

Unter den Fahrradwegen finden sich auch wirklich berühmte Routen:

  • Jakobsweg: Diverse Strecken enden an der Kathedrale von Santiago de Compostela (Galicien), darunter der Französische Weg, der Ursprüngliche Jakobsweg und der Englische Weg.

Regeln und Tipps für das Radfahren in Spanien

  • In Spanien dürfen Radfahrer in der Regel nicht auf Autobahnen und Schnellstraßen fahren (vorbehaltlich gegenteiliger Beschilderung).
  • Den Vorschriften entsprechend muss nachts und in Tunneln reflektierende Kleidung getragen werden, und Vorder- und Rücklichter müssen 50 Meter weit sichtbar sein.
  • Wenn Sie in Spanien Radfahren möchten (und vor allem, wenn Sie längere oder schwierigere Touren vorhaben), können Sie vor der Anreise in Ihrem Land einem Verband beitreten und den im Verbandsbeitrag enthaltenen Versicherungsschutz auf Spanien ausweiten oder gegebenenfalls eine Reiseversicherung abschließen, die eine Kranken- und eine Haftpflichtversicherung umfasst.
  • Wenn Sie mit dem Flugzeug nach Spanien kommen und Ihr Fahrrad mitbringen wollen, muss dieses ordnungsgemäß verpackt sein. Einige Fluggesellschaften berechnen für Fahrräder einen Aufpreis. Dasselbe gilt für die Langstrecken-Busunternehmen. Berücksichtigen Sie dies vor dem Kauf des Tickets.
  • Wenn Sie mit der Bahn reisen, akzeptiert das nationale Netz der spanischen Eisenbahnen (RENFE) Fahrräder, die die angegebenen Handgepäckmaße überschreiten, in AVE-, Langstrecken- und Avant-Zügen auf nationalen Strecken unter folgenden Bedingungen: Das Fahrrad muss zusammengeklappt oder zerlegt in einer Hülle mit den maximalen Abmessungen von 120 x 90 x 40 cm (Länge-Höhe-Breite) verstaut sein. Die Pedale müssen entfernt und der Lenker um 90º gedreht sein.

Mehr Information über Fahrradtourismus erhalten Sie bei den Fremdenverkehrsbüros der jeweiligen Gegend oder bei den entsprechenden Radsport-Verbänden. Fast immer führen sie durch landschaftlich reizvolle Gegenden. Deutschsprachige Informationen zu den Vías Verdes gibt es z.B.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0