Die Geschichte von Harley-Davidson ist eng mit der Entwicklung ihrer Rahmen verbunden. Der Rahmen eines Motorrads, einschließlich einer Harley-Davidson, hat die Aufgabe, Hinterrad und Vorderrad möglichst verwindungssteif zu verbinden - abgesehen von der "Sollgelenkstelle" Lenkkopf.
Der Rahmen muss dabei den Antrieb integrieren, sich trotz aller Verwindungssteifigkeit nachgiebig gegenüber Schwingungen und hohen Belastungen durch den Untergrund zeigen, er soll nicht korrosionsanfällig sein, er soll für den Fall eines Falles reparierbar sein und auch noch so konstruiert sein, dass man an alle anderen Anbauteile (Motor, Getriebe, Öltank etc.) gut rankommt. Soweit ein kurzer Auszug aus dem Lastenheft des Ingenieurs.
Frühe Rahmen und Starrrahmen
Die allerersten Harleys (1903) ähnelten in ihrer Konstruktion stark den damaligen Fahrrädern. Der Rahmen war zwischen dem Lenkkopf und dem Sattelrohr zweidimensional und hatte nur eine Schleife um den Motor.
Bei dieser Bauart, auf Englisch "single loop" genannt, blieb Harley-Davidson bis 1935/1936. Erst der Rahmen für die 61" Knucklehead hatte zwei Unterrohre um den Motor herum, und ab dem Folgejahr wurden auch die großen Seitenventiler-Motoren (U-, UL, ULH-Modelle) in diesen Rahmen gesetzt.
Diese Doppelschleifenrahmen sind übrigens normalerweise gemeint, wenn man von Starrrahmen spricht, obwohl auch die vorherigen Rahmen natürlich eine starre Hinterradführung hatten. Die 750er Solo-Modelle hatten bis zu ihrem Auslaufen 1952 nur eine Schleife, und am Servi-Car gab es die Einfachschleife noch bis 1973.
Entwicklung der Motoren und ihre Auswirkungen auf die Rahmen
Der berühmte V2 ist über Jahrzehnte das Erkennungszeichen des Harley-Motors. Nach wenigen Jahren als Einzylinder, gibt es schon seit dem Jahr 1909 nur noch diese Zylinderanordnung.
Die beiden aktuellen Motoren sind der Milwaukee-Eight in den Softails, Tourern und Trikes und der Revolution Max in den beiden Pan America Modellen.Mit diesem Motor schlägt Harley-Davidson ein neues Kapitel der legendären V-Twins auf.
Flathead Motor
Benannt nach seinen flach gewölbten Zylinderköpfen erschien der erste Flathead Motor 1929. Die Ventile wurden seitlich angeordnet. Der Flathead Motor wird auf bis zu 1340ccm Hubraum und 34 PS optimiert.
Der Flathead wurde im zweiten Weltkrieg in den WLA Maschinen für die US-Army verbaut und machten Harley-Davidson zu diesem Zeitpunkt zum größten Motorradhersteller der Welt.
Der sportliche Version eines Flathead Motor verfügte über 742cm³ Hubraum und 30PS. 1954 vergrößerte Harley-Davidson den Motor auf 38PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 161 km/h.
Knucklehead Motor
Es war der Knucklehead-Motor, der die Outlines einer Harley entscheidend umkrempelte. Im Unterschied zu den frühen Flathead-Motoren mit ihrer Leistung von 25 bis 27 PS trabten im Knucklehead fast 50 Pferdchen. Deshalb wurde ein neues Fahrwerk fällig.
Die frühen Flatheads liefen noch in einem Rahmen mit einem einzelnen vorderen Unterzug, dessen majestätischer Schwung eher den ästhetischen Gesetzen des Art Déco gehorchte als denen von Statik und Fahrphysik. Der Knucklehead-Motor wurde von 36-47 produziert und war der erste Harley Motor mit Überkopfventilen und ist nicht zu unrecht der Wohl beliebteste Motor bei Harley Sammlern und auch bei unserem Captain.
Der Name erhielt der Knuckelhead von seinen Rockerboxen, die den Knöcheln einer menschlichen Faust ähneln. Die Knucklehead, und mit ihr die zeitgleich ebenfalls gebauten großen Flatheads der Serie „U“ mit bis zu 34 PS, bekamen aber geradlinig verlaufende Unterzüge, und davon gleich zwei.
Panhead Motor
Den Namen hat der Panhead von der unverwechselbaren Kuchenpfannenoptik der Rockerboxen. Der Panhead Motor, welcher zu seiner Auslaufzeit 1965 über 60 PS verfügt, zählt als Vorbild der Electra Glide und verfügt zu diesem Zeitpunkt bereits über einen E-Starter.
Shovelhead Motor
Wieder einmal verleiht der Look der Rockerboxen diesem Harley Motor seinen Namen. Die Zylinderkopfabdeckung erinnert an Schaufeln, deswegen auch Shovelhead.
Der 1340 ccm 65 PS Motor hat neue Zylinderköpfe mit überarbeiteten Kanälen und kompakten Brennräumen, höher verdichtende Kolben, neue Nockenwelle und einen neuen Vergaser.
Ironhead Motor
Der damals neue kleine, moderne Motor mit sportlichem Charakter wird über eine stirnradgetriebene Nockenwelle angetrieben. Die 883cm³ Version mit Grauguss-Zylinder und -Zylinderköpfe gab dem Motor den Namen Ironhead.
Der Motor dient als Antrieb der damals neuen Sportster-Baureihe. Der damals neue kleine, moderne Ironhead Motor mit sportlichem Charakter wird über eine stirnradgetriebene Nockenwelle angetrieben.
Evolution Motor
Der 1340ccm Evolution Motor wurde seinem Namen gerecht, denn er war eine wahre Evolution. Der „Evo“ verbraucht deutlich weniger und erzeugt zeitgleich deutlich mehr Drehmoment. On Top dreht er ruhiger und ist dadurch auch langlebiger.
Er war der Motor für die damals brandneue Softail, welche heute als Urvater der kompletten Softail-Baurreihe gilt. Der 1340ccm Evolution Motor wurde seinem Namen gerecht, denn er war eine wahre Evolution.
Milwaukee-Eight Motor
Es sind aktuell Versionen in 107, 114 und 117 Cubic Inch erhältlich. Der neue Motor unterschreitet die weltweit verschärften Geräuschgrenzwerten, zugleich kommt der satte Auspuffklang besser als je zuvor zur Geltung.
In Kombination mit der effizienteren Verbrennung aufgrund der neuen Doppelzündung, erreicht der Milwaukee-Eight bis zu 10% mehr Drehmoment bei 11% weniger Verbrauch. Für die typische Zündfolge eines Harley-Davidson Big Twins wurde dem Milwaukee-Eight wieder ein Zylinderwinkel von 45 Grad verpasst und beide Pleuel laufen auf den gleichen Hubzapfen.
Das Zusammenspiel sorgt für den berühmten „Potato, Potato“ Sound. Die Leerlaufdrehzahl wurde beim Milwaukee Eight von 1.000 auf 850 U/min abgesenkt, um die Harley im Stand leiser und ruhiger laufen zu lassen.
Revolution Max Motor
Er dient als mittragendes Fahrwerkselement, das einen herkömmlichen Rahmen überflüssig macht. Dadurch wird das Gesamtgewicht der Maschine erheblich reduziert, der Schwerpunkt liegt niedrig und das wird Handling optimiert.
All dies zusammen bringt eine hervorragende Beschleunigung aus dem Stand und ordentlich Power bei hohen Drehzahlen. Max. Die Vierventil-Zylinderköpfe pro Zylinder ermöglichen einen erhöhten Gasdurchsatz von 50% mehr als die vorherigen Zweiventil-Köpfe.
Revolution Motor
Der wassergekühlte Revolution Motor hat mit einem klassischen Harley-Davidson Motor, bis auf die langhubige Auslegung und den 45 Grad Zylinderwinkler nicht viel gemein. Der Motor leistet von 117PS mit 1130ccm bis 124 PS mit 1250ccm.
Der Motor wurde in Zusammenarbeit mit Porsche auf Basis des Renntriebwerkes der VR1000 entwickelt. Dieser Motor ist heute die Basis aller Modelle der Sportster-Familie, auch fast alle Buell Modelle werden von leistungsgesteigerten, modellgepflegten Derivaten des Evolution Sportster Motors angetrieben.
Der Motor reicht von 883cm³ mit 46 PS bis 1202cm³ mit 67PS. 2007 wird der Keihin-CV Vergaser durch eine elektronische Saugrohreinspritzung ersetzt.
Schwingenrahmen und Softail-Modelle
In den 50er-Jahren rüsteten auch die letzten Hersteller auf vollgefederte Fahrwerke um, und so präsentierte Harley-Davidson für das Modelljahr 1958 die „Duo Glide“. Charakteristisch für diesen Rahmen war die Aufnahme der Federbeine in Augen, die in einem leichten Aufwärtsknick hinter den Oberzügen saßen.
Das brachte dem Fahrwerk in Deutschland den Namen „Knickrahmen“ ein. Die niedrigen Oberzüge machten zwar den Einbau eines Anlassers über dem Getriebe unmöglich - Knickrahmen-Bikes können nur mit Kickstarter gestartet werden - aber die Sitzposition war genau deshalb so schön niedrig.
Willie. G. Davidson, Enkel eines der Firmengründer von Harley-Davidson und von 1963 bis 2012 Chefdesigner des Unternehmens, liebt sogenannte „Hardtails“, klassische, am Heck ungefederte Maschinen der 40er- und 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts.
Man schrieb das Jahr 1984, als die erste „Softail“, die FXST, Asphalt unter die Räder nahm. Ihre Modellbezeichnung ist ein Wortspiel, das sich von ihrer speziellen Art der Hinterradführung ableitet,die schon das Urmodell auszeichnete.
In dieser ersten Softail debütierte die damals neue, 1340 cm3 große Evolution Motorengeneration. Zu den prägenden Design-Features zählten der klassisch gestylte Benzintank und der „Horseshoe“-Öltank in Hufeisenform - ein Look, den Harley-Davidson bereits in den 1930er-Jahren kreierte.
Mit den Milwaukee-Eight-Softails verabschiedete sich die Company für das Modelljahr 2018 nämlich endgültig von den beiden unter dem Getriebe versteckten Federbeinen. Stattdessen federt und dämpft seitdem ein Mono-Federbein, das in Cantilever-Manier unter dem Sattel angebracht ist und sich gegen die Ausläufer des Oberzugs abstützt.
Dyna-Modelle
Das Fahrwerk hatte einen guten Ruf und wurde in seinem Grundschema für die „Dyna Glide“-Reihe von 1991 bis 2017 fortgesetzt, aber immer wieder auch optimiert. So zum Beispiel bekam die Dyna-Baureihe für das Modelljahr 2006 nicht nur ein Upgrade, was das Fahrwerk betrifft, sondern wurde von Grund auf neu konstruiert.
Die Gummilagerung des Motors wurde beibehalten, was gleichermaßen für die verkleideten Tourer galt. Ihre Vibrationsdämpfung war so effizient, dass der 1998 eingeführte Twin Cam-Motor in zwei Versionen ausgeliefert wurde, als Twin Cam A ohne Ausgleichswellen und als Twin Cam B, also „Balanced“ mit zwei Ausgleichswellen.
Nachfertigungen und Customizing
Nachfertigungen dieser Rahmen sind trotzdem noch möglich. Zulässig sind sie als Ersatzteile oder für das Show-Customizing. Den VG-Rahmen eilt der Ruf voraus, äußerlich originaler als das Original zu sein. Die originalen ersten Rahmen wurden komplett gelötet, das machen wir nicht.
In der heutigen Fertigung mischen wir die Techniken, teilweise wird gelötet, teilweise geschweißt. Alte Rahmen sind aus altem Stahl gefertigt, der irgendwann mal brechen kann.
Wem dieses Schicksal nachweislich widerfährt, der darf den gebrochenen Rahmen tatsächlich gegen eine Neuanfertigung austauschen. Nachfertigungen dieser Rahmen sind trotzdem noch möglich. Zulässig sind sie als Ersatzteile oder für das Show-Customizing.
Zusammenfassung
Die Rahmen Typen von Harley-Davidson haben im Laufe der Jahrzehnte eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Von den einfachen Starrrahmen der frühen Jahre bis zu den modernen Softail- und Dyna-Modellen hat Harley-Davidson stets versucht, die Wünsche ihrer Kunden nach Komfort, Leistung und Ästhetik zu erfüllen.
Die große Auswahl an Rahmen Typen und die Möglichkeit, diese individuell anzupassen, machen Harley-Davidson zu einer der beliebtesten Motorradmarken der Welt.
| Modell | Rahmen Typ | Motor |
|---|---|---|
| Frühe Modelle (bis 1936) | Single Loop Rahmen | Einzylinder, V-Twin |
| Knucklehead (1936-1947) | Doppelschleifen Starrrahmen | Knucklehead |
| Panhead (1948-1965) | Starrrahmen oder Duo-Glide ("Knickrahmen") | Panhead |
| Shovelhead (1966-1984) | Schwingenrahmen | Shovelhead |
| Softail (ab 1984) | Softail Rahmen | Evolution, Twin Cam, Milwaukee-Eight |
| Dyna (1991-2017) | Dyna Rahmen | Twin Cam |
| Tour Glide (1980-1983) | FLT Rahmen | -- |
| Sportster (ab 1957) | -- | Evolution Sportster, Ironhead |
| Pan America (aktuelle Modelle) | -- | Revolution Max |
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