Das Wetter kann manchmal sehr unberechenbar sein. Der diesjährige Sommer birgt so manche regnerische Überraschung. Das Wetter hierzulande war - wie so oft - extrem wechselhaft. Gut, wenn da auf Tour eine Regenjacke in der Trikottasche Platz findet, um vor unliebsamen Wetterkapriolen geschützt zu sein.
Beim Rennradfahren war deshalb der Platz einer Trikot-Rückentasche oftmals für einen „Retter“ reserviert: eine Regenjacke. Wasserdichte Radbekleidung gehört zur „Rennradfahrer-Standardausrüstung“. Im Idealfall sind diese leicht und klein zusammenfaltbar. Doch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Preisklassen und Produkten sind in diesem Marktsegment groß.
Anforderungen an eine gute Regenjacke
Ein erster Anspruch an eine gute Regenjacke lautet: ein sportiver, möglichst flatterfreier und körpernaher Sitz. Da „normales“ wasserdichtes Material, gerade das sogenannte Hardshell, kaum elastische Eigenschaften hat, sollte man hier immer mehrere Modelle probieren, damit die Jacke optimal passt. Hersteller wie etwa Alé und Castelli verarbeiten für eine bessere Passform auch Anteile von Stretch-Material.
Der Wetterschutz der Regenbekleidung basiert in der Regel auf einer speziellen Membran. Vereinfacht gesagt besteht eine Drei-Lagen-Jacke aus einem Oberstoff, der Membran und dem „Futter“. Diese dünnen Schichten sind miteinander laminiert. Bei einer Zwei-Lagen-Jacke entfällt die innere Schicht. Ein Drei-Lagen-Modell bietet oftmals nicht nur Schutz vor Regen, sondern bis zu einem gewissen Grad, auch vor Kälte.
Natürlich sind technische Daten auf dem Label ein wichtiger Anhaltspunkt für den Käufer, aber sie sind auch für uns schwer zu überprüfen. Wir verlassen uns daher auf Praxiswerte und -erfahrungen, wie zum Beispiel wiederholte Tests durch Dauerberegnung und einer anschließenden Kontrolle.
Nachhaltigkeit und Preis
Beim Thema Nachhaltigkeit setzen die Hersteller auf unterschiedliche Strategien. Das beginnt bei der Produktion in Europa mit einem Verweis auf kurze Lieferwege und reicht oft bis zur Verwendung PFC-freier Materialien. Auch dieser Test zeigt wieder: Hier kann sich ein gewisser Aufpreis beziehungsweise ein „Investment“ durchaus lohnen. Qualität, Funktion und Robustheit haben hier oftmals einen Preis. So kosten die Top-Modelle meist zwischen 250 und 300 Euro.
Erfreulich ist auch, dass die Preise in diesem Marktsegment in den letzten ein bis zwei Jahren wenig bis gar nicht gestiegen sind. Im Test sind auch besonders preis-leistungsstarke Modelle vertreten.
Testberichte und Modelle im Vergleich
ROADBIKE hat 15 Modelle zwischen 90 und 300 Euro getestet. Und: Dank einer kleinen Material-Revolution sind High-End Regenjacken echte Alleskönner geworden. ROADBIKE hat weitere 6 Top-Modelle für Rennradfahrer getestet.
High-End Regenjacken im Test
Als starker Alleskönner zeigte sich die Gore Race/C7 Gore-Tex Shakedry Stretch Jacke und sichert sich den Testsieg dank perfektem Klima, guter Ausstattung und komfortablem Sitz. Leider nicht ganz billig. Den Kauftipp sichert sich die Löffler Hr./Da. Bike Jacke GTX Shakedry. Sie überzeugt mit maximalem Regenschutz und sehr guter Ausstattung.
Hier eine Übersicht der getesteten High-End Jacken:
| Modell | Preis/Gewicht (M) | Material | Wassersäule/Anz. Lagen | Herstellungsland | Besonderheiten | Wertung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Assos Schlosshund Équipe RS | 300 Euro/188 Gramm | Schloss Tex | 10 000 mm/3 Lagen | Litauen | 2-Wege-Front-Reißverschluss, großer Reflektor hinten, zwei Öffnungen am Rücken für Trikottaschenzugriff, Ärmel und Bund elastisch, wasserabweisender Front-RV | SEHR GUT (73 Punkte) |
| Castelli Idro 2 Jacket/Idro W Jacket | 270 Euro/110 Gramm | Tex Gore-Tex Shakedry | 28 000 mm/2 Lagen | Rumänien | Reflektor hinten, Ärmel und Bund elastisch, wasserabweisender Front-RV | SEHR GUT (86 Punkte) |
| Gore Race/C7 Gore-Tex Shakedry Jacke (Testsieger) | 330 Euro/167 Gramm | Gore-Tex Shakedry | 28 000 mm/2 Lagen | China | kleine RV-Tasche hinten, Reflektoren, Stretch-Einsätze an den Körperseiten und im Achselbereich, Front-RV hinterlegt, Ärmel und Bund elastisch. | SEHR GUT (88 Punkte) |
| Löffler Hr./Da. Bike Jacke GTX Shakedry (Kauftipp) | 250 Euro/131 Gramm | Gore-Tex Shakedry | 28 000 mm/2 Lagen | (Europa) | große RV-Tasche hinten, Reflektoren, wasserabweisender und hinterlegter Front-RV, Ärmel und Bund elastisch | SEHR GUT (85 Punkte) |
| Mavic Cosmic Ultimate GTX Jacke | 350 Euro/105 Gramm | Gore-Tex Shakedry | 28 000 mm/2 Lagen | China | Reflektoren an Ärmeln und Bund umlaufend, Ärmel und Bund elastisch, wasserabweisender Front-RV | SEHR GUT (86 Punkte) |
| Sportful Stelvio Jacket | 300 Euro/168 Gramm | Rainwick Stretch | 20 000 mm/3 Lagen | Rumänien | Reflektoren an Ärmeln und Bund umlaufend, Ärmel und Bund elastisch, wasserabweisender Front-RV | SEHR GUT (81 Punkte) |
Alternative Jacken
Auch wenn die Jacken im Test überzeugen, gibt es Alternativen mit anderen Stärken.
- Rapha Pro Team Lightweight Shadow Jacket: Wer nicht bei Dauerregen unterwegs ist, braucht keine Membran: Diese Jacke ist sehr elastisch, trägt sich daher trotz sportlichem Schnitt sehr bequem. Außerdem ist das Material höchst atmungsaktiv. Der Windschutz ist top, vor Sprühregen schützt die Imprägnierung allemal ausreichend.
- Löffler WPM Pocket: Wer maximalen Regenschutz sucht, kommt an einer Jacke mit Kapuze nicht vorbei - nur so bleibt der Kopf trocken, und Nässe kann nicht über den Kragen eindringen. Die WPM Pocket sitzt körpernah, die Kapuze unter dem Helm stört im Wind nicht übermäßig, Wetterschutz, Packmaß, Gewicht und Klima sind sehr gut.
Revolutionäres Material: Shakedry
Revolutionär - ein großes Wort, das im Marketing viel zu oft überstrapaziert wird. Dennoch umschreibt der Begriff die Shakedry-Jacken in diesem Test sehr treffend. Das neue Material von Gore ist unglaublich leicht, dünn, dicht - und atmungsaktiv. Keine andere Membran vereint diese teils konkurrierenden Anforderungen so überzeugend. Der Trick: Gore verzichtet auf die äußere textile Lage, das wasserabweisende PTFE liegt außen - ist allerdings auch kaum geschützt.
Wer damit leben kann (also ohne Rucksack fährt) und bereit ist, mindestens 250 Euro zu investieren, sollte sich die vier Shakedry-Modelle im Test genauer ansehen. Sie empfehlen sich als faustgroß verpackbare Rundum-sorglos-Pakete für alle Wind-und Wetterbedingungen. Die übliche Frage vor einem langen Tag auf dem Rennrad, "Nehme ich Armlinge, Weste, Windjacke oder Regenjacke mit?", erübrigt sich damit.
Alternativen zu Shakedry
Aber es gibt nach wie vor gute Alternativen zu Shakedry: Die Jacken von Assos und Sportful im Test sind aus nicht ganz so atmungsaktiven und weniger klein zu verpackenden Membranen gefertigt, dafür aber robuster. Stichwort robust: An zwei der Shakedry-Jacken (von Castelli und Löffler) löste sich bereits nach wenigen Wäschen das Tape, mit dem innen die Nähte verklebt werden - ein ärgerlicher Verarbeitungsfehler, zumal Gore für Shakedry häufiges Waschen empfiehlt.
Wichtige Funktionen einer Regenjacke
In erster Linie sollten Regenjacken effektiv das Wasser draußen halten und dementsprechend wasserdicht sein. Die Atmungsaktivität spielt eine entscheidende Rolle bei einer Regenjacke. Beim Radfahren wird leicht geschwitzt, die Feuchtigkeit sollte daher schnell durch die verwendeten Textilien abtransportiert werden können. Nicht als primäre Funktion, aber dennoch nicht ganz unwichtig, ist die Isolierung vor Wind und Kälte.
Gerade bei Regen sollte auf gute Sichtbarkeit Wert gelegt werden. Reflektierende Stoffe oder Einsätze sind deshalb sehr sinnvoll.
Die richtige Pflege
Auch die beste Membran einer Regenjacke kann versagen. Nämlich dann, wenn Dreck (von außen) und Schweiß (von innen) die Poren der Membran verstopfen. Da hilft mit der Zeit auch kein Abwischen mehr, sondern ein vorsichtiges Waschen bei niedrigen Temperaturen in der Waschmaschine. Ganz wichtig dabei: Unbedingt die Wasch- und Pflegeanleitung der Hersteller lesen und befolgen!
Niemals Weichspüler, Bleichmittel oder Waschpulver benutzen! Damit schädigt man den Jacken nur! Es gibt spezielle Waschmittel für Outdoor-Bekleidung, die die Regenjacken imprägnieren.
Weitere getestete Modelle und Marken
Neben den bereits genannten Modellen wurden auch Regenjacken von Gorewear, Decathlon und Scott getestet.
Gorewear Spinshift GTX: Das PFC-freie Zwei-Lagen-Material mit einer Gore-Tex-ePE-Membran überzeugte im Test mit einem extrem guten Wetterschutz, sehr guter Atmungsaktivität und seinen schnellen Trocknungseigenschaften. Bis auf den etwas weiten Kragen ist die Jacke sportiv und körpernah geschnitten. Kriechnässe verhindern die elastischen und asymmetrisch geschnitten Bündchen.
Eigene Erfahrungen und individuelle Präferenzen
Jede der Jacken hat für mich ihre Berechtigung und eine Besonderheit, durch die sie sich von anderen Jacken unterscheidet. Die Jacken haben ein kleines Packmaß und können in einer Trikot-Rückentasche verstaut werden. Alle drei Regenjacken besitzen einen verlängerten Rücken, der vor Spritzwasser an Po und unteren Rücken schützt.
Die Biehler TECHNICAL REFLECTIVE Regenjacke
Die Regenjacke der Marke Biehler TECHNICAL REFLECTIVE besticht durch hohe Reflektivität, welche für mich das klare Kaufargument war. Die Jacke ist so konstruiert, dass Licht, welches auf die Jacke trifft, reflektiert wird. Sie reflektiert also im Ganzen. Die Jacke ist wasserdicht mit einer Wassersäule von 10.000 mm. Die Atmungsaktivität wird mit 10.000 g/m²/24h angeben.
Die Sportful HOT PACK NORAIN Jacke
Die Jacke HOT PACK NORAIN von Sportful ist ein Klassiker und seit vielen Jahren auf dem Markt. Sie besitzt eine Rückentasche mit Innenbeutel indem die Jacke verstaut werden kann, so dass sie beim Transport geschont wird. Sportful hat mit der Hot Pack NoRain Jacke einen Allrounder geschaffen. Gute Atmungsaktivität, sportlicher Schnitt, kleines Packmaß und relativ gute Robustheit machen die Jacke zur ersten Wahl in vielen Situationen.
Die Le Cole Leichte ARC-Regenjacke im Detail
Die Verarbeitung der Le Cole Regenjacke ist durchdacht. Sie besteht aus 100% Polyester und ist sehr strapazierfähig. Der Einsatz von recyceltem Polyester zeigt den nachhaltigen Aspekt der Jacke. Die Le Cole Jacke kann bis zu 14.000 mm Wasser aushalten. Die Atmungsaktivität ist ebenfalls beeindruckend. Der Tragekomfort der Jacke ist besonders zu erwähnen. Sie ist leicht und bietet viel Bewegungsfreiheit. Die Jacke passt sich dem Körper an und schränkt nicht ein.
Tipps zur Auswahl der richtigen Regenjacke
Bei der Wahl von leichter Outdoorbekleidung ist die Passform entscheidend. Eine gute Regenjacke muss vor allem Wasserdicht sein. Jacken mit einem Wasserbedarf von 20.000 mm oder mehr schützen sehr gut. Atmungsaktivität ist ebenso wichtig. Eine gute Jacke lässt Feuchtigkeit nach innen ab, bleibt aber trocken. So bleibt sie angenehm zu tragen.
So testet TOUR Regenjacken für Rennradfahrer
Die Wasserdichtigkeit wurde mit dem Suter-Test ermittelt (siehe DIN-EN-ISO 20811). Dabei haben wir die Jacke im Bereich einer Nahtstelle zwei Minuten lang unter einen Druck von 0,3 Bar (3000 Millimeter Wassersäule) gesetzt. Tritt Wasser durch Material oder Naht, gibt es Punktabzug. Ähnlich wie beim Spray-Test (DIN-EN-ISO 4920) wird das Abperlverhalten ermittelt.
Erstmals gehört zu unseren Testverfahren eine selbst entwickelte Prüfung zur Bewertung der Dampfdurchlässigkeit. Der Aufbau funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie der bekannte MVTR-Test (Moisture Vapor Transmission Rate), bei dem ermittelt wird, welche Menge Wasserdampf in einer bestimmten Zeit durch eine bestimmte Fläche Material dringen kann.
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