Die Ducati-Scrambler-Baureihe wurde technisch gründlich überarbeitet. Und auch am Image der Modelle Icon, Full Throttle und Nightshift wurde gefeilt. Nun ist es Zeit für ein gründliches Update. Die Marketingabteilung will das glauben machen: Als "Next Gen Freedom" wird sie angepriesen. Jung, bunt und spaßig wird sie für knapp 11.000 Euro platziert.
Die neue Ducati Scrambler Icon
Primär ist die neue Ducati Scrambler - wir fuhren die Basisversion Icon - moderner und leichter geworden, aber auch bunter: Leuchtende Farben sind gesetzt, alleine für die Icon gibt es sechs Dekorsets, die in unter einer Stunde montiert sein sollen und für überschaubare 285 Euro einen ganz neuen Look bieten. Ride-by-Wire ersetzt die früheren Bowdenzüge und macht zwei Fahrmodi ("Road", "Sport") möglich. Der Zweizylinder überzeugt durch feine Gasannahme, eine sehr angenehme Leistungsabgabe und genügend Power: Das Zweiventiltriebwerk gibt sich drehfreudig und agil, ist aber für seine Größe nicht sparsam: Unter fünf Liter wird kaum ein Scramber-Fahrer 100 Kilometer weit kommen. Viel mehr als 200 Kilometer am Stück sind im 13,5 Liter-Tank also nicht drin.
Fahrvergnügen und Handling
Die machen allerdings Spaß. Denn die 185 Kilogramm leichte Scrambler ist ein ausgesprochen leicht zu handhabendes, dabei kein bisschen nervöses Motorrad geworden. Schon kleine Kommandos am Lenker genügen und die Italienerin tut, was ihr Fahrer von ihr erwartet. Willig schnappt sie nach jeder Kurve und absolviert diese präzise und stabil, sie federt und dämpft sportlich, aber nicht ungehobelt und bremst stabil und gut dosierbar, wenngleich der Biss eher verhalten erscheint. Die Bedienung ist einfach, der Sitz in leicht zugänglichen 79,5 cm Höhe montiert. Alle Schalter und Hebel sind griffgünstig platziert, der Lenker angenehm geformt.
Moderne Features
Gab sich die erste Generation diesbezüglich noch vollkommen puristisch, hat Ducati nun fast alles integriert, was heute en vogue ist: Die schräglagenabhängig regelnde Traktionskontrolle ist vierstufig einstell- oder auch abschaltbar, dazu hält sich ein Kurven-ABS in Reserve. Puristisch ist das fraglos nicht mehr, eher erscheint es zeitgemäß. Und die Fahrfreude kappt die Elektronik nicht. Eher freut man sich über die neue Technik, denn es gibt nun Voll-LED-Beleuchtung inklusive eines charakteristischen Tagfahrlichts sowie ein gut ablesbares, stilistisch einfach gehaltenes TFT-Display im Cockpit. Das Bordcomputer-Menü ist klar strukturiert und deshalb gut bedienbar. Die Elektronisierung geht allerdings, wenn auch gegen Mehrpreis, noch weiter: Sogar ein Quickshifter zum kupplungslosen Gangwechsel ist lieferbar. Gegen Zuzahlung bei der Icon, in Serie bei den teureren Versionen Nightshift und Full Throttle.
Technische Daten der Ducati Scrambler Icon
Hier eine Übersicht der technischen Daten der Ducati Scrambler Icon:
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Höchstgeschwindigkeit | 195 km/h |
| Normverbrauch | 5,2 l/100 km |
| Federweg vorne | 150 mm |
| Federweg hinten | 150 mm |
| Sitzhöhe | 795 mm |
| Gewicht fahrfertig vollgetankt | 185 kg |
| Tankinhalt | 13,5 l |
| Preis | 10.590 Euro zuzüglich NK |
Die Ducati Scrambler 1100 Pro
Der Hersteller sieht die Tribute Pro als Hommage an den luftgekühlten Zweizylinder und feiert damit dessen 50-jähriges Jubiläum bei Ducati. Die spezielle Lackierung "Giallo Ocra" mit dem einst von Giugiaro entworfenen Logo auf dem Tank sowie die schwarzen Speichenräder zeichnen dieses Modell aus. Es gibt drei Riding-Modes, die mit der Traktionskontrolle kombiniert sind. Im Vergleich zu den davor verfügbaren 1100er-Scramblern zeichnen sich die Pro-Versionen durch einen hochgelegten, doppelläufigen Endschalldämpfer sowie ein Stummelheck mit geänderter Sitzbank aus.
Sport Pro Variante
Die Sport Pro bietet als Besonderheiten ein Öhlins-Fahrwerk, Brembo-Bremsen mit radial montierten Vierkolben-Monoblock-Bremssätteln sowie einen tieferen Lenker mit Rückspiegeln im Café-Racer-Stil. Auch die Pro-Varianten werden von einem 63 kW/86 PS starken Euro-5-V2 angetrieben und bringen fahrfertig knapp über 200 Kilogramm auf die Waage.
Technische Daten der Scrambler 1100 Pro
Hier eine Übersicht der technischen Daten der Ducati Scrambler 1100 Pro:
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Hubraum | 1079 ccm |
| Leistung | 63,0 kW bei 7500/min |
| Max. Drehmoment | 88,0 Nm bei 4750 U/min |
| Normverbrauch | 5,2 l/100 km |
| Leergewicht | ca. 210 kg |
| Tankinhalt | 15,0 l |
| Preis | 15.290 Euro zuzüglich |
Die Ducati Scrambler Urban Motard
Wie die Modellbezeichnung bereits anklingen lässt, ist die Urban Motard weniger für große Reisen als vielmehr für das städtische Umfeld konzipiert worden. Stil, Sportlichkeit und Fahrspaß sieht man im Vordergrund. In der Urban Motard arbeitet der 803 Kubikzentimeter große "kleine" Twin mit einer Leistung von 53,7 kW/73 PS. Beim Drehmoment (66,2 Nm zu 90,5 Nm) ist der Abstand zum Elfhunderter-Motor wesentlich größer. Die Urban Motard rollt auf 17 Zoll Speichenrädern und trägt einen hohen vorderen Kotflügel. Die seitlichen Nummerntafeln greifen den Supermoto-Stil auf.
Fahrberichte und Erfahrungen
Kaum sitze ich auf der Scrambler, überkommt mich dieses unwiderstehliche Gefühl: Ich will sofort losfahren, nach Caorle, Lignano oder sonst wohin, wo das Leben pulsiert und der Espresso stark ist. Ducati hat hier ein Meisterwerk der Verführung geschaffen. Der V2-Motor der Scrambler ist wie ein perfekt abgestimmter Vergaser aus der guten alten Zeit - nur eben mit moderner Technik. Mit 73 PS bei 8250 U/min und 65 Nm bei 7000 U/min ist er kein Kraftprotz, aber das Ansprechverhalten ist seidenweich und präzise. Es fühlt sich an, als könnte man jedes einzelne Benzinmolekül spüren, das in den Brennraum strömt.
Fahrwerk und Bremsen
Mit 150 mm Federweg vorne und hinten erwartet man zunächst ein weiches Fahrverhalten. Doch die Scrambler überrascht mit erstaunlicher Stabilität. Das Chassis ist clever konstruiert und profitiert offensichtlich von Ducatis Erfahrung. Die Schräglagenfreiheit ist für den Alltag mehr als ausreichend, aber auf der Rennstrecke stößt man schnell an Grenzen. Dabei ist nicht nur der Fußraster der limitierende Faktor, sondern auch der Bremshebel und - Achtung, Gefahrenzone! - die Abdeckplatte des Auspuffs. Die einzelne Scheibenbremse vorne mag für längere Passfahrten mit Gepäck an ihre Grenzen stoßen, aber für unseren Kurzzeit-Sprint reicht sie überraschend gut aus. Auf der Start-Ziel-Geraden zeigt sich, dass stärkere Motorräder hier natürlich im Vorteil sind. Die Scrambler kann ihre Leistung nicht ganz so ausspielen wie manch anderes Bike in unserer Bestzeit-Tabelle.
Preis-Leistungs-Verhältnis
Klar, die größeren Scrambler-Modelle sind nochmal eine Schippe geiler - aber eben auch deutlich teurer. Sagen wir mal 20% mehr Performance für 50% mehr Geldeinsatz. Sie bietet einen faszinierenden Mix aus Fahrspaß, Alltagstauglichkeit und Style zu einem vergleichsweise moderaten Preis.
Die Ducati Scrambler Full Throttle
Die Ducati Scrambler Full Throttle ist eine von drei neuen Scrambler-Modellen, die Ducati in diesem Jahr neu vorgestellt hat. Sie soll an Flat-Track Bikes erinnern und hat natürlich nach wie vor den Luft-Öl gekühlten V2 in L-Form mit desmodromischer Ventilsteuerung - also eine waschechte Ducati!
Ausstattung und Design
Die Icon, die wir auch schon getestet haben, ist das günstigste Modell für 10.590 Euro. Sie hat den höchsten Lenker und kann durch ein cleveres Cover-Kit Baukastensystem in neun Farben individualisiert werden. Die Grundfarben sind Rot, Schwarz und Gelb. Das Cover-Kit mit sechs weiteren Farben kostet lediglich 285 Euro. Wir haben hier die Full Throttle getestet, die es lediglich in Rot-Schwarz gibt (nennt sich "Rosso GP19") und die einen Termignoni-Auspuff an Bord hat. Sie kostet 12.490 Euro und hat in Serie außerdem einen Ölwannenschutz aus Alu, eine konturierte Sitzbank und eine Seitenverkleidung mit der ikonischen Nummer 62. Sie hat dank der Hinterradkennzeichen-Halterung ein sehr kurzes Heck mit winzig kleinen LED-Blinkern.
Fahrgefühl und Handling
Die Sitzhöhe von 795 mm sollte auch kleinere Piloten vor keinerlei Probleme stellen. Der Lenker ist zwar etwas niedriger montiert als bei der Icon, die einen seeeehr hoher Lenker hat, er ist aber sehr breit und auch nicht so tief montiert wie bei der Nightshift, die einen seeeeehr tief montierten Lenker aufweist. Die goldene Mitte, könnte man also auch sagen. Der Fahrer hat ausreichend Platz, für den Beifahrer wird es aber naturgemäß etwas eng. Freude kommt dagegen beim Rangieren auf, denn die Maschine wiegt nur 185 kg fahrfertig. Auch das Gewicht dürfte also für kleinere Leute kein Problem sein und auch Frauen dürften sich über die Handlichkeit und Rangierfähigkeit der Full Throttle freuen.
Technische Details
Die Ducati Scrambler Modelle Jahrgang 2023 haben technisch ordentlich aufgesattelt. Auch Licht-technisch kann man sich nicht beschweren. Die Full Throttle hat Voll-LED inkl. Tagfahrlicht mit separatem Schalter und LED-Blinker. Das TFT-Display ist gut ablesbar, die Bedienung ist allerdings leider etwas fummelig. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kommt man aber zurecht.
Sound und Motor
Der Sound der Full Throttle ist typisch Ducati. Es grummelt und scheppert und irgendjemand in der Nähe scheint außerdem einen Sack Muscheln zu schütteln. Der Termignoni-Endtopf klingt wirklich hervorragend und natürlich hat ein Luft-Öl gekühlter Desmo V2 von Haus aus akustisch einiges zu bieten. Die Ducati-Scrambler waren schon immer sehr agile und wendige Bikes. Wenn man von einer größeren Maschine direkt auf die Full Throttle umsteigt, empfindet man das sogar als ein wenig kippelig. Es reicht schon ein minimaler Lenkimpuls und die Maschine legt sich nach links oder rechts. Und das, obwohl die Full Throttle eine 18 Zoll Vorderradfelge hat! Allerdings ist ein 110/80er Reifen aufgezogen, der sicherlich zur Wendigkeit beiträgt.
Fahrwerk und Bremsen
Das Kayaba-Fahrwerk ist bis auf die Federvorspannung hinten nicht einstellbar, dafür aber perfekt auf diesen Typ Motorrad abgestimmt. Es geht zwar straff, aber nicht unkomfortabel zur Sache. Die Federwege von 150 mm machen auch eine Fahrt ins moderate Gelände möglich, obwohl das nicht unbedingt zur Natur der Full Throttle gehört. Vielmehr fühlt sich dieses Bike in der Stadt und auf der Landstraße wohl. Die Bremsen vorne sind okay, hinten aber etwas schwach auf der Brust.
Motor und Fahrleistungen
Bei 73 PS und 65 Newtonmeter Drehmoment sollte man von dieser Maschine zwar keine Höchstleistungen erwarten, es geht aber dennoch flott vorwärts. Wer es drauf ankommen lässt, kann ohne viel Aufhebens Wheelies produzieren und es auch sonst ordentlich krachen lassen. Nun sind Scrambler-Maschinen nicht unbedingt für derlei Sperenzchen gemacht, aber trotzdem macht es einen Heidenspaß, dem Gaul mal ordentlich die Sporen zu geben. Der V2 freut sich über jede Form von Gasgeberei und gibt sich vor allem auch sehr "gesprächig". Man spürt einfach, was dem Motor gefällt und was nicht und - typisch für eine Ducati - hört auch genau, was da unten gerade so los ist. Das ist schwer zu beschreiben, aber immer wieder eine tolle Erfahrung. Wer noch nie einen Desmodue gefahren ist, sollte das schleunigst nachholen.
Reifenempfehlungen für die Ducati Scrambler
Es gibt eine Vielzahl von Reifen, die sich für die Ducati Scrambler eignen. Hier eine Auswahl:
- Dunlop Mutant: Ein vielseitiger Reifen mit ausgezeichneter Traktion auf verschiedenen Untergründen.
- Bridgestone Battlax Adventurecross Scrambler AX41S: Bietet optimale Traktion und Langlebigkeit.
- Pirelli Scorpion Rally STR: Ein erstklassiger Reifen für Straße und Gelände.
- Heidenau K73: Eine günstigere Option, die sich gut für Supermoto- und Scrambler-Motorräder eignet.
Weitere Reifentipps
Es gibt auch andere Reifenoptionen, die für die Ducati Scrambler in Betracht gezogen werden können, wie z.B.:
- Pirelli MT 60 RS
- Continental TKC 70
- Pirelli Angel GT
- Metzeler Roadtec 01
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