Der ultimative Leitfaden zum Reifendruck für Rennräder

Der richtige Reifendruck ist entscheidend für die Leistung, den Komfort und die Sicherheit eines Rennrads beziehungsweise seines Fahrers. Allerdings gibt es weder eine pauschale Anleitung noch eine allgemeingültige Tabelle oder Richtwerte, die den richtigen Reifendruck vorgeben. Tatsächlich wird der korrekte Reifendruck von vielen Faktoren beeinflusst.

Einfluss des Reifendrucks auf das Fahrverhalten

Der Reifendruck beeinflusst das Fahrverhalten eines Rennrads in vielerlei Hinsicht. Zu hoher Druck kann die Fahreigenschaften verschlechtern, den Rollwiderstand und das Unfallrisiko erhöhen, während zu niedriger Druck den Rollwiderstand erhöht und den Reifenverschleiß beschleunigt.

Früher hieß es immer, je mehr Druck im Reifen, je schneller. Ein Märchen, welches die Wissenschaft und viele Tests längst widerlegt haben. Ganz davon abgesehen, dass Rennradreifen früher meist dünner als 20 Millimeter waren. Um diese vor Durchschlag und Pannen zu schützen, pumpten Rennradfahrer oftmals so lange, bis 11 oder sogar 12 bar auf dem Manometer abzulesen waren.

Dabei reden wir im Übrigen bei einem früheren Fahrrad über Schlauchreifen; also gerade nicht über Clincher Felgen mit Drahtreifen, beziehungsweise Faltreifen und einen Schlauch, sondern über Felgen mit einem flachen konkaven Felgenbett auf welches der Reifen, bei dem Mantel und Schlauch zu einer Einheit vernäht waren, aufgeklebt wurde. Wer in diesen alten Tagen eine Panne hatte, der musste schon eine ausgewachsene Fahrradpumpe dabeihaben, die meisten Minipumpen von damals waren mit den Anforderungen überfordert. Heutzutage leisten die Pumpen natürlich deutlich mehr als früher.

Faktoren, die den Reifendruck beeinflussen

Die Wahl des richtigen Reifendrucks für Rennräder hängt von Faktoren ab wie Reifenbreite, Untergrund, Felgenbreite oder auch vom Gewicht des Fahrers und vom verwendeten Reifensystem. Es ist wichtig, dass du diese Aspekte berücksichtigst, um die optimale Leistung, den Komfort und auch die Sicherheit zu gewährleisten.

Fahrergewicht

Das Gewicht des Fahrers spielt eine entscheidende Rolle bei der Wahl des richtigen Reifendrucks. Schwerere Radfahrer benötigen höheren Druck, leichtere folglich weniger. Die Reifen sollen letztlich leicht federn, aber nicht springen. Zu schwammig dürfen sie sich natürlich auch nicht anfühlen.

Für den idealen Reifendruck ist zum großen Teil das Körpergewicht des Fahrers relevant. Als hilfreicher Annäherungswert gelten 10 Prozent des Körpergewichts in bar. Wenn du 75 Kilogramm wiegst, solltest du den Reifen bis 7,5 bar aufpumpen (natürlich unter Berücksichtigung der maximal zulässigen Luftdrücke von Reifen und Felgen). Du musst aber beachten, dass du das Systemgewicht nicht außer Acht lassen darfst, denn zum Beispiel Bikepacking-Taschen mit Inhalt erhöhen dieses zum Teil drastisch.

Reifenbreite

In den letzten Jahren hat sich ein Trend zu breiteren Reifen (25 Millimeter und mehr) etabliert. Diese bieten eine größere Auflagefläche, was den Komfort erhöht und die Traktion verbessert, insbesondere auf unebenem Untergrund. Beim Klassiker-Rennen Paris - Roubaix fahren die meisten Profis mittlerweile sogar zwischen 28 und 30 Millimeter breite Reifen, einige davon auch Tubeless. Der Vorteil: Breitere Reifen können mit niedrigeren Drücken gefahren werden, ohne den Rollwiderstand zu erhöhen.

Moderne Tests haben ergeben, dass breitere Reifen eben nicht schlechter rollen als schmale, abgesehen vielleicht von den Bedingungen auf der optimalen Oberfläche einer Radrennbahn. Breitere Felgen erlauben heutzutage deutlich niedrigeren Druck als schmale, und der Vorderreifen kann ein paar Zehntel weniger bar bekommen als der Hinterreifen, der deutlich mehr Last zu tragen hat als sein Vorläufer. Mitunter kann es sogar deiner Leistung guttun, wenn du weniger Luftdruck auf den Reifen gibst, als es die Empfehlung auf der Seitenwand vom Reifenmodell aufzeigt. Zum Beispiel wenn du auf einer Strecke mit viel Kopfsteinpflaster unterwegs bist und einen entsprechend breiten Reifen fährst.

Die Empfehlungen, die auf den Reifen aufgedruckt sind, sollen letztlich auch den Reifenhersteller vor etwaigen Haftungsansprüchen im Falle eines schweren Sturzes schützen.

Untergrund

Auf glatten, asphaltierten Straßen kann ein höherer Reifendruck verwendet werden, da der Rollwiderstand minimiert und die Geschwindigkeit maximiert wird. Ein hoher Reifendruck mindert zwar den Rollwiderstand, verringert aber den Komfort. Da Asphalt im normalen Straßenverkehr, anders als in einem Velodrom, nicht besonders glatt ist, sorgt ein zu hoher Reifendruck für eine unruhige Fahrt. Der Reifen springt leicht und vibriert.

Auf unebenen Straßen und Kopfsteinpflaster ist es darum besser, den Reifendruck zu reduzieren. Ein geringerer Druck ermöglicht es dem Reifen, sich besser an den Untergrund anzupassen, was den Komfort erhöht und die Kontrolle verbessert.

Felgenbreite

Die Felgenbreite beeinflusst die Form des aufgepumpten Reifens, den Luftwiderstand und auch den Reifendruck. Breitere Felgen ermöglichen es, breitere Reifen zu montieren. Eine breitere Felge mit einem breiteren Reifen erfordert wiederum weniger Luftdruck, um die gleiche Leistung zu erzielen. Zum Beispiel kann ein 25-Millimeter-Reifen auf einer breiten Felge bei nur 5,5 bar (80 psi) denselben Rollwiderstand aufweisen wie bei 6,2 bar (90 psi) auf einer schmaleren Felge.

Reifentyp

Der richtige Reifendruck hängt auch mit der Art des Reifens zusammen.

  • Tubular (Schlauchreifen): Beim ihm ist der Schlauch direkt mit dem Mantel vernäht, während der Reifen mit dem Felgenbett verklebt ist. Diese Konstruktion macht den Tubular stabiler und leichter, was ihn besonders im Profisport beliebt macht. Außerdem bietet er Notlaufeigenschaften, die andere Reifentypen nicht haben.
  • Tubeless (schlauchloser Reifen): Tubeless-Reifen waren zunächst im Mountainbike-Sport verbreitet, haben sich in den letzten Jahren aber auch im Rennradbereich etabliert. Tubeless-Reifen können mit etwa 0,5 bis 1 bar weniger Luftdruck gefahren werden. Das verbessert den Fahrkomfort spürbar, erhöht die Haftung und verringert den Rollwiderstand.
  • Clincher (Drahtreifen): Der Clincher ist ein absoluter Klassiker unter den Rennradreifen. Er ist als Draht- oder Faltreifen erhältlich und etwas pannenanfälliger als Tubeless- oder Schlauchreifen.

Tubeless-Systeme

Tubeless-Systeme werden immer beliebter, da sie mehrere Vorteile bieten, darunter ein geringeres Pannenrisiko und die Möglichkeit, eben mit niedrigeren Drücken zu fahren, ohne die Gefahr von Durchschlägen (Snakebites) zu provozieren. Im Vergleich zu Butyl-Schläuchen haben TPU Fahrradschläuche viele Vorteile.

Reifendruck Tabelle

Die folgende Tabelle zeigt dir, wie viel bar je nach Reifenbreite und Körpergewicht für deine Reifen geeignet sind. Natürlich sind dies nur Richtwerte und der für dich ideale Rennrad Reifendruck kann immer höher oder niedriger sein. Benutze die nachstehende Tabelle und zieh für tubeless etwa 1 bar ab.

Fahrergewicht (kg) Vorderreifen (bar) Hinterreifen (bar)
50-60 5,9-6,2 6,2-6,6
61-70 6,2-6,6 6,6-7,0
71-80 6,6-7,0 7,0-7,4
81-90 7,0-7,4 7,4-7,8
91-100 7,4-7,8 7,8-8,2

Hinweis: Im Gegensatz zu Mountainbikern, die den Reifendruck ihres MTBs ständig den Bodenverhältnissen anpassen müssen, haben es Rennradfahrer wesentlich einfacher. Auf der Straße ist die Vielfalt an unterschiedlichen Untergründen eher gering.

Wie finde ich meinen RICHTIGEN Reifendruck?

Das individuell richtige Setting für den Reifendruck hängt von deutlich mehr Faktoren ab, als man auf den ersten Blick evtl. Orthopädische Vorschädigungen (z.B. Je BREITER der Reifen ist, desto WENIGER Luftdruck benötigt er -> denkt an die breiten Autoreifen: diese werden ja auch nur mit ca. Auf einem glatten Untergrund wie z.B. einer (Holz-) Bahn hat ein Reifen deutlich weniger Rollwiderstand - ist also schneller - als der identische Reifen mit dem gleichen Luftdruck auf einer sehr gut asphaltierten Straße.

Je breiter und auch profilierter ein Reifen aufgebaut ist, desto weniger Luftdruck wird auf diesen befüllt. Unabhängig von der Reifenbreite brauch der Reifen bei Nässe und hier besonders in Kurvenlage mehr Grip und Haftung, damit wir nicht wegrutschen. Hier als Faustformel: bei Nässe ca. Natürlich gilt, je schwerer die Person, die auf dem Rad sitzt, desto mehr Luftdruck muss befüllt werden.

An den Seitenflanken eines Reifens steht immer eine Herstellerangabe, eine sog. Range, die besagt, mit welchem Druck in Bar/PSI der Reifen mindestens befüllt werden sollte - und maximal befüllt werden darf. Je nach Reifenbreite und Bedingungen gilt bzgl. Bei immer wiederkehrenden oder gar chronischen orthopädischen Problemen (Schulter-Nacken, untere Rücken) empfiehlt es sich, besonders bei einem Körpergewicht zwischen 50-70 Kilogramm, den Reifendruck zwischen der mittleren und unteren Empfehlung des Herstellers anzusiedeln.

Weiteres Wissenswertes inkl. Tubeless Reifen, die ohne Schlauch gefahren werden, haben einen schnelleren Luftverlust als Clincher. Bei Clinchern ist der Luftverlust stark davon abhängig, mit welchem Schlauchmaterial diese bestückt werden. Die „klassischen“ Butyl Schläuche halten die Luft 7-10 Tage, leichte TPU Schläuche (z.B. Tubolito) halten die Luft am längsten, hier reicht eine Kontrolle alle 10-14 Tage. Sclaverand Ventile können bei Feuchtigkeit und/oder Kälte in ihrer Funktion nachlassen -> soll heißen, dass die Luft schneller entweichen kann.

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