Die Radmarathon-Saison 2022 ist vorbei und viele Radsportler planen bereits für den nächsten Sommer und setzen sich neue Ziele. Es lohnt sich daher, früher als sonst wieder mit dem Training einzusteigen. Oft ist das Wetter im Herbst noch so gut, dass lange Trainingseinheiten im Grundlagenbereich möglich sind. Alternativ kann man auch „virtuell“ mit dem Training beginnen: auf einem Smarttrainer mit kurzen, intensiven VO2max- und EB-Einheiten in den eigenen vier Wänden oder auch mit virtuellen Online-Wettkämpfen.
Lang und locker oder kurz und intensiv - man kann auf sehr unterschiedliche Art mit dem Training beginnen. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile. Die Anforderungen sind zwar sehr unterschiedlich, doch sie schließen sich nicht gegenseitig aus. Im Gegenteil: Beide Ansätze ergänzen sich.
Ab dem Frühjahr habe ich mich im Trainingslager und bei angenehmeren Temperaturen während langer Grundlageneinheiten auf meine Laktatbildungsrate fokussiert. Das Ergebnis: In den letzten beiden Jahren steigerte ich meine Leistungswerte und gewann mehrere Radmarathons. In diesem Sommer etwa den Arlberg Giro, den Dreiländergiro, La Marmotte und die L’Étape du Tour.
Indoor-Training: Kurz, intensiv und effizient
Die kurzen, intensiven Trainingsreize auf dem Indoor-Trainer führen oft zu großen Leistungssteigerungen. Der zeitliche Trainingsumfang beim Indoor-Training ist noch dazu sehr überschaubar. Trainingseinheiten dauern fast nie länger als zwei Stunden - virtuelle Rennen sind meistens nach einer Stunde vorbei. Oft sind sie sogar deutlich kürzer. Und dennoch sehr effizient.
Die Herausforderung bei Zwift-Rennen
Die größte Herausforderung bei Zwift-Rennen ist: Man muss dazu in der Lage sein, an das eigene Limit zu gehen. Denn Zwift-Rennen sind hart und fordernd. Auch in Rennen, die von Taktik geprägt sind, kann man durch virtuelle Wettkämpfe auf Zwift und anderen Plattformen profitieren. Wann attackiert man, wann bleibt man lieber im Windschatten, wann zieht man den Sprint an?
Im Vergleich zu anderen Plattformen wie Rouvy, TrainerRoad oder Bkool gibt es bei Zwift deutlich größere Starterfelder und mehr Wettkampfformate. Ein Beispiel für eine ganze Rennserie auf Zwift: die Zwift Racing League. Mehr als 5.000 Fahrer sind bei diesem Teamwettbewerb dabei. Bei den virtuellen Rennen spielt die Gruppendynamik eine wichtige Rolle. Ein eingespieltes Team erhöht die Motivation und wirkt sich positiv auf die Leistungen jedes Einzelnen aus.
Teamzusammensetzung und Leistungsniveau
In jedem Team sollte es einen Verantwortlichen geben, der für die Organisation, die Anmeldung und die Renntaktik zuständig ist. In der Zwift-Racing-League muss jedes Team aus mindestens vier Fahrern bestehen. In größeren Communities gibt es in der Regel bessere Möglichkeiten, auf das Leistungsniveau der einzelnen Fahrer einzugehen. So können Athleten mit ähnlichen Leistungsbereichen in gleiche und homogene Teams eingeteilt werden.
Wo man zu Beginn der Saisonvorbereitung steht, kann man vorab etwa bei virtuellen Testrennen oder bei einem Leistungstest herausfinden. Zwift bietet hierfür neben zwei FTP-Tests mit einer maximalen Belastung über je 20 Minuten auch einen sogenannten Ramp-Test an. Bei diesem Stufentest wird die Leistung jede Minute erhöht, bis man irgendwann nicht mehr kann. Der Test dauert nur wenige Minuten, ist aber sehr fordernd. Doch um sich richtig einordnen und dann in einem passenden Team starten zu können, ist eine solche Standortbestimmung sehr zu empfehlen.
Die richtige Ausrüstung für das Indoor-Training
Rollentrainer werden nicht nur smarter, sondern auch kleiner und leiser. Hochwertige Geräte bieten ein verblüffend realitätsnahes Fahrgefühl. Die ca. Die günstige freie Rolle ist schnell und einfach aufgebaut, fördert die Koordination und bietet ein realitätsnahes Fahrgefühl. Sie bedarf aber einer gewissen Eingewöhnungszeit, ist relativ laut beim Fahren und ist kein interaktiver Rollentrainer, der sich mit dem Computer bzw. Trainings-Software und virtuellen Trainingswelten verbinden lässt.
Bei der festen Rolle ist das Angebot an Geräten sehr groß. Günstige Einsteigermodelle bis teure Profi-Geräte mit allen denkbaren Funktionen, auch Anbindung zu Apps und Software mit direkter Datenübertragung, sind geboten. Das Fahrrad ist fest verbaut und es erfordert keinen Balance-Akt, es kann sofort losgelegt werden.
Eine Rolle mit Direktantrieb ist das Flaggschiff unter den Rollentrainern. Der Hinterbau des Fahrrads wird mit dem Rollentrainer verbunden und es wird eine Einheit gebildet. Da jeder Pedaltritt direkt über den Trainer läuft, ist neben einem runden Tritt und sehr realistischem Fahrgefühl auch eine volle Konnektivität gegeben. Außer einem leisen Summen und der Gangschaltung ist beim Training hier nichts zu hören. Es muss beim MTB kein neuer Reifen aufgezogen werden, beim Rennrad wird der bestehende Reifen nicht abgenutzt. Für mich waren besonders die Konnektivität zur Trainings-Software, Lautstärke, einfacher Auf- und Abbau sowie die praktische Nutzung mit dem MTB wichtig. Diese Wünsche vereint ein Rollentrainer mit Direktantrieb optimal.
Smarte Rollentrainer mit Direktantrieb sind schnell einsatzbereit.
Zubehör für das optimale Rollentrainer-Erlebnis
- Belüftung: Ohne Fahrtwind gerät man daheim schnell ins Schwitzen.
- Unterlage: Es gibt professionelle Trainingsmatten für Rollentrainer, die den Boden schützen.
- Verpflegung: Trinken beim Training ist wichtig, vor allem weil du beim Rollentraining mehr Flüssigkeit durch Schweiß verlierst als beim Training draußen.
- Ablenkung: Rollentraining ist intensiver und Einheiten benötigen vergleichsweise weniger Zeit - mit Musik, Podcast, Serie oder Film geht die Zeit noch schneller rum.
Trainingssoftware und strukturierte Trainingspläne
Ich hatte mich für eine Trainings-Software entschieden. Es gibt viele verschiedenen Software-Anbieter, die einen hohen Unterhaltungswert versprechen. Bei Kinomap können beispielsweise eigene Fahrten aufgenommen und dann am Bildschirm nachgefahren werden. Die Aufnahmen können natürlich geteilt werden, so steht eine große Auswahl an Strecken zur Verfügung.
Wenn das Set-up steht, kann mit dem Training losgelegt werden. Nachdem man sich mit dem Gerät und den verfügbaren Funktionen auseinandergesetzt hat, ist es wichtig, sich Ziele zu setzten und den Weg dorthin mit einem strukturierten Trainingsplan festzulegen. Regelmäßig geplante Einheiten an bestimmten Tagen sind essentiell, wenn man das Training über mehrerer Monate beibehalten möchte. Es kann sich an Werten wie Herzfrequenzbereich, Trittfrequenz und Leistung orientiert werden.
Für mein Ziel, einer Optimierung der Grundlagen- und Kraftausdauer, wollte ich aber einen Überblick über mein Training behalten, um zu sehen, ob ich auch vorankomme und es schaffe, bis Saisonstart meine Form aufzubauen. Wöchentlich habe ich mich zu drei Einheiten entschlossen: Zwei Mal Grundlagenausdauer (10 min Einfahren, dann eine gleichmäßige Einheit von ca. 60 bis 80 Minuten im GA1 Bereich, bei ca. 65% des Maximalpulses) und ein Mal Kraftausdauer (10 Minuten Einfahren, dann 20 Minuten abwechselnd im GA1 und GA2, ca.
Als Neuling musste ich anfänglich meine geplanten Einheiten etwas zurückschrauben, da ich den Trainingseffekt des Rollentrainers unterschätzt hatte. Eine Trainingssoftware ist ein großer Motivator beim Training. Zwischendurch mit Freunden fahren oder einen neuen Trail auszuprobieren sorgt für Abwechslung und bietet gute Alternativen, wenn das reguläre Training doch mal ausfällt.
Tipps und Tricks für effektives Rollentraining
Damit das Training auf der Rolle nicht schnell zu langweilig wird, sollte der Platz zum Aufstellen so abwechslungsreich wie möglich sein. Also vorm Fernseher oder einem anderen Bildschirm, damit man wenigstens einen Film oder eine Serie schauen kann. Auch die Trainingsgestaltung selber ist immens wichtig. 4 Stunden Grundlagentraining auf der Rolle sind auch bei bester Unterhaltung heftig. Daher empfehle ich, je nach Lust, Laune und Zeitfenster, etwa 45 bis 90 Minuten Training nach dem Motto „kurz, aber intensiv“.
Ein knappes einstündiges Programm könnte z.B. so aussehen:
- 30 min Warmfahren bei normaler Intensität
- 10 min Intervalltraining: 40 s hohe Intensität, 20 s geringe Intensität (das ganze 10x wiederholen)
- 10 bis 20 min ausfahren bei normaler Intensität
Ein solch einfaches Programm bietet den Vorteil, dass man auch mit einem Einsteigermodell gute Erfolge erzielen kann. Die hochwertigeren Geräte bieten darüber hinaus Software oder Apps mit verschiedenen Trainingsprogrammen an. Das halte ich für eine sehr sinnvolle Sache, da man das Training noch abwechslungsreicher gestalten kann. Zudem besteht die Möglichkeit, per Video z.B. Tour de France Etappen interaktiv nachzufahren.
Durch den fehlenden Fahrtwind fehlt die Kühlung. Daher schwitzt man viel stärker. Viel trinken ist somit ein Muss. Negativer Nebeneffekt ist, dass das Training sich dadurch immer anstrengender anfühlt, als es ist. Ein Pulsmesser ist eine Grundvoraussetzung, um die Intensität richtig einschätzen zu können.
Effizienz und Intensität des Indoor-Trainings
Das Indoor-Training auf der Rolle kann kürzer ausfallen, da du dauerhaft Leistung erbringen musst und es keine Rollphasen oder Wartezeiten an der Ampel gibt wie draußen auf der Straße. Bis zu 30 Prozent effizienter wird es dadurch, das heißt, 60 Minuten Training drinnen entsprechen ungefähr 90 Minuten Training draußen. Zudem lässt sich auf dem Smart Trainer oder der analogen Rolle die Intensität sehr genau steuern.
Beispielhafte Trainingseinheiten für den Rollentrainer
- Die klassische „Schwelleneinheit“: 4×4 Minuten im Bereich der anaeroben Schwelle.
- 2×10 Minuten IE: Kurze, hochintensive Intervalle im Wechsel mit kurzen Belastungspausen.
- 3×5 Minuten im G2-Bereich, kohlenhydratarm: Dieses Rollentraining hat das Ziel, den Kohlenhydratverbrauch zu senken.
Die Bedeutung von Zielen und einem strukturierten Plan
Setzen Sie sich für Ihr Rennradtraining auf der Rolle Ziele. Unser Tipp: Analysieren Sie vor Trainingsbeginn Ihre Schwächen. Aufbauend darauf können Sie Ihr Wintertraining planen und Schwerpunkte setzen. Sie haben sich Ziele gesetzt? Dann sollten Sie jetzt einen Plan für Ihr Wintertraining aufstellen.
Aktive Regeneration und alternative Sportarten
Unser Tipp: aktive Regeneration! Yoga, Mobility Training, lockeres Laufen oder Übungen mit der Faszienrolle eignen sich hervorragend, um nach intensiven Trainingseinheiten oder -phasen die Erholung Ihrer Muskeln zu fördern und Ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten. Alternative Sportarten und Ausgleichstraining wie Laufen, Schwimmen oder leichtes Krafttraining können auch in der Pause betrieben werden.
Auch im Winter gilt: Effektives Radrenntraining findet nicht nur auf dem Rennrad statt. Deshalb sollten Sie Ihr Training auch in der Wintersaison durch Muskeltraining oder Beweglichkeitstraining ergänzen, um einer einseitigen Belastung vorzubeugen.
Hochintensive Workouts für den Rollentrainer
Mit hochintensiven Belastungen verbesserst du deine aerobe Kapazität und trainierst deinen Ermüdungswiderstand. Durch kurze Sprints von 30 Sekunden im Spitzenbereich (SB) kurbelst du die Sauerstoffaufnahme deines Körpers an. Dafür musst du allerdings ordentlich in die Pedalen treten. Nach 30 Sekunden intensiver Belastung folgt eine ebenso lange aktive Regenerationspause mit lockerem Pedalieren. In dieser Zeit erholt sich dein Körper, aber der träge Stoffwechsel läuft weiter auf Hochtouren. Bevor die Sauerstoffaufnahme-Rate absinkt, folgt das nächste 30-Sekunden-Intervall.
Training im Entwicklungsbereich (EB) ist ebenfalls hochintensiv. Die mögliche Belastungszeit liegt bei dieser Intensität zwischen 3min und 10min. Je höher die Trainingsintensität, desto höher ist der Sauerstoffumsatz. Der Körper reagiert auf einen solchen Trainingsreiz mit einer gesteigerten Sauerstoffaufnahmekapazität. Dieser Mehr an Sauerstoff steht dir dann auch bei Belastungen im aeroben Bereich zur Verfügung und verbessert somit auch deine Fettverbrennung.
Mehr Kraft, genauer gesagt eine bessere Kraftausdauer, wirkt sich daher positiv auf die Geschwindigkeit aus.
Training in diesem Bereich verbessert deinen Ermüdungswiderstand und deine Tempohärte. In der Grundlagenphase solltest du nicht zu lange in dieser Zone trainieren, aber zwei Belastungsblöcke mit je 5-10min Schwellentempo führen bereits zu hervorragenden physiologischen Anpassungen.
Die richtige Balance zwischen Anspannung und Erholung
Wer nicht nur ab und an zum Spaß zwiftet, sondern viel drinnen fährt, braucht einen Masterplan, um sein persönliches Ziel zu erreichen. Das kann natürlich sehr unterschiedlich sein: Wer etwa einen Saisonhöhepunkt in Indoor-Rennen sieht, muss sich anders verhalten als jemand, dessen Saisonziele im Frühjahr oder Sommer auf der Straße liegen. Denn eins ist klar: Immer Top-Form, rund ums Jahr, ist nicht möglich. Gutes Training lebt vom Wechsel zwischen Anspannung und Erholung. Dies gilt für kleine wie größere Zeiträume, also vom Tagesplan bis hin zur Jahres-Planung - oder sogar einer Vier-Jahres- Planung auf olympischem Niveau. Wer immer gleich fit sein will, bleibt unter seinen Möglichkeiten. Um das Maximum aus sich herauszukitzeln, muss man seine Form gezielt in Schwüngen auf den Tag X hin zuspitzen - Periodisierung nennt man das.
Bewährt hat sich eine Periodisierung, die die Trainingsinhalte immer spezifischer auf den geplanten Wettkampf zuschneidet, je näher dieser Wettkampf rückt. Je weiter weg der Wettkampf noch liegt, desto unspezifischer sollte man trainieren - das bedeutet, die Grundlagen in Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit zu legen. Auch dafür lässt sich Indoor-Training nutzen - nur sollte man eben nicht ständig "Vollgas" fahren.
Verwandte Beiträge:
- Rollentrainer Rennrad Wahoo: Test & Kaufberatung
- Rennrad Rollentrainer mit Garmin: Test & Vergleich der besten Modelle
- Rollentrainer Rennrad Simulator Vergleich: Der Ultimative Leitfaden für Perfektes Indoor-Training!
- Motorrad Stahl Würzburg: Händler, Werkstatt & Service
- Shimano Deore XT Pedale wechseln leicht gemacht – Schritt-für-Schritt Anleitung!
Kommentar schreiben