Die erste Shimano 105 brachte der japanische Hersteller vor genau 40 Jahren heraus. Erstmals wird diese Gruppe nun mit der elektronischen Di2-Technologie ausgestattet, die auch bei den Top-Gruppen Dura-Ace und Ultegra zum Einsatz kommt.
Shimano 105 Di2: Eine neue Ära
Die Schalt-Bremshebel der neuen Shimano 105 wurden hinsichtlich ihrer Ergonomie überarbeitet. Dabei floß laut Shimano auch das Feedback von Profi-Rennfahrern in die Entwicklung mit ein. Die Bremsgriffe sind nun - ähnlich wie bei den teureren Top-Gruppen - höher gezogen und die Hebelform wurde angepasst. Dies soll für mehr Kontrolle und Fahrkomfort sorgen. Auch auf 105-Niveau kommt in den neuen Di2-Hebeln der selbst entwickelte Schaltkreis zum Einsatz, der für sichere, schnelle Signalübertragung und -verarbeitung sorgt und zugleich den Energiebedarf auf ein absolutes Mindestmaß reduziert. So wird das Risiko von Störungen und Interferenzen verringert, die Schaltgeschwindigkeit weiter reduziert und die Akku- bzw. Batterielebensdauer verlängert.
Zwölffach-Antrieb und Kompatibilität
Auch die Shimano 105 ist künftig mit einem Zwölffach-Antrieb ausgestattet. Anders als bei den Sram-Gruppen fügt Shimano nicht ein kleineres Zehner-Ritzel hinzu, sondern platziert den „Extra-Gang“ mittig, um kleine Gangsprünge zu gewährleisten. Die Kassetten der neuen 105 werden mit 11-34 und, erstmals, mit 11-36-Zähnen angeboten. Die Kurbelgarnituren sind weiter als Kompakt- oder Semi-Kompakt-Ausführung erhältlich. Das bedeutet, dass mit 34-36 als „kleinstem“ Gang sogar eine Untersetzung beim Antriebsstrang möglich ist. Das neue Zwölffach-System ist mit allen gängigen Laufrädern laut Shimano weiterhin kompatibel.
Bremssystem und Laufräder
Auch das Bremssystem der 105 Di2 wurde neuentwickelt. Das Ziel der Entwickler: ein geringeres Schleifen der Discbrakes, sowie eine vereinfachte Wartung und eine verbesserte absolute Bremspower. Neben den Schalt- und Bremskomponenten stellt Shimano zur Markteinführung der 105 Di2 erstmals auch zwei neue Carbon-Laufräder vor. Die C32- und C36-Laufradsätze ergänzen nun den bei der Einführung der Ultegra und der Dura-Ace vorgestellten C36- und C50-Laufräder. Das C32 Modell verfügt über 32 Millimeter hohe Felgen mit einer Maulweite von 21 Millimeter; das Gewicht des Satzes soll bei 1.502 Gramm liegen. Die Felge beim C46-Satzist 46 Millimeter hoch, hat ebenfalls 21 Millimeter Maulweite und soll 1610 Gramm wiegen.
Preisgestaltung und Vergleich
Shimano gibt nur die Preise für die einzelnen Bauteile der neuen 105-Di2-Gruppe an. Die Komplettgruppe inklusive Akku und Ladegeräten kostet demnach rund 1838 Euro. Zum Vergleich: Die neue Ultegra-Zwölffachgruppe kostet rund 2415 Euro, die Dura-Ace rund 4180 Euro.
Shimano 105 im Dauertest: 2x11fach-Kombination
Die 105 verrichtete ihre Arbeit stets unauffällig und zuverlässig - so wie man das schon von den Vorgängermodellen gewohnt war. Wir haben die Schaltung in unterschiedlichsten Fahrsituationen ausprobiert und uns ausführlich angeschaut, ob die die 2x11fach-Kombination nicht nur am Pendlerrad oder am Crosser, sondern auch auf langen Radreisen mit Gepäck durchs Gebirge überhaupt Sinn macht. Weitere wichtige Frage war: Wie schlägt sich die hydraulische Discbremse auf langen Touren, insbesondere auf Abfahrten in den Bergen? Und wir wollten wissen, ob die 105-Gruppe auch dauerhaft so gut funktioniert wie auf den ersten 500 Kilometern.
Montage und Handhabung
Die korrekte Montage und Einstellung von Bremsen, Bremsleitungen und Bremsschalthebeln verlief unproblematisch - wer einmal eine Discbremse am MTB montiert hat, sollte keine Probleme haben, allerdings mussten wir beim Entlüften etwas Geduld aufbringen, bis sich ein annehmbarer Druckpunkt einstellte.
Schaltperformance und Übersetzung
Dank der breiter abgestuften Ritzelpakete lassen sich rein rechnerisch auch mit 2×11-fach komfortable, bergtaugliche Schaltumfänge erreichen: 428 Prozent ermöglichen auch Hochgebirgstouren, allerdings nicht mit schwerem Gepäck. Genau dies bestätigte sich auch unterwegs: Wir waren nie mit mehr als 12 Kilo Zuladung unterwegs, Touren auf die höchsten Gipfel der Vogesen und des Schwarzwalds waren mit der zur Verfügung stehenden Übersetzung kein Problem. Gegenüber dem 2x10fach-Vergleichsrad machten sich die feineren Abstufungen der Ritzel sehr positiv bemerkbar, zudem waren die Schaltvorgänge der neuen 105 über den gesamten Bereich präziser und vor allem leichtgängiger als die der Vorgängergeneration. Von der Top-Gruppe Dura-Ace hat der neue 105-Umwerfer den längeren Hebelarm übernommen, auch hier fällt der etwas geringere Kraftaufwand beim Schalten auf. Gegenüber einem Dreifachantrieb ist das deutlich niedrigere Gewicht ein Pluspunkt.
Hydraulische Discbremsen
Die Bremsschalthebel und hydraulischen Scheibenbremsen ermöglichen es, die vielfältigen Griffpositionen des Rennlenkers sowie den Schaltkomfort von STI-Hebeln mit überragender Bremskraft hydraulischer Discbremsen zu kombinieren. Die STI-Hebel ST-RS505 wirken zwar aufgrund des integrierten Mineralöl-Reservoirs größer als ihre Pendants für mechanische Bremsen, manche empfinden sie sogar als klobig. In Wahrheit zeichnen sie sich aber durch viel kompaktere Abmessungen aus, dank eines um mehr als 2,5 Zentimeter geringeren Umfangs als die Vorgänger greift man deutlich entspannter und kontrollierter. Das noch oben ragende Reservoir ermöglicht sogar eine weitere Griffposition auf den Höckern. Die um 10 mm in der Griffweite einstellbaren Hebel lassen zudem eine individuelle Einstellung und damit auch für kleinere Hände ein besseres Handling zu.
Am Bremsverhalten gab es nichts zu beanstanden: Die Bremsen haben stets zuverlässig und punktgenau zugepackt - sowohl in den Bergen als auch im Stadtverkehr und im Gelände sowie bei sämtlichen Witterungsbedingungen. Und zwar ohne nerviges Stottern noch Bremsscheibenschleifen. Insbesondere bei langen Bergabfahrten zeigte sich keinerlei Verlust der Bremskraft, die gerippten Bremsbeläge in Kombination mit den Ice-Tech-Bremsscheiben scheinen die beim Bremsen entstehende Wärme - jedenfalls in unseren Testsituationen - stets ausreichend effizient abzuführen.
Die Lager des zur Gruppe gehörenden Hollowtech II Tretlagers liefen auch nach 3000 Kilometern und diversen Schlamm- und Schlechtwetterfahrten noch sauber und ohne Spiel.
Vor- und Nachteile
- Vorteile: Breiteres Gangspektrum, bessere Ergonomie, smartes Schaltverhalten.
- Nachteile: Bremsscheiben neigten bei Nässe zum Quietschen.
Rennräder mit Shimano 105 Di2 im Test
Neun aktuelle Endurance-Rennräder wurden getestet, die den Anspruch erheben, treue Begleiter für lange Ausfahrten zu sein. Alle Kandidaten eint die Ausstattung mit Shimanos 105 Di2. Extreme Preisspanne reicht von 2700 Euro für das Canyon bis zu 5400 Euro für das Ridley.
Die Testräder im Überblick
| Modell | Besonderheiten |
|---|---|
| Canyon Endurace CF 7 Di2 | Komfortabelstes Modell |
| Storck Fascenario.3 Comp 105 Di2 | Leichtestes Modell |
| Ridley Grifn | Das Vielseitigste |
Bewertung der Komponenten
Schaltpräzision, Gewicht, Ergonomie und Einstellmöglichkeiten lassen kaum Wünsche übrig, womit der Abstand zur 700 Euro teureren und nur 140 Gramm leichteren Ultegra deutlich geringer wurde. Kleine Abstriche muss man bei den Bremsen machen, da ein Bremskraft-Verstärker wie bei Ultegra und Dura-Ace fehlt und bei hohem Tempo stärker an den Hebeln zugepackt werden muss.
Kurbel und Kassette
Die Testräder kommen alle mit der Kettenblatt-Kombi 50/34 an der Kompaktkurbel und einer Kassette mit zwölf Ritzeln von 11 bis 34 Zähnen, was einen guten Kompromiss für bergiges und flaches Terrain darstellt. Beachten sollte man, dass die originale 105-Hollowtech-Kurbel über hohle und damit leichtere Kurbelarme verfügt; um Kosten zu sparen, weichen manche Hersteller auf einfachere Varianten aus.
Mechanische Shimano 105 12fach-Schaltgruppe
Die neue, komplett überarbeitete Shadow-Schaltwerk erlaubt die bereist erwähnten extrem geschmeidigen Gangwechsel, und auch der Umwerfer hebt die Kette selbst unter Last klag- und problemlos auf das jeweils andere Kettenblatt."Schalten auf höchstem Niveau: Mit der neuen 105 gibt’s keinen Grund mehr, eine mechanische Ultegra zu vermissen".
Die 105 gibt es neben dem bekannten 11-34er-Paket nun auch mit 11-36er-Kassette. Gerade diese erlaubt es zusammen mit einer 50/34-Kompaktkurbel auch, steile Rampen mit kniefreundlich hoher Trittfrequenz in Angriff zu nehmen. Dank des größeren Abstands zwischen Bremsbelägen und -scheiben (wie schon bei der Ultegra Di2 und Dura-Ace Di2) neigt sie weniger zum Schleifen, lässt sich aber dennoch sehr gut dosieren und gefällt mit ihrem präzisen Druckpunkt.
Das R1 105 kommt namensgebend mit der 2x12 Shimano 105 Schaltung und überzeugt durch hohe Zuverlässigkeit, schnelle Gangwechsel und lange Lebensdauer. Mit 50/34T vorne und 11-36T Kassette hinten kannst Du stets die perfekte Übersetzung nutzen und spielend einfach Kilometer sammeln. Die hydraulischen Bremsen, ebenfalls aus der Shimano 105 Serie, bremsen Dich nicht nur zuverlässig ab, wenn’s mal wieder im Eiltempo bergab geht - auch in puncto Haptik und Dosierung werden Dich die Stopper ab dem ersten Meter überzeugen. Der Continental Grand Sport Race bietet Grip in jeder Kurvenlage und gönnt Dir mit seinen 28mm Breite die Extraportion Komfort.
Shimano 105 Di2-Schaltgruppe im Dauertest
Nach über 6000 Testkilometern mit Shimanos 105 Di2 urteilte einer von zwei Testfahrern: "Bei der 105 fragt man sich, warum man überhaupt mehr Geld für eine Dura-Ace oder Ultegra ausgeben sollte ..." Die Hebel liegen angenehm in der Hand, die Ergonomie ist identisch, ebenso die Größe der Schalttasten, die auch gut mit Winterhandschuhen zu bedienen sind.
Schaltperformance und Bremsen
Die Gänge wechseln knackig und präzise, auch wenn der 105 Di2-Umwerfer für den Kettenblattwechsel einen Wimpernschlag länger benötigt als die Pendants von Dura-Ace und Ultegra. Gegenüber mechanischen Antrieben sind die elektronischen Gangwechsel einer 105 Di2 eine Offenbarung - vor allem unter Vollast. Auch die Bremsen überzeugen: Sie verzögern mit geringer Handkraft, sehr gut dosierbar und auf Wunsch kraftvoll - quietschen bei Nässe allerdings gerne empört.
Haltbarkeit und Fazit
Größter Aufreger im Test: Nach 4500 Testkilometern quittierte der Umwerfer den Dienst - ein Defekt des Stellmotors. Davon abgesehen, gefiel Shimanos 105 Di2 mit guter Haltbarkeit: Nach 6000 Testkilometern war beispielsweise die Kette noch nicht verschlissen.
Shimano 105: Die Allroundgruppe
Die Allroundgruppe aus Japan spricht mit ihrem robusten Finish, bei gleichzeitg leichtgängigen Schaltvorgängen „eine sehr breite Schicht von Rennradfahrern an und ist für unzählige Einsatzzwecke geeignet“, erklärt Wild. Die Technik geht auf die Vorjahresmodelle der großen Geschwister Dura Ace und Ultegra zurück. Im Laden ist die Gruppe für rund 790 Euro erhältlich - die Ultegra liegt bei circa 1220 Euro. Konzentriert man sich auf das reine Fahrgefühl sind Unterschiede zur nächstliegenden Preiskategorie meist nicht mehr wirklich spürbar. So auch im Fall von 105 und Ultegra. Drei Beispiele: Die Schaltvorgänge der 105 sind sehr präzise und stehen denen der Ultegra in nichts nach. Der Umwerfer lässt sich in beiden Fällen zweistufig einstellen, die 105er-Haptik der Griffe liegt auf Ultegra-Niveau.
Mechanische Shimano 105 im Detail
Mit zwölf Ritzeln am Hinterrad bietet sie ein Gängespektrum, das bislang deutlich höherpreisigen Rädern vorbehalten und fast flächendeckend von Elektroschaltungen geprägt ist. In Sachen Ergonomie sind die neuen Hebel der 105 der Konkurrenz weit überlegen. Die Hände finden eine üppige Auflagefläche auf den Griffgummis; gleichzeitig sind die Griffkörper schlank genug, damit auch kleine Hände sie gut umgreifen können.
Schaltverhalten und Zugführung
Mit den zur Seite leicht ausgestellten Hebeln können auch mehrere Gänge gleichzeitig gewechselt werden, ohne sich groß die Hände zu verrenken. Vor allem das Schaltverhalten des vorderen Umwerfers finden wir im positiven Sinne bemerkenswert: Beim Wechsel aufs große Kettenblatt muss zunächst ein angenehm definierter Widerstand überwunden werden - danach geht alles rasend schnell und die Kette rastet in Sekundenbruchteilen sauber auf dem benachbarten Blatt ein. Das ist insofern bemerkenswert, als wir noch vor wenigen Jahren von der Kombination aus mechanischen Schaltgruppen und innenverlegten Zügen eher abraten mussten: In vielen Fällen war die Reibung so hoch, dass das Schaltwerk nur verzögert reagierte und sich die Schaltung nicht sauber einstellen ließ.
Stärken und Schwächen
Die Gruppe bringt ansonsten alle Stärken und Schwächen mit, die auch für die Di2-Variante gelten. Kräftige und sehr gut dosierbare Scheibenbremsen sowie ein gutes Verschleißverhalten verbucht sie auf der Habenseite. Ankreiden könnte man ihr das vergleichsweise hohe Gewicht, denn gegenüber der Vorgängerin sind fast alle Teile ein wenig schwerer geworden. Wettbewerber SRAM konzentriert sich beim Rennrad voll auf Elektronik und bietet mit der Rival lediglich eine mechanische Schaltung, die aber für Gravelbikes konzipiert ist und beim Bedienkonzept nicht mit Shimano mithalten kann.
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