Die Welt des Radsports erlebt eine Wiederbelebung klassischer Materialien und Designs. Insbesondere Retro-Rennradtrikots aus Wolle erfreuen sich wachsender Beliebtheit bei Fahrern, die Wert auf Stil, Komfort und Leistung legen.
Die Vorteile von Merinowolle
Diverse Hersteller von Sporttrikots haben ein längst vergessenes Material wiederentdeckt: Wolle, genauer gesagt, die besonders feine Merinowolle. Sie stammt von Merinoschafen und kratzt im Vergleich zu herkömmlicher Wolle auf der Haut fast gar nicht. Merino hat gleich mehrere Vorteile: Er hat überhaupt keinen Plastiklook, sondern gleicht optisch eher Baumwolle. Anders als Chemiefasern nehmen Wollfasern Schweiß auf und verhindern so unangenehme Gerüche.
Die feinen Wolltrikots punkten auch mit ihren thermischen Eigenschaften. Bei Kälte wärmen sie, vor Hitze schützen sie. Genau das macht Merino für Radsportler so interessant.
Längst gibt es Ski- und Wanderunterwäsche aus dem Naturmaterial. Der Stoff ist so dünn und fein, dass man die Oberteile wie ein Funktionsshirt abends mit der Hand ausspülen und aufhängen kann - am nächsten Morgen sind sie trocken.
Hersteller und ihre Modelle
Clermonts Firma Café du Cycliste setzt seit fünf Jahren auf Wolle und ist in der Radbranche damit nicht allein: Vulpine und Rapha aus England haben die Naturfaser ebenso im Programm wie beispielsweise Pedaled aus Japan und De Marchi aus Italien.
Café du Cycliste
"Wenn ich von Nizza aus Richtung Berge starte, kann es anfangs sehr heiß sein", sagt Remi Clermont, Gründer der Firma Café du Cycliste , die an der Côte d'Azur ihren Sitz hat. In den Bergen sei es dann aber deutlich kühler - und ein Merinoshirt meistere solche Temperatursprünge besser als Chemiefasern.
Jersey Lucienne von Café du Cycliste: Der Merino-Anteil liegt hier bei 20 Prozent.
Trikot Yolande von Café du Cycliste: 25 Prozent Merino stecken in dieser Langarmversion mit Reißverschluss und Ellbogenschützer.
Cafe du Cycliste Claudette: Das Frauentrikot Claudette (gibt’s unter gleichem Namen auch für Männer) ist ein modernes Jersey mit zeitlos-klassischem Design, das den Geschmack vieler Radsportlerinnen und Radsportler treffen dürfte. Der Rennradschnitt ist sehr gut, die Merinowolle schmeichelt der Haut. Auch in Weiß und als leichte Sommerversion mit kurzen Ärmeln erhältlich.
De Marchi
De Marchi aus Italien produziert schon länger synthetische Kleidung für Rennfahrer.
De Marchi Trikot Faema: Ruhm erlangte das Faema-Trikot durch Radsportlegende Eddy Merckx, der es von 1968 bis 1970 trug und darin jeweils zweimal die Tour und den Giro gewann. Länger als diese drei Jahre gab es das Team des italienischen Espressomaschinen-Herstellers nicht. Wer es sich heute überstreifen möchte, muss 180 Euro investieren und sollte schmale Schultern haben - für eine Replika ist sein Schnitt recht sportlich.
De Marchi 1968 Italy Merino Jersey: Wer dieses Trikot trägt, sollte die Geschichte dazu parat haben: Es war am 1. September 1968 in Imola, als die Favoriten Eddy Merckx und Felice Gimondi im Kampf um den Weltmeistertitel an den Start gingen. Gewonnen hat am Ende einer 90 Kilometer langen Soloflucht jedoch Vittorio Adorni aus Italien, Teamkollege von Eddy Merckx bei Faema. Dieses flauschige Trikot mit den Farben Italiens auf der Brust erinnert daran.
Rapha
Mit oder ohne Naturmaterial: Die Londoner Firma Rapha stellt klassisch geschnittene Rennradkleidung aus 100 Prozent Chemiefaser her und rüstet damit Profiteams aus.
Trikottasche am Rapha-Shirt: Das Material ähnelt eher Baumwolle als glänzender Chemiefaser.
Rapha Women´s Classic Jersey II: Einfarbige Trikots, gedeckte Töne, liebevolle Details - und der markante Ring am linken Oberarm: Damit eroberte die Marke aus Großbritannien die Radsportwelt wie im Sturm. Inzwischen ist Rapha aber längst nicht mehr nur klassisch unterwegs, sondern bietet auch moderne, technisch-funktionale Radklamotten an. Eine stilvolle Symbiose beider Aspekte stellt das Classic Jersey dar - fortschrittlich nachhaltig mit recyceltem Poyester.
Vulpine
Hipster-Look: Vulpine bietet Trikots aus 100 Prozent Merino an. Diese erfordern mehr Sorgfalt beim Waschen. Die feine Wolle dieses Vulpine-Trikots stammt von Merinoschafen.
Weitere Hersteller
Die japanische Firma Pedaled hat inzwischen ebenfalls Merino im Programm, auch in Asien ist Retro-Radeln ein Trend.
Wilier Trikot Vintage 1975: 1906 gegründet, ist die italienische Rennradmarke Wilier -Triestina bis heute präsent, in der World-Tour fahren aktuell die Profis des Teams Astana Kasachstan die Räder aus Rossano Veneto. Das Design des leger geschnittenen Wolle-Acryl-Trikots entspricht laut Wilier dem eines Amateur-Teams aus der Region, das Mitte der 1970er-Jahre unterstützt wurde.
Santini Cuore Eroico: Die L’Eroica zählt zu den größten Retro-Radrundfahrten mit Ablegern auf der ganzen Welt. Wenn die Radsportgemeinde alljährlich im Herbst zum Original in die Toskana pilgert, möchte sie natürlich passend gekleidet sein. Wer noch kein authentisches Trikot sein Eigen nennt, könnte bei L’Eroica-Sponsor Santini fündig werden. Das Cuore Eroico für Frauen aus Wolle wäre ein stilechter Begleiter. Das Modell Eroica Polvere ist aus Funktionstextil und günstiger.
Campagnolo Trikot Palladio: Echte Campa-Fans kommen um dieses aktuelle Trikotmodell nicht herum. Dezent im Design, zurückhaltend bei den Farben, dominieren Campagnolo-Schriftzug und das Firmenlogo der 1933 von Tullio Campagnolo gegründeten Firma. Modern und zeitgemäß ist das Material: Dank einem Faser-Mix aus Polyester, Elasthan und Wolle trägt es sich sehr komfortabel, ist gut geschnitten und hat somit das Zeug zu einem Lieblingsstück.
La Machine Raymond vs. Jacques: Sehr originell ist die Idee von La Machine, mit einem Trikot gleich an zwei Radsporthelden zu erinnern. Sechs verschiedene Modelle gibt es, bei diesem zeigt der rechte Ärmel die Trikotfarben von Raymond Poulidor (Team Mercier-Hutchinson), der linke die von Jacques Anquetil (St. Raphael-Gitane). Mit perfektem Rennradschnitt, schlanker Passform und sehr elastischem Fasermix wird es dem sportlichen Anspruch seiner Namensgebung voll gerecht.
Skaide Molteni Arcore: Der Schriftzug „Molteni“ - das zweite legendäre Team von Eddy Merckx - gehört zu den Klassikern berühmter Radtrikots. Eine erschwingliche Langarmversion aus moderner Kunstfaser mit durchgehendem Reißverschluss, flauschigen Ärmelbündchen und viel Stauraum mit drei Trikottaschen zum moderaten Preis gibt‘s bei Skaide. Sie eignet sich wunderbar für erste Trainingseinheiten zum Saisonstart bei Klassiker-Wetter.
Materialzusammensetzung und Pflege
So ganz ohne Kunstfaser geht es freilich kaum. Bei Merino-Unterwäsche mixen die Hersteller meist 95 Prozent Wolle mit fünf Prozent elastischer Kunstfaser wie Lycra, damit sie eng sitzt. Bei den dickeren Trikots liegt die Mischung eher bei 50 zu 50, dann kann man sie problemlos mit der Maschine waschen und sie trocknen trotz Wolle zügig.
Jerseys aus einer Kunstfaser-Wolle-Mischung können in der Regel ganz normal mit der Maschine gewaschen werden. Vulpine beispielsweise bietet auch reinen Merino an - die Jerseys erfordern dann mehr Sorgfalt beim Waschen.
Idealerweise trägt man auf dem Rad ein dünnes Unterhemd aus Merino und darüber das dickere Trikot. Täglich durchspülen muss man dann meist nur das Unterhemd.
Eignung und Einschränkungen
Die Wolltrikots fühlen sich nicht nur angenehm an. Wegen ihres eleganten Schnitts und den zurückhaltenden Farben kann man sich mit ihnen auch ins Café wagen.
Nur an einer Stelle wird Merino sich wohl nicht durchsetzen: bei Radsporthosen. Das mehrstündige Sitzen auf dem Sattel beansprucht das Material so stark, dass Wolle nicht lange halten würde.
Preis und Verfügbarkeit
Ja, Merino wird auch als Hipster-Ökomaterial vermarktet - und das klappt vor allem in Großbritannien und den USA gut, wo Radfahren als Statement für Coolness gilt. Dort spielt der Preis von 110 bis 140 Euro pro Trikot nur noch eine untergeordnete Rolle.
Überblick über ausgewählte Modelle
| Trikot | Material | Preis (ca.) |
|---|---|---|
| De Marchi Faema | 50% Merinowolle, 50% Acryl | 180 Euro |
| De Marchi 1968 Italy Merino Jersey | 100% Merinowolle | 180 Euro |
| Wilier Trikot Vintage 1975 | 50% Merinowolle, 50% Acryl | 116 Euro |
| Santini Cuore Eroico | 50% Merinowolle, 50% Polyacryl | 130 Euro |
| Campagnolo Trikot Palladio | Wolle, Polyester, Elasthan | 119 Euro |
| Rapha Women´s Classic Jersey II | 64 % recyceltes Polyester,36 % Merinowolle | 135 Euro |
| Cafe du Cycliste Claudette | 25 % Merinowolle, 75 % Polyester | 180 Euro |
| La Machine Raymond vs. Jacques | Fasermix aus Polyamid, Elastan, Polyester | 120 Euro |
| Skaide Molteni Arcore | 100 % Coolmax-Polyester | 79 Euro |
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