Radtour durch das Retterschwanger Tal

Heute möchte ich Euch eine sehr schöne E-Bike-Tour vorstellen, die ich von ganzem Herzen empfehlen kann und die ich jedes Jahr mehrmals radele. Sie führt mich ins schöne und abgelegene Retterschwanger Tal. Ein Tal, das mich jedes Mal aufs Neue durch seine Schönheit, Einsamkeit und natürlich auch durch einen Besuch auf der dort gelegenen Sennalpe Mitterhaus bezaubert.

Start ist für mich der Gruebplätzle Parkplatz in Bad Oberdorf. Von dort geht es über einen asphaltierten, größtenteils in steilen Kehren angelegten Wirtschaftsweg durch den Wald hoch ins schöne Retterschwanger Tal.

In Bad Hindelang (825m) geht es über Bad Oberdorf in Richtung Hinterstein. Am Kreisel in Bad Hindelang muss man die Bundesstraße 308 Richtung Hinterstein verlassen. Nach ungefähr 1,5 km teilt sich die Straße.

Links geht es nach Bad Oberdorf, geradeaus nach Hinterstein, und rechts befindet sich ein Parkplatz und eine Brücke über die Ostrach. Bei der alten Schmiede beginnt die Steigung auf 815 Meter. Wenige Meter dahinter zweigt die Straße rechts ab und führt die Wiese hinauf. Kurze Zeit später kommt ein Waldstück. Der Weg wird steiler und pendelt sich bei ca. 10 % ein.

Am Ortsende von Bad Oberdorf quert man allerdings die Straße nach Hinterstein und fährt über die Ostrachbrücke. Linker Hand gelangt man nach Bruck, das in der Entfernung bereits in Sicht kommt. Wir fahren rechts hinauf in Richtung Café Horn/Mitterhaus. Der vor uns liegende Weg ist nahezu durchgehend geteert. Lediglich am Ende der Tour gelangt man auf schottrigen Untergrund.

Nach 1,8 km kommt man am Horn-Café (995 m) vorbei. Hier lässt die Steigung merklich nach. Hinter dem Horn Cafe wird der Weg auf einmal aussichtsreicher, durch Wiesen, vorbei am Jungvieh der Sennalpe Mitterhaus, geht es nun moderat und nur noch leicht ansteigend zur Alpe. Unglaublich schön ist hier bereits die Aussicht auf Großer Daumen, Wengenköpfe, Nebelhorn, Entschenkopf, Sonnenköpfe und Co.

Nun fällt die Straße zunächst leicht ab und wechselt auf die andere Seite des Baches. Es folgt eine lange Gerade, an deren Ende sich das Mitterhaus (1081 m) befindet. Nun zunächst eben, dann wieder leicht ansteigend erreicht man rechter Hand das Mitterhaus (ca. 1081m, bewirtschaftet).

Also hier gibt es nur BIO und außerdem zu 100 % Kühe mit Hörnern. Ihren besonderen Charme darf ich direkt erfahren, als ich die Älplerin Lena und ihre beiden Kinder Janna und Hannes kennenlerne. Spontan ergibt sich ein netter Plausch und rasch merken wir beide, wir kommen ursprünglich wohl aus derselben Gegend, dem schönen Rheinland, und sind beide „Reingeschmeckte“. Da gibt es viel zu bequatschen. Irgendwann nehme ich Platz, genieße meinen leckeren BioKaffee und die besonders schöne Atmosphäre dieser Alpe.

Seit Mai 2019 darf sie sich die erste Alpe im Allgäu mit Bioland-zertifizierter Gastronomie nennen. Geradeaus fahren wir ebenerdig immer weiter ins Retterschwanger Tal. Leicht ansteigend geht es vorbei an der Alpe „Bei den Ställen”, bis die Straße rechtwinklig abknickt und über den Bach führt. Bis hier ist Straße in einem ausgezeichneten Zustand.

Nach ein paar Hundert Metern an der rauschenden Bsonderach entlang, mittlerweile ist der Hindelanger Klettersteig zum Greifen nah, ist aber erst einmal STOPP: Meine erste Fahrradinspektion steht an! Meine treuen Wegbegleiter inspizieren mit Freude und Muße mein Fahrrad und ich habe in Ruhe Zeit, ein paar schöne Impressionen für mein Video festzuhalten. Klasse! Besser geht nicht!

Die Straße ist für ein paar Meter geschottert und führt dann über eine 40 cm breite, geteerte Brücke. Glücklicherweise ist auf der einen Seite ein Geländer angebracht, sonst wäre das Vorhaben „Nicht absteigen” hier schon gescheitert. Nachdem man das Viehgatter hinter sich wieder geschlossen hat, fehlen einem nur noch 300 Hm, diese sind allerdings auch nur auf drei Kilometer verteilt. Über eine Wiese führt der Weg mit moderater Steigung in einer kleinen Schleife wieder Richtung Süden. Ab jetzt wird die Steigung kaum noch einstellig. Die Geschwindigkeit dafür umso eher. Der Blick für das Panorama ist selbst in der einzigen Serpentine nicht von Interesse.

Nun steigt der Fahrweg wieder an, ändert zum Teil den Untergrund und führt mit herrlichem Panorama immer weiter nach oben. Linker Hand fließen zahlreiche Bäche zu Tal, die die Bsonderach speisen. In einer 180-Grad-Kurve überqueren wir einen von Ihnen, bevor die letzte Serpentine bevorsteht.

Der Straßenbelag wechselt nun von Asphalt in Rollsplitt beziehungsweise Spritzasphalt, ist aber trotzdem gut zu bewältigen. Ungefähr 1,3 km vor dem Ende lässt die Steigung kurz nach. Freude! Man quert erneut den Bach, allerdings wird man hier eine Brücke vergeblich suchen. Das Bachbett ist betoniert, so dass man hindurch fahren kann, oder eben den Bock drüber tragen muss. Der Weg wendet sich Richtung Norden, und man kann in das durchquerte Tal hinunter schauen.

Nach der letzten Kurve geht es wieder Richtung Süden, und nun wird es nochmal richtig übel. 16 % werden hier maximal bewältigt, und das geht aufgrund des Belags nur im Sitzen. 250 Meter vor der Wankhütte ist es auch mit dem Rollsplit vorbei. Wer Vertrauen in sein Material hat, macht die letzten paar Meter auch noch. Da ich nicht absteigen wollte, bin ich durchgefahren - die Pneus sind noch in Ordnung. Die Steigung ist hier zu vernachlässigen.

Auf 1451m gelangen wir zur Hinteren Entschen-Alpe (nicht bewirtschaftet), dem vorläufigen Ende der Tour. Murmeltiere pfeiffen und Gemsen durchqueren das steile, felsige Gebiet unterhalb des Nebelhorns. An Wochentagen ist man oft gänzlich allein. Die Hütte ist unbewirtschaftet, was aber nicht von Nachteil ist, da man so auch seine Ruhe hat.

Empfehlenswert ist es, diesen Anstieg mit den Anstiegen zur unteren Wengenalpe und der Pointhütte zu kombinieren, da sich diese auch im Hintersteiner Tal befinden und ebenfalls für den öffentlichen Verkehr gesperrt sind. So kann man sich auf weniger als 50 km 1500 Höhenmeter ohne lästige Autos antun.

Toureninfo: Start in Bad Oberdorf am Gruebplätzle Parkplatz an der Ostrach, über den Hornweg und die Hornkapelle ins Retterschwanger Tal hoch dann zur Sennalpe Mitterhaus (zu Fuß cirka 1,5 h zur Alpe) und weiter bis zum Talschluss (wer mag, kann noch hochfahren zur Wankhütte). Mit dem EBike eine schöne entspannte Tour, ohne EMotor bis zur Sennalpe Mitterhaus sehr anstrengend, zwar asphaltiert, aber richtig steil!

Ort Höhe (m)
Bad Hindelang 825
Horn-Café 995
Mitterhaus 1081
Hintere Entschen-Alpe 1451

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