Reusch Motorradhandschuhe im Test: Ein umfassender Überblick

Der erste Eindruck trügt oft. Das ist das Fazit eines großen Handschuh-Tests, bei dem 17 wasserdichte Motorrad-Handschuhe mit Allround-Ansprüchen unter Beweis stellen mussten, wie es um ihre Talente steht. Um die Qualität in so vielen Punkten wie möglich zu prüfen, waren Tester unterwegs. So mag ein Handschuh beim Auspacken zunächst das gewisse Wow entlocken. Wer aber wasserdicht verspricht und nicht hält, wer essenzielle Features wie den Abstreifschutz weglässt, landet trotz "Wow" und mancher Gimmicks und Features weiter hinten.

Hier hilft nur das, was auch eine Handexpertin rät: Anprobieren, ausprobieren, selbst entscheiden. Klar ist: Es gibt Handschuhe, die in vielen Punkten vieles richtig machen, dennoch aber mancher Hand nicht passen wollen. Welche aber grundsätzlich in die engere Wahl kommen sollten, wird im Folgenden dargestellt.

Allround-Handschuhe im Test: Die Konkurrenz im Überblick

Im Folgenden werden einige der getesteten Handschuhe und ihre Eigenschaften vorgestellt:

  • Alpinestars WR-2 V2/Stella: Solider Allrounder fürs Touren an kälteren Tagen mit Gore-Tex Klimamembran. Einmaliger Nässeeinbruch trübt den guten Gesamteindruck.
  • Bering Loky: Recht warmes Modell mit Gore-Tex Klimamembran. Verliert Punkte bei der Protektorenausstattung und dem nicht vorhandenen Abstreifschutz.
  • BMW Two In One Tech: Bietet durch das Zwei-Kammer-Prinzip einen vielseitigen Einsatzbereich. Überzeugen können vor allem Abstreifschutz und sicherer Griff.
  • Dane Skagen: Schön dicht und kann auch an warmen Tagen getragen werden. Der hohe Lederanteil macht ihn zunächst recht steif - Einfahren lohnt.
  • Held Air n Dry: Das Zwei-Kammer-Prinzip des Held ist nicht das Einzige, was begeistert: Schutz, Komfort, Ausstattung und ein riesiges Größenspektrum - 1a!
  • Icon Raiden: Eindeutig für die kalten Tage konzipiert. Mehr Protektoren und ein besserer Abstreifschutz bleiben aber auch da wünschenswert.
  • IXS Viper GTX 2.0: Punktet mit Damen- und Herrenversion und schickt hier ein eher sommerliches Modell ins Rennen. Leider ist es ohne Einfahren extrem steif.
  • Macna Rock RTX DL: Selbst bei Dauerregen: Dieser Handschuh hat uns nicht im Stich gelassen und blieb trocken. Sitzt insgesamt sehr bequem und passgenau.
  • Modeka Nerano: Ein Modell für eher kurze Finger und breitere Hände. Abstreifschutz, Belüftung und Stulpe lassen deutlich Spielraum zur Verbesserung.
  • Orina Blizzard: Kann zwar in einigen Dingen überzeugen, doch Ausfälle bei der Verarbeitungs­güte und im Nässetest vereiteln ein besseres Urteil.
  • Rev’it Summit 3 H20: Ein solider Allrounder, der sich mit angenehmem Futter bequem tragen lässt. Kleine Mankos: der durchs Futter bedingte etwas mäßige Tragekomfort.
  • Rukka Virium/Virve: Ein durchweg gutes Modell für den Sommer, in dem es auch mal ausgiebig regnen kann. Auf der Wunschliste steht etwas mehr Komfort.
  • Spidi Rainwarrior: Lockt mit einem auffälligen Design, patzt aber bei sehr alltäglichen Dingen. Was definitiv fehlt, ist ein echter Abstreifschutz.
  • Stadler Guard GTX: Komfort, Griffigkeit und Schutz perfekt kombiniert.
  • Vanucci High Rider III: Punktet vor allem durch seinen sehr komfortablen Sitz, der allerdings bei Nässe deutlich nachlassen kann. Schade.

Reusch 4.0 im Detail

Eigenschaften und Bewertung

Der Reusch 4.0 wird für sein gutes Griffgefühl und den bravourösen Regenschutz gelobt. Er bietet der Hand am Lenker viel Bewegungsfreiheit und bleibt in allen Tests komplett dicht. Allerdings wird das störrische Leder, der nicht angenehme Futterstoff und die zu weite Passform bemängelt. Der Abstreifschutz ist zu locker ausgeführt, die Protektorenausstattung sparsam, die Nähte innen deutlich spürbar und die Stulpe mit Reißverschluss nicht individuell einstellbar.

Für den trockenen Alltag mangelt es aber an Passform und Komfort. Reusch kann mit attraktivem Preis und bravourösem Regenschutz punkten.

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Langzeittest und Material

Nach einem 12-monatigen Test zeigt der Reusch 4.0 deutliche Abnutzungserscheinungen, hält aber dennoch, was er verspricht: Unempfindlichkeit gegenüber Regen und Nässe dank zuverlässiger Gore-Tex-Membran und eine wirklich angenehme Passform. Gut gefallen außerdem das Griffgefühl, die Visierwischer-Gummilippe, die Verstärkung an der Handaußenkante sowie die Polsterung an der Handinnenfläche. Auch die Auswahl an Materialien und die Qualität der Nähte kann überzeugen.

Wo die Hand besonderen Schutz benötigt, besteht der Leder-/Textilhandschuh 4.0 von Reusch aus robustem Ziegenleder. Dieses wird für eine höhere Atmungsaktivität und mehr Flexibilität durch elastisches, textiles Material ergänzt. Eine eingearbeitete Gore-Tex-Membran hält die Hand bei Regen oder Schnee trocken. Zum Abwischen des nassen Visiers verfügt der linke Zeigefinger über eine Gummilippe, die sich auch zum Bedienen eines Touchscreens eignen soll. Der Handschuh hat zum erleichterten Anziehen einen Reißverschluss an der Stulpe. Ein Klettriegel erlaubt das Anpassen an das individuelle Handgelenk.

Kritikpunkte im Langzeittest

Gerade deshalb ist es aber sehr schade, dass die dünnen Lederapplikationen auf den Fingerkuppen (welche die Bedienung von Smartphone-Displays ermöglichen) sowie der Lederbezug des Knöchelprotektors bereits nach sehr kurzer Zeit Auflösungserscheinungen zeigen. Das Leder an den Fingerkuppen hat im Langzeittest nur kurze Zeit gehalten.

Weitere Reusch Handschuhe im Vergleich

Es gibt auch Erfahrungen mit anderen Reusch Handschuhen. So werden die Reusch Arctis PCM und Reusch Chill Handschuhe erwähnt. Ein Nutzer hat gute Erfahrungen bezüglich Wasserdichtigkeit und Isolation mit den Reusch Handschuhen gemacht. Nach einer halben Stunde bei 2° C können die Finger jedoch kaum noch bewegt werden.

Ein anderer Nutzer findet die Reusch PCM ganz ok, aber gegen kalte Finger nützen die dicksten Handschuhe nichts, da früher oder später immer alles ordentlich durch den Fahrtwind durchgekühlt ist. Zumindest seien sie recht wasserdicht.

Alternativen und Ergänzungen

Einige Fahrer empfehlen Griffheizungen, obwohl diese im Stadtverkehr, wenn man ständig kuppeln und bremsen muss, schnell abkühlen können. Andere setzen auf Lenkerstulpen, um die Hände vor dem Fahrtwind zu schützen. Beheizte Handschuhe, die an die Batterie angeschlossen werden, wären eine interessante Alternative zu Heizgriffen.

So wurde getestet

Auf einem immer gleichen Pass wurden alle Handschuh-Paare gefahren und in direktem Anschluss bewertet. Proportionen, Griffgefühl, Ergonomie und Komfort ergeben hier die maximale Teilpunktzahl. Zugleich wurde verglichen: Welcher Handschuh lässt eine gewisse Luftzirkulation zu, wo werden die Hände schnell schwitzig?

Zurück in der Redaktion folgte dann der ausgiebige Nässetest. Jeweils zwei Exemplare pro Marke kommen in ein Tauchbad, jeweils zwei weitere Exemplare werden von innen mit Wasser befüllt. Maximal Punkte kommen hier auf das Konto der Teilnehmer. Mit Punkten hingegen ist das Thema Sicherheit die wichtigste Komponente: Protektoren, Abstreifschutz, Stulpe und Stabilität werden dafür bewertet. Punkte werden zum Schluss für Verarbeitung und Ausstattung vergeben. Zähler sind maximal möglich, die dann in einen Notenschlüssel umgewandelt werden.

Interview mit einer Handspezialistin

Sabine Haas-Schinzel ist Ergotherapeutin, spezialisiert auf Handrehabilitation und eine der ersten zertifizierten Handtherapeutinnen in Deutschland. Sie wurde zum Test befragt:

Was muss ein guter Handschuh können?

Zunächst gilt: Ein Handschuh, der jedem passt, passt niemandem. Jede Hand ist anders, also gibt es hier keine universelle Antwort. Wichtig ist, dass der Handschuh sowohl zur Hand als auch zu den Anforderungen passt. Ein wasserdichtes Tourenmodell sollte als Allrounder fungieren, ich habe dennoch bei einer mehrtägigen Tour immer mehrere dabei. Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass ein einziger Handschuh alle Bedürfnisse gleichermaßen erfüllt.

Worauf muss ich beim Kauf vor allem achten?

Zunächst geht der Weg nur über das Anprobieren. Wenn Sie sich auf Anhieb in dem Handschuh wohlfühlen, ist bereits der erste Schritt getan. Nehmen Sie sich Zeit und vergessen Sie das gute Image der Marke, wenn Sie dafür Kompromisse wie Druckstellen oder Bewegungseinschränkungen hinnehmen müssten. Klar ist, dass eher teure Modelle in Sachen Ausstattung und Zertifizierung mehr bieten und dass mehr Protektoren auf den ersten Blick auch mehr Sicherheit zu bringen scheinen. Doch auch das ist nicht immer wahr.

Gibt es Unterschiede zwischen Frauen- und Männerhänden?

Durchaus.

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