Der Rheinradweg: Etappen und Routen für unvergessliche Radtouren

Flussradwege gehören zu den beliebtesten und bekanntesten Radwegen Deutschlands. Es hat etwas Befriedigendes, einem Flusslauf von der Quelle bis zur Mündung zu folgen und dabei die umgebende, sich oft stark verändernde, vielfältige Natur, Kultur und Industrie zu entdecken.

In den vergangenen Jahren bin ich mit den unterschiedlichsten Rädern und verschiedenen Set Up’s an Flussradwegen unterwegs gewesen - vom Faltrad übers Gravelbike bis hin zum Kompakt-Lastenrad. Im Folgenden werden einige der schönsten Routen entlang von Flussradwegen vorgestellt.

Die Besonderheit von Flussradwegen

Besonders die großen Flussradwege sind meist gut erschlossen, mit gut ausgebauten Wegen, genügend Übernachtungsmöglichkeiten und Ausschilderungen. Perfekt für den Einstieg ins Radreiseleben. Zumal die Wege entlang von Flüssen oftmals flach und somit auch mit etwas mehr Gepäck leichter zu fahren sind.

Je nach Radweglänge kann ein Flussradweg durch mehrere Bundesländer oder gar einmal quer durchs Land führen. Es gibt die großen langen Flüsse, wie Elbe, Donau, Weser und Rhein, aber auch viele kleine, wenig bekannte, die an so manchem Natur- oder Architekturjuwel vorbei fließen und definitiv nicht weniger interessant sind.

7 abwechslungsreiche Flussradwege in Deutschland

  1. Der Unstrutradweg in Thüringen & Sachsen-Anhalt
    • ca. 190 km
    • ca. 600 hm
    • Tourenrad und Gravelbike

    Die knapp 190 km lange, abwechslungsreiche Route entlang des Flusses Unstrut ist besonders für Tourenräder mit etwas Profil und Gravelbikes geeignet. Landschaftlich ist es eine wirklich schöne Tour entlang des Flusses, vorbei an Feldern, kleinen Bergen und Hügeln und durch Täler mit Obstbäumen.

    Kleine Orte und Städte säumen den Radweg und machen den Unstrutradweg kulturell, als auch historisch spannend. Nicht nur der Fundort der berühmten Himmelsscheibe liegt mit einem Besucherzentrum am Weg, am Ziel erwartet einen auch das UNESCO Welterbe Naumburger Dom.

  2. Der Mulderadweg in Sachsen & Sachsen-Anhalt
    • Freiberger Mulderadweg: ca. 120 km Länge von Moldava nach Sermuth
    • Zwickauer Mulderadweg: ca. 156 km Länge von Schöneck bis Sermuth
    • Vereinigte Mulde-Radweg: ca. 123 km Länger von Sermuth bis Dessau
    • ca. 2.400 hm für alle drei Routen
    • Tourenrad und Gravelbike

    Ein absoluter Traum. Von wild und ursprünglich bis zu träge und behäbig fließt die Mulde durch Sachsen und hat so einige Highlights am Wegesrand zu bieten: Schlösser und Burgen, Industriecharme, herrliche Landschaft und imposante Bauwerke, wie dem Göhrener Viadukt oder dem Rochlitzer Dom.

  3. Der Elberadweg in Sachsen
    • komplett ca. 1.300 km
    • ca. 3.500 hm
    • Tourenrad, Lastenrad & Anhänger (zumindest in Sachsen)

    Er ist wohl einer der bekanntesten und beliebtesten Fluss- und Fernradwege Deutschlands: Der Elberadweg. Und das zurecht. Denn auf der Gesamtlänge kommt man durch so vielfältige Landschaften, erlebt Welterberegionen, Städte, Dörfer und Natur in großer Vielfalt. Der Radweg ist sehr gut ausgebaut und hat eine hervoragende Infrastruktur.

    Es gab so viel zu entdecken, wie die sehenswerte Albrechtsburg in Meißen, die Weinberge entlang des Flusses, Landeshauptstadt Dresden mit ihre historischen Gebäuden und zum Abschluss die einmalige Landschaft der sächsischen Schweiz, die immer wieder atemberaubend ist.

  4. Der Rheinradweg in Rheinland-Pfalz & Baden-Württemberg
    • komplett ca. 1.230 km
    • ca. 5.300 hm
    • Tourenrad

    Von Köln bis an den Bodensee führte mich der berühmte Eurovelo-15 Radweg. Dabei startete ich an einem der schönsten Abschnitte des Rheinradweges. Denn kurz nach Koblenz war ich schon mittendrin im UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal. Der Rhein schlängelt sich herrlich zwischen den Bergen durch das Tal und man erhascht dort so manchen Blick auf eine imposante Burganlage.

    Es gibt einige historisch und kulturell spannende Städte und Orte am Wegesrand, wie Speyer, Straßburg oder Basel. Genauso schön und vor allem wild wird der Rhein, je näher man seiner Quelle kommt. Landschaftlich besonders traumhaft, fand ich den Schweizer Abschnitt zwischen Basel und Bodensee.

  5. Abseits: Der DonauTäler Radweg in Bayern und Baden-Württemberg
    • komplett ca. 320 km
    • ca. 2.000 hm
    • Gravelbike, gut profiliertes Tourenrad

    Der DonauTäler Radweg kreuzt die Route des bekannten Donauradweges und schlängelt durch die reizvollen Nebenflusstälern der Donau in Bayern und Baden-Württemberg. Es ist eine wunderbar vielfältige Strecke, die auch ein paar Höhenmeter zu bieten hat, aber vor allem herrliche Landschaften und tolle Panorama-Ausblicke.

    Der DonauTäler-Radweg ist definitiv die Gravel-Route unter den hier empfohlenen Radwegen, denn der oftmals feine und teils gröbere Untergrund fordert gute, pannensichere Reifen und Profil.

  6. Der Zwillingsradweg in der Oberlausitz
    • komplett ca. 270 km
    • ca. 1.500 hm
    • Gravelbike, Tourenrad, teilweise Anhänger tauglich

    Der Flussradweg verbindet als Rundtour viele sehenswerte Orte und wunderschöne Landschaften der Oberlausitz gezielt miteinander. Genau genommen, ist der Zwillingsradweg gar kein eigenständiger Radweg. Er ist vielmehr eine Kombination von Teilen des Oder-Neiße-Radweges und des Spreeradweges in der Region der Oberlausitz.

    Besonders der südliche Teil des Radweges ist etwas bergiger und führt durch zahlreiche kleine Orte. Außerdem kann man dort die Spreequellen entdecken, was für mich als Berlinerin ein absolutes Highlight der Strecke war.

  7. Die Zwei-Flüsse-Tour in der Radregion Rheinland
    • ca. 245 km Rundkurs
    • ca. 620 hm
    • Gravelbike, Tourenrad, Rheinradweg auch mit Rennrad

    Die erste Etappe führte am Rheinradweg entlang, die zweite am Erft-Radweg. Dieser schöne kleine Radweg entlang der Erft, westlich von Köln ist vor allem für Schlossliebhaber*innen ein echter Traum, denn der Rhein-Erft-Kreis zählt zu den wasserburgenreichsten Regionen des Landes und das macht sich bei der Befahrund des Erft-Radweges auch bemerkbar.

    Auch wenn der kleine Fluss teils recht wild ist und die Uferwege schotterlastig, lässt es sich dort sehr schön fahren. Augfrund der Dichte an Orten, ist hier schon recht viel Betrieb und nicht ganz so einsam, wie manch anderer Flussradweg, dafür gibt es viel anzuschauen und genügend Pausenoptionen.

Der Rheinradweg im Detail

Der Rheinradweg ist der vielleicht vielseitigste Radfernweg Europas. Die knapp 1.500 Kilometer lange Strecke ist Teil des EuroVelo-Netzwerkes und folgt dem Rhein von der Quelle in der Schweiz bis zur Mündung in den Niederlanden. Dabei führt er dich über Alpenpässe, vorbei an malerischen Landschaften, alten Schlössern und bedeutenden Städten bis an die Nordsee.

Streckenabschnitte und Highlights

  • Schweizer Alpen: Rheinquelle in Andermatt, Oberalppass, Tomasee
  • Hochrhein: Bodensee, Rheinfall, Basel
  • Deutschland: Städte und Burgen, Oberes Mittelrheintal
  • Niederlande: Felder, Windmühlen, Grachten

Empfohlene Reisezeit

Den Rheinradweg fährt man am besten zwischen März und September, wobei die erste Etappe zwischen Andermatt und Chur wegen möglicher Schneefälle nicht vor Mai befahren werden sollte. In der Früh- und Spätsaison musst du besonders in den ersten Abschnitten und den letzten Etappen nahe dem Meer mit stärkeren Winden und Wetterwechseln rechnen.

Geeignete Fahrräder

Ungeübte Radler sollten vor allem in den Alpen auf ein Fahrrad mit E-Motor setzen. Die erste Etappe zwischen Andermatt und Chur verläuft größtenteils über befestigte Forstwege. Je nach Jahreszeit und Wetterlage können diese schlammig sein und einen Off-Road-Charakter haben, der für Rennräder oder unerfahrene Fahrer ungeeignet sein kann.

Ab Chur bewegt man sich bis an die niederländische Grenze auf asphaltierten Straßen, Radwegen und Radstreifen mit wenigen Schotterabschnitten. In den Niederlanden führt der Rheinradweg dann über verkehrsarme, gut befestigte Deichwege.

Highlights entlang der Strecke

  • Oberalppass: Der elf Kilometer lange Aufstieg belohnt mit fantastischen Aussichten über die Alpen.
  • Chur: Historische Altstadt mit der Kathedrale St. Mariä Himmelfahrt; Bergbahn auf den Brambrüesch.
  • Disentis: Kloster Disentis mit Klosterkirche Sankt Martin, Marienkirche und Klostermuseum.
  • Feldkirch: Hochmittelalterliche Schattenburg, Buddhistisches Kloster Letztehof, Wildpark Feldkirch.
  • Rheineck: Stadttor Rhytor, barockes Herrschaftshaus Löwenhof, Ruine der Burgstock aus dem 12.

Deutschland, Schweiz & Frankreich: Konstanz bis Millingen

  • Konstanz: Historischer Hafen mit Promenade und Imperia, Insel Mainau, Stadteil Niederburg mit historischer Fußgängerzone, Münster Unserer Lieber Frau.
  • Schaffhausen: Rheinfall, der größte Wasserfall Europas, Schloss Laufen am Rheinfall, Rhyality Immersive Art Hall.
  • Basel: Historische Altstadt, Baseler Münster, Kunstmuseum, Zoo.
  • Freiburg: Altstadt mit vielen historischen Gebäuden und Cafés, Münster, historisches Wetzinger Kaufhaus, Archäologisches Museum Colomischlössle, Augustinermuseum, Tier-Natur-Erlebnispark Mundenhof.
  • Straßburg: Historische Altstadt mit Strasburger Münster Kathedrale Notre-Dame, Stadtteil La Petite France, Palais Rohan mit dem Archäologischen Museum, Kunstgewerbemuseum und Museum der Schönen Künste.
  • Karlsruhe: Schloss Karlsruhe, Zoologischer Stadtgarten, Botanischer Garten, Marktplatz, historisches Rathaus, Stadtkirche, pyramidenförmiges Mausoleum des Stadtgründers Markgraf Karl III.
  • Arnheim: Niederländisches Freilichtmuseum Arnheim, Eusebiuskerk, Arnheim War Museum.
  • Wijk bij Duurstede: Stadtbrauerei de Dikke, Schloß Duurstede, Museum Dorestad.
  • Gorinchem: Historischer Lingehaven, Stadtteil Dalempoort, Kathedrale Gorinchem.
  • Papendrecht/Dordrecht: Collectie Rietgors, eine der bedeutendsten Kunstsammlungen aus dem 20.

Unterkünfte und Infrastruktur

Auf dem gesamten Verlauf des Fernradweges ist das Netzwerk an Unterkünften sehr gut ausgebaut. Ob du in einer einfachen Herberge, einer Ferienwohnung oder einem luxuriösen Hotel unterkommen möchtest, du wirst auf jeder Etappe etwas passendes finden. Viele Unterkünfte haben sich auf Fahrradfahrer spezialisiert und bieten entsprechende Abstell- und Lademöglichkeiten für dein Bike.

Für E-Bike-Fahrer ist der Rheinradweg sehr gut geeignet, denn sowohl in den Unterkünften als auch in vielen Restaurants und Cafés wirst du eine Möglichkeit finden, deinen Akku an den Strom zu hängen.

Glücklicherweise wirst du neben zahlreichen Fahrradläden und Werkstätten am Rhein auch die ADAC-Radservice-Stationen und ähnliche Reparaturpunkte der Gemeinden, zum Beispiel an Rathäusern und Tourist-Infos, finden.

Zusammenfassung der Streckeninformationen

Merkmal Information
Streckenlänge gesamt 1.450 Kilometer
Beste Reisezeit April bis September
Charakter Abwechslungsreicher, in Strecken anspruchsvoller Radweg, der sich für Radler aller Fitnessstufen anbietet.
Wegbeschaffenheit Zwischen Andermatt und Chur befestigte Forstwege, ansonsten größtenteils asphaltierte Radwege, Radstreifen und wenige Schotterwege, in den Niederlanden befestigte Deichwege
Höhenprofil In den ersten Etappen gibt es einige starke Steigungen zu überwinden, ab dem Bodensee flacht der Radweg zunehmend ab.

Etappenplanung mit Komoot

Wer sich gerne an bestehenden Etappen orientiert, kann bei der Fahrrad-App Komoot vorbeischauen. Dort wird die gesamte Route in 24 Etappen gegliedert, die im Schnitt 70 km lang sind und in 3 bis 4 Stunden gut zu schaffen sind. Hier eine Übersicht der von Komoot vorgeschlagenen Etappen:

  1. Region Alpenrhein: Andermatt → Disentis → Chur → Buchs → St. Margarethen
  2. Region Seerhein: St. Margrethen → Kreuzlingen (durch die Schweiz)
  3. Region Hochrhein: St. Margarethen → Kressbronn → Radolfzell → Konstanz (durch DE)
  4. Region Hochrhein: Kreuzlingen (Konstanz) → Schaffhausen (Wangen am Untersee) → Bad Zurzach (Hohentengen am Hochrhein) → Rheinfelden (Bad Säckingen)
  5. Region Oberrhein: Basel (Lörrach) → Breisach → Kehl (Straßburg) → (**Abstecher Heidelberg) → Wörth (Karlsruhe) → Ludwigshafen (Worms) → Nierstein (Mainz)
  6. Region Mittelrhein: Nierstein → (zusätzlicher Stopp: Rüdesheim) → Bacharach (Kaub) → Koblenz → Bonn
  7. Region Niederrhein: Bonn → Leverkusen → Duisburg → Niedermörmter
  8. Region Deltarhein: Niedermörmter → Arnhem → Geldermalsen → Dordrecht → Hoek van Holland

Beschilderung und Orientierung

Der Rheinradweg ist ein europäischer Fernradweg und heißt daher offiziell EuroVelo 15. Seit 2002/2003 ist ein überregionales Interesse am Ausbau und einer gemeinsamen Ausschilderung des Rhein-Radwegs entstanden. Deshalb begleitet dich als gemeinsames Zeichen auf der gesamten Strecke das blaue EuroVelo 15 Symbol. Darauf findest du stets die weiße 15 im Sternenkreis der EU.

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