Der Rheinradweg, auch bekannt als EuroVelo 15, ist ein europäischer Radfernweg, der sich über 1.230 km von Andermatt in der Schweiz bis nach Hoek van Holland in den Niederlanden erstreckt. Dieser Artikel bietet Ihnen umfassende Informationen und Erfahrungen, um Ihre Radtour auf dem Rheinradweg optimal zu planen und zu genießen.
Wie es zur Radtour auf dem Rheinradweg gekommen ist
Die Idee, den Rheinradweg zu befahren, entstand aus dem Wunsch, dem Alltag zu entfliehen und eine mehrtägige Radtour zu unternehmen. Mainz, gelegen am Rhein, und Kaarst in der Nähe boten den idealen Ausgangspunkt für dieses Vorhaben. So kam es, dass nach einem entspannten Wochenende in Mainz das Fahrrad gesattelt wurde, um die 266 km lange Strecke nach Hause zurückzulegen.
Tag 1: Mainz bis Andernach
Einrollen: die ersten Kilometer bis Bingen
Die Tour begann nach dem Frühstück am Mainzer Winterhafen. Nach wenigen Metern erreichte ich die Rheinpromenade, bog links ab und folgte dem Wasser auf dem Rheinradweg. Nach der Querung des Industriegebiets südlich von Mainz erreichte ich die Rheinauen und nahm Reisegeschwindigkeit auf. Mit leichtem Rückenwind kam ich gut voran und passierte Budenheim. Am anderen Ufer sah ich die Abtei von Eltville, den Ort Oestrich-Winkel und die Hügel des Rheingaus.
Nach rund 25 Kilometern begann das Weltkulturerbe Mittleres Rheintal. Da es auf Mittag zuging, beschloss ich, in Bingen bei KM 36 einen ersten Stopp einzulegen, um den Beinen etwas Ruhe zu gönnen. Schnell war ein Café gefunden, die Flaschen aufgefüllt und die Beine hochgelegt.
Romantisches Tal der Burgen
Nach dem Stopp in Bingen ging es weiter ins enge Rheintal Richtung Loreley. Kurz nach der Stadtgrenze von Bingen sah ich rechts den Mäuseturm im Wasser und das Tal war gesäumt von Burgen. Bacharach, Oberwesel, St. Goar mit dem Loreley Felsen, Kestert und Boppard zogen vorbei, bis sich bei Lahnstein das Tal wieder weitete und der Blick auf Koblenz frei wurde.
Das Weltkulturerbe Rheintal war nett, aber durch Bahn und Auto beengt und nicht wirklich umwerfend. Zudem trennen die Bahn und die Straße die Dörfer vom Wasser, so dass man nicht durch die Ortschaften fährt. Viele Gaststätten wirkten geschlossen oder nicht einladend.
Extrakilometer (freiwillig)
Da ich wenig Zeit mit Sightseeing verbrachte und etwas Rückenwind hatte, kam ich schneller voran als geplant. Der Radweg war breit ausgebaut und in gutem Zustand, so dass ich nach weiteren 25 km beschloss, die erste Übernachtung zu planen. Ursprünglich wollte ich in Koblenz die erste Nacht verbringen, disponierte aber um und buchte ein Hotel in Andernach. In Koblenz gönnte ich mir etwas zu Essen und machte am Zusammenfluss von Mosel und Rhein am Deutschen Eck einen Stopp.
Nach 125 km erreichte ich Andernach. Vorspeise, Pizza und etwas Weizen stellten die Energiebilanz wieder her und mich zufrieden. Müde und stolz auf die Kilometer ging es ins Bett.
Tag 2: Andernach bis Kaarst
Nach einem großartigen Frühstück in Andernach checkte ich schnell aus, verstaute das Gepäck und fuhr los. Gegen den etwas kühlen Morgen ergänzte ich die lange Hose und das Shirt mit Ärmlingen und einer Windweste. Ich suchte mir wieder den super ausgeschilderten Rheinradweg. In Brohl sprudelte vor der Wasserabfüllanlage ein Brunnen mit Mineralwasser. Eigentlich hatte ich vorgehabt, in Breisig die Rheinseite zu wechseln, verpasste aber die Fähre und beschloss, doch linksrheinisch zu bleiben.
Nach rund einer Stunde kam meine Fahrt zu einem Halt, da vor mir der Weg gesperrt war. Hier ist die Mündung der Ahr und vor wenigen Wochen wurde die Gegend ja durch das Hochwasser massiv in Mitleidenschaft gezogen. Ich suchte mir einen alternativen Weg zu einer Brücke etwas weiter flussaufwärts. Unterwegs sah ich deutliche Spuren des Hochwassers. In einem Wohngebiet sah man die Spuren mehr als deutlich. Bis ins erste Stockwerk stand das Wasser, in einem Haus fehlten alle Fenster und Wände des Erdgeschosses. Geschockt und nachdenklich fuhr ich weiter und kam über eine Bundesstraße zurück an den Rhein.
Die nächste Station auf dem Rheinradweg war Remagen, dort schaute ich mir die Reste der Brücke an, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges eine wichtige Rolle gespielt hat.
Seitenwechsel: von Rheinland-Pfalz nach NRW
Es rollte sich gut den Fluss entlang und ich hatte schon einen guten Blick auf den Drachenfels mit seinem Schloss Drachenburg. In Bad Honnef sah ich die Fähre in meine Richtung den Rhein überqueren und beschloss, einen kleinen Sprint einzulegen und mir die Fahrt durch die Bonner Innenstadt zu ersparen. Etwas außer Atem erreichte ich die Fähre, setze meine Maske auf und tuckere über den Rhein und damit auch von Rheinland-Pfalz nach Nordrhein-Westfalen.
So langsam meldete sich der erste Hunger und auf der Promenade von Königswinter fand sich ein Café mit Außenterrasse und so legte ich gegen 11:00 Uhr einen Stopp ein. Entspannt und gesättigt konnte ich daher auf der rechten Rheinseite ohne Innenstadtverkehr an Bonn vorbeiziehen und komme südlich von Bonn zur Siegmündung mit der Siegfähre. Also weiter über die Wiesen und Rheinauen Richtung Köln, der Rhein mäandert und der Rhein-Radweg folgt ihm in weiten Bögen. Es gibt nicht wirklich viel zu sehen außer Auen, etwas Industrie und Bäumen. Also konzentriert man sich aufs Radfahren und in Porz sehe ich nach heute schon 75 km das erste Mal den Kölner Dom.
Kölsch ist auch ein Bier, oder?
Jetzt ist schon deutlich mehr los auf den Wegen und es zeigt sich wieder, dass die Radwege in NRW nicht gut in Schuss sind: Löcher, Baumwurzeln und schlechter Teer. Vor mir wird der Dom größer und auch der Hunger. Ich denke mir, es ist Zeit für ’ne Worscht und ein Kölsch. Über Poll, wo ich fast zehn Jahre gearbeitet habe, geht es Richtung Innenstadt. Leider geht es dort über ein enges Treppenhaus mit eisernen Radschienen nach oben. Oben bin ich durchgeschwitzt. Aber der spannende Teil der Brücke kommt ja noch, wo man raufgeht, muss man auch wieder runter. Durch das Gewicht und das Gefälle ist die hintere Bremse recht nutzlos und so experimentiere ich mich zurück aufs Straßenniveau.
Leider kann ich mich nicht wie geplant für das Abenteuer belohnen, da anscheinend die berühmte Tatort Currywurstbude nicht am angestammten Platz steht. Etwas enttäuscht radle ich am Rhein entlang der Kranhäuser, bis ich beim Schokoladenmuseum doch noch einen Imbiss finde, der mir eine Currywurst und ein Kölsch verkauft. Ich schaue auf den Tacho und denke mir, „nur“ noch 55 km.
Extrakilometer (ein bisserl unfreiwillig)
Ich folge dem Rheinufer bis zur Niehler Hafenbrücke, so wie auf der Rheintour mit meiner Frau, und gönne mir dort auch eine letzte Pause mit den letzten Riegeln. Einmal noch die Flaschen füllen und ich verabschiede ich mich vom Rhein. Da unser Treffpunkt nicht am Wasser, sondern an unserem Wohnort liegt, geht es jetzt abseits des Flusses.
Zurück geht es über Niehl, Chorweiler, durch den Chorbusch auf schattigen Waldwegen, Kloster Knechtsteden bis zur Stammkneipe, bei der mir der Kellner wortlos ein Weizen hinstellt und wenige Minuten später die Freunde von ihrer Rennradtour auftauchen.
Planung mit Komoot
Komoot wird oft zur Planung von Radtouren genutzt. Im Rennrad-Modus plant Komoot hauptsächlich auf Asphalt und guten Schotterwegen. Bei "Fahrrad" kann es schon mal ruppig werden, was die Oberflächenbeschaffenheit angeht.
Es wird empfohlen, zunächst die grobe Strecke festzulegen und dann die Route mit Zwischenpunkten zu optimieren. Dabei kann man Steigungen umgehen und gewünschte Zwischenziele einbauen. Für die Feinplanung ist es sinnvoll, die Campingplätze entlang der Route zu berücksichtigen und Tagesetappen entsprechend zu planen.
Rheinradweg Etappen Übersicht
Die offizielle EuroVelo Seite gibt keine Etappenvorschläge an und viele Radfahrer nutzen die Möglichkeit nur Teilabschnitte des Rhein-Radwegs zu befahren. Wer sich trotzdem gerne an bestehenden Etappen orientiert, kann bei der Fahrrad-App Komoot vorbeischauen. Dort wird die gesamte Route in 24 Etappen gegliedert, die im Schnitt 70 km lang sind und in 3 bis 4 Stunden gut zu schaffen sind.
| Region | Etappen (Beispiele) |
|---|---|
| Alpenrhein | Andermatt → Disentis → Chur → Buchs → St. Margarethen |
| Seerhein | St. Margrethen → Kreuzlingen (durch die Schweiz) |
| Hochrhein | St. Margrethen → Kressbronn → Radolfzell → Konstanz (durch DE) |
| Oberrhein | Basel (Lörrach) → Breisach → Kehl (Straßburg) |
| Mittelrhein | Nierstein → (zusätzlicher Stopp: Rüdesheim) → Bacharach (Kaub) → Koblenz → Bonn |
| Niederrhein | Bonn → Leverkusen → Duisburg → Niedermörmter |
| Deltarhein | Niedermörmter → Arnhem → Geldermalsen → Dordrecht → Hoek van Holland |
Beschilderung und Orientierung
Der Rheinradweg ist als EuroVelo 15 ausgeschildert. Das blaue EuroVelo 15 Symbol begleitet dich auf der gesamten Strecke. In einigen Regionen ist zusätzlich ein gelber Fahrradfahrer auf den Schildern zu entdecken.
Die Wegweiser unterscheiden sich je nach Land und Bundesland deutlich im Aussehen und in der Häufigkeit des Auftretens. Während die deutschen und französischen Wegweiser weiß sind und Informationen zu Richtungen sowie Kilometerangaben enthalten, sind die Schilder in der Schweiz rot und ohne Informationen zu Entfernungen versehen. In der Schweiz ist der Streckenabschnitt Basel-Bodensee zusätzlich als Rhein-Radweg 2 ausgeschildert.
Schwierigkeitsgrad
Der Rheinradweg ist größtenteils auf gepflegten, asphaltierten Wegen befahrbar. Es gibt jedoch auch Schotterwege, die anstrengender sein können. In den Schweizer Alpen sind die Strecken anspruchsvoller und erfordern eine gute Kondition.
Unterkünfte
Unterkünfte und Campingplätze sind in den touristischen Gebieten vor allem am Wochenende und in den Sommermonate sehr begehrt. Es wird empfohlen, Unterkünfte im Voraus zu buchen, besonders in der Ferienzeit. Abseits der touristischen Gebiete können Zimmer und Zeltplätze problemlos einen Tag vor Ankunft gebucht werden.
Verwandte Beiträge:
- Der ultimative Rheinradweg-Guide: Von den Alpen bis zur Nordsee – Dein Abenteuer beginnt hier!
- Radweg Freisen-Nonnweiler: Karte & Tourenplanung für Radfahrer
- Alpe Adria Radweg 5 Tage Tour: Planung & Tipps
- Fischer E-Bike Test & Vergleich: Die besten Modelle im großen Ratgeber entdecken!
- Fahrradreifen 28 Zoll Trekking Test: Die besten Modelle im ultimativen Vergleich!
Kommentar schreiben