Ruckdämpfer-Funktion bei Harley Davidson Motorrädern

Der Ruckdämpfer, auch Kompensator genannt, ist ein Bauteil, das in Harley Davidson Motorrädern mit TC (Twin Cam) Motoren verbaut ist. Seine Hauptaufgabe ist es, die Lastwechsel des Motors auf das Getriebe abzufedern und somit einen ruhigeren Lauf, insbesondere bei niedrigen Drehzahlen, zu gewährleisten.

Funktionsweise des Ruckdämpfers

Der Ruckdämpfer befindet sich auf der linken Seite der Kurbelwelle, entweder vor oder hinter dem Primärritzel. Er soll verhindern, dass sich die ruckartigen Schläge des Antriebs über die Primärkette in das Getriebe fortsetzen.

Das Prinzip ist einfach: Wenn der Motor anruckt, wird ein federgespannter Ausdrücker (Sliding Cam) solange vorgespannt, bis sich das Kettenritzel mitdreht. Das Primärritzel ist also nicht starr mit der Kurbelwelle verbunden, sondern hat ein gewisses (federgespanntes) Spiel.

Die erste Kompensatoreinheit lag VOR dem Primärkettenrad und war durch einen Deckel abgeschlossen. Dieses Federpaket bestand aus konischen Blech-Unterlegscheiben, die gegeneinander angelegt und mit Druck zusammenpressbar sind.

Auf die Kurbelwelle wird eine gezahnte Hülse (Shaft Extension) aufgesteckt, die direkt am Alternator der Lichtmaschine anliegt. Auf der Hülse befindet sich (frei drehbar) das Primärritzel. Auf die Aussenverzahnung der Hülse wird die Sliding Cam gesteckt, die auf der Verzahnung verschiebbar ist. Die Nocken der Sliding Cam greifen in die entsprechenden Ausparungen des Primärritzels ein. Wenn sich jetzt die Kurbelwelle dreht, wird die Sliding Cam durch die Nocken nach Aussen gedrückt, bis sie anschlägt. Erst dann wird sich das Primärritzel mitdrehen.

Versionen des Ruckdämpfers und ihre Probleme

Es gibt verschiedene Versionen des Ruckdämpfers, die im Laufe der Jahre entwickelt wurden:

  • Erste Version: Diese Version war in die 06er Dynas eingebaut und nicht stabil genug konstruiert. Die Verbindungsschrauben zwischen Alternator und dem Kompensatorgehäuse lösten sich oder rissen einfach ab, was zur Zerstörung der Lichtmaschine führen konnte.
  • Verbesserte Version: Mit der Einführung der 6-Gang-Getriebe wurde gleichzeitig ein verbesserter Kompensator eingeführt, der sich jetzt hinter dem Primärritzel befindet. Die Federpakete liegen aus Platzgründen jetzt in einer angeflanschten "Dose" am Alternator. Diese Kompensatoren waren jedoch etwas zu schwach, was beim Anfahren oft zu einem metallischen "Klunck"-Geräusch führte.
  • Screaming Eagle Kompensator: Ab 08 gab es einen verstärkten Kompensator von Screaming Eagle, der etwa die 7-fache Energie aushalten kann. Dieser wurde in die CVO Bikes verbaut. Ab BJ 11 bei Touring und ab Bj 12 bei Dyna und Softail ist dieser verbesserte Screaming Eagle Kompensator serienmässig eingebaut.

Ein häufiges Problem ist das sogenannte "Lugging", also das untertourige Fahren, bei dem die einzelnen Schläge des Motors deutlich spürbar sind. Dies kann den Motor und das Getriebe schädigen.

Mögliche Lösungen und Verbesserungen

Um die Probleme mit dem Ruckdämpfer zu beheben oder zu minimieren, gibt es verschiedene Ansätze:

  • Nachrüstung des Screaming Eagle Kompensators: Der neuere SE Kompensator (#40274-08A) kann bei Dynas ab 06 und Touring und Softail ab 07 nachgerüstet werden.
  • Abdrehen des 07er Ruckdämpfers: Wer eine Drehbank hat, kann den 07 Ruckdämpfer am inneren Bund um 2/10mm abdrehen. Dann liegt die Nocke ständig fest und ohne Spiel in der Ausparung des Kettenrades und das "Klonck" verschwindet.
  • Verwendung eines manuellen Kettenspanners: Einige Stimmen sagen, dass der automatische Kettenspanner die Kette immer zu stramm hält, während andere sagen, dass er deutliche Vorteile gegenüber einem manuellen hätte.
  • Fette Abstimmung: Eine ordentlich fette Abstimmung kann das Erfolgsgeheimnis für runden Motorlauf sein.
  • IDS (Isolated Drive System): Dieses System, das bei den Touring Modellen seit BJ 08 verbaut wurde, funktioniert ausgesprochen gut und verhindert den BMW Effekt (klapperiger Lauf bei niedrigen Drehzahlen).

Es ist wichtig, bei der Reparatur und Wartung des Ruckdämpfers das Werkstatthandbuch zu beachten und gegebenenfalls einen Fachmann zu konsultieren.

Zusätzliche Anmerkungen

  • Das Geklapper ist eine "Krankheit" der Ruckdämpferkonstruktion des TC96 ab 2007. Der TC88 kannte das nicht.
  • Beim Wechseln des Kompensators ist es wichtig, mit dem richtigen Sperreisen, Torxbit und Drehmomentschlüssel ausgestattet zu sein.
  • Zum Lösen der mit Loctite rot verklebten Zentralschraube ist ein pneumatischer Schlagschrauber mit > 1000Nm ideal.
  • Die Tellerfedern bzw. deren Gehäuse sind Teil des Lima-Rotors. Die "Dose", in der die Federn sitzen, muss auf Verschleiß geprüft werden.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0