Sägezahnbildung bei Motorradreifen: Ursachen und Lösungen

Immer wieder liest man, dass Motorradfahrer Sägezahnerscheinungen am Vorderreifen feststellen. Doch wie kommt es zu diesem Phänomen, und was kann man dagegen tun? Die Sägezahnbildung ist eine spezielle Form des Reifenverschleißes, die durch ungleichmäßige Abnutzung der Profilblöcke entsteht.

Was ist Sägezahnbildung?

Die illustre Bezeichnung „Sägezahn“ ergibt sich aus dem optischen Erscheinungsbild im Profil, das letztlich an Sägezähne erinnert. Schaut man sich die Oberflächen der Reifen an, wird man feststellen, dass diese durch Längs- und Querrillen in individuelle Anordnung geprägt sind. Aufgrund dieser Beschaffenheit wird das Profil abhängig vom Bodenkontakt mit der Zeit verschlissen.

Wikipedia sagt: "Bei Motorradreifen ist Sägezahnbildung eine ganz normale Abnutzungserscheinung und stellt keinen Mangel dar. Durch die zur Seite hin abgerundeten Reifen und die dadurch unterschiedlichen Reifenumfänge - in der Mitte legt der Reifen beim Abrollen eine längere Wegstrecke zurück als mit den seitlichen Profilteilen seiner Aufstandsfläche - kommt es permanent zu Scherkräften an den Seiten, denn der Gummi in der Mitte der Aufstandsfläche ist mehr Anpressdruck ausgesetzt als an den Seiten. Dadurch schwindet am Rand der Aufstandsfläche das Profil rascher und baut sich bei entsprechendem Profil sägezahnartig ab, womit Sägezahnbildung eine kaum abwendbare Erscheinung darstellt."

Ursachen der Sägezahnbildung

Sobald man mit dem Fahrzeug unterwegs ist, kommt es zu verschiedenen Belastungen der Aufstandsfläche der Reifen. Abhängig vom Fahrstil wirken massive Kräfte auf die einzelnen Profilblöcke, die aus herstellerspezifischen Gummimischungen bestehen. Sie werden gestaucht, verbogen und wieder entlastet, was sich in Kurven verstärkt.

Mehrere Faktoren können die Entstehung von Sägezahnbildung begünstigen:

  • Fahrstil: Sportliche Fahrer, die gerne in Kurven beschleunigen oder schnell starten, verstärken den Verschleiß. Auch das Bremsen in der Kurve kann die Sägezahnbildung fördern.
  • Reifeneigenschaften: Reifen mit einer erhöhten Anzahl an Profilblöcken, die beim Abrollen quer zur Fahrtrichtung verlaufen, sind besonders betroffen. Bei Winterreifen können die speziellen Gummimischungen mit geringerer Steifigkeit ein Faktor sein.
  • Luftdruck: Ein falscher Reifendruck beeinflusst die Abnutzung der Reifen.
  • Fahrwerkseinstellung: Eine falsche Einstellung der Federdämpfung kann bewirken, dass der Reifen plötzlich zu stark entlastet oder belastet wird.
  • Motorcharakteristik: Einige Fahrer haben festgestellt, dass bestimmte Motorradtypen (z.B. solche mit Einzylinder- oder Zweizylindermotoren) eher zur Sägezahnbildung neigen als andere.

Laut ADAC sind zudem alle Reifen am Fahrzeug stärker betroffen, die einem reduzierten Verschleiß beim Bremsen und Beschleunigen ausgesetzt sind.

Symptome der Sägezahnbildung

Sie merken unter anderem an einem sich erhöhenden Abrollgeräusch, dass die Reifen an Ihrem Auto unter dem Sägezahnverschleiß leiden. Ebenso kann es passieren, dass das Lenkrad Ihres Fahrzeugs durch die Unregelmäßigkeiten am Rand der Laufflächen zu flattern beginnt. Natürlich kommen auch andere Ursachen dafür in Frage, weshalb Sie durch einen Blick prüfen sollten, ob tatsächlich eine Sägezahnbildung entstanden ist.

Weitere Anzeichen können sein:

  • Zunehmend lauteres Abrollgeräusch der Reifen oder Vibrationen.
  • Eine Sägezahnbildung kann zu ungleichmäßigem Verschleiß der Reifen führen, was das Abrollgeräusch verstärken, das Fahrverhalten verändern und die Lebensdauer der Bereifung verkürzen kann.

Was kann man gegen Sägezahnbildung tun?

Verschleiß bei Auto- und Motorradreifen ist nie gänzlich zu vermeiden.

Einige Maßnahmen können helfen, die Sägezahnbildung zu verringern:

  • Fahrweise anpassen: Vermeiden Sie starkes Bremsen und Beschleunigen in Kurven. Fahren Sie gleichmäßiger und vorausschauender.
  • Luftdruck prüfen und anpassen: Achten Sie auf den richtigen Luftdruck, um das Walken des Reifens zu reduzieren.
  • Reifen regelmäßig tauschen: Ein frühzeitiges seitengleiches Tauschen der Reifen von vorne nach hinten und umgekehrt kann helfen, den Verschleiß gleichmäßiger zu verteilen.
  • Fahrwerk überprüfen und einstellen: Eine korrekte Fahrwerkseinstellung sorgt für eine gleichmäßige Belastung der Reifen.
  • Reifenwahl: Es gibt Reifen, die weniger anfällig für Sägezahnbildung sind als andere. Lassen Sie sich von einem Fachmann beraten.

Egalisieren: Handelt es sich um noch relativ neue Autoreifen mit entsprechend vorhandenem Profil, kommt das sogenannte Egalisieren infrage, was mit Kosten verbunden ist. Den notwendigen Vorgang des Egalisierens mit einer Anpassung der Profilblockhöhe führen ausgebildete Reifenmechaniker und Vulkaniseure durch. Durch die Maßnahme wird allerdings die Reifenlaufdauer verkürzt, da sich die Profiltiefe verringert.

Luftdruckempfehlungen

Der passende Luftdruck in Bar ist entscheidend, um die Laufleistung Ihrer Reifen zu erhöhen. Hinzu kommt der eigene Fahrstil, der ebenfalls einen Einfluss auf den Reifenverschleiß inklusive Sägezahn bei Ihrem Fahrzeug hat. Dies sind Dinge, die Sie selbst beeinflussen können. Reifendruckkontrollsysteme sind hilfreich.

Wann müssen die Reifen gewechselt werden?

Das gesetzliche vorgeschriebene Mindestprofil von 1,6 mm ist erreicht. Spätestens jetzt ist die Zeit für neue Reifen gekommen. Der ADAC empfiehlt allerdings, eine Profiltiefe von 3,5 mm bei Sommerreifen. Spätestens bei einem Reifenalter von 10 Jahren sollte Schluss mit den alten Pneus sein, da die Gummimischungen unter den verschiedenen Witterungsbedingungen leiden.

Wichtig: Falls das Sägezahnprofil sehr stark ausgeprägt ist und bereits mit bloßem Auge auffällt, kann dies ein Indikator dafür sein, dass die Fahrsicherheit beeinträchtigt ist. In einem solchen Fall sollten Sie die Reifen schnellstmöglich ersetzen, um Risiken wie reduzierten Grip oder eine instabile Straßenlage zu vermeiden.

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