Wenn der Sattel nicht zum Hintern passt, kann eine Radtour schnell zur Tortur werden. Mittlerweile hat fast jeder Hersteller ergonomische Modelle im Sortiment. Sie versprechen bequemes und gesundes Fahren.
Das Problem: Sitzbeschwerden beim Radfahren
Umfragen zufolge haben 80% der Radler regelmäßig Sitzprobleme. Egal, ob in der Stadt oder auf der Tour: Wer schlecht sitzt, fährt schlecht. Erst der richtige Fahrradsattel macht das Radeln zum Genuss.
Praxistest: Wie gut sind die Sättel wirklich?
In einem Praxischeck haben wir zwei routinierte Radfahrer die Sättel auf einer Strecke von knapp zehn Kilometern Probe fahren lassen. Los ging es mit den beiden günstigen Unisex-Sätteln von Amazon und Decathlon. Nach der Probefahrt waren unsere Probanden nur mäßig begeistert. Am Amazon-Sattel fiel auf, dass der hintere Bereich relativ weich war, dafür war die Sattelnase eher zu hart. Der Decathlon-Sattel wurde insgesamt als zu hart empfunden.
Als nächstes waren zwei Unisex-Sättel vom Marktführer Selle Royal und von SQ-Lab dran. Der SQ-Lab-Sattel entlastet zwar den Dammbereich und wird vom Hersteller als Prostata schonendes Modell empfohlen. Doch störte unseren Fahrer der starke Druck auf die Sitzbeinhöcker. Zuletzt dann der Damensattel von Terry und das Herrenmodell von Ergon. Bei beiden Sätteln wurden die vorderen Bereiche, die Sattelnasen, als sehr bequem empfunden.
Im Anschluss an unseren Praxistest wurden von den sechs Sätteln in einem Fahrradladen mittels Satteldruckfolie Druckprofile erstellt. Hier zeigte sich, dass die gemessenen Druckprofile genau den Empfindungen unserer Probanden beim Praxischeck entsprachen.
Ergebnisse der Druckprofilanalyse
- Der Amazonsattel war insgesamt zu weich, so dass die Probandin seitlich stark hin- und her wackelte.
- Das Druckprofil des Decathlon zeigte erhöhten Druck im Dammbereich.
- Das Druckprofil des SQ-Lab zeigte erhöhten Druck auf die Sitzbeinhöcker des Probanden.
Die Bedeutung der richtigen Fahrradeinstellung
Grundvoraussetzung ist natürlich, dass man das richtige Fahrrad hat, in der richtigen Rahmengröße und -geometrie und den richtigen Fahrradtypus wählt. Wenn aber der Fahrradsattel auch nur um wenige Millimeter falsch eingestellt ist - in der falschen Höhe, Neigung oder Position - kann das dazu führen, dass man Knie- oder Hüftprobleme bekommt, dass die Hände oder Füße einschlafen. Mit relativ wenig Aufwand kann man ein Fahrrad rückenfreundlicher und ergonomischer ausstatten.
Schadstoffe in Fahrradsätteln
Im Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens fahndeten Chemiker nach besonders gefährlichen Stoffen. Denn zuletzt wurden in Kinderfahrradsätteln hormonaktive Weichmacher und gefährliche Flammschutzmittel nachgewiesen. "Problematisch ist, dass man beim Fahrradfahren häufig nur eine dünne Radlerhose anhat. Dann können potentielle Schadstoffe aus dem Sattel durch den Schweiß in den Körper gelangen. Das kann zu Gesundheitsschäden wie z.B. Krebs, Allergien, Organschäden führen und es kann eben auch die Fortpflanzung beeinträchtigen", erklärt Chemikerin Dr.
Während fünf Fahrradsättel hinsichtlich der untersuchten Schadstoffe aktuell nicht zu beanstanden waren, fanden sich im Material des Amazon-Sattels große Mengen des nach der EU-Chemikalienverordnung REACH verbotenen, fortpflanzungsgefährdenden Phthalats DEHP. Der Fahrradsattel hätte allein wegen des Phthalats nicht verkauft werden dürfen.
Empfehlungen für Trekking- und City-Fahrten
Wir stellen Ihnen im Fahrradsattel-Test unseres Partners F.A.Z. Kaufkompass die besten Modelle für Trekking, City-Fahrten und für Anspruchsvolle vor. Als Tipp für leidenschaftliche Trekking-Enthusiasten empfehlen wir den SQlab 602 Ergolux Active 2.0.
SQlab 602 Ergolux Active 2.0
Allen Trekking-Fans und Langstreckenradlern empfehlen wir den SQlab 602 Ergolux Active 2.0. SQlab nimmt die Sitzknochenbreite als Grundlage der Sattelbreite und war damit Pionier. Der 602 Ergolux Active 2.0 hat ein Stufenheck und eine eingekerbte Sattelmitte. Mit dem Finger kann man die Sattelpolster zwar leicht eindrücken, im Sitzen sinkt man jedoch nicht ein. Zwei „Komfort-Sticks“ dienen als Hilfe um das Polster auf das Körpergewicht einzustellen. Während der Fahrt bemerkt man das Stufenheck nicht.
Selle Royal Scientia A2
Der Scientia von Selle Royal überzeugt mit starker Preis-Leistung. Er kostet weniger als der Testsieger und ist genauso gut für Touren geeignet. Dazu ist er bequem und kommt ebenfalls mit leicht erhöhtem Heck. Darin polstert Gel den Allerwertesten. Er eignet sich bestens für längere Touren in sportlicher Haltung um die 45 Grad. Er ist günstiger als der Testsieger und bietet vergleichbaren Komfort. Das macht ihn zu unserem Preistipp. Die 3D-Skingel-Technik von Selle Royal verhindert, dass die Sitzknochen zu tief einsinken, der Entlastungskanal tut sein Übriges.
Terry Anatomica Flex Gel
Der Terry Anatomica ist zwar härter als die meisten City-Sattel, aber dennoch überaus bequem. Auf Citybikes sitzt man aufrecht, bekanntestes Beispiel ist das Hollandrad. Der beste Sattel dafür ist der Terry Anatomica Flex Gel. Eine Ausführung für Männer ist ebenfalls erhältlich. Schaum, Komfortgel und eine breite Sitzfläche sorgen für ein angenehmes Fahrgefühl auf mittleren Strecken. Im Vergleich zu anderen City-Sitzen ist er etwas hart, unangenehm wird es jedoch nie. In der Mitte des Sattels sorgt eine Aussparung für gute Durchblutung im Dammbereich.
Brooks Flyer S Classic
Ledersättel haben Stil. Und wenn sie erstmal eingefahren sind, sind sie auch recht bequem. Dafür muss man dann auch mal 100 Kilometer auf hartem Sitz fahren. Wer einen guten Sattel möchte, kommt am britischen Traditionshersteller Brooks nicht vorbei. Seit 1866 werden die Sättel per Hand gefertigt. Brooks baut die Bentleys unter den Sätteln: teuer, handgemacht und stilvoll. Zwar müssen alle Sättel eingefahren werden, Ledersättel aber ganz besonders. Dafür passt die Tierhaut sich individuell an die Poform an. Das braucht aber Zeit.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Generell gilt: Der Sattel sollte zu ihrer Beckenform und Körperhaltung passen. Auf dem E-Bike in der Stadt brauchen Sie also einen anderen Sattel als für die Radtour mit dem Trekkingbike.
Die richtige Sattelform
Schmal sollte sie sein, sodass sie ganz unter dem Po verschwindet. Hinten sollte der Sattel freilich breiter werden - aber nicht zu früh. Eine T-Form trumpft das Dreieck. Denn beim Strampeln muss genug Platz für die Oberschenkel bleiben. Auch die Sattelnase sollte schlank bleiben. So drückt nicht zu viel Gewicht auf Gewebe und Muskulatur.
Sitzknochenabstand messen
Mittlerweile bieten mehrere Hersteller in Deutschland Sättel an, die auf Grundlage von Sitzknochenvermessung gefertigt sind. Als Kunde kann man das direkt beim Fachhändler erledigen lassen. Es geht aber auch zu Hause. Dafür brauchen Sie eine Wellpappe, eine ebene Sitzfläche, ein Lineal und einen Stift. Legen Sie die Wellpappe auf die Sitzfläche (etwa eine Bank). Setzen Sie sich aufrecht auf die Pappe und stellen Sie ihre Zehenspitzen auf, sodass die Sitzknochen in die Pappe drücken. Mit dem Stift kennzeichnen Sie nun den tiefsten Punkt des Abdrucks und umranden ihn anschließend. Der Abstand zwischen den Punkten entspricht Ihrem Sitzknochenabstand.
Tabelle: Durchschnittlicher Sitzknochenabstand
| Geschlecht | Sitzknochenabstand |
|---|---|
| Frauen | 9 - 17 cm |
| Männer | 6 - 16 cm |
Weitere Aspekte
Sattelhersteller haben verschiedene Lösungen gegen Taubheit und Kribbeln gefunden. Aussparungen etwa verringern die Belastung auf den Damm und das Schambein. Gelkissen verringern den Druck im Schritt und verteilen die Belastung. Auch ein erhöhtes Heck, das höher als die Sattelspitze liegt, verhindert eine Überbelastung.
Umgang mit Beschwerden
Der falsche Sattel kann eine Reihe unterschiedlicher Beschwerden hervorrufen. Das kann sowohl am Sattel selbst als auch einer falschen Einstellung der Sitzhöhe liegen. Erstens kann es zu Durchblutungsstörungen im Genitalbereich kommen. Zweitens können die Sitzknochen schmerzen. Das kann daran liegen, dass der Sattel noch neu ist. Drittens: Schmerzen im Steißbein. Das bedeutet, der Sattel ist zu weich.
Oft lassen sich diese Probleme jedoch schnell beheben. Probieren Sie zunächst verschiedene Einstellungen des Sattels aus: etwas steiler oder doch waagrecht? Ändern Sie die Sitzhöhe. Indem Sie den Abstand zwischen Sattel und Lenker verkürzen, ändert sich auch ihre Körperhaltung.
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